Sonntag, 29. März 2015

Frauen in den Cockpit!

aus FAZ, 29. 3. 2015

Die feministische MagazIn “Emma“ sorgt mit einem Artikel zur Germanwings-Katastrophe für Empörung. In einem Kommentar fordert die Autorin Luise Pusch eine Quote für Frauen im Cockpit, um das Fliegen sicherer zu machen. Kritiker werfen ihr und dem Magazin nun vor, die Katastrophe für eine Frauenquote instrumentalisieren zu wollen.

„Die Opfer sind überwiegend Frauen, die Täter sind männlich“

Bei der Lufthansa würden nur sechs Prozent Pilotinnen arbeiten, kritisiert Pusch. Dabei sei bewiesen, dass Männer stärker zum Suizid neigen würden als Frauen. Für Amokläufe gelte dasselbe. Eine logische Sicherheitsmaßnahme sei daher, den Anteil an Pilotinnen per Quote zu erhöhen. 

„Auf das Nächstliegende - Frauenquote im Cockpit erhöhen - kommt niemand. Wieso nicht?“, schreibt Pusch. „Es wird derselbe blinde Fleck sein, der aus den beiden getöteten Lehrerinnen aus Haltern 'Lehrer' und aus den 14 getöteten Mädchen und zwei Jungen '16 Schüler' macht.“In dem Vorspann zum Text heißt es: „Die Opfer[Innen] sind überwiegend Frauen, die Täter[Er] sind männlich.“


Nota. - Zu keinem Zeitpunkt um ein Wort verlegen, es können auch schon mal zwei oder drei sein - so kennen wir die SchwesterInnen. Sie müssen ja nicht immer passen. Der cockpit ist wörtlichen ein Hahnenkampfplatz, kein HühnerInnen- hof, und was cock umgangssprachlich bedeutet, mag ich schon gar nicht aussprechen!
JE
Mit diesem Phallussymbol illustriert die Emma ihren Beitrag zum Thema.



Freitag, 27. März 2015

Das Recht des Kindes auf seinen Vater.

aus Süddeutsche.de, 27. März 2015, 17:11 Uhr

BGH erschwert Stiefkind-Adoption für lesbische Paare
Die Adoption eines Stiefkindes wird für Frauen in lesbischen Beziehungen schwieriger. Sie brauchen die schriftliche Zustimmung des Vaters.

Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hat Frauen in eingetragener Partnerschaft die Stiefkind-Adoption erschwert. Ist der leibliche Vater den Frauen bekannt, muss dieser die Gelegenheit bekommen,sich an dem Adoptionsverfahren zubeteiligen, entschied der BGH. Das gilt selbst für einen privaten Samenspender, der seinen Namen angeblich nicht genannt wissen will. (Az: XII ZB 473/13)

Im entschiedenen Fall wurde das Kind mithilfe einer privaten Samenspende gezeugt und im November 2010 geboren. Die Lebenspartnerin der Mutter will das Kind nun adoptieren. Hierfür legte sie allerdings keine Zustimmungserklärung des leiblichen Vaters vor. Dieser sei ihr zwar bekannt, er habe das Frauenpaar aber aufgefordert, ihn nicht zu benennen. Daran fühle sie sich gebunden.

Der BGH allerdings ließ diese Begründung nicht gelten. Die Einwilligung sei gesetzlich gefordert. Das Familiengericht müsse sicher sein, dass der leibliche Vater kein Interesse an der rechtlichen Vaterschaft hat, ehe es ein Kind zur Adoption freigibt. 

Anders sei es allerdings bei einer anonymen Samenspende. Hier sei der Name des Mannes der Mutter nicht bekannt und es sei zudem davon auszugehen, dass er kein Interesse an der rechtlichen Vaterschaft hat. Eine Ausnahme ist laut BGH aber auch dann möglich, wenn der Aufenthalt des leiblichen Vaters "dauerhaft unbekannt ist".

Den konkreten Fall verwies der BGH an das Kammergericht Berlin zurück. Es genüge nicht, wenn die Frauen versicherten, der Vater sei mit der Adoption einverstanden, hieß es. Den Frauen werde nun Gelegenheit gegeben, die erforderlichen Angaben zum leiblichen Vater zu machen.


