Sonntag, 17. Dezember 2017

Mich auch.


Tanzender Faun

Unter der Überschrift Dein Mann, das Schwein kommentiert Pascal Bruckner heute in der Neuen Zürcher die aktuelle Kampagen MeToo.

... Trotzdem wirft dieses Erdbeben Fragen auf. Schon das Hashtag «Balance ton porc» (Verpfeif dein Schwein) ist problematisch, zumindest auf Französisch. Die Formel lädt ein, das Schweigen zu brechen – und macht zugleich alle Männer zu Schweinen. Zurzeit besteht die Gefahr, dass fast jede Anklage einer Frau gegen einen Aggressor ohne nähere Überprüfung für wahr gehalten wird. Es geht rasch, und schon zeigt man mit dem Finger auf Politiker oder andere Persönlichkeiten und liefert sie der öffentlichen Vergeltung aus, als Objekte privater Rache.

Doch die öffentliche Meinung darf nicht zum Gericht werden, das die Justiz ersetzt. Die Justiz gesteht Angeklagten Anwälte zu und bietet ihnen Gelegenheit, sich zu verteidigen. Gerade in der aufgeheizten Stimmung, die zurzeit herrscht, kann nicht dezidiert genug auf das oberste Prinzip des modernen Strafprozesses hingewiesen werden: die Unschuldsvermutung.

Besorgniserregend ist allerdings auch das Bestreben der französischen Regierung, selbst harmlose kleine Belästigungen auf der Strasse scharf zu ahnden – ein junger Mann, der einer Frau nachpfeift oder sie mit einer saloppen Bemerkung anmacht. Man kann nun einmal nicht hinter jeden Bürger einen Polizisten stellen. Der Wunsch, «sexistische Verachtung» als Straftatbestand zu definieren, ist schlicht nicht praktikabel. Und vor allem nimmt man damit in Kauf, dass sich die Dinge entwickeln wie im angelsächsischen Bereich, wo Sexualität zunehmend einer strengen Formalisierung unterworfen ist.

An verschiedenen amerikanischen Universitäten müssen sexuelle Beziehungen längst vertraglich geregelt werden, Geste für Geste. Paare, die eine Liebesbeziehung eingehen wollen, halten ihren Willen dazu auf der «Yes to Sex»-App ihres Smartphones fest. Und im Grunde muss die Zustimmung bei jedem Kontakt erneuert werden. Denn ein Ja am Montag gilt vielleicht am Mittwoch oder am Freitag nicht mehr.

Was erlaubt und was nicht erlaubt ist, wird so exakt wie möglich definiert, selbstverständlich unter Androhung von Strafen bei Zuwiderhandlung. Das bedeutet: Es gibt keinen Raum mehr für Improvisation. Das Spiel der Liebe und des erotischen Begehrens kann sich gar nicht mehr frei entfalten, wenn alles bis ins Detail festgelegt ist. Das ist als Waffe gegen sexuelle Unterdrückung gedacht. Dahinter steckt der Traum einer Gesellschaft, die sich auf der Grundlage des Rechts vollkommen neu erschafft und formt, und zwar bis ins kleinste Detail. Das Bild einer Gesellschaft, die ein für alle Mal bricht mit der Tradition und mit den Machtverhältnissen, die durch Jahrhunderte der Unterwerfung sanktioniert sind.

Nur, das Recht ist nicht überall am richtigen Ort. Und es gibt Bereiche, für die es nicht einmal wirklich zuständig ist. Es ist mehr als problematisch, wenn das Recht Bereiche regeln soll, die so flüchtig sind wie Leidenschaften und Gefühle. Liebe verlangt nun einmal nach Vertrauen, nach gegenseitigem Wohlwollen. Erst dieses schafft eine Grundlage für das, was das Verhältnis zwischen Liebenden eigentlich ausmacht: das Spiel, das gegenseitige Sich-Entdecken, Hingabe, die Erfindung von Regeln, die nur für die Liebenden gelten.

Feministinnen rufen zu Recht in Erinnerung, dass Freiwilligkeit und Einverständnis absolute Werte sind. Ein Nein ist ein Nein. Natürlich. Aber das zwängt Liebe in das strenge Korsett von Ja und Nein. Es trägt dem Zögern nicht Rechnung, dem Sowohl-als-auch. Es verkennt die Bedeutung des «Vielleicht», das verführerisch zwischen Zustimmung und Zurückweisung schwankt, es lässt ausser Acht, dass sich das Begehren über verzweigte Pfade Bahn bricht, dass die Lust das Zweideutige liebt, die Unsicherheit. Und dass man sich seiner Wünsche oft gar nicht sicher ist, bevor man sie umgesetzt hat.

Auf jemandem, den man liebt, zu bestehen, auf ihn zu warten, ihn mit zärtlicher Aufmerksamkeit zu umgarnen – das ist keine Belästigung, sondern liebende Beharrlichkeit. Zu verlangen, dass jeder im Voraus genau plant, was er tut, heisst, vom naiven Glauben beherrscht zu sein, man sei sich über sein Verlangen jederzeit im Klaren und könne es programmieren wie einen Computer. Klar, einer Umarmung muss das Einverständnis des Partners oder der Partnerin vorausgehen. Aber das selige Glück, das wir in der Sinnlichkeit erleben, liegt nicht zuletzt darin, dass wir alle Regeln vergessen dürfen, dass wir mit den Regeln spielen, dass wir sie unterwandern. Eros muss ein Kind der Phantasie bleiben, sonst verkümmert er. ...


Nota. - Da kann mann schon mächtig froh sein, dasss sich inzwischen wieder wer* traut, sowas in aller Öffentlichkeit zu schreiben. Er hielt es nicht einmal für nötig, ein weibliches Pseudonym zu wählen. Fürchtet er nicht den* Shitstorm? Ach nein, da gleicht einer dem andern, doch weil sie* längst heiser sind, klingt er schon lange nicht mehr so schrill. Tritt dem- nächst wohl wieder Normalität ein? 

Das hat seine eigene Ironie: Wir danken es den Trump&Co., die sind so dickfällig, dass alles Kreischen an ihnen abprallt. Da haben auch wir Normalmachos was von. Es hat eben alles zwei Seiten.
JE



Dienstag, 12. Dezember 2017

Es hat eben alles zwei Seiten - der Populismus auch

aus Tagesspiegel.de, 12. 12. 2017

"Köln" und die Folgen  

Toxischer Feminismus
Sexualisierte Gewalt von Migranten: Wie sich nach „Köln“ feministische Ziele mit Rassismus verbanden, analysieren die Geschlechterforscherinnen Sabine Hark und Paula Villa in einem neuen Essay.
 


