Dienstag, 24. August 2021

Frauen sollen auch mal den Mund halten können? Das ist nicht witzig...

...sondern völlig ernstgemeint.

Nein, das ist nicht Christian. Auch seinen Tiktok-Account verlinken wir nicht – er hat schon zu viel Reichweite

aus welt.de, 24. 8. 2021             Nein, das ist nicht Christian. Auch seinen Tiktok-Account verlinken wir nicht – er hat schon zu viel Reichweite

Frauen sollen „auch mal den Mund halten“ – und das soll witzig sein? Ein mittelalter, tanzender Mann bei Tiktok bekommt für seinen frauenfeind-lichen „Humor“ jede Menge Zuspruch. Er heißt Christian – und scheint vielen Män-nern aus der Seele zu sprechen. Unsere Autorin findet das unerträglich.

In Deutschland können Frauen Kanzlerin werden – damit ist für viele Menschen die Diskussion um Gleichberechtigung und Feminismus de facto beendet. Alles erreicht, siehe Angela Merkel! Dass das so 2021 nicht ganz stimmen kann, zeigen nicht nur die frauenfeindlichen Angriffe gegen Annalena Baerbock, die gerne die neue Kanzlerin werden würde. Im Moment, habe ich den Eindruck, reiht sich eine absurde Anti-Mütter-Covergeschichte des „Spiegels“ an andere, sehr zweifelhaften Aussagen eines erklärten „Anti-Feministen“ im ZDF („Viele Männer sind zutiefst frustriert von den Lügen, die der Feminismus verbreitet“). Von Luke Mockridges Instagram-Statement zu Vergewaltigungsvorwürfen gegen ihn ganz zu schweigen.

Eine Entgegnung 
 
„Spiegel“-Cover über dominante Mütter: Reißt Euch mal zusammen, Väter!
Meinung Zum aktuellen „Spiegel“-Cover

Feuilletons diskutieren das Ende unserer schönen deutschen Sprache, weil Frauen, queere und Transgender-Personen sowie nicht-binäre Menschen zum ersten Mal überhaupt gerne mitgemeint wären. Und wer mag eigentlich noch Artikel oder Kommentare lesen, in denen zum zigsten Mal etwas von „Gender-Gaga“ fabuliert wird – bloß, weil Männer nicht mehr allein die Deutungshoheit über das haben, was ist und sein darf in Sachen Geschlecht?

Mit am dramatischsten finde ich aber, dass Anti-Feminismus wieder so salonfähig geworden ist, dass er zur Internetunterhaltung taugt, der man beim Durchscrollen eben schnell ein Like dalässt. Bei Tiktok gibt es einen „Creator“, der sich Christian nennt und in seinen kurzen Videos zu misogynen Witzen durchs Bild tanzt. Der Mann hat sich eine feste Fangemeinde von mehr als 10.000 Menschen aufgebaut, weil er unter anderem drei Dinge aufzählt, die jede Frau „können muss“: Gut kochen, einen Mann verführen und „das Wichtigste: Auch mal den Mund halten!!!“. Nach diesem Muster sind alle seine Inhalte gestrickt: Frau ist gut, wenn sie am Herd performt. Sonst soll sie bitte still sein und Christian anhimmeln.

Zum Teil bekommt er für seinen Humor über 160.000 „Gefällt mir“-Herzchen in der Teenager-App. Denn das ist Tiktok, eine Video-App für Kinder ab 13 Jahren. Die finden dort Schminkanleitungen, jede Menge nicht jugendfreien Inhalt – und eben Christians Comedy-Versuche. Ob es das ist, was junge Erwachsene über Frauen lernen sollten, dass sie vor allem in der Küche zu gebrauchen sind? Auch das Männerbild, für das Christian und Konsorten stehen, ist nicht mehr zeitgemäß: Der Mann als kalauernder Frauenverächter.

Was Teenager alles in der App zu sehen bekommen
 
Wobei mir persönlich sofort Mario Barth in den Sinn kommt. Macht er nicht im Grunde das Gleiche, aber vor einem noch wesentlich größeren Publikum? Klar bemüht Barth Frauenklischees vom Comedy-Grabbeltisch – haha, Frauen haben 80 Paar Schuhe und quatschen stundenlang mit Freundinnen am Telefon –, immerhin überschreitet er die „Würden sie doch bloß mal ihren Mund halten“-Grenze nicht permanent.