Nota. - Hinzuzufügen ist: Das BGH hat im Interesse des Kindes entschieden, dass der leibliche Vater zu beteiligen ist. Das Kind hat einen Anspruch auf seinen Vater, daran ändern auch neue Lebensformen nichts.
JE 




Dienstag, 24. März 2015

Bullies und das Menschenbild der OECD.

W. Busch
aus Der Standard, Wien, 23.3.2015

Österreich mit höchster Mobbingrate in Schulen

Einer von fünf Schulbuben zwischen 11 und 15 von "Bullying" betroffen - doppelt so viele wie im OECD-Schnitt, fünfmal mehr als in Schweden 

von Lisa Nimmervoll

Wien - Es ist ein unrühmlicher erster Platz, den Österreich im neuesten Report der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) einnimmt. Dieser widmet sich "Skills for Social Progress: The Power oft Social and Emotional Skills". Und demzufolge berichtet hierzulande einer von fünf Buben im Alter von elf bis 15 Jahren von zumindest zwei "Bullying"-Erfahrungen in den vergangenen zwei Monaten in der Schule. Mit 21,3 Prozent weist Österreich damit einen fast doppelt so hohen Anteil an Mobbingopfern im Schulumfeld aus als der OECD-Schnitt der 27 untersuchten Länder mit elf Prozent. Die absolut niedrigste Bullying-Rate hat Schweden mit nur vier Prozent. 

"Ernstes Problem" mit Langzeitfolgen 

Unter "Bullying" versteht man Mobbing in der Schule, also systematische und wiederholte Aggression unter Schülern, seien es verbale durch Beleidigungen, soziale durch Streuen von Gerüchten oder andere Formen öffentlicher Beschämung und Schikanen sowie physische in Form von körperlichen Attacken. Die OECD-Autoren sehen darin ein "ernstes, gesamtgesellschaftliches Problem, das Auswirkungen bis ins Erwachsenenalter haben kann." 


Anders als zum Beispiel Estland, das mit 20 Prozent Rang zwei der Schulmobbingskala anführt, den Anteil der jungen Mobbingopfer aber gegenüber dem Schuljahr 2005/06 deutlich senken konnte, so wie etwa auch Deutschland, Griechenland und Italien, ist in Österreich die Zahl der Bullying-Opfer sogar noch angestiegen.




Als Gegenmaßnahmen empfehlen die Studienautoren schulische Interventionen, die das Selbstwertgefühl der Kinder fördern, die ihnen helfen, mit Emotionen wie Wut und Aggression umzugehen und die die Resilienz der Schülerinnen und Schüler, also deren psychische Widerstandsfähigkeit, aufbauen und stärken. Dies könne helfen, Bullying, aber auch die langfristigen Gesundheits- und Sozialkosten für die Folgen von Mobbing zu reduzieren. 

Cyber-Bullying nicht erfasst


Nicht erfasst in den von der OECD verwendeten Vergleichsdaten von 2009/10 aus der HBSC-Studie (Health-Behaviour in School-aged Children), die von Forschergruppen aus 43 Ländern in Kooperation mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) durchgeführt wird, sind "neue Formen des Bullying wie Online- und Telefon-Bullying", heißt es im OECD-Bericht. Es wird aber ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Online-Bullying zwar weniger verbreitet sei, mitunter aber noch mehr Leid anrichten könne als das Offline-Bullying quasi im "echten" Leben. 




Buben signifikant öfter mit Bullying-Erfahrung 

Buben berichten übrigens signifikant häufiger von Bullying-Erfahrungen. Laut HBSC-Studie lag der Bullyingopferanteil bei den elf- bis 15-jährigen Mädchen in Österreich bei 13,7 Prozent. 


Die OECD, der oft vorgeworfen wird, rein quantitative Vermessungen der Bildungssysteme zu machen, will mit dem Social-Skills-Report den Einfluss sozialer und emotionaler Faktoren auf Bildung, Arbeitsmarkt und soziale Folgen beschreiben. Eines der Kernargumente lautet: "Kinder brauchen ein ausgewogenes Set an kognitiven, sozialen und emotionalen Fähigkeiten, um ein positives, gutes Leben zu erreichen." 