„Frauen klagen an“, titelte der „Focus“ zu den Übergriffen in der Kölner Silvesternacht 2015 und fragte: „Nach den Sex-Attacken von Migranten: Sind wir noch tolerant oder schon blind?“ Das Titelbild zeigte eine nackte weiße, blonde Frau, auf ihrem Körper schwarze Handabdrücke. Ähnlich sah das Titelbild der „SZ“ aus: Eine stilisierte schwarze Hand greift zwischen zwei weiße Frauenbeine. Der Text dazu lautete: „Viele Muslime können nicht entspannt dem anderen Geschlecht begegnen. Das sind jedesmal hochsexualisierte Situationen. Auch das ist der Boden für den Exzess von Köln.“

Die Kölner Silvesternacht markierte das Ende der deutschen „Willkommenskultur“. „,Nach Köln‘ ist wie ein Eintrag in den Kalender, der die Zeit danach – und womöglich auch davor – neu rahmt“, schreiben die beiden Soziologinnen und Genderforscherinnen Sabine Hark und Paula-Irene Villa in ihrem Essay „Unterscheiden und herrschen“.

Große Gruppen von arabischen Männern nutzen eine Silvesternacht in Deutschland, um Passantinnen „anzutanzen“, zu beklauen, zu begrapschen und zu vergewaltigen: Unter diesen Umständen stellt Harks und Villas Essay auf den ersten Blick eine Zumutung dar. Denn im Mittelpunkt steht bei ihnen nicht die Kritik an den brutalen Tätern auf der Domplatte und die Suche nach ihren Motiven, die auch in die speziellen sexistischen Kulturen ihrer Heimatländer führen könnte. Vielmehr hinterfragen sie die „affektiven Reflexe“ der empörten Gesellschaft.

Kurzschlüsse in den Diskussionen über "die Muslime"

Allerdings zeigen Hark und Villa überzeugend, wie es in den Diskussionen über „die Muslime“ und „den arabischen Mann“ zu Kurzschlüssen kommt, zu Verallgemeinerungen, mittels derer Herkunft, Religion, Gewalt, Geschlecht und feministische Anliegen zu einer einfachen Erklärung verbunden werden. Eigenschaften werden zugeschrieben und totalisiert. Sie werden zu „sozialen Verdikten“. So sei „Köln“ zu einem „Knotenpunkt“ geworden, der die Bedeutung der Ereignisse fixiere, das Soziale stilllege und „unser Handeln, Meinen, Denken und Fühlen“ organisiere. Wer heute „Köln“ sagt, muss nicht mehr viel hinzufügen.

Im dabei behaupteten „Wir-sie-Gegensatz“ spielt Sexualität eine hervorgehobene Rolle, wie in Diskursen über „Rasse“ schon immer, schreiben Hark und Villa. Der „andere“ ist demnach nicht in der Lage, sein sexuelles Begehren zu zügeln. Damit bildet er den Gegenpol zum aufgeklärten und zivilisierten europäischen Subjekt. Entsprechend entwerfen die öffentlichen Diskurse über „Köln“ in Medien und sozialen Netzwerken „den gefährlichen, zu Triebkontrolle unfähigen arabischen beziehungsweise muslimischen männlichen Flüchtling“, einen wilden Barbar, der in einen „Ort der vollendeten Emanzipation“ eindringt und die zu beschützenden einheimischen weißen Frauen angreift.

Auch Alice Schwarzer tut sich mit Verallgemeinerungen hervor

Sexismus wird in diesem Narrativ nicht als gesellschaftliche Struktur gesehen, die zwar in kulturell spezifischer Weise auftritt, aber als Form „männlicher Herrschaft“ (Pierre Bourdieu) weltweit existiert, stellen Hark und Villa fest. Stattdessen wird Sexismus zu einer „vermeintlich natürlichen Eigenschaft von Muslimen beziehungsweise Arabern“ erklärt. Und berücksichtigen Journalisten kulturelle Faktoren, interpretieren sie die Ereignisse kurzerhand verallgemeinernd als Effekt „islamischer Sozialisation“ (Harald Martenstein) – obwohl dies auch ohne die jüngste Sexismusdebatte rund um den US-Filmproduzenten Harvey Weinstein sehr offenkundig unhaltbar ist. 

Das könnte niemand so gut wissen wie Alice Schwarzer. Doch auch sie tut sich nach „Köln“ immer wieder durch Verallgemeinerungen über „die Muslime“ hervor, kritisieren Hark und Villa: „Kaum ein Text, in dem sie nicht unterstellt, dass Migrant*innen erst lernen müssten, ,Demokratie und Gleichberechtigung‘ zu respektieren.“ Schwarzer pflege einen rassistischen „Femonationalismus“.

Welche Besonderheiten innerhalb des weltweiten Sexismus sexistische Praktiken in islamisch geprägten Zusammenhängen aufweisen, habe angesichts der herrschenden Stimmung kaum thematisiert werden können, ohne Gefahr zu laufen, rassistisch vereinnahmt zu werden, stellen Hark und Villa fest.

Ein Dilemma für den Feminismus

Für den Feminismus, der sexualisierte Gewalt anprangern will, „gleich wer sie verübt und wem sie widerfährt“, ist das ein Dilemma. Sie zitieren die rechtskatholische Publizistin Birgit Kelle, die schon vier Tage nach den Übergriffen in Köln hämisch fragte, wo denn der „Aufschrei“ der Feministinnen bleibe – und selbst die Antwort gab: „Der Grund ist einfach: Es waren wohl die falschen Täter“, nämlich Migranten.

Haben Feministinnen und Feministen bei „Köln“ nur die Wahl zwischen Rassismus oder Relativismus? Hark und Villa beharren auf wissenschaftlichen (und journalistischen) Tugenden. Den affektiven Reflexen sei skeptisch zu begegnen: „Im Zweifel für den Zweifel“, schreiben sie. Wenn es um Sexismus gehe, müsse genau analysiert werden, wie sich die Konstanten männlicher Herrschaft jeweils mit kulturellen, religiösen und sozialen Strukturen und Dynamiken verbinden. Es müsse möglich sein, über Besonderheiten und Zusammenhänge so zu sprechen, „dass Differenzen benannt und ernst genommen, aber nicht verabsolutiert werden“. Unterschiede dürften nicht zu Herrschaftsinstrumenten werden. Und sie zitieren Adorno, dem zufolge das „wahre Unrecht eigentlich immer genau an der Stelle sitzt, an der man sich selber blind ins Recht und das andere ins Unrecht setzt“.

