Sonntag, 7. Oktober 2018

Endlich: weibliche Astrologie!

aus Süddeutsche.de,




von Sebastian Herrmann

Die zerstörende Kraft des Männlichen offenbart sich selbst in Grünanlagen. Parks seien nichts anders als "Petrischalen einer hündischen Rape Culture", schreibt die promovierte Feministin Helen Wilson in Gender, Place & Culture, einer führenden Fachpublikation der Disziplin der feministischen Geografie. Der Begriff "hündisch" ist wörtlich zu verstehen: Die Arbeit beschreibt Rüden als chronische Vergewaltiger, Hündinnen als unterdrückte Opfer und männliche Hundehalter als Komplizen und Anstifter der vierbeinig-maskulinen Gewalttäter. Wilson zieht diesen Schluss aus Beobachtungen in Parks in Portland, Oregon, und überlegt, ob Männer künftig vielleicht wie Hunde zu dressieren seien. Der Aufsatz sollte zum 25-jährigen Bestehen des Fachjournals als eine der herausragenden Arbeiten gewürdigt werden. 

Astronomie? Eine sexistische Disziplin! Die Lösung? Feministische Astrologie

Doch da gibt es ein Problem: Der Aufsatz ist ein Fake, hinter der Autorin Wilson stecken Helen Pluckrose, James Lindsay und Peter Boghossian. Die drei Akademiker haben 20 erfundene Beiträge in angesehenen Fachjournalen aus den Bereichen der Gendertheorie, Kritischen Theorie und anderer Geisteswissenschaften eingereicht, die das Trio als "Klage-studien" bezeichnet.

Die Beiträge vertreten gewagte Thesen, die aber nicht so überzogen sind, dass sie in den entsprechenden Disziplinen als wahnwitzig auffallen: Heterosexuelle Männer sollten sich selbst anal penetrieren, um ihre Homo- und Transphobie abzubauen; Astronomie sei eine intrinsisch sexistische Disziplin und sollte um eine feministisch-queere Astrologie erweitert werden; männliche weiße Studenten sollten in Seminaren künftig angekettet auf dem Boden sitzen, um wenigstens symbolisch für historische Verbrechen zu büßen. Sieben der Aufsätze wurden von den Publikationen angenommen. Die meisten anderen befanden sich noch im Begutachtungsprozess, als das Trio sein Manöver öffentlich machte.

Die Aktion - darum geht es den Urhebern - stellt die Frage in den Raum: Was machen diese Disziplinen da eigentlich? Wie arbeiten sie? Die fabrizierten Studien unterscheiden sich nicht wesentlich von zahlreichen Arbeiten, die in ernsthafter Absicht in entsprechenden Journalen veröffentlich werden. Meist postulieren die Autoren eine Ungerechtigkeit und betrachten dann jede erdenkliche Situation als Beleg. Oft ist das keine Wissenschaft, sondern Aktivismus, der ein festgefahrenes Weltbild propagiert. Wer es aber wagt, fragwürdige Aspekte dieser Disziplinen zu kritisieren, gilt als Gegner der Gleichberechtigung, wird als Sexist, Rassist, Frauenhasser, Schwulenfeind, Transphobiker und Rechtsextremist beschimpft. Das würgt jede Debatte ab. Dabei wäre dringend darüber zu sprechen, wie diese Disziplinen arbeiten und welchen Wert wir ihren Inhalten beimessen.


Nota. - Man mag sogar fragen, ob die Berufung von Kavanaugh nicht auch was Gutes hat. Zu lange hat sich der liberale amerikanische Mainstream als amtlich beglaubigte Korrektheit aufgespielt und  aufs Krakeelen beschränkt. Doch das kann die andere Seite genauso gut. Sie sollten sich stattdessen darum kümmern, was sachlich richtig ist. Und Richtungen, die das ausdrücklich ablehnen, sollten als unkorrekt gebrandmarkt werden.

Richtig schlecht wäre gewesen, wenn er lediglich wegen einer nicht hinreichend bewiesenen Anschuldigung zu Fall gekommen wäre. Das hat schon zu lange gedauert, dass man sich in jedem erdenklichen gesellschaftlichen Bereich einen unerwünschten Mann aus dem Feld schießen kann, indem man ihn öffentlich verdächtigt. Dass das oberste Gericht in Amerika künftig etwas konservativer ist als bisher, werden sie doch hoffentlich verkraften können.
JE

Mittwoch, 3. Oktober 2018

Erst die dritte Frau...

 
...die einen Nobelpreis für Physik bekommt!

Und was ist mit den Gehbehinderten? Die haben noch gar keinen.


Ach, das finden Sie diskriminierend, dass ich Frauen mit Gehbehinderten vergleiche! 

Haben Sie was gegen Gehbehinderte?




Dienstag, 2. Oktober 2018

Physik ist politisch nicht korrekt.

Fabiola Gianotti, Alessndro Strumia
aus welt.de, 2. 10. 2018

Die renommierte Europäische Organisation für Kernforschung (Cern) bei Genf hat einen Gastforscher aus Italien nach einem Vortrag über die angebliche Untauglichkeit von Frauen in der Physik vorerst ausgeschlossen.

Alessandro Strumia von der Universität Pisa hatte bereits am vergangenen Freitag unter anderem gesagt, die Physik sei „von Männern erfunden und aufgebaut“ worden. Unqualifizierte Frauen würden heute aus politischen Gründen Posten in den Naturwissenschaften einfordern.

Strumia löste mit seinen Äußerungen Empörung aus. Das Cern beendete nun vorerst jegliche Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftler, wie das Institut in einer Erklärung mitteilte. Zuvor hatte das Cern bereits entschieden, Strumias Vortragsmaterial von der Website des Instituts zu entfernen.

Nicht Frauen, Männer würden diskriminiert

Strumia hatte bei einer Konferenz zur Rolle von Frauen in der Physik argumentiert, die Physik sei „nicht sexistisch gegenüber Frauen“. Allerdings belegten Frauen vor allem Fächer im Bereich Gender Studies – und klagten dann über einen niedrigen Frauenanteil in den Naturwissenschaften. Doch man werde nicht „durch eine Einladung“ zum Physiker, sagte Strumia.

Nach seiner Ansicht leiden vielmehr Männer unter „Diskriminierung“ in der Physik. Strumia prangerte eine „politische Schlacht“ an, deren Ausgang offen sei. Zur Untermauerung seiner Thesen zeigte er zahlreiche Diagramme, Tabellen und Grafiken. Die Präsentation war im Anschluss an den Vortrag auch online verfügbar.

Der Vortrag verärgerte insbesondere die Frauen, die persönlich an der Konferenz teilnahmen. Sie warfen Strumia in sozialen Online-Netzwerken Sexismus vor.

Das Cern reagierte am Montag und setzte die Arbeit des Gastwissenschaftlers für die Dauer einer Untersuchung der Vorwürfe „mit sofortiger Wirkung“ aus. Kurz zuvor hatte die Forschungseinrichtung die Aussagen Strumias als „äußert beleidigend“ gegenüber Frauen verurteilt.