Frauenfeindlichkeit im Internet ist etwas anderes und längst viral, Digitalministerin Dorothee Bär fordert bisher erfolglos, dass Online-Hass und -Gewalt gegen Frauen gesondert in der Kriminalstatistik aufgeführt werden. Die Debatte darüber will aber kaum jemand führen, mit dem Gendersternchen kann man nämlich krassere Schlagzeilen und Reaktionen produzieren, dazu hat doch jeder irgendeine Meinung.

Sexuelle Projektionsfläche

Vor Kurzem habe ich auf einen Artikel von mir drei recht persönliche Leser-Emails erhalten, alle drei von Männern. Zwei belehrten mich auf unerträgliche Weise und sprachen mir die Qualifikation für meinen Beruf ab (wohlgemerkt in Bezug auf eine TV-Kritik zur „Bachelorette“), der Dritte schickte mir ein Foto seines Penis‘. Das ist so die Haltung, die Christian-Männer an den Tag legen: Zu und über Frauen kann man alles sagen und es wahlweise als Meinung oder Witz framen und grundsätzlich taugen sie zumindest als sexuelle Projektionsfläche.

Zumindest gegen Christian regt sich längst Protest, von Frauen. Einige Netz-Feministinnen veralbern und ordnen seine Videos ein, er macht indessen fröhlich tanzend weiter. Ich glaube nicht, dass in jedem Mann etwas Christian steckt. Aber mich regt auf, dass so viele Männer ihm applaudieren – und kein einziger öffentlich widerspricht. 

 

Nota. - Ausgewogen wie ich nunmal bin, wollte ich, nachdem im Artikel mehrere feministische Links erscheinen, doch auch einen Link zu dem inkrimierten Christian setzen. Und was soll ich Ihnen sagen? Ich kann ihn weder über tiktok noch über Google finden! So toll kann es mit seiner Reichweite nicht wohl sein.

Für euch noch dies, Schwestern: Wie man in den Wald hineinruft, schallt es zurück. Das seid ihr bloß seit einem halben Jahrhundert nichtmehr gewöhnt: "Ohne Respekt! Ohne Kultur!" (taz) Da wars ja mal an der Zeit, oder?

(Dass das übrigens gar kein richtiger Humor ist, können Sie an den Gänsefüßchen erkennen. Die Schwester scheint ja selbst keine hohe Meinung von euch zu haben.)

JE

 

Donnerstag, 12. August 2021

Starkes Frauchen.

faz.net

Statt sich zu schämen und abzutauchen, plärrt sie weiter in aller Öffentlichkeit.

Hat sie das mit den starken Frauen missverstanden? - Nicht sie, sondern du, stupid! Was stark und was schwach ist, ist genderspezifisch.

 

 

 


Mittwoch, 11. August 2021

Männer als Bauernopfer?

  educalingo

aus scinexx.de,

Evolution: 
Männer als Bauernopfer?
Männliches Geschlecht könnte das Entfernen schädlicher Mutationen erleichtern

Warum pflanzen wir uns durch Sex fort und nicht asexuell wie manche Tiere? Eine Antwort auf diese Frage könnten Forscher nun gefunden haben. Demnach ist das männliche Geschlecht vor allem dafür nützlich, schädliche Mutationen aus einer Population zu beseitigen. Weil schon wenige Männchen reichen, um viel Nachwuchs zu zeugen, gefährdet ihr Verlust durch die natürliche Selektion nicht den Erfolg der gesamten Population – sie sind gewissermaßen ein Bauernopfer.

Die sexuelle Fortpflanzung ist eines der großen Rätsel der Evolution. Denn auf den ersten Blick hat sie erhebliche Nachteile: Weil es zwei Geschlechter gibt, bringt nur die Hälfte der Population Nachkommen zur Welt – und von diesen ist wieder nur die Hälfte fruchtbar. Außerdem ist es zeit- und energieaufwändig, einen Partner für die Reproduktion zu finden. Bei der ungeschlechtlichen Fortpflanzung kann dagegen jedes Tier allein Nachwuchs erzeugen – asexuelle Populationen wachsen daher viel schneller als solche mit sexueller Reproduktion.