Deutschland entdeckt sich als feministische Nation

Hingegen dient „Köln“ in Deutschland vielen zur Selbstaffirmation. Selbstgefällig wird es als Mutterland der Aufklärung inszeniert, deren Licht die muslimische Welt wohl nie erleuchten wird. Auch entdeckt Deutschland sich quasi über Nacht als feministische Nation. Sexualisierte Gewalt ist nun, da Migranten sie ausgeübt haben, ein Skandal, wie nicht nur die zügige Änderung des Sexualstrafrechts zeigt, die Feministinnen jahrelang vergeblich gefordert hatten. Den nach „Köln“ erblühenden Feminismus, der die sexualisierte Gewalt „auf die Seite der Fremden, der anderen, der Nicht-zu-uns-Gehörenden“ verbannt, nennen Hark und Villa einen „toxischen Feminismus“.

Die Cover der „SZ“ und des „Focus“ bringen die Stoßrichtung der öffentlichen Debatte ins Bild: Der weiße Frauenkörper soll „verkörpern“, erklären Hark und Villa: die Nation, die Natur, die Tugend, die Reinheit, die Fruchtbarkeit, die Schwäche, die Verführung. So wird er zum Symbol für das von wilden fremden Männerscharen bedrängte Europa. Dass Frauen tatsächlich nicht blond, weiß und schlank im Singular auftreten, sondern in Vielfalt, dass auf der Domplatte auch muslimische Frauen mit Migrationshintergrund Opfer geworden sein können und dass es sich bei den zugewanderten „anderen“ keineswegs nur um Männer handelt, wird unsichtbar gemacht.

Die Nacktheit der Frau auf dem „Focus“-Cover unterstreicht ihre Verletzlichkeit gegenüber den Angreifern. Nacktheit steht dabei aber auch für die Freiheit des Westens. Tatsächlich gehört das Recht, sich des eigenen Körpers zu ermächtigen, das Recht auf sexuelle Freiheit, das Recht, über die eigene Sichtbarkeit zu entscheiden, zur Moderne, schreiben Hark und Villa. Dafür hätten Emanzipationsbewegungen gestritten, nicht zuletzt der Feminismus. Doch der Zugewinn an Freiheit sei erkauft worden durch eine „mindestens problematische Sexualisierung“ von Frauen: Für Frauen gelte nun „ein moderner Sexualisierungszwang“.

Runter mit dem Burkini: Nacktheit als Pflicht

Dieser trete auf als Zwang zur sexuellen Verfügbarkeit, als Orgasmuszwang, als „Reduktion von Frauen zu Objekten der Lust von Männern, als andauernde Dethematisierung des Zusammenhangs von Macht, Sexualität und Gewalt“. Erst durch „(Hetero-)Sexualisierung“ würden weibliche Körper zu „richtigen weiblichen Körpern“, wie sich zum Beispiel unschwer an der öffentlichen Inszenierung von Leistungssportlerinnen nachvollziehen lasse. Man denkt dabei etwa an die Vorschriften des Volleyball-Weltverbands, die Frauen im Beachvolleyball bis 2012 nur knappe Bikinihosen erlaubten. „Im Namen der Freiheit. Zieh dich aus!“, lautet die Devise, wie Hark und Villa erklären.

Nacktheit am Strand kann zur weiblichen Pflicht werden – das zeigt auch das berühmte Foto vom August 2016: Offenbar zwingen französische Polizisten eine Frau, ihren Burkini abzulegen, „sich für alle hinreichend nackig zu machen“. Die Sexualisierung von Frauenkörpern im Westen durch das Gebot der Nacktheit steht die Sexualisierung von Frauenkörpern durch das Gebot der Verhüllung gegenüber, das sich in verschiedenen Kulturen und Religionen durch Bekleidungsvorschriften äußert, auch im Islam, wie Hark und Villa schreiben.

Der "SZ"-Chefredakteur entschuldigte sich

„SZ“-Chefredakteur Wolfgang Krach entschuldigte sich nach Leserprotesten für die Illustration nach der Silvesternacht: „Sie bedient stereotype Bilder vom ,schwarzen Mann‘, der einen ,weißen Frauenkörper‘ bedrängt“, schrieb er, „und kann so verstanden werden, als würden Frauen zum Körper verdinglicht und als habe sexuelle Gewalt mit Hautfarbe zu tun.“ Zum Emblem eben dafür wurde „Köln“ trotzdem.
 
Sabine Hark und Paula-Irene Villa: „Unterscheiden und herrschen. Ein Essay zu den ambivalenten Verflechtungen von Rassismus, Sexismus und Feminismus in der Gegenwart“. Transcript Verlag, 176 Seiten, 19,99 Euro. – Am morgigen Mittwoch diskutieren Paula-Irene Villa und Sabine Hark mit Maisha Auma (Humboldt-Universität) um 19 Uhr öffentlich in der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin in der Sc


Nota. - Ein Organismus, der an der einen Stelle ersteinmal mit populistischer Demagogie infiziert ist, tut sich schwer, an der andern Stelle zu sagen "Nein, hier nicht", und die erforderlichen Antikörper zu mobilisieren. "Köln", das sind 'die Muslime' - da nehmen die Genderforscher*innen Abstand von. Ob ihnen bei Harvey Weinstein der antisemitische Oberton ('ungezügelte Begierde') im Ohr geklingelt hat, oder fanden sie es klüger, ihn zu überhören? 

Ach, wo wir schonmal dabei sind: Männer sind so. 
JE


Freitag, 1. Dezember 2017

Starke Frauen - in der Jungsteinzeit.



aus Spiegel-Online,

Frauen in der Jungsteinzeit hatten im Schnitt trainiertere Oberarme als heutige, ambitionierte Ruderinnen. Das ergab eine Vergleichsstudie zwischen rund 7200 Jahre alten Knochen aus Skelettfunden und der heutigen Frauen-Rudermannschaft der Universität Cambridge.