Der Frauenanteil unter den Cern-Mitarbeitern liegt nach Angaben der Institution bei weniger als 20 Prozent. Allerdings wird die Einrichtung seit 2016 von einer Frau, der Italienerin Fabiola Gianotti, geleitet.

Am Dienstag werden wieder einer oder mehrere herausragende Physiker geehrt: Dann wird der Nobelpreis für Physik in Stockholm vergeben. Bislang erhielten erst zwei Frauen den Physik-Nobelpreis: Marie Curie im Jahr 1903 und Maria Goeppert-Mayer 1963.


Nota. -  Da fällt mir eben eine physikalische Grunderkenntnis ein: Und sie bewegt sich doch, da hilft kein Verbot.

JE



Sonntag, 16. September 2018

Der Ursprung der europäischen Kleinfamilie.

Chlodwigs Taufe
 aus welt.de, 13.09.2018
 
Was Sie über die Kleinfamilie wissen müssen
Warum denken wir beim Wort Großfamilien häufig an Clans? Das liegt daran, dass im alten Frankenreich unsere Gesellschaft für immer verändert wurde: Durch das fränkische Familienmodell. 

 

Chlodwig I. hat uns das alles eingebrockt. Der Sohn Childerichs gilt als Begründer des Frankenreichs, das im Wesentlichen das ehemalige römische Gallien und etliche rechtsrheinische germanische Gebiete umfasste. Deutschland und Frankreich sind daraus hervorgegangen. 

Abschied vom Clan

Noch folgenreicher war aber, dass im Frankenreich die Kleinfamilie erfunden wurde. Chlodwig ließ sich irgendwann katholisch taufen. Von da an war Gott in Frankreich. Und mit der Großfamilie, also einem Sippenverband, der deutlich weitere Verwandtschaftsverhältnisse umspannte als nur Vater, Mutter, Kinder, ging es in Zentraleuropa bergab. Noch im Römischen Reich war das Familienleben auf den Pater Familias zugeschnitten, der Herr über Leben und Tod der Hausgemeinschaft war. Verwandtschaftsgruppen wurden über männliche Abstammungslinien konstruiert. So ist es in allen Gesellschaften, die auf Clanstrukturen beruhen.

Der Historiker Bernhard Jussen, Autor einer Geschichte der Franken, begründet den fundamentalen und lang nachwirkenden Wandel in der Ehe- und Gesellschaftsordnung: Hier wichen innerhalb weniger Generationen patriarchalische Verwandtschaftsstrukturen „einem bilateralen Verwandtschaftssystem, das gleichermaßen mütterliche wie väterliche Verwandte berücksichtigte“. 

Innerhalb dieses Systems wurden durch die Kirche Verwandtenheiraten verboten, wie sie in Clans zur Stabilisierung üblich sind. Der Verwandtschaftsbegriff wurde dabei sehr eng definiert. Das führte zu einer Konzentration auf die Kleinfamilie aus Vater, Mutter, Kindern. Es entstand die gattenzentrierte Familie; die Pflichten gegenüber Schwestern, Brüdern, Vettern, Kusinen und noch weitläufigeren Verwandten schwächten sich. 

„Sie gefällt dir also, meine Schwester?“

Der andere Grund für das Verschwinden der Clans im Frankenreich liegt für Jussen in der fränkischen Grundherrschaft. Bei den Franken bewirtschaftete den einen Teil des Landes der Grundherr. Der andere wurde unter Bauernfamilien aufgeteilt, die dafür Abgaben oder Dienste auf dem Hof des Grundherrn leisteten. Das aber bedeutete, dass die einzelnen Parzellen oder Hufen von Mann und Frau und ihren Kindern und gegebenenfalls wenigen Mägden und Knechten bewirtschaftet wurden und nicht von Clans oder Großfamilien. Diese hatten ihren ökonomischen Sinn verloren.

Das fränkische Familienmodell hat sich dann auch in Ländern des Abendlandes durchgesetzt. Nur an den Rändern des lateinischen Europas blieben Clanstrukturen bestimmend: Sizilien, Schottland, Korsika. Der Satz: „Sie gefällt dir also, meine Schwester?“, der in „Asterix auf Korsika“ als verkappte Morddrohung ausgesprochen wird, ist Ausdruck eines typisch großfamiliären Ehrenkodexes.


Nota. - Im Römischen Reich war die Kirche dem Staat untergeordnet und hat nie nach mehr gestrebt. Die Völkerwande- rung überstand sie als alleinige Erbin der antiken Zivilisation; und nicht nur als Bildungsmacht: Das Netz der Bischofs- sitze war die einzige politische Infrastruktur, die überlebte. Für Chlodwigs Reich war sie nicht allein eine einflussreiche Verbündete, sondern eine Patin und Protektorin. Indem sie im Herrschaftsbereich der Franken und den germanischen Stämmen den Glauben verbreitete, festigte sie die moralische Autorität des Königs - und sanktionierte die neu entste- hende Feudalordnung.
JE

Donnerstag, 6. September 2018

Männliche Arroganz.

 
337. Arrogant ist, wer Sinn und Karakter zugleich hat, und sich dann und wann merken läßt, daß diese Verbindung gut und nützlich sey. Wer beydes auch von den Weibern fodert, ist ein Weiberfeind.
_______________________________________________________________________

(Friedrich Daniel Schleiermacher) Athenäum, Ersten Bandes Zweytes Stück. Berlin 1798, S. 99




Mittwoch, 5. September 2018

Großer Geschlechtsunterschied im Gehirn entdeckt.

Die Mikroglia (pink) dient dem Gehirn unter anderem als eine Art Müllabfuhr.
aus scinexx                                                                Die Mikroglia (pink) dient dem Gehirn unter anderem als eine Art Müllabfuhr.

Überraschender Geschlechtsunterschied im Gehirn
Mikroglia-Zellen verhalten sich bei Männern womöglich anders als bei Frauen

Das Geschlecht macht den Unterschied: Die Immunzellen des Nervensystems agieren bei Männern anders als bei Frauen. Darauf deutet nun zumindest eine Studie mit Mäusen hin. Demnach verfügten männliche Tiere nicht nur über mehr und größere dieser sogenannten Mikroglia-Zellen. Auch die Aktivität und die Anfälligkeit der Zellen unterschied sich abhängig vom Geschlecht. Bestätigen sich die Ergebnisse beim Menschen, könnte dies Auswirkungen auf die Erforschung und Behandlung zahlreicher neurologischer Erkrankungen haben.

Die sogenannten Mikroglia-Zellen sind die Immunzellen unseres Nervensystems. Wie eine winzige Armee überwachen sie kontinuierlich den Gesundheitszustand des Gehirns. Bemerken sie ein Problem, begeben sie sich umgehend zum Katastrophenherd um dort beispielsweise Zelltrümmer aufzuräumen oder Krankheitserreger zu beseitigen.