Beim Erlernen dieser "Skills" könnten Lehrer und Eltern den Kindern helfen, indem sie starke, vertrauensvolle Beziehungen aufbauen und ihnen praktische Lernerfahrungen ermöglichen. Der frühen Vermittlung von Social Skills würde zudem eine wichtige Rolle bei der Reduktion von Bildungs-, Arbeitsmarkt- und sozialen Ungleichheiten zukommen.



Nota. - Ob diese Studie angetan ist, den schlechten Ruf der Bildungsvermessungen zu heben, die unter Anleitung der OECD angestellt werden, werden die Spezialisten noch prüfen müssen. Da ihr Bildungsideal der optimierte Arbeitsmarktgänger ist, ist Skepsis geboten. Da wird unter Bullying wohl einiges erfasst worden sein, was in meiner Jugend lediglich als Flegelei und schlechtes Benehmen gegolten hat. Denn die Rückseite vom OECD'schen Bildungsideal ist die selbstbezo- gene Heulsuse, die in ihrer Frezeit nicht eine Minute versäumt, mit sich selber umzugehen (und ihre Bedürfnisse zu befriedigen). 

Das einmal abgezogen, bestätigt diese Untersuchung, was der Normalbürger längst weiß und Johann Friedrich Herbart, der Begründer der Erziehungswissenschaft, bereits zu Papier gebracht hat: Der Pausenhof ist keine Stätte, wo "soziale Verhaltensweisen eingeübt" werden, sondern ein Platz, wo in der unnatürlichen Zwangspromiskuität einiger hundert Kinder nur all die üblen Neigungen florieren, die Kinder neben ihren erfreulichen Eigenschaften schließlich auch noch haben. Sobald man etwas Besseres gefunden hat, sollten die Schulen schleunigst abgeschafft werden.

JE


Freitag, 20. März 2015

Er ist kleiner, als sie denkt.


In Hamburger Kfz-Werkstatt "Autodiva" schrauben ausschliesslich Frauen


Zur Feier des Tages - die Sonne schien etwas düster - wirft sich die Ministerin in Positur. Die "Verdienstlücke" soll dran glauben. Böhmermann bestreitet, sie je im Leben gezeigt zu haben, und schämt sich, dass man ihm das überhaupt zutraut. Der FAZ traut man keine Satire zu. Dort schreibt heute SVEN ASTHEIMER:

"Frauen vorzumachen, die Lohndifferenz ließe sich aus der Welt regulieren, bedeutet aber, ihnen Sand in die Augen zu streuen. Denn die Statistiker weisen zu Recht drauf hin, dass es sich bei den 22 Prozent um das „unbereinigte“ Delta zwischen Männern und Frauen handele. Das heißt, ein Großteil des Lohnunterschieds lässt sich durch verschiedene Einflussfaktoren gut begründen." Alles zusammengenommen, ergibt sich: "Frauen haben sich diese Verdienstlücke größtenteils selbst eingebrockt. Im Umkehrschluss heißt das aber auch: Sie haben es selbst in der Hand, daran etwas zu ändern."

Zunächst einmal: Sie müssten häufiger in den Branchen und Berufen arbeiten, die sie bis heute meiden.

"In der Industrie legten die Verdienste innerhalb von fünf Jahren um fast 12 Prozent zu. Im Gesundheits- und Sozialwesen waren es im selben Zeitraum weniger als 7 Prozent. Theoretisch könnte man natürlich das Gehaltsgefälle zwischen den Branchen einfach verbieten. Ein derart tollkühner Frontalangriff auf die Tarifautonomie fiele aber wohl selbst der großen Koalition nicht ein. Also heißt die Antwort: Wenn Frauen besser bezahlt werden wollen, müssen sie häufiger dort arbeiten, wo Männer es schon tun."