In den ersten 5500 Jahren, nachdem die Menschen sesshaft geworden waren, arbeiteten Frauen intensiv in der Landwirtschaft und waren besonders stark, wie die Forscher um Alison Macintosh von der Universität Cambridge im Fachmagazin "Science Advances" schreiben. Auch blutige Fehden sind aus dieser Zeit bekannt, die auch vor Frauen nicht Halt machten.

Die Jungsteinzeit stellt den Übergang der Menschen zur Sesshaftigkeit dar. Die Forscher untersuchten sowohl Schienbein- als auch Oberarmknochen. Beide Knochenarten passen sich bei Belastungen an, so ändert sich zum Beispiel mit körperlicher Anstrengung die Form und Dichte der Knochen. Die Forscher verglichen die alten Knochen mit Analysen von heute lebenden britischen Frauen.

Die Oberarmknochen der Frauen aus der Jungsteinzeit waren zwischen 11 und 16 Prozent stärker als die von Ruderinnen, die seit Jahren bis zu 21 Stunden die Woche trainieren. Das Ruderteam von Cambridge tritt einmal im Jahr gegen das Team der Universität Oxford auf der Themse an. In diesem Jahr gewannen die Ruderinnen aus Cambridge und stellten einen neuen Streckenrekord auf.

Pflügen, Melken, Kornmahlen

Im Vergleich zu durchschnittlichen Studentinnen waren die Frauen der Jungsteinzeit sogar bis zu dreißig Prozent stärker. Bei den Beinknochen fanden die Forscher Hinweise darauf, dass Frauen der damaligen Zeit wahrscheinlich sehr unterschiedliche Aufgaben übernahmen. Denn einige der frühen Frauen hatten sehr starke, andere sehr schwache Beinknochen. Im Durchschnitt waren die Beine weit weniger belastet als die Arme. Heutige Fußballerinnen oder Langstreckenläuferinnen haben der Studie zufolge im Vergleich stärkere Beinknochen als frühe Frauen.

Die Forscher um Macintosh glauben, dass die damaligen Frauen mit der Sesshaftigkeit Aufgaben übernommen haben, die besonders auf die Oberarme gehen. So zum Beispiel stundenlanges Pflügen der Felder, Melken oder das Kornmahlen zwischen Steinen. "Die Ergebnisse zeigen, dass für Tausende von Jahren die harte Handarbeit der Frauen eine entscheidende Triebkraft der frühen Landwirtschaft war", so Mitautor Jay Stock.

Bisherige Untersuchungen hatten die Knochenstruktur prähistorischer Frauen nur im Vergleich mit Männern untersucht. Deren Knochen reagieren allerdings grundsätzlich stärker auf Belastungen, was den Vergleich erschwert. Bei den frühen Männern traten laut früheren Studien Knochenveränderungen insbesondere beim Übergang zu neuen Jagdtechniken auf. Etwa als die Menschen nicht mehr mit Steinen oder Speeren warfen, sondern mit Pfeil und Bogen schossen.

Auch die Auswirkungen der Sesshaftigkeit sind bei frühen Männern erforscht. So waren die Beinknochen von Männern der Jungsteinzeit vergleichbar mit denen heutiger Cross-Läufer. Mit der Ausweitung der Sesshaftigkeit glich sich die Knochenstruktur an die von heutigen Durchschnittsmännern an.
chs/dpa


Nota. - Dass Frauen kindliche morphologische Eigenschaften - fein, weich, glatt, zart - zugeschrieben werden (können), ist anscheinend ein Merkmal höherer Zivilisationen.
JE 

Donnerstag, 16. November 2017

MeToo.


American Beauty
Macht verführt den, der sie hat, dazu, sie zu missbrauchen. Das ist nicht neu.
Macht verführt die, die sie hat, dazu, sie zu missbrauchen. Das ist auch nicht neu.
Wer keine Macht hat, ist nicht verführbar: Das wäre neu.




 

Dienstag, 14. November 2017

#Aufschrei: Wie mann's macht, isses verkehrt.

Erste Hilfe 
aus Süddeutsche.de,14. November 2017, 05:54 Uhr

Frauen werden seltener wiederbelebt 
Manche Menschen scheuen offenbar selbst im Notfall die Berührung des weiblichen Körpers. Dieses Zaudern ist tödlich.
 

Von Berit Uhlmann

Frauen, die in aller Öffentlichkeit einen Kreislaufstillstand erleiden, wird besonders oft Hilfe verwehrt. Nur 39 Prozent von ihnen bekommen die potenziell lebensrettende Herzdruckmassage, ergab eine Studie, die am Wochenende auf dem Kongress der amerikanischen Herzgesellschaft vorgestellt wurde. Dagegen können Männer in der gleichen Situation in 45 Prozent aller Fälle auf die Wiederbelebung hoffen. Sie haben damit eine 23 Prozent höhere Überlebenswahrscheinlich- keit, schätzen US- Ärzte und Gesundheitswissenschaftler, die für ihre Untersuchung mehr als 19 000 Krankendaten ausgewertet haben. 

 
Dieser Geschlechterunterschied tritt nicht auf, wenn das Herz in der häuslichen Umgebung aussetzt. Es scheint also die öffentliche Situation zu sein, die Frauen zum Verhängnis wird. "Wiederbelebung heißt, auf die Brust zu drücken", sagt Studienautorin Audrey Blewer von der University of Pennsylvania in Philadelphia. Sie vermutet, dass manche Menschen unsicher sind, ob sie Frauen in der Öffentlichkeit derart berühren dürfen. ...
 
 
 



Dienstag, 7. November 2017

Mit den eignen Waffen.


Gestern habe ich Sie gefoppt: mit feministischer Waffe. Ein Lüge kommt auch zustande, indem man von der Wahrheit nur ein ganz kleines Stück weglässt - das haben sie uns ja nun gelehrt.

In diesem Falle: am 5. November ist in England bonfire-Tradition. An dem Tag hatte im Jahr 1607 Guy Fawkes versucht, das Londoner Parlament mit Pulver in die Luft zu sprengen. Seither singen die Kinder dort "Remember, remember the fifth of november, gunpowder treason and plot". Und zur Feier des Tages wird an vielen Orten eine Strohpuppe verbrannt, die Guy Fawkes darstellen soll.