„Die große Frage ist daher, warum sich die zweigeschlechtliche Fortpflanzung entwickelt hat – und warum es Männchen gibt“, sagt Seniorautor David Berger von der Universität Stockholm. Gängiger Lehrmeinung nach kann der Sex vor allem deshalb punkten, weil sich durch ihn die Gene einer Population neu mischen. Das bringt vor allem dann Vorteile, wenn sich eine Spezies an schnell wechselnde Bedingungen anpassen muss.

Männchen sind entbehrlicher

Eine weitere Erklärung könnten nun Berger, sein Kollege Karl Grieshop und ihr Team gefunden haben. Nach dieser sind Männer vor allem dazu da, die genetische Gesundheit der Population sicherzustellen – indem sie der natürlichen Selektion geopfert werden. Der Hintergrund dafür: Verliert eine Tierart viele Weibchen, wird ihr Bestand auf Dauer schrumpfen. Gehen dagegen Männchen verloren, mindert dies den Erfolg einer Population meist kaum, wie das Team erklärt.

„In der Regel reichen schon wenige Männchen aus, um alle Weibchen einer Population zu befruchten“, sagt Grieshop. „Ob diese Weibchen eine große oder kleine Auswahl an Partnern haben, macht für die Zahl ihrer Nachkommen wenig Unterschied.“ Dies gilt vor allem bei den Tierarten, in denen die Männchen sich nicht an der Jungenaufzucht beteiligen und im Prinzip nur ihre Spermien beisteuern. Mit anderen Worten: Männchen sind in einer Population eher entbehrlich als Weibchen.

Bauernopfer für die genetische Gesundheit?

Und genau an diesem Punkt setzt die Theorie von Grieshop und seinen Kollegen an. Demnach sorgt die „Erfindung“ des männlichen Geschlechts dafür, dass schädliche Mutationen weitgehend folgenlos aus einer Population entfernt werden können. Weil Träger solcher Mutationen entweder sterben oder Nachteile bei der Partnerwahl haben, können sie ihre Gene nicht an die nächste Generation weitergeben – die Mutation ist damit ausgemerzt.

Im Prinzip sind die Männchen damit eine Art Bauernopfer der Evolution. Was provokant klingt, wird schon länger unter Evolutionsbiologen diskutiert. Biologisch plausibel wäre dies aber nur dann, wenn Weibchen mit diesen Mutationen nicht genauso häufig der Selektion zum Opfer fallen.

Käfer bestätigen geschlechtsspezifische Selektion

Ob das so ist, haben Grieshop und seine Kollegen nun beim Vierfleckigen Bohnenfresser (Callosobruchus maculatus) untersucht, einem als Vorratsschädling bekannten Käfer. Dafür verfolgten sie den Reproduktionserfolg von 16 Inzuchtstämmen, die miteinander gekreuzt wurden. Die Forscher ermittelten dabei, auf welche Weise die schädlichen Mutationen den Paarungs- und Fortpflanzungserfolg der Männchen und Weibchen beeinflussten.

Das Ergebnis: Während sich die Fitness der weiblichen Nachkommen durch die Kreuzungen eher erhöhte, war dies bei den Männchen nicht der Fall. Bei ihnen führte die Rekombination der Mutationen häufiger dazu, dass sie weniger Nachkommen zeugten, wie die Forscher berichten. Sie sehe dies als Indiz dafür, dass die Selektion stärker auf männliche Mutationsträger als auch weibliche wirkt – und damit als Bestätigung der „Bauernopfer“-Theorie.

„Unser Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Entfernung schädlicher Mutationen durch Selektion tatsächlich bei Männchen stärker greift als bei Weibchen“, konstatieren die Wissenschaftler. „Das repräsentiert einen auffallenden Unterschied zwischen den Geschlechtern, der möglicherweise die Kosten der sexuellen Fortpflanzung aufwiegen könnte.“

Warum sich die Mutationen bei den Käfern stärker auf die männliche Fitness auswirkten und welche genetischen Mechanismen dahinterstecken, ist allerdings noch nicht geklärt. (Evolution Letters, 2021; doi: 10.1002/evl3.239)

Quelle: Schwedischer Forschungsrat – The Swedish Research Council

Sonntag, 8. August 2021

Das plärrende Görli und das dumme Vieh.