Mehr und größere Zellen 

Wie sich nun zeigt, gehen sie dabei jedoch nicht immer gleich vor: Das Verhalten der Mikroglia unterscheidet sich offenbar abhängig vom Geschlecht. Zu dieser überraschenden Erkenntnis sind Wissenschaftler um Dilansu Guneykaya von der Berliner Charité bei der Untersuchung von Mäusegehirnen gelangt. Für ihre Studie analysierten sie Hirnschnitte und isolierte Zellen der Nager, um mehr über die Struktur und Funktion der Mikroglia herauszufinden. "Dabei stellte sich heraus, dass es in den Gehirnen männlicher Mäuse mehr Mikroglia gibt", berichtet Mitautorin Susanne Wolf vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin. Zudem seien die Zellkörper der männlichen Immunzellen deutlich größer gewesen. Diese Auffälligkeiten brachten die Forscher auf die Idee, nach weiteren Unterschieden zwischen männlichen und weiblichen Zellen zu suchen. 

Anderes Verhalten

Unter anderem ermittelten sie, welche Gene in den Mikroglia jeweils aktiv sind und welche Proteine aus ihnen gebildet werden. "Wir sind dabei auf mehr als 1.000 Gene und 300 bis 400 Proteine gestoßen, die bei den Geschlechtern unterschiedlich reguliert sind", sagt Wolf. Viele von ihnen seien in den männlichen Mikroglia-Zellen aktiver - zum Beispiel solche, die an der Herstellung von Abwehrmolekülen beteiligt sind.

Dem Forscherteam zufolge zeichnete sich ab, dass die männlichen Zellen aufgrund dieser Unterschiede anders agieren als die weiblichen. Demnach ist die Mikroglia männlicher Tiere immer in Hab-Acht-Stellung und reagiert im Ernstfall entschiedener. Schon im Ruhezustand lässt sich beispielsweise an den Membranen der männlichen Zellen eine höhere Spannung nachweisen. Außerdem produzieren sie als Reaktion auf bestimmte Botenstoffe mehr Proteine.

Draufgängertum als Nachteil

Der Nachteil dieser ständigen Alarmbereitschaft: Die männlichen Mikroglia-Zellen sind schneller erschöpft und auch anfälliger als die weiblichen. "In den weiblichen Zellen sind Proteine und Gene, die für den Schutz der Zellen zuständig sind, aktiver", erläutert Wolf. "In den männlichen Zellen hingegen sehen wir eine erhöhte Aktivität bei Genen, die den programmierten Zelltod einleiten." Das bedeute, dass männliche Mikroglia schlechter vor Umwelteinflüssen geschützt seien und schneller bereit dazu, das zelluläre Suizidprogramm zu starten.
 


Welche Folgen aber hat das? "Italienische Forscher konnten vor kurzem bereits nachweisen, dass die Zellen männlicher Mäuse mit einem künstlich ausgelösten Schlaganfall schlechter zurechtkommen als die Mikroglia weiblicher Tiere", sagt Wolf. Demnach scheint sich das draufgängerische Wesen der männlichen Zellen nicht in jedem Fall bezahlt zu machen.

"Nicht ausreichend berücksichtigt"

Diese Unterschiede und die damit verbundenen Konsequenzen müssten in der Forschung viel stärker berücksichtigt werden, fordert das Team. "Schon im Jahr 2010 haben Wissenschaftler kritisiert, dass in neurowissenschaftlichen Studien viel mehr männliche als weibliche Tiere verwendet werden - und dass dies zu verzerrten Ergebnissen führen kann", konstatiert Guneykaya. "Unsere Studie bestätigt diese Vermutung nun ganz klar: Die Gehirne beider Geschlechter agieren sehr unterschiedlich."

Aktuell sind die Forscher dabei, ihre Experimente mit menschlichem Gehirnmaterial zu wiederholen. Erst dann wird sich zeigen, ob die nun beobachteten Unterschiede auch beim Menschen zu finden sind - und was das konkret bedeutet. Grundsätzlich ist aber schon jetzt klar, dass die Gehirne von Männern und Frauen mitunter anders reagieren, wie Wolf betont.
 

Dies zeige auch die Tatsache, dass neurologische Leiden abhängig vom Geschlecht unterschiedlich häufig sind. "Die Unterschiede sind da, werden aber bei der Behandlung noch nicht ausreichend berücksichtigt", schließt die Forscherin. (Cell Reports, 2018; doi: 10.1016/j.celrep.2018.08.001)

(Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft, 05.09.2018 - DAL)


Nota. - Dass Männer in ständiger Alarmbereitschaft stehen, während Frauen den Ruhezustand bevorzugen, ist ein uraltes Klischee."Im Jahrtausende alten Patriarchat eingeübt", sage Feministen und Genderologen gleicher- maßen. Uralte Lebenserfahrung des Menschen, entgegnet die Wissenschaft.


Beachte: Es handelt sich nicht um einen Unterschied bei der einen oder andern Funktion des Gehirns, sondern um einen Unterschied des Funktionierens überhaupt.
JE

Mittwoch, 29. August 2018

Die ewige Unreife des Mannes.



274. Das Weib erfüllt, der Mann verheisst.

Durch das Weib zeigt die Natur, womit sie bis jetzt bei ihrer Arbeit am Menschenbilde fertig wurde; durch den Mann zeigt sie, was sie dabei zu überwinden hatte, aber auch, was sie noch Alles mit dem Menschen vorhat. — Das vollkommene Weib jeder Zeit ist der Müssiggang des Schöpfers an jedem siebenten Tage der Cultur, das Ausruhen des Künstlers in seinem Werke.

_____________________________________________
 Nietzsche, Menschliches Allzumenschliches Bd II, N° 274


Montag, 20. August 2018

SheToo?


Was immer da gewesen ist - für das, was ihr jetzt passiert, hat sie selbst die #Tore geöffnet.





Freitag, 17. August 2018

Männer sehen schneller als Frauen.

Männer erfassen Bewegung schneller als Frauen.
aus DiePresse.com,

Warum nur sehen Männer schneller?
Autismusforscher stießen durch Zufall auf eine Geschlechterdifferenz in der Wahrnehmung der Umwelt



Männer und Frauen unterscheiden sich nicht nur äußerlich, die Differenzen reichen tief ins Gehirn, etwa bei der Orientierung im Raum, da tun Männer sich leichter. Mit einer Ausnahme: Auf Märkten steuern Frauen blind die Stände an, an denen sie früher gut bedient worden sind. In dieser Spezifität der Geschlechter schlägt das Erbe der Jäger und Sammler durch: Männer mussten den Weg zur Beute finden und den wieder zurück. Ihn traten sie oft mit leeren Händen an, den Grundbedarf sicherten Frauen mit Früchten und Wurzeln, sie mussten sich erinnern, wann und wo diese reif waren.