Oder irgendeine im jeweiligen Jahr besonders verhasste Person - so ist dort der Brauch.

Dass Harvey Weistein öffentlich verbrannt wurde, war also halb so schlimm.

Aber an der antisemitischen Stoßrichtung ändert das nichts. Nicht nur wegen der Visage. Sondern auch mit der Anspielung auf seine grobe Beschneidepraxis bei filmischen Kunstwerken: Final cut, Der endgültige Schnitt; quer über die Lenden. Einen ersten Schnitt hatte der Judenjunge schon an seinem siebenten Tag. Diesmal wollen die Stürmer und Schwestern ganze Arbeit leisten.





Montag, 6. November 2017

Wo Bücher brennen...

...brennen bald auch Menschen: bislang ein Lieblingsspruch der politisch Korrekten.


Nun brennt Harvey Weinstein, und die politische Korrektheit ist's zufrieden.

Viel hat der Feminismus bislang nicht bewirkt, klagen die Schwester selber. Aber dies immerhin: Sinn für Maß und Proportion ist restlos aus der Öffentlichkeit vertrieben. Donald Trump hat geerntet, was da gesät wurde.

Übrigens: Kommt's Ihnen auch so vor, als hätten Sie diese Karikatur viel früher schonmal gesehen? Richtig: in Julius Streichers Stürmer.





Samstag, 4. November 2017

Gefühlte Trümmerfrauen.


aus derStandard.at, 4. November 2017

Trümmerfrauen: 
Verklärung der "Heldinnen des Wiederaufbaus" kam aus der DDR
Online zugängliches Forschungsprojekt zertrümmert österreichische Bildikone

Wien – Die "Heldinnen des Wiederaufbaus" in der Nachkriegszeit fehlen komplett in den damals veröffentlichten Pressefotos in Österreich. Das bekannte Klischee der "Trümmerfrauen" wurde vielmehr erst später in der DDR konstruiert, so Margarethe Szeless vom Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaften der Uni Wien, deren Forschungsergebnisse nun online zugänglich sind.

Obwohl ein Großteil des Schutts auf Wiener Straßen professionell von Maschinen beseitigt wurde, sei das Klischee der selbstlos und motiviert anpackenden "Trümmerfrau" ein fixer Bestandteil des Bildrepertoires der österreichischen Nachkriegszeit, sagte Szeless. Sie hätten für einen Neuanfang gestanden und identitätsstiftend gewirkt, so die Expertin, die gemeinsam mit Marion Krammer, Carmen Hartl und Fritz Hausjell in dem vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekt "War of Pictures. Press Photography in Austria 1945-1955" Organisationsformen visueller Propaganda nach 1945 untersucht und die Entstehung und Verwendung von Foto-Ikonen nachverfolgt hat.

Weibliche Arbeitsleistung war wichtig

Aufgrund der kriegsbedingten Abwesenheit der Männer seien Frauen nach dem Zweiten Weltkrieg tatsächlich gezwungen gewesen, die Anforderungen des täglichen Lebens weitgehend alleine zu bewältigen. "Die weibliche Arbeitsleistung trug entscheidend zum raschen Wiederaufbau der österreichischen Wirtschaft bei", so Hartl. 


Viele historische Darstellungen von Schutt beseitigenden Frauen haben seither die "Trümmerfrauen" als "Idealbild" der Frau in der Nachkriegszeit geprägt. In den zeitgenössischen Illustrierten war dieses Bild jedoch überhaupt nicht präsent, hat die Auswertung von rund 60.000 Pressebildern ergeben. "Es gibt kein einziges Cover einer österreichischen Illustrierten, das die sogenannten 'Trümmerfrauen' zeigt", berichtete Krammer.

Stigmatisierte Arbeit

Mitunter hänge dies damit zusammen, dass es sich bei den Aufräumarbeiten um eine höchst stigmatisierte Aufgabe gehandelt habe. "Denn die 'Trümmerfrauen' in Österreich verrichteten häufig nicht freiwillig Schwerstarbeit, sondern wurden als verurteilte ehemalige Nationalsozialistinnen zu Strafarbeit gezwungen", so Szeless. Deshalb sei dieses Thema wohl auch aus der illustrierten Presse der unmittelbaren Nachkriegszeit ausgeblendet geblieben.

Paradoxerweise habe in Österreich erst in den 1960er-Jahren die verklärende Darstellung der "Trümmerfrauen" eingesetzt. "In Berlin und der sowjetischen Besatzungszone in Deutschland wurden Frauen, die 'anpacken', in einer Medienkampagne hochstilisiert. Der verklärte Diskurs schwappte nach Österreich herüber, wo sie als identitätsstiftendes Element in den 60er- und 70er-Jahren auftauchen, zum Beispiel in Schulbüchern", erklärte die Expertin. "Solche Fälle zeigen uns, wie Bildern unhinterfragt übernommen werden – damals wie heute."

Klischees in Schulbüchern

Falsche Klischeevorstellungen werden selbst heute noch in Schulbüchern verbreitet, sagte Szeless. Ab Herbst führt das Forscherteam deshalb in Kooperation mit dem Fachdidaktikzentrum Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung konzipierte Workshops zum Thema Zeitgeschichte und Medienkompetenz an österreichischen Schulen durch.

An eine breite Öffentlichkeit richtet sich die Online-Ausstellung "War of Pictures. Bildkultur in Österreich 1945-1955", in der seit 25. Oktober die Forschungsergebnisse im Internet zur Verfügung gestellt werden. Mit der Dekonstruktion von Bildikonen wie dem "Heimkehrer", den "Halbstarken" und der "Inszenierung des Österreichischen Staatsvertrags" wolle man zur Aufklärung über die Herstellung visueller Diskurse beitragen. (APA, red,)

Link 
War of Pictures: Bildkultur in Österreich 1945‑1955 

 
Nota. - Ich zweifle nicht, dass ein scharfsichtige und dialektisch geschulte Genderforschung in der öffentlichen Mystifikation der Trümmerfrauen dieselbe durchtriebene mikroaggressive Frauenverachtung ausmachen wird wie weiland im Kult um die Muttergottes.
JE


Dienstag, 24. Oktober 2017

An alle Kavaliere alter Schule.