Und dabei hatte sie sich schon so gefreut.

Stell dir vor, das wär ein Kerl gewesen! Ihr aber ist das Mitgefühl der Schwestern sicher. Es war schließlich ein Hengst.

 

 

Antiislamismus, pfui Spinne.


aus Tagesspiegel.de, 8. 8. 2021

Berlins Integrationssenatorin sieht in Tötung durch Brüder keinen „Ehrenmord“ 
Ermittler gehen im Fall einer getöteten Afghanin von gekränkter Ehre als Motiv aus. Elke Breitenbach sieht die Tat allgemein als Gewalt gegen Frauen

von 

Berlins Integrationssenatorin Elke Breitenbach (Linke) sieht in der Tötung der 34-jährigen Afghanin Maryam H., die in Berlin mutmaßlich von ihren Brüdern umgebracht wurde, weil sie die westliche Lebensweise ihrer Schwester nicht gebilligt haben sollen, keinen Ehrenmord.

„In Deutschland wird jeden dritten Tag eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Das ist kein Ehrenmord, das ist Femizid“, sagte sie dem Tagesspiegel. „Und ich habe leider keine Idee, wie man Männer besser integrieren kann. Es geht nicht um die Herkunft und die Nationalität der Täter, es geht um die Frage des Geschlechts.“

Die Staatsanwaltschaft Berlin geht davon aus, dass die beiden Brüder in Alter von 22 und 25 Jahren die Mutter von zwei Kindern ermordet haben. Die Männer sollen sie „aus gekränktem Ehrgefühl“ getötet haben, es soll nicht den Moralvorstellungen der Verdächtigen entsprochen haben, wie die Frau lebte: Sie war geschieden, soll einen neuen Partner gehabt haben, sich geschminkt, westlich gekleidet haben – und ohne Kopftuch. Die Leiche sollen sie in einem Koffer per Bahn nach Bayern geschafft und dort vergraben haben.

Breitenbachs Einschätzung stößt beim CDU-Spitzenkandidaten für die Abgeordnetenhaus-Wahl, Kai Wegner, auf scharfe Kritik: "Solche Antworten sind ein Teil des Problems. Frau Breitenbach leugnet die Realität, um ihr brüchiges Weltbild zu stabilisieren. Wer die religiös-kulturellen Hintergründe von sogenannten Ehrenmorden abstreitet, schützt die Täter und lässt die Opfer im Stich. Wir brauchen aber eine Kultur des Hinsehens. Bei der Unterdrückung von Frauen im Namen einer vermeintlichen Ehre brauchen wir null Toleranz." 

Wer sich Integration verweigere, müsse mit Konsequenzen rechnen

Wer aus Ländern mit archaischen Ehrvorstellungen in Deutschland um Schutz ersuche, solle in verbindlichen Integrationskursen die Grundlagen des Zusammenlebens vermittelt bekom-men. "Jeder, der zu uns kommt, muss wissen: Die Gleichberechtigung der Geschlechter, die Religionsfreiheit, die sexuelle Selbstbestimmung und das Eintreten für den Schutz jüdischen Lebens sind unverhandelbar. Die Kurse müssen mit einer verbindlichen Integrationsverein-barung abgeschlossen werden."

Wer sich der Integration verweigere und die Rechtsordnung missachte, müsse mit Konse-quenzen  rechnen, die bis zum Verlust der Aufenthaltsberechtigung reichen können. Ein konsequentes Vorgehen gegen Ehrenmorde, Zwangsheiraten, Unterdrückung und familiäre Zwangsstrukturen sei man besonders auch Frauen mit Migrationshintergrund, die in Deutsch-land in Freiheit und Selbstbestimmung leben wollten, schuldig.