Diese Geschlechterdifferenz ist also der Kultur geschuldet, bei vielen anderen Unterschieden hat die Natur das Sagen: Frauen werden fünf Mal so häufig von Depressionen getroffen, unter Autismus hingegen leiden zehn Mal so viele Männer. Simon Baron-Cohen (Cambridge) vermutet, es läge an den hohen Dosen des Sexualhormons Testosteron, mit denen männliche Embryos im Uterus ausgestattet werden, das bringe ein „extrem männliches Gehirn“, das alles in der Welt systematisieren wolle.

Wie auch immer, der Unterschied ist da. Autisten beiderlei Geschlechts haben hingegen gemeinsam, dass sie Bewegun- gen in der Umwelt rascher erfassen. Das zeigt sich etwa in Tests, in denen auf schwarze und weiße Streifen auf Compu- terscreens reagiert werden muss, die rasch von links nach rechts oder in die Gegenrichtung wandern. Mit diesem Test und bildgebenden Verfahren wollte Scott Murray (Seattle) erkunden, was in Gehirnen von Autisten vor sich geht. Aber im Vergleich mit Nichtautisten zeigten die bildgebenden Verfahren keine Unterschiede, man hatte sich auf gängige Hirnare- ale konzentriert, die Differenz muss anderswo hausen.

Frauen: 25 bis 75 Prozent langsamer

Stattdessen fiel Murray „völlig zufällig“ etwas anderes auf: Wegen des männerspezifischen Risikos für Autismus hatte er auf das Geschlecht der Testpersonen geachtet und dabei auch innerhalb der Nichtautisten einen Unterschied im Erfassen der Bewegung der Streifen bemerkt: Männer waren rascher, Frauen brauchten 25 bis 75 Prozent länger (Current Biology, 16. 8.).

Wie das zugeht, ist unklar, eine Folgerung hingegen liegt nahe: „Geschlechtsunterschiede können sich unerwartet zeigen“, schließt Murray, „aber sie weisen auf die Bedeutung des Geschlechts beim Design und der Analyse von Studien der Wahrnehmung und Kognition.“


aus scinexx

... Die Wissenschaftler vermuten, dass bestimmte Prozesse, die normalerweise die neuronale Aktivität herunterregulieren, bei diesen Krankheitsbildern gestört sind – und dass diese Prozesse bei Männern grundsätzlich schwächer ausgeprägt sind. Bei der Suche nach einer Erklärung für den beobachteten Wahrnehmungsunterschied wurden sie jedoch nicht fündig: "Im funktionellen MRT lassen sich die Unterschiede nicht abbilden", schreibt das Team.

Klar scheint: Die visuelle Verarbeitung unterscheidet sich zwischen den Geschlechtern. Welche Unterschiede im Gehirn dafür verantwortlich sein könnten, das müssen Murray und seine Kollegen jedoch erst noch herausfinden. Die Antwort kann dann womöglich auch eine andere Frage klären, hoffen die Forscher: Warum ist Autismus bei Männern so viel häufiger als bei Frauen? (Current Biology, 2018; doi: 10.1016/j.cub.2018.06.014)



Nota. -  Na, eine flach auf der Hand liegende Erklärung wäre ja: Die Beute der Jäger bewegt sich, und meist viel schneller als sie selbst; Wurzeln und Früchte dagegen halten still. Das wäre freilich auch der Kultur geschuldet und nicht - jedenfalls nicht unmittelbar - dem Testosteron.

Was allerdings das Testosteron mit einem vorgeblichen männlichen Hang zum Systematisieren zu tun haben soll, wüsste ich doch gern. Inwiefern das Systematisieren für Autismus kennzeichnend sein soll, verstehe ich auch nicht.
JE 
 

Freitag, 10. August 2018

Papa-Blues.

Auch Väter können nach der Geburt eines Kindes eine Depression entwickelt.
aus scinexx

Auch Männer bekommen den "Babyblues"
Väter erkranken ähnlich häufig an postnatalen Depressionen wie Mütter
 
Nicht nur ein Mütter-Ding: Auch frischgebackene Väter können eine postnatale Depression entwickeln. Entgegen der gängigen Annahme tritt diese Form der psychischen Erkrankung bei Männern tatsächlich sogar ähnlich häufig auf wie bei Frauen, wie Psychologen nun berichten. Sie fordern daher ein Umdenken - und eine bessere Betreuung junger Väter.

Wenn ein Kind auf die Welt kommt, ist die Freude erst einmal groß. Die Anstrengungen von Schwangerschaft und Geburt sind überstanden, die Familie ist glücklich. Trotzdem rutschen viele Mütter in den ersten Tagen nach der Entbindung in ein Stimmungstief ab. Sie weinen viel, sind empfindlich und verstimmt. 
 
Dieser "Babyblues" trifft fast jede zweite Frau und wird als Anpassungsreaktion auf die veränderte hormonelle Situation gesehen. Halten die Symptome aber an oder treten sie erst mehrere Wochen oder Monate nach der Geburt auf, kann das auf eine beginnende postnatale Depression hindeuten. Doch auch wenn diese Form der Depression als typische Erkrankung der Mutter gilt: Inzwischen mehren sich die Hinweise darauf, dass auch Väter davon betroffen sein können. 
 
Hormone und Schlafmangel 
 
Wie Psychologen um Dan Singley vom Center for Men's Excellence in San Diego nun auf einer Tagung der American Psychological Association berichten, erkranken Männer tatsächlich sogar ähnlich häufig daran wie ihre Partnerinnen. "Jüngste Forschungsergebnisse zeigen, dass rund zehn Prozent der frischgebackenen Väter unter postnatalen Depressionen leiden und 18 Prozent irgendeine Form von Angststörung entwickeln", sagt Singley. 
 
Erklärungen für dieses Phänomen gibt es viele. So ist mittlerweile etwa bekannt, dass sich auch im Körper von Männern einiges verändern kann, wenn sie Vater werden - zum Beispiel sinkt der Testosteronspiegel. Die Hormone seien aber nicht alles, betonen die Wissenschaftler. Demnach belegen Studien: Ein weiterer wesentlicher Faktor ist Schlafmangel. Wenn das Baby nachts schreit und die Eltern nicht zur Ruhe kommen, kann das auch psychische Folgen haben. 
 
Umdenken nötig
 
Die postnatale Depression sei keineswegs nur eine Krankheit der Frauen - in dieser Hinsicht müsse bei Medizinern und in der Öffentlichkeit endlich ein Umdenken stattfinden, fordern Singley und seine Kollegen. Ihr Rat: Werdende und frischgebackene Väter sollten regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen gehen, damit eine sich anbahnende Depression möglichst schnell erkannt werden kann. 
 