Machen Sie den Schwestern um Himmels Willen keine Komplimente! Die fühlen sich sexistisch übergriffen, und am näch- sten Tag geht in den sozialen Netzwerken ein Shitstorm über Sie nieder. Sagen Sie im Zweifel besser: So'ne olle Schrulle hätte ich auf Ihrem Posten nicht erwartet! Das wird sie kaum in die Öffentlichkeit tragen, und sachlich passt es viel öfter. 




Montag, 23. Oktober 2017

Die hat sich hochgeschlafen...



... sagt manch*e missgünstige*r Mitarbeiter*in über eine erfolgreichere Kollegin. Damit brüsten wird sie sich nicht, aber wenn die Meinungslage günstig und die Karriere auf guten Wegen ist, mag sie öffentlich klagen über das, was man von ihr verlangt hat; und kann sicher sein, dass sie nicht die einzige war, und Bestätigung finden.

Firmen, wo eine Frau das Alphatier ist, gibt es weniger. Aber strebsame junge Männer, die ihr Bestes geben, gibt es aller- orten. Prahlen werden sie nicht damit, und wie immer die Meinungslage ist -  öffentlich klagen werden sie schon gar nicht; höchstens sich hämisch ins... na sagen wir mal: Fäustchen lachen.

Das kann noch dauern, bis es da Gleichberechtigung gibt!








Freitag, 13. Oktober 2017

Frauen können das auch.

aus Süddeutsche.de,

Kindesmissbrauch  
"Ich habe mir gewünscht, ich wäre tot"
Pädophile müssen nicht männlich sein. Immer wieder stehen Mütter und Frauen vor Gericht, die Kinder missbraucht haben. Ihre Opfer leiden ein Leben lang.
 
Von Britta Schultejans

"Je mehr ich weinte, desto schlimmer wurde es. Wir hatten eine Rosen-Tapete und ich habe immer nur auf die Rosen gestarrt und mir gewünscht, ich wäre tot. Wie kann eine Mutter, die dich auf die Welt gebracht hat, dir nur solche Dinge antun?" - Susannah Faithfull war noch ganz klein, als ihre eigene Mutter begann, sie sexuell zu missbrauchen. Der Vater hatte die Familie gerade verlassen.

Bis sie mit 16 von Zuhause auszog, wurde sie von ihrer Mutter gezwungen, mit ihr das Schlafzimmer und das Bett zu teilen. In einem Radiointerview mit dem britischen Sender BBC erinnert sich die heute 54-Jährige an ihr unfassbares Schicksal, mit dem sie nicht allein ist. "Ich habe mich immer in einem Schrank unter der Treppe versteckt", sagt sie. "Wenn Mama von der Arbeit nach Hause kam, rief sie sofort nach mir." Als sie ihrem Vater von den Übergriffen erzählte, glaubte er ihr nicht.

Ein Gerichtsverfahren gegen zwei pädophile Frauen, die Kinder über lange Zeiträume missbraucht haben, hat in Großbritannien eine Diskussion um weibliche Kinderschänder ausgelöst. Schätzungen der britischen Kinderschutzorganisation Lucy Faithful Foundation (LFF) gehen von bis zu 64.000 weiblichen Pädophilen im Vereinten Königreich aus - jeder fünfte Kinderschänder wäre damit eine Frau. Auch in einschlägigen Chatrooms sind nach LFF-Angaben immer mehr Frauen zu finden.

"Einige der bösesten Handlungen"

Der Fall der 39-jährigen Vanessa George, einer pädophilen Kindergärtnerin aus dem südenglischen Plymouth, hat in ganz Großbritannien Abscheu und Entsetzen ausgelöst. In "Little Ted's Day Care Centre" missbrauchte die verheiratete Mutter von zwei Töchtern im Teenager-Alter mindestens sieben der 60 Kinder, die ihr anvertraut waren. Einige von ihnen waren gerade ein Jahr alt. Davon machte sie Fotos, die sie an einen Geschäftsmann aus Manchester schickte - und an Angela Allen, eine alleinerziehende Mutter aus Nottingham.

Die drei hatten sich über die Internetplattform Facebook kennengelernt und Tausende Nachrichten über ihre perversen Phantasien und Bilder, die alle drei beim Sex mit Kindern zeigten, ausgetauscht. Die Polizei sprach von "einigen der bösesten Handlungen, die man sich vorstellen kann". Unter anderem sollen sie auch geplant haben, gemeinsam ein Kind zu entführen. Jetzt stehen sie gemeinsam in Bristol vor Gericht, alle drei haben den Missbrauch gestanden. Das Urteil soll im November fallen

Während Meldungen über den Missbrauch von Männern an Kindern - selbst wenn es die eigenen sind - zum traurigen Alltag gehören, löst der Fall dieser pädophilien Frauen Abscheu und Entsetzen aus.

Dabei gibt es viel mehr Frauen, die Kinder missbrauchen, als gemeinhin angenommen - auch in Deutschland. 2007 wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 277 Frauen wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt, 39 wurden deswegen verurteilt. Wie aus der Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes (BKA) hervorgeht, waren 7,1 Prozent der Täter, die Schutzbefohlene missbrauchten, Frauen. Bei sexuellem Missbrauch von Kindern lag die "Frauenquote" bei 3,9 Prozent, beim Besitz von Kinderpornos bei 6,8 Prozent. Die Dunkelziffer, da sind Experten sich einig, liegt weitaus höher.

"Es gibt mit Sicherheit ein großes Dunkelfeld", sagt der Kriminalpsychologe Adolf Gallwitz von der Hochschule für Polizei in Villingen-Schwenningen. "Es ist ein Tabuthema und keine Kriminalität, die häufig angezeigt wird." Außerdem werde Sexualität zwischen Frauen und Kindern in der Gesellschaft anders gesehen. "Es ist kein Problem, wenn eine Mutter mit ihrem 13-jährigen Sohn das Schlafzimmer teilt. Würde ein Vater das mit seiner Tochter tun, wäre das schon mehr als nur ein Anfangsverdacht." ...



Mittwoch, 11. Oktober 2017

Hilfsbereitschaft ist Männersache.



aus derStandard.at, 11. Oktober 2017, 11:28

Kooperation ist vor allem unter Männern ausgeprägt.
Forscher testeten Hilfsbereitschaft in verschiedenen Geschlechter-Konstellationen

Wien – Wenn Zank und Hader das Nachrichtengeschehen prägen, liest man so etwas doch gerne: Insgesamt betrachtet ist die Spezies Homo sapiens als ausgesprochen kooperativ und hilfsbereit zu betrachten. Selbst in einem von Konkurrenz geprägten Umfeld sei die Bereitschaft zur Zusammenarbeit hoch, berichten Wiener Forscher mit internationalen Kollegen im Fachmagazin "Scientific Reports". Deutlich über dem Schnitt liegt laut der Studie die Kooperationsbereitschaft unter Männern.