Der deutsch-israelische Psychologen Ahmad Mansour sieht die Gefahr, dass man Ehrenmorde klein rede. Der arabisch stämmige Autor, der seit vielen Jahren mit Flüchtlingen arbeitet und sich mit Projekten gegen Unterdrückung im Namen der Ehre befasst, erklärte in einem Interview mit dem Tagesspiegel: „In der Gesellschaft herrscht kaum ein Wahrnehmungs-bewusstsein für die Probleme, die es bei der Integration von Migranten gibt. Sehr viele verdrängen oder relativieren diese Probleme. Bei Ehrenmord wird von Femizid gesprochen, vom allgemeinen Phänomen von Gewalt gegenüber Frauen.“

Psychologe Mansour befürchtet, dass das Thema Ehrenmord ausgeblendet wird

Natürlich gebe es es diese allgemeine Gewalt gegen Frauen, „aber wenn wir dabei die kulturellen und religiösen Hintergründe von bestimmten Phänomenen ausblenden, hilft das nicht weiter.“ Er habe den Eindruck, dass teilweise die allgemeine Diskussion über die Abwertung von Frauen und die Ablehnung von Emanzipation und Gleichberechtigung dazu führt, „dass wir im Speziellen nicht weiterkommen.“

Benedikt Lux, der innenpolitische Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus, sagte dem Tagesspiegel: „Wir haben sogenannte Ehrenmorde sehr früh in den Fokus genommen. Frauenhass müssen wir bekämpfen und patriarchale Strukturen aufbrechen, egal wo sie uns begegnen. Mit dem Hatun-Sürücü-Preis engagieren wir uns schon lange, um mehr Sichtbarkeit für die Thematik zu erzeugen und um klar zu sagen, dass Frauen ein selbstbestimmtes Leben führen können müssen. Berlin hat in den letzten Jahren diverse Instrumente im Bereich Integration, Prävention und Schutz von Frauen ausgebaut.“

Ob und wie es im vorliegenden Fall konkrete Maßnahmen gegeben habe, könne man noch nicht beurteilen. „Das muss ausgewertet werden, dann kann man konkrete Ableitungen treffen. Auf jeden Fall muss der Rechtsstaat solche abscheulichen Verbrechen konsequent verfolgen und Schutz- und Präventionsangebote besser bekannt machen.“

Die Ermordete und ihre Brüder kamen als Flüchtlinge nach Deutschland. Nach Angaben der BZ sollen die Brüder immer wieder Druck auf ihre Schwester ausgeübt haben. Sie hätten versucht, den Kontakt zu allen anderen Menschen zu unterbinden. Die Mutter, die in einer Flüchtlingsunterkunft in Lichtenberg gelebt hatte, bevor sie nach Hellersdorf gezogen ist, habe in ständiger Todesangst gelebt.

Der Fall erinnert den Tod Hatun Sürücüs. Am 7. Februar 2005 war die damals 23-Jährige in einer Bushaltestelle in Tempelhof von ihrem jüngsten Bruder mit drei Kopfschüssen ermo-rdet worden. Sie hatte sich aus der Ehe mit ihrem Cousin befreit und war mit ihrem Sohn Can von Istanbul zurück nach Berlin gezogen.

 

Nota. - Ach was Ehrenmord, ach was Femizid! Weder verletztes Ehrgefühl noch Frauenhass entschuldigen Menschentötung! Das ist es, was den Ausschag gibt: Humane Gesinnung, das wäre correct! Dass da Leut:innen ihr ideologisches Süppchen drauf kochen können...! Perfide.

JE

Donnerstag, 5. August 2021

Weibliche Übernahme.


aus derStandard.at, 4. 8. 2021                                            Makaken leben in Sozialverbänden, die mehrere Hundert Tiere umfassen können.

Makakenweibchen prügelte sich zum Alphatier
In einem japanischen Naturschutzgebiet übernahm erstmals seit 70 Jahren ein Weibchen die Führungsrolle einer Affengruppe

Makaken zeigen für die Wissenschaft faszinierende soziale Verhaltensmuster. Sie sind in Gruppen unterteilt, bilden Netzwerke, um den sozialen Aufstieg zu schaffen, halten sich an Hierarchien. Ranghohe Affenmännchen greifen in Streitereien unter Artgenossen ein und beenden die Auseinandersetzungen.

Vom Menschen weiß man, dass das an Stressreaktionen beteiligte COMT-Gen in zwei Varianten vorliegen kann. Je nachdem, welche Variante sich in uns durchgesetzt hat, sind wir leichter oder kaum zu stressen. Bei Makaken ist das ganz ähnlich. Weibchen kümmern sich deutlich mehr um Brutpflege als Männchen, sie bevorzugen allerdings ranghöhere männliche Partner. Die Tiere, deren Gesicht und Hinterteil rot ist, haben mehr Chancen auf Fortpflanzung, je deutlicher diese Farbe zu sehen ist – das deutet nämlich auf die empfängnisbereite Phase hin.