Zudem kann ihnen zufolge auch ein stabiles soziales Netzwerk dem Babyblues und einer ernsthaften psychischen Störung entgegenwirken. "Unterstützung durch Freunde und Familie wirkt wie ein Puffer, der die Belastung abfängt", schließt Singley. (American Psychological Association's, 126th Annual Convention Meeting)
 
(American Psychological Association, 10.08.2018 - DAL)

Montag, 6. August 2018

Für das generische Maskulinum.


aus Tagesspiegel.de, 6. 8. 2018

Sprache nicht misshandeln
Nichts gegen eine geschlechtergerechte Sprache, doch das generische Maskulinum darf nicht angetastet werden. Eine Streitschrift.
 
von Peter Eisenberg
Seit mehr als vierzig Jahren gibt es bei uns einen öffentlichen Diskurs über Notwendigkeit und Möglichkeit einer geschlechtergerechten Sprache, aber selten war er so intensiv wie in diesem Sommer. Und die vertretenen Positionen erweisen sich als kaum vereinbar, echte Kompromisse sind selten. Das gilt weitgehend auch für die beteiligten Sprachwissenschaftler, besonders bei der zu ihrer Domäne gehörenden Frage nach dem Verhältnis von Genus und Sexus, dem grammatischen und dem natürlichen Geschlecht.

Zugespitzt hat sich der Streit am sogenannten generischen Maskulinum, das bei Personenbezeichnungen wie Lehrer, Schlosser, Soldat, Spion in Erscheinung tritt. Dienen sie in der Grundbedeutung der Bezeichnung von Männern oder sind sie geschlechtsneutral in dem Sinn, dass sie gar keinen Bezug zum natürlichen Geschlecht haben, also weder auf männlich oder weiblich noch auf inter, trans, queer und so weiter fixierbar sind? Ist es so, dann wäre durch das generische Maskulinum auch niemand diskriminiert, gleichgültig, welche Geschlechtsidentität er persönlich hat.

Das generische Maskulinum ist in der Sprache tief verankert

Um es deutlich zu sagen: Die hier vorgelegte Verteidigung des generischen Maskulinums richtet sich nicht gegen die Verwendung des Deutschen als geschlechtergerechte Sprache, sondern gegen seine Misshandlung und Manipulierung in vermeintlich guter Absicht. Denn gerade das generische Maskulinum ist eine in der Sprache tief verankerte, elegante und leistungsstarke Möglichkeit zur Vermeidung von Diskriminierung.

Am Diskurs beteiligte Sprachwissenschaftler sind geteilter Meinung, einige haben sich in letzter Zeit vom generischen Maskulinum distanziert. So schreiben die Kolleginnen Gabriele Diewald und Anja Steinhauer in der Dudenbroschüre „Richtig Gendern“ (Berlin 2017), man solle das Maskulinum vermeiden. Es mache Frauen unsichtbar und sei nicht der Grammatik eingeschrieben, sondern lediglich eine Gebrauchsgewohnheit, die man ändern könne. Dem Leser wird geraten, einmal jemanden zu fragen: Wer ist dein Lieblingsschauspieler? Als Antwort würden ihm fast ausschließlich Männer genannt werden. Denn in unseren Köpfen seien solche Wörter fest mit „männlich“ verbunden. Man spricht hier auch von männlichen Stereotypen.

Solche Stereotypen gibt es, das ist keine Frage. Sie sind aus der Grundbedeutung von Lehrer (einer, der lehrt) oder Schauspieler (einer, der schauspielert) und so weiter abgeleitet, sie ändern aber an der Grundbedeutung nichts. Die von den Autorinnen gegebene semantische Charakterisierung des generischen Maskulinums „Frauen sind mitgemeint“ ist inkorrekt. Frauen sind gar nicht gemeint, ebenso wenig wie Männer oder Geschlechtsidentitäten jenseits der binären Norm. Darin liegt gerade das Spezifische des generischen Maskulinums. Ein Wort wie Lehrer hat genau zwei Bausteine, nämlich den Verbstamm lehr und das Substantivierungssuffix er, das zu Bezeichnungen von Personen führt, die das tun, was der Verbstamm besagt. Solche Substantive können eine ganze Reihe von daraus abgeleiteten Bedeutungen haben, die alle nichts an der Grundbedeutung ändern.

Raucher ist jemand der raucht - und das Abteil im Zug

So kann Raucher nicht nur jemanden bezeichnen, der raucht, sondern auch ein Abteil, in dem geraucht werden darf. Ein Seufzer kann auch eine Lautäußerung sein, ein Träger kann ein T-Träger, ein Gepäckträger, ein Hosenträger und vieles mehr sein. Und ist ein Gesetzgeber männlich oder auch nur belebt? Solche abgeleiteten Bedeutungen sind regelhaft und gut verstanden. Sie zeigen, dass es mit der Bindung der er-Substantive an „männlich“ nicht weit her ist. An der Grundbedeutung ändern sie nichts. Sie bleibt gültig und ist jeweils vorausgesetzt.

Schon als Kinder haben wir gern jemanden gebeten, ein Möbelstück, ein Musikinstrument und eine Farbe zu nennen. Die Antwort war mit statistisch signifikanter Häufigkeit Tisch, Geige und rot. Das sind die jeweiligen Prototypen, die wir zuerst im Kopf haben, die aber wie die Stereotype nicht das Geringste an der Bedeutung von Möbelstück und so weiter ändern. Assoziationstests sind unbrauchbar, wenn es um die Frage geht, welches die Grundbedeutung von Lehrer, Spion oder Soldat ist. Das gilt sogar dann, wenn fast alle Spione und Soldaten Männer sind. Schon ein einfacher Satz wie „Unter den Grundschullehrern gibt es zu wenig Männer“ zeigt das. Der ungerechtfertigte Kampf gegen einen produktiven Mechanismus zur Bildung von Substantiven (wie die auf er) kann nicht gewonnen werden. Er kann jedoch erheblichen Schaden anrichten. ...

Der Autor ist Professor für Deutsche Sprache der Gegenwart i. R. an der Universität Potsdam.


Nota. - Doch dass es immer noch das Maskulinum heißt statt der Maskulinus, empfindet mann schon als verletzend...
JE


 

Mittwoch, 4. Juli 2018

Das luxurierende Geschlecht.

Moulin, Objet rouvé à Pompéi
aus süddeutsche.de,

Testosteron weckt Lust auf Luxus

Von Werner Bartens

... Mit einem Kauf die soziale Stellung zu betonen, sei demnach viel wichtiger, als ein solides Produkt zu erwerben. Unter dem Einfluss des männlichen Sexualhormons Testosteron steigt bei Männern die Neigung sogar noch, sich für Statusobjekte zu entscheiden, wie Sozialwissenschaftler und Marketingfachleute im Fachmagazin Nature Communications  zeigen.

Ein internationales Forscherteam um Gideon Nave hatte 243 Männer - die meisten davon Studenten - in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Hälfte erhielt eine Testosteron-Spritze, die zu einem Hormonanstieg führte, wie er in Konkurrenzsituationen oder während der Partnersuche schon mal vorkommen kann; die andere Gruppe bekam ein Placebo. Anschließend sollten sich die Probanden für Produkte entscheiden, die zwar von ähnlicher Qualität waren, aber mit einem unterschiedlich hohen Status in Verbindung gebracht werden, etwa Bekleidung von Calvin Klein oder von Levi's. Männer unter Testosteroneinfluss votierten häufiger für Produkte, die einen höheren Status versprachen. 