Es stimmt gar nicht, dass die ("von Männern dominierte") Industrie gegen Frauen Vorbalte hätte. "Im Gegenteil, seit Jahren versucht die Wirtschaft gerade Mädchen für Technikberufe zu begeistern. Doch der Erfolg von Girls Day & Co. stellt sich nur langsam ein. Der beliebteste Ausbildungsberuf war in diesem Jahr der für Bürokaufleute. Frauenanteil: 74 Prozent. Wenn es junge Frauen überhaupt in die Industrie zieht, dann auch dort nur an den Schreibtisch. In den klassischen Lehrberufen hat sich nichts verändert. Angesichts marginaler Frauenanteile würden wohl selbst die politisch Korrektesten von 'Industriemechaniker' (6 Prozent), 'Kraftfahrzeugmechatroniker' (5) und 'Elektroniker' (2) sprechen."

"Daneben gibt es einen weiteren wichtigen Grund für die Gehaltskluft: Frauen tragen in der Familie nach wie vor den Großteil der Kosten für die Kindererziehung. Mit dem ersten Kind kommt der große Einschnitt, weil die Rückkehr in den Beruf meist bloß in Teilzeit erfolgt. Damit sitzen berufstätige Mütter nicht nur in der Karriere-, sondern auch in der Vergütungsfalle." Mit 20 Stunden in der Woche lasse sich bestenfalls der Besitzstand wahren: "Die nächste Stufe auf der Karriereleiter wird unendlich hoch. Das erklärt auch, warum Frauen bei den Boni-Zahlungen so weit hinter den Männern liegen. Oft dringen sie erst gar nicht in die Sphäre variabler Vergütungsmodelle vor." 

Die Lösung wäre: Keine Kinder kriegen. Das muss allerdings auch keinE. WerIn heute keine Kinder will, derIn bekommt keine, und das sind eine ganze Menge, viel zu viele, aber das nimmt auch wieder ab. Frau könnte sagen: Kinder kriegen tun wir, das ist nicht schwer, aber Kinder haben sollen künftig die Männer (die können das sowieso besser).* - Das wäre zu bedenken, ist aber nicht unproblematisch. In einigen Berufen ist das Übergewicht der Männer ja nicht allein auf Erziehung begründet (die einstweilen ja, mehr als je, leider von Frauen besorgt wird), sondern ist durch jahrhunderttausendalte natürliche Selektion (die ebenfalls von Frauen bestimmt ist) auf unterschiedliche Talente gegründet. Erzählt was ihr wollt - Frauen können wirklich schlechter einparken und Nadeln einfädeln.

Ach so, ich vergaß - Sven Astheimer resümierte: "Bereinigt um diese Faktoren, schrumpft der große Unterschied zwischen den Geschlechtern zum kleinen. Etwa 7 Prozent Verdienstunterschied bleiben."


*) Keine Lösung - jedenfalls keine pädagogisch und gesellschaftspolitisch vertretbare - ist es allerdings, die Kinder künftig ganztags staatlicher Obhut zu überantworten; schon darum, weil sie dort (fast) nur noch Frauen antreffen würden.


Freitag, 13. März 2015

IrrläuferInnen.

aus dieStandard.at, 12. März 2015, 11:15

Zwischen X und Y: 
Das Geschlecht nimmt viele Gestalten an

von Marlis Stubenvoll

Hampshire, Großbritannien – XX oder XY, männlich oder weiblich? Unsere Gesellschaft und unser Rechtssystem lassen bisher nur zwei Optionen für das Geschlecht einer Person zu. Dass die Kategorien aus biologischer Sicht keineswegs in Stein gemeißelt sind, zeigt eine große Zusammenschau des Magazins Nature über den Status quo der Geschlechterforschung.

Zwischen X und Y

Das klassische Erklärungsmodell für unser Geschlecht ist simpel: Die Chromosomen XX oder XY ergänzen die übrigen 22 Chromosomenpaare und entscheiden über Männlichkeit oder Weiblichkeit. Aber bereits hier ergeben sich erste Schwierigkeiten in der Definition: Manche Menschen verfügen nur über ein X-Chromosom oder haben beispielsweise ein zusätzliches Y.
Manchmal entscheiden sich aber auch die Keimdrüsen für ein anderes Programm als das, das die Chromosomen festlegen würden. Dann tritt etwa das mit Männlichkeit assoziierte Y-Chromosom mit Eierstöcken zusammen oder ein doppeltes X mit Hoden. "Disorders of sexual development" (DSD), Intersexualität oder Sexualdifferenzierungsstörungen heißen solche Phänomene. Die Betroffenen sind oft schon mit dem Thema konfrontiert, bevor sie überhaupt ein Verständnis für Geschlecht entwickeln: nämlich dann, wenn ihre Eltern in der Geburtsurkunde oder sogar durch medizinische Eingriffe ihre Männlichkeit oder Weiblichkeit für sie festlegen.