Ein Makaken-Jungtier bei einer Thermalquelle.

Männliche Verhaltensweisen

In einem Naturschutzgebiet auf der Insel Kyushu – Takasakiyama – übernahm nun ein Weibchen, die neunjährige Yakei, die Führung einer Gruppe von 677 Tieren. Auf ihrem Weg an die Spitze gab es reichlich Prügel, und zwar von ihr. Zuerst schlug sie ihre Mutter nieder, was für viele Artgenossinnen schon der Gipfel des Erfolges wäre, dann knöpfte sie sich noch den Anführer der Gruppe vor. Sanchu, 31 Jahre alt, wurde ebenso verdroschen.

Die überraschten Wissenschafter im Naturschutzgebiet, wo es 70 Jahre lang keine Anführerinnen gab, vollzogen den Erdnusstest: Sie legten die Köstlichkeiten für die Affen aus. Das bisherige Alphatier Sanchu wich zurück und überließ Yakei den Vortritt. Die Anführerin wird seither beim Stolzieren mit aufgestelltem Schwanz beobachtet und sitzt auf Bäumen, um sie zu schütteln. Sehr männliche Ausdrucksformen, sagen die Aufseher im Naturschutzgebiet, das Schätzungen zufolge 1.500 Makaken beherbergt, die in zwei Gruppen aufgeteilt sind. Die Tiere gelten als aggressiv, Touristen wird empfohlen, jeden Blickkontakt zu vermeiden, wie der "Guardian" berichtet. (pi.)

Montag, 2. August 2021

Mittelalterliche „Kriegerin“ war ein Zwitter


aus scinexx.de,

DNA-Analysen belegen XXY-Genetik für finnische "Frau mit zwei Schwertern"

Überraschende Entdeckung: Ein bisher als „Kriegerin mit zwei Schwertern“ bekannter Grabfund aus dem mittelalterlichen Finnland bekommt nun eine ganz andere Deutung. Denn die mit weiblichem Schmuck, aber zwei Schwertern bestattete Person trug die Chromosomen-Kombination XXY, wie DNA-Analysen enthüllen. Damit litt dieser Mensch am Klinefelter-Syndrom – er war ein Zwitter. Was aber bedeutet dies für seine Rolle in der nordischen Gesellschaft des Mittelalters?

Gängiger Annahme nach waren die Rollen im Mittelalter klar festgelegt: Kriegshandwerk war Männersache, während die Frauen sich um Haus, Herd und Kinder kümmerten. Doch es gibt einige Grabfunde, die diese klare Geschlechtertrennung in Frage stellen. Darunter ist ein Wikinger-Anführer, der mit Waffen und Pferd bestattet wurde – sich aber in DNA-Analysen als Frau erwies. Auch einige andere Wikingerfrauen bekamen Kriegsäxte und andere der männlichen Rolle zugeordnete Beigaben ins Grab.

Schwertgriff
Dieses Schwert mit Bronzegriff wurde im Grab von Suontaka gefunden. 

Frauenschmuck, aber zwei Schwerter

Doch ein 1968 im Süden Finnlands entdecktes Grab ist selbst für eine mögliche Kriegerin ungewöhnlich. In ihm liegen die Überreste eines Skeletts, das mehrere Broschen trägt, wie sie für weibliche Kleidung typisch waren. Zusätzlich fanden Archäologen in diesem aus der Zeit um 1040 bis 1174 stammenden Grab jedoch zwei Schwerter und ein Messer. Zwei Waffen lagen an der linken Hüfte der Toten, das andere wurde im Erdreich über dem Skelett gefunden.

Das Merkwürdige daran: „Es ist für Skandinavien sehr ungewöhnlich, ein Schwert in einem Grab zusammen mit typisch weiblichen Artefakten zu finden“, erklären Ulla Moilanen von der Universität Turku und ihre Kollegen. „Denn die Gräber weiblicher Toter mit Schwertern enthalten in der Regel keinen Schmuck oder sonstige feminine Accessoires.“ Kriegerinnen, so die Annahme, kleideten und verhielten sich damals entsprechend der männlichen Rolle. Mischformen – so die Annahme – konnte es wegen der starren Rollenverteilung in den nordischen Kulturen des Mittelalters nicht geben.