In einem zweiten Versuch wurden Luxusprodukte wie Uhren, Sonnenbrillen oder Füllfederhalter mit unterschiedlichen Attributen versehen, die entweder die robuste Qualität und Lebensdauer oder den gediegenen Status betonten. Ein Luxusfüller war dann entweder ein "Instrument der Langlebigkeit, das ewig überdauert" - oder "das international anerkannte Symbol der Mächtigen".

Auch hier zeigte sich, dass Testosteron nicht die Zuneigung zu Produkten erhöhte, die gute Qualität oder Effizienz versprachen. Wurde hingegen der Status hervorgehoben, entschieden sich die Männer unter Testosteron vermehrt für diese Gegenstände. Die Wissenschaftler sehen diese Ergebnisse als Beleg dafür, dass auch das Konsumverhalten teilweise biologisch motiviert ist. "Bei Tieren kennen wir einen Zusammenhang zwischen Testosteron und Statusverhalten", sagt Hilke Plassmann von der Universität Sorbonne in Paris. Schließlich bietet ein höherer Status diverse Vorteile wie mehr Einfluss, besseren Zugang zu Ressourcen und mehr Möglichkeiten bei der Partnerwahl.

 Weil bei Männern der Testosteron-Spiegel steigt, wenn sie sich im Wettbewerb befinden oder attraktive Frauen in der Nähe sind, vermuten die Forscher, dass sie in solchen Situationen besonders empfänglich für Statussymbole und dazu passende Gespräche sind. Zwar gebe es nicht nur individuelle, sondern auch kulturelle Unterschiede, aber es sei interessant, wie sich eine Art "Luxus-Fieber" ausbreite, wenn Metropolregionen boomen oder sich Märkte rasend schnell entwickeln wie etwa in China. "Der Hang zum Luxus könnte bei manchen Männern direkt auf den Einfluss des Testosterons zurückzuführen sein", sagt Gideon Nave. "Welches Konsumverhalten überwiegt, lässt sich womöglich durch unterschiedlichen sozialen Druck, die Bevölkerungsdichte und das Angebot an potenziellen Partnern erklären."


Nota. - Rund zwei Millionen Jahre lang bestand der Beitrag der Männer zum Lebensunterhalt in der Jagd. Mann kann sie so gründlich vorbereiten, wie mann will - sie bleibt doch immer ein Glücksspiel. Erfahrung ist nötig, aber gegen den Zu- fall vermag sie nichts. Mann wird ihn rituell zu beschwören suchen, und dazu braucht mann Phantasie.

Das Sammeln im Umkreis des Lagers kann frau nicht nur, sondern muss sie systematisch treiben. Wohl lehrt die Erfah- rung, dass da, wo dieser Strauch wächst, jenes Kraut nicht gedeiht, aber dem Zufall überlassen darf frau nichts, dafür ist der Ertrag der Jagd zu ungewiss.

Das wird in der genetischen Ausstattung beider Seiten seine Spuren hinterlassen haben.

Dass die Frauen mit dem Normalen zufrieden sind und sich die Männer bei jeder sich bietenden Gelegenheit vom Außer- gewöhnlichen betören lassen, passt dazu wie die Faust aufs Auge. Reichtum ist nur das, was über das Gewöhnliche hin- ausgeht. Ohne das Anhäufen von Reichtümern keine Kultur, kein wirtschaftlicher noch sozialer Fortschritt, kurz: keine Geschichte.

Testosteron sei Dank.
JE


Gerechte Sprache

Caroline Ring hat in der Welt auch über jene Untersuchung berichtet. Den entsprechenden Artikel kündigt sie auf ihrer Homepage welt.de so an:

Was Testosteron wirklich mit Männern macht 
Viele Mythen ranken sich um das männliche Sexualhormon Testosteron. Nun schreiben Forscher: Es macht blind für Qualität und Leistung. Ein neuer Mythos? Keineswegs – es erklärt vielmehr eine Beobachtung aus dem Tierreich. Dabei geht es um Status.


Nota. - Hätte es geheißen: 'macht sie eitel und prahlerisch', dann wäre das unfreundlich formuliert, gäbe aber doch irgend- wie den Tenor der Untersuchung wieder. Dass Testosteron Männer "blind für Qualität und Leistung" macht, ist jedoch keine Überspitzung, sondern schon eine Verdrehung. Da siehste, was frau mit ein klein bissel gerechter Sprache so alles rüberbringt!
JE








Montag, 2. Juli 2018

Starke Männin.

 
Seit 13 Jahren ist sie deutscher Bundeskanzler. Sie ist die mächtigste Männin, die es je gab. 
 
Was ich an ihr am höchsten zu loben finde: Noch nie hat sie etwas getan, was eine*m Feminist*en erlaubt hätte, sich ihrer zu rühmen. 
 
Das Folgende ist eine Glosse:
 
 
 
Wie die Kanzlerin einen Mann nach dem anderen dazu bringt, sich vor den Augen der Welt selbst zu zerlegen, ist grandios. Warum ist sie nicht längst eine Ikone des neuen Feminismus?

Egal, was man [!] von Merkels Politik hält – können wir bitte mal ganz kurz innehalten und die Frau abfeiern? Eigentlich seltsam, dass unsere Bundeskanzlerin, jenseits von Mädchen, Merkelraute, Mutti und so weiter, nicht schon längst Pop ist. Es gäbe genug Anlass für junge Frauen, sich das Bild der Staatsfrau in ikonenhafter Fünffachvergrößerung übers Bett zu hängen. ...

Als amerikanische College-Studentin zu sagen, man sei von Madeleine Albright oder Hillary Clinton inspiriert, erscheint vollkommen angemessen und feministisch einwandfrei – in linksliberalen, queerfeministischen Kreisen Begeisterung für Merkel zu äußern, wäre hingegen immer noch seltsam und brächte einen sofort in den Verdacht einer insgeheim kultivierten Junge-Union-Spießigkeit.

Und da wäre natürlich Merkels tausendfach beschriebenes Deadpan-Understatement, das man leicht mit fehlendem Charisma verwechseln kann. Merkel ist eben keines von diesen wildschwein*haften Machttieren,* die sich gegenseitig in ihren Volten und Finten zu überbieten suchen. Sich in der Sache auskennend, lässt sie die Männer sich in ihr Unheil verstricken, ohne mit der Wimper zu zucken.