Die Studie

"Es gab schon viele Experimente, bei denen Menschen sich sehr prosozial und kooperativ zeigten, aber bis jetzt wurde dies immer unter artifiziellen Konditionen getestet", sagt Jorg Massen vom Department für Kognitionsbiologie der Uni Wien – nämlich in gestellten Situationen meist mit Psychologiestudenten. Er habe deshalb eine aus dem Leben gegriffene Aufgabe in einem sehr kompetitiven Milieu ausgesucht: der Wissenschaft.

Wenn die Menschen hier Bereitschaft zur Zusammenarbeit zeigten, wären sie tatsächlich eine kooperative Spezies, meint Massen. Ob diese Grundannahme berechtigt ist, bleibt freilich dahingestellt – in anderen gesellschaftlichen Bereichen könnte der Wille zur Kooperation durchaus weniger ausgeprägt sein als in der Wissenschaft.

Die Forscher haben jedenfalls rund 300 Fachkollegen aus der ganzen Welt frech um ihre wissenschaftlichen Rohdaten gebeten, unter dem Vorwand, dass sie diese für eine Metastudie brauchen würden, also um die Daten verschiedener Forscher kollektiv auszuwerten. Sie boten ihnen dafür nichts an – weder eine Mit-Autorenschaft an damit entstehenden Publikationen noch anderes. Im Schnitt war mehr als die Hälfte der Wissenschafter (59 Prozent) dazu bereit.

Unterschiede zwischen den Geschlechtern

Es war aber alles andere als irrelevant, von welchem Geschlecht der Bittsteller und der Gönner waren. Männer kooperierten mit Männern weitaus häufiger (72 Prozent) als bei allen anderen Konstellationen, also Frauen untereinander (56 Prozent), wenn ein Mann bei einer Frau angefragt hat (53 Prozent) oder eine Frau einen Mann um seine Daten bat (54 Prozent), erklärte Massen.

"Solche Unterschiede bei den Geschlechtern reflektieren vielleicht den höheren Wettbewerbsdruck, den Frauen wahrnehmen, traditionell männliche Netzwerke in den akademischen Kreisen sowie unsere evolutionäre Vergangenheit, in der vor allem Allianzen zwischen Männern vorteilhaft waren", meint der Forscher. Er selbst hätte übrigens nicht auf das Geschlecht der anfragenden Person geachtet, sondern nachgefragt, was denn genau mit seinen Daten passieren soll. (APA, red,)


Link
Scientific Reports: "Sharing of science is most likely among male scientists"



Nota. - Nur sozial konstruiert? Uns reicht das.
JE 



institution logoIn der Wissenschaft teilen vor allem Männer ihr Wissen untereinander
 
Stephan Brodicky
Öffentlichkeitsarbeit 
Universität Wien

10.10.2017 14:50  

Auch wenn sich internationale Forschung immer mehr zu einem stark kompetitiven Feld entwickelt, sind WissenschafterInnen meist sehr gewillt ihr Wissen und ihre Arbeit mit anderen zu teilen. Dies gilt vor allem für den Austausch unter männlichen Kollegen, weniger allerdings für Frauen untereinander, deren Kooperation mit ihren männlichen Kollegen sowie für Männer, die ihr Arbeit mit Frauen teilen sollten. Ein internationales Forschungsteam um den Kognitionsbiologen Jorg Massen hat diese Verhaltensmuster unter ForscherInnen aufgedeckt und in der Fachzeitschrift "Scientific Reports" veröffentlicht.

Der Austausch von Wissen gilt in der Scientific Community als essentiell zur Gewinnung neuer Forschungserkenntnisse. Dabei spielt die, oftmals auch uneigennützige, Kooperation unter WissenschafterInnen eine beträchtliche Rolle. Eine Reihe an Experimenten hat die weitläufige Annahme bestätigt, dass Menschen – im Vergleich zu Tieren – sehr prosozial handeln. Viele dieser Experimente wurden jedoch unter realitätsfernen Rahmenbedingungen, meist an PsychologiestudentInnen, durchgeführt. Um dies in einem realistischen Umfeld zu testen, hat ein Team um den Kognitionsbiologen Jorg Massen von der Universität Wien den Versuch gestartet, die Bereitschaft zu teilen im höchst kompetitiven Rahmen der Wissenschaft zu erforschen.

Dazu haben die ForscherInnen 300 internationale, fachverwandte WissenschafterInnen aufgefordert, ihre wissenschaftlichen Publikationen sowie gewonnenen Daten mit Massen und seinem Team ohne jegliche Gegenleistung zu teilen. Die KognitionsbiologInnen der Universität Wien und der niederländischen Universität Leiden waren dabei aber nicht an den Arbeiten der ExpertInnen per se interessiert, sondern allein an der Tatsache, ob sie eine positive, negative oder gar keine Antwort auf die Anfrage erhalten würden.

Die Mehrheit der WissenschafterInnen reagierte positiv und signalisierte somit Bereitschaft entsprechende Daten zu teilen. Nichtdestowenigeer zeigten Männer, die von einem Mann kontaktiert wurden, eine 15 Prozent höhere Antwortrate als Männer, die von Frauen gebeten wurden, ihre Arbeiten mit ihnen zu teilen. Ein ähnliches Verhalten zeigten auch Frauen, die wiederum von Frauen oder Männern kontaktiert wurden – hier war die Rücklaufquote um etwa 15 Prozent geringer als bei Männern, die untereinander ihre Arbeiten austauschten.

"Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern repräsentieren möglicherweise den immer stärker ausgeprägten Konkurrenzkampf unter weiblichen Wissenschafterinnen, die traditionellen Männergesellschaften in wissenschaftlichen Kreisen und/oder resultieren aus evolutionären Gegebenheiten, in denen Mann-Mann-Bündnisse von Vorteil waren", so Jorg Massen, der Erstautor der Studie und ergänzt: "Es werden weitere Studien notwendig sein, um zu untersuchen, ob dieses Verhalten exklusiv unter WissenschafterInnen auftritt oder ein allgemeines, gesellschaftliches Muster zu erkennen ist."