Spurensuche in der DNA

Wie aber passt das Grab von Suontaka in dieses Bild? „Wegen der ungewöhnlichen Kombination der Objekte vermuteten einige Forscher sogar, dass ursprünglich zwei Tote in diesem Grab gelegen haben müssen – ein Mann und eine Frau“, erklären Moilanen und ihr Team. Dagegen spreche jedoch, dass das Grab für zwei Tote zu klein sei und es keine Hinweise auf die Relikte einer zweiten Person gebe.

Um mehr über diese rätselhafte Tote zu erfahren, haben die Archäologen nun Überreste und Grabbeigaben noch einmal näher untersucht und Proben der Gebeine einer DNA-Analyse unterzogen. Das extrahierte Genmaterial erwies jedoch als zu stark degradiert, um das komplette Erbgut zu sequenzieren. Dem Team gelang es aber, eine Bestimmung der Geschlechtschromosomen durchzuführen.

Tote hatte XXY als Geschlechtschromosomen

Das überraschende Ergebnis: „Trotz der geringen Menge an lesbaren Sequenzen haben wir eindeutige Belege dafür gefunden, dass die Person aus dem Suontaka-Grab den Karyotyp XXY besaß. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 99,75 Prozent“, berichten Moilanen und ihre Kollegen. Das aber bedeutet, dass die vermeintliche Kriegerin ein biologischer Zwitter war – das Individuum litt am Klinefelter-Syndrom.

Bei dieser Chromosomenanomalie sind die Betroffenen anatomisch männlich, können aber ab der Pubertät mehr oder weniger feminine Merkmale entwickeln, darunter gerundete Hüften, Ansätze einer weiblichen Brust und eine geringere Muskelmasse. Die Hoden sind meist anomal klein, auch der Bartwuchs ist meist nur spärlich. In vielen Fällen sind die Abweichungen aber so gering ausgeprägt, dass selbst die Betroffenen zunächst nichts von ihrer Chromosomenanomalie bemerken.

Zwischen den Geschlechtern

Was aber bedeutete dies für die „Kriegerin mit den zwei Schwertern“? Könnte das Klinefelter-Syndrom erklären, warum diese Person mit Accessoires beider Geschlechter ausgestattet war? Wie die Forschenden berichten, sind bereits drei Gräber von Menschen mit XXY-Chromosomen bekannt, zwei aus dem Skandinavien der Wikingerzeit und eines aus den jungsteinzeitlichen Mitteleuropa. In allen Fällen wurden die Toten aber mit allen Attributen nur eines Geschlechts begraben.

„Unseres Wissens nach wäre Suontaka damit der erste Fall einer solchen Chromosomenanomalie, bei dem es eine atypische Kombination aus Attributen beider Geschlechter gibt“, konstatieren Moilanen und ihr Team. Diese Person könnte damit zu den wenigen Menschen gehört haben, die die strikten Geschlechterrollen des nordischen Mittealters aufbrach und eine Zwischenposition einnahm. Bisher ist eine solche nicht-binäre Rolle nur von einem mittelalterlichen Schamanen der Samen bekannt – dieser war allerdings biologisch männlich.

Geachtet und respektiert

Klar scheint jedoch: Die in Suontaka bestattete Person genoss zu Lebzeiten ein hohes Ansehen. „Die reichliche Menge an Grabbeigaben ist der Beleg dafür, dass dieser Mensch nicht nur akzeptiert war, sondern auch geschätzt und respektiert wurde“, erklärt Moilanen. Auch das Bett aus weichen Decken und Fellen spricht für seinen hohen Rang.

Wie sich diese Person aber zu Lebzeiten definierte und welche Rolle sie in ihrer Gesellschaft einnahm, ist weiterhin rätselhaft. „Unsere Ergebnisse deuten aber darauf hin, dass es selbst in der maskulin und kriegerisch geprägten Gesellschaft des mittelalterlichen Finnland einzelne Individuen gegeben haben könnte, die nicht in ein binäres Rollenmodell passten“, konstatiert das Forschungsteam. (European Journal of Archaeology, 2021; doi: 10.1017/eaa.2021.30)

Quelle: University of Turku