Sie ist niemand, der [?!] Jünger* braucht, der [!] als Projektionsfläche für Autoritätssehnsüchte herhält. Und aus diesem Grund übernehme ich jetzt einfach mal die Rolle des* kritiklosen Fans:* Danke, Angela Merkel! Es wäre wirklich traurig gewesen, wenn sie wegen Seehofer gegangen wäre. Dass sie es wieder geschafft hat, dass ihr Widersacher nicht nur an ihr scheitert, sondern sich auch noch selbst ins Aus katapultiert, dass jetzt er als der Irrational-Emotionale dasteht – das sollte alle jungen Frauen ermutigen, zu sagen: Angela Merkel ist cooler als Wonder Woman. Sie ist ein Idol.




Donnerstag, 21. Juni 2018

Das traditionelle Familienmodell macht glücklicher.

 aus welt.de, 20.06.2018

Das traditionelle Familienmodell macht glücklicher 
Nichts macht Männer so unglücklich wie Teilzeitarbeit wegen der Familie, so eine Studie der Universität Marburg. Am zufriedensten sind Väter in der Rolle des Familienernährers. Die Studie zeigt den Königsweg für glückliche Eltern.

Teilzeit, Gleitzeit, Elternzeit, Familienarbeitszeit – Modelle, mit denen Arbeitnehmer ihren Beruf an die Familie anpassen können, gibt es zuhauf. Aber machen sie berufstätige Eltern wirklich glücklicher?

Eine Studie der Universität Marburg, die der „Zeit“ vorliegt, wagt dies nun zu bezeifeln. Demnach ist besonders eine Gruppe von Vätern zufrieden – und zwar diejenigen Männer, die überdurchschnittlich (50 Stunden pro Woche) viel arbeiten und damit auch über ein klares Rollenbild verfügen.

„Die traditionelle Rolle für Männer ist die des Familienernährers und Vollzeitarbeiters. Männer scheinen sich in dieser Rolle am wohlsten zu fühlen“, so Martin Schröder, Autor der Studie, im Interview mit der Hamburger Wochenzeitung.
Das wiederum habe auch Konsequenzen für die Beziehung des Paares. „Auch bei Müttern steigt die Lebenszufriedenheit mit der Arbeitszeit des Partners“, so Schröder weiter. Erst wenn der Mann mehr als 50 Stunden aus dem Haus sei, würden Frauen mit Kindern merklich unzufriedener. Ebenfalls interessant: Auch die Arbeitszeit, die die Mütter selbst absolvieren (Teil- oder Vollzeit), hat demnach kaum einen Einfluss auf deren Wohlbefindungen.

Nur Arbeitslosigkeit ist noch schlimmer als Teilzeit

Für seine Studie nutzte der Soziologieprofessor die Daten des Sozioökonomischen Panels aus den Jahren 1984 bis 2015. Insgesamt wurden dort 57.627 Personen zwischen 18 und 65 Jahren wiederholt befragt, wie zufrieden sie auf einer Skala von null bis zehn Punkten mit ihrem Leben sind. Je höher die Punktzahl, desto zufriedener waren die Befragten.

Auch die Unzufriedenheit ließ sich so messen. „Für Väter gibt es kaum etwas, das einen so negativen Einfluss auf die Zufriedenheit hat, wie weniger zu arbeiten“, sagt Martin Schröder. So büße ein Vater, der 20 statt 50 Stunden arbeite, fast 0,4 Lebenszufriedenheitspunkte ein.

Zum Vergleich: Arbeitslosigkeit oder der Verlust des Partners kosten im Schnitt 0,9 Punkte. Seine Ergebnisse, so Schröder, seien unabhängig von sonstigen Einflussfaktoren, etwa Beruf oder Gesundheit. Als Königsweg für glückliche Eltern empfiehlt er deshalb folgendes Modell: „Statistisch gesehen sollte demnach der Vater etwa 80 Prozent der gesamten Arbeitszeit beisteuern und die Mutter ungefähr 20 Prozent“, so Schröder.

Der Mann Vollzeit als Ernährer, die Frau vor allem als Hausfrau und Mutter mit einem Hinzuverdienst – ausgerechnet dieses traditionelle, fast schon als überkommen geltende Familienmodell scheint also aus wissenschaftlicher Sicht das Glück der Familie zu mehren.

Eine Wertung will Schröder mit den Ergebnissen übrigens nicht verbunden sehen, auch wenn der „Zeit“-Reporter eine entsprechende Frage nachschiebt: „Es wirft kein gutes Licht auf deutsche Väter, wenn sie die Arbeit als beglückender empfinden als das eigene Kind?“. Schröders Antwort: „Das ist nicht schön. (...) Aber wir können uns leider keine anderen Väter herbeizaubern. Empirische Forschung zeigt uns die Welt, wie sie ist, nicht, wie wir sie gerne hätten.“

Weiter Arbeit am Rollenbild gefordert

Nach einer Erklärung für diese Ergebnisse befragt, vermutet der Soziologe, dass tradierte Rollenbilder und Klischees unser Verhalten stärker steuern, als es vielen bewusst sei. Es sei denn auch nicht die Zahl der gearbeiteten Stunden an sich, die die Väter glücklicher mache, sondern die damit verbundene, klare Rollenzuweisung. „Vielleicht ist es einfacher, so zu leben wie alle. Dann muss man sich nicht gegenüber Bekannten, Freunden, Eltern erklären. Sich gegen stereotype Rollenbilder zu stemmen kostet viele Menschen möglicherweise Lebenszufriedenheit“, so Schröder im Gespräch mit der „Zeit“.

Seine Empfehlung an die Politik lautet deshalb, weiterhin auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu setzen, wie etwa durch die Schaffung des ElterngeldPlus, das beiden Elternteilen die Berufstätigkeit in Teilzeit ermöglicht. Aufgabe sei es, „Menschen Wahlmöglichkeiten zu eröffnen, auch die Chance, länger zu Hause zu bleiben. Dann würden sich vielleicht auch die traditionellen Rollenbilder ändern – und damit das Empfinden dessen, was uns glücklich macht.“

 
Nota. - Es kommt nicht darauf an, wieviel Zeit mann mit den Kindern verbringt, sondern darauf, wie man sie verbringt. Und das hat damit zu tun, wer mann ist, und ein bisschen auch damit, wie mann sich dabei fühlt.
JE




Donnerstag, 14. Juni 2018

"Lasst die Jungs doch einfach Jungs sein."

Charlize Theron mit Sohn
aus Süddeutsche.de, 14. Juni 2018

Lasst die Jungs doch einfach Jungs sein
Männliches Verhalten wird schon im Kindergarten kriminalisiert, findet Charlotte Roche. Mädchen haben es dadurch grundsätzlich leichter. Ein Plädoyer für mehr Geschlechter-Gerechtigkeit.

von Charlottte Roche

So wie es eine Quote geben müsste für DAX-Unternehmen und ihren Frauenanteil in Führungspositionen, weil es ja anders nicht zu klappen scheint - fiftyfifty bitte - sollte es auch eine Quote geben für männliche Mitarbeiter in Kitas, Kindergärten, Grundschulen und so weiter. Etwas weniger als die Hälfte aller Kinder sind ja Jungs. Also müssten logisch gedacht auch etwas weniger als die Hälfte aller Erzieher Männer sein.