Publikation in "Scientific Reports"
Massen, J.J.M., Bauer, L., Spurny, B., Bugnyar, T. & Kret. M. E. (2017). Sharing of science is most likely among male scientists. Scientific Reports.
DOI: 10.1038/s41598-017-13491-0

Wissenschaftlicher Kontakt
Jorg J.M. Massen, PhD
Department für Kognitionsbiologie
Universität Wien
1090 Wien, Althanstraße 14
T +43-699-1131 01 82
jorg.massen@univie.ac.at

Rückfragehinweis
Stephan Brodicky
Pressebüro der Universität Wien
Forschung und Lehre
1010 Wien, Universitätsring 1
T +43-1-4277-175 41
stephan.brodicky@univie.ac.at




Nota. - Vermutlich ist es gar nicht nötig, aber man kann in Zeiten Gerechter Sprache nicht pingelig genug sein: Meine Überschrift ist natürlich ein Scherz. Es geht nicht um den liebenswerten Charakterzug der Hilfsbereit- schaft, sondern um die Fähigkeit zur Zusammenarbeit, Ko-Operation. Die ursprünglichen menschlichen Gemeinschaften dürften rund zwei Dutzend Köpfe umfasst haben, Kinder und Alte inbegriffen. Innerhalb der Gruppe waren die Aufgaben wohl ziemlich fest, nämlich "naturwüchsig" verteilt. Die Bildung neuer, spontaner Arbeitsgruppen wurde regelmäßig und typischerweise außerhalb des Gruppenrahmens notwendig: bei der Jagd. Es geht nicht um Gemütsbewegung, sondern um den gemeinsamen Vorteil. Dass die Leute sich außerdem gut leiden können, ist nützlich, aber nicht notwendig; und ergibt sich womöglich auf die Dauer von selbst.
JE 


 

Dienstag, 10. Oktober 2017

Alles nur sozial konstruiert.



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Frauengehirn reagiert stärker auf Großzügigkeit als Männergehirn


Nathalie Huber
Kommunikation
Universität Zürich

09.10.2017 17:00  

Verhaltensexperimente offenbaren: Frauen sind grosszügiger als Männer. Nun belegen UZH-Neuroökonomen, dass die Gehirne von Frauen und Männern soziales und egoistisches Verhalten unterschiedlich verarbeiten. Bei Frauen löst Grosszügigkeit ein stärkeres Belohnungssignal aus, während Männer bei egoistischem Verhalten mehr Belohnungsaktivität zeigen.

Wenn Frauen einen Geldbetrag verteilen können, verhalten sie sich grosszügiger als Männer. Das belegen Verhaltensexperimente. Um dieses Verhalten besser zu verstehen, untersuchten UZH-Neuroökonomen die dabei aktiven Gehirnareale. Nun belegen die am Institut für Volkswirtschaftslehre durchgeführten Experimente erstmals, dass Männer- und Frauengehirne egoistisches und soziales Verhalten unterschiedlich verarbeiten.

Egoistisches Verhalten bei Männern stärker aktiviert

Das Striatum, ein Bereich in der Hirnmitte, ist für die Bewertungs- und Belohnungsverarbeitung zuständig und in jeder Entscheidung aktiv. Die Ergebnisse der UZH-Forschenden zeigen: Bei den Frauen wurde das Striatum stärker aktiviert, wenn sie sich prosozial verhielten, als wenn sie egoistische Entscheidungen trafen. Bei Männern aktivierte egoistisches Verhalten das Striatum stärker. «Das Belohnungssystem von Frauen reagiert also stärker auf grosszügige Entscheidungen als jenes von Männern», folgert Studienerstautor Alexander Soutschek.

Egoistischere Frauen bei unterdrückter Belohnung

In einem weiteren Experiment wurde das Belohnungssystem der Probanden durch die Einnahme von Medikamenten gestört. Unter diesen Bedingungen verhielten sich die Frauen egoistischer und Männer sozialer. Dies überraschte die Forscher. «Dieser Befund zeigt, dass das Belohnungssystem von Frauen und Männern auch pharmakologisch unterschiedlich auf Grosszügigkeit reagiert», erklärt Alexander Soutschek. Die Ergebnisse haben für die Hirnforschung Konsequenzen: «Zukünftige Studien müssen so gestaltet werden, dass auch auf Unterschiede zwischen Männern und Frauen geprüft wird», fordert Alexander Soutschek.

Kulturell bedingte Verhaltensmuster ausschlaggebend

Auch wenn sich diese geschlechtsspezifischen Unterschiede auf der biologischen Ebene äussern, warnt Soutschek vor der Folgerung, dass sie angeboren oder evolutionär bedingt sind. Laut dem Neuroökonomen arbeiten die Belohnungs- und Lernsysteme im Gehirn eng zusammen. Zudem belegen empirische Studien, dass prosoziales Verhalten bei Mädchen eher mit Lob belohnt wird als bei Buben: «Sie lernen, eher eine Belohnung für prosoziales als für egoistisches Verhalten zu erwarten. Der Geschlechterunterschied, den wir in unseren Studien beobachtet haben, lässt sich in diesem Sinne am besten durch die unterschiedlichen kulturellen Erwartungen an Männer und Frauen erklären», so Soutschek. Dieser Erklärungsansatz wird etwa durch Befunde gestützt, die in Bezug auf die Belohnung von prosozialem und egoistischem Verhalten grosse kulturelle Unterschiede zeigen.


Literatur:

Alexander Soutschek, Christopher J. Burke, Anjali Raja Beharelle, Robert Schreiber, Susanna C. Weber, Iliana I. Karipidis, Jolien ten Velden, Bernd Weber, Helene Haker, Tobias Kalenscher and Philippe N. Tobler. The dopaminergic reward system underpins gender differences in social preferences. Nature Human Behaviour. DOI: 10.1038/s41562-017-0226-y


Nota. - Man muss sich nur fragen: Wer hat über die Jahrhunderttausende die Hauptrolle bei der Aufzucht von Kíndern - Mädchen und Jungen - gespielt: Mütter oder Väter? Wer hat also das Belohnungssystem konditio- niert? "Alles sozial konstruiert", sagt die feministische Strömung der Gender Studies. Entweder stimmt es gar nicht, oder auch und gerade hier.
JE