Wie sollen sich die Jungs vernünftig entwickeln, wenn sie nur von Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen erzogen oder unterrichtet werden? Ich halte das für ein riesiges Problem, wie normales Jungsverhalten kriminalisiert wird von vielen weiblichen Erzieherinnen. Sie finden Jungs oft zu laut, zu aggressiv, zu alles. Was ist, wenn man das männliche Verhalten bei den Kindern nicht so problematisiert würde? Es einfach so nehmen würde, wie es ist? Vielleicht ist es ja gar nicht die Vorstufe zu Gewalt und Vergewaltigung.

Ich finde wirklich, dass es Mädchen grundsätzlich leichter haben als Jungs. Mädchen werden unterstützt, so zu sein, wie sie wollen, wenn sie rumlaufen und sich benehmen wollen wie ein Junge, super. Aber, wehe, ein Junge will rumlaufen und sich benehmen wie ein Mädchen.

Es ist absolut respektiert, wenn ein Mädchen ein Junge sein will: Wenn jemand aus dem schwachen Geschlecht stark sein will, ist für viele verständlich, aber wenn jemand vom vermeintlich starken Geschlecht schwach sein will: peinlich! Das muss sich ändern.

Auch in der Sprache muss man da sehr aufpassen. Ich auch. Wenn jemand eine zu leichte Challenge ausdenkt in einem Spiel oder eine Sportübung einfach ist, sage ich: »Pussyübung«. Das würde ja im Umkehrschluss heißen: dass alles, was schwer und respektiert ist: eine Penisübung wäre. »Du bist eine Pussy« heißt: du bist schwach. Dann würde »du bist ein Penis« heißen: du bist stark. Sagt nur niemand. Es heißt entweder: pussy oder stark. Und das fuckt mich vielleicht ab! Ich muss da auch jetzt mal besser drauf achten, wie ich mich ausdrücke.

Hallo, an alle Sprach-Gender-Kritiker. Was ist daran so schlimm, ein bisschen seine Sprache und damit auch sein Denken zu ändern, dafür, dass andere sich nicht ausgeschlossen, verletzt oder sogar erniedrigt fühlen? Wie arrogant ist das eigent- lich, auf seine alte menschenverletzende Sprache zu bestehen, anstatt einfach einzusehen, dass man mit kleinsten Änderungen tatsächlich niemand mehr vor den Kopf stößt und tatsächlich alle abholt! Es ist wirklich sehr einfach. Da, wo ich groß geworden bin, im assigen Mönchengladbach, haben immer alle »schwul« gesagt für scheiße. Es ist wirklich nicht schwer, sich solche Sachen abzugewöhnen. Jeder, der sich weigert so etwas abzulegen, ist keinen Deut besser, als die ganz gestrigen und hinterwäldlerischen, die immer noch Neger sagen, oder die Jude als Beleidigung sagen. Es bleiben tatsächlich noch genug Worte, wenn man das alles weglässt, um sich gut ausdrücken, keine Sorge. Sprache muss nicht ausschließend sein. 

Komischerweise scheint es aber am Schwierigsten zu sein, die frauenfeindliche Sprache wegzubekommen. Scheint am ehesten salonfähig zu sein. Viele haben Mitleid mit unterdrückten Minderheiten, richtig, aber wir Frauen sind eben eine unterdrückte Mehrheit. Da ist es schwieriger für viele, den Missstand zu erkennen, und ihre Worte zu ändern.

Zurück zu meinem Lanze-Brechen für die Jungs von heute.

Auch wenn ein Kind bei einem alleinerziehenden Elternteil ist, sollte dafür gesorgt werden, dass das Kind genügend Kontakt zu Erwachsenen des anderen Geschlechts hat. Vorbild und so. Da kommt ja dann zu den ganzen Kindergarten- erzieherinnen und Grundschullehrerinnen, zuhause noch all die Stunden mit der Mutter dazu. Gar nicht gut. Im Moment ist es ja eher leider öfter so rum: Tochter oder halt Sohn bei alleinerziehender Mutter. Leider gibt es immer noch viel zu wenige alleinerziehende Väter. Was ist denn da los? Wie lange will man diese Schieflage noch hinnehmen? 

Ich habe schon bei Müttern, die einen Sohn großziehen, beobachtet, dass sie ihn auf einen Sockel heben, vielleicht auch weil der Vater fehlt; sie machen ihn zum Mann im Haus. Er darf im Bett der Mutter schlafen, bei der Wahl ihrer Partner mitreden, wird in finanzielle Überlegungen einbezogen, pflegt die Mutter, wenn sie krank ist. Die totale Überforderung für einen Sohn.

Hier ein tolles Beispiel für ein freies Leben von Jungs, die bei erwachsenen Frauen leben: Charlize Theron und ihr Adoptivsohn Jackson. (Ich weiß jetzt nicht, ob er auch als Mädchen angesprochen werden will und das Wort »Adoptiv- sohn« schon falsch war, aber ich stelle natürlich auch für ihn/sie, sobald ich erfahre, wie es richtig wäre, meine Sprache um. Check.) Die beiden rühren mich tatsächlich zu Tränen, wie sie Hand in Hand über die Straße gehen, immer von Paparazzi abgeschossen und das Kind in letzter Zeit fast nur noch - voll auf die zwölf - Mädchensachen trägt. Ballerinas, Tütü, Handtäschchen. Rosa, Lila. Gut für ihn, dass er die Freiheit bekommt! Und eine alte Löwin an seine Seite bekommen hat, die ihm den Weg freibulldozert.


Nota. - Nein, es gibt nicht zuwenig alleinerziehende Väter, sondern zu viele alleinerziehende Mütter - und schon eine einzige ist zu viel, wenn sie sich für allein erziehend hält. Und nicht "etwas weniger als die Hälfte" aller Kinder sind Jungen, sondern etwas mehr: Bei der Geburt und in der Jugend sind die männlichen Exemplare noch in der Mehrheit. Aber sie sterben früher. Darum sind Männer in der ganzen Gesellschaft "etwas weniger als die Hälfte".

Schwul war immer ein Schimpfwort und ich habe es nie beutzt, "Pussyübung" käme mir weder in den Sinn noch über die Lippen, weil es vulgär ist, und ich bin zwar ein Macho, aber vulgär bin ich nicht; ich würde etwa Fräuleinübung sagen. Dass Frauen wegen der höheren Sterblichkeit der Männer eine ganz knappe Mehrheit sind, ist ein statistischer Fakt, doch am Anfang sind sie eine Minderheit. Aber dass sie unterdrückt würden, nämlich von den Männern, ist ein Ammen-Märchen. Und wenn die Kinder von Charlize Theron wirklich selber Mädchenkleider tragen wollen, hat sie Courage, wenn sie sie lässt. Doch mit einiger Wahrschein- lichkeit wird ein Tag kommen, wo sie es leid sind. Nehmen wir mal an, dass sie sie dann lässt.
JE