Gene für Geschlechtsunterschiede

Je tiefer die Forschung in unseren genetischen Bauplan eintaucht, umso stärker bröckeln die in Zement gemeißelten Kategorien Mann und Frau. Neue Methoden der Genforschung bringen bis heute immer wieder neue Gene ans Licht, die für die Geschlechtsentwicklung des Fötus zentral sind. Im Jahr 1990 entschlüsselten ForscherInnen das Gen SRY, das weibliche Keimdrüsen zu männlichen Keimdrüsen umbilden kann, also Eierstöcke statt Hoden [wie bitte?] entstehen lässt. Das Gen WNT-4 wirkt in die entgegengesetzte Richtung: Es unterdrückt die testikuläre Entwicklung und begünstigt stattdessen Ovarien.

Das Geschlecht ist also kein simples Produkt aus X- und Y-Chromosomen, sondern auch ein Balanceakt zwischen verschiedenen regulierenden Genen. So kann es vorkommen, dass die Geschlechtlichkeit den simplen Formeln "XX gleich weiblich" und" XY gleich männlich" widerspricht oder einen Platz zwischen den Polen einnimmt.

Kontinuum statt Kategorien

Was auf gesellschaftlicher Ebene noch kaum Beachtung findet, stellt sich in der Forschung immer deutlicher heraus: Zwischen Mann und Frau liegt auf biologischer Ebene ein weites Feld der Variation. Angefangen bei kleinsten Unterschieden wie einer geringeren Spermienproduktion bei Männern oder einem Überschuss männlicher Sexualhormone bei Frauen laufen beide Extreme kontinuierlich zur Mitte zu. Bei einem von 250 bis 400 XY-Trägern gibt es eine anatomische Variation, bei der die Harnröhrenöffnung an der Unterseite des Penis liegt. Gleichzeitig gibt es auch Personen mit XX-Geschlechtschromosomen, die kleine Hoden besitzen.

Eric Vilain, Direktor und Mediziner des Center for Gender-Based Biology an der University of California, zählte all diese Anomalien zusammen. In dieser weiten Definition wäre jeder oder jede Hundertste von DSD, also einer ungewöhnlichen Geschlechtsentwicklung, betroffen.

Wechsel auch im Alter

Viele dieser Fälle werden nicht entdeckt oder bleiben lange im Dunkeln: 2014 enthüllte eine Operation eines 70-jährigen vierfachen Vaters, dass sich in seinem Bauchraum eine Gebärmutter befand. Und es geht noch weiter: Studien an Mäusen am MIMR-PHI Institute for Medical Research in Melbourne legen nahe, dass sich die Grenze vom einen zum anderen Geschlecht selbst im späteren Verlauf des Lebens noch verschieben kann.

Für viele intersexuelle und transsexuelle Personen ist es nach wie vor schwierig, ihre geschlechtliche Identität in einer binären Gesellschaftsordnung wiederzufinden. Auch die österreichische Rechtsordnung sieht kein "Dazwischen" vor. Australien erlaubt intersexuellen Menschen ein "X" bei der Geschlechtsangabe im Pass, in Deutschland steht unter den Optionen "männlich" und "weiblich" in der Geburtsurkunde auch "beides".


Die Eltern entscheiden

Der Status quo der Forschung wirft auch ethische Fragen bei Operationen von intersexuellen Kindern auf. Wenn ein Eingriff medizinisch nicht notwendig ist, bestimmen die Eltern, ob sie das Kind operieren lassen und welches Geschlecht es letztlich haben soll. Eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen: Ob sich das Kind mit dieser Kategorie identifizieren kann, kommt erst viel später zum Vorschein.

Neue Studien über die Auswirkungen solcher Operationen auf die Lebensqualität und das Sexualleben der Behandelten sind in Arbeit. Noch ist das Geschlecht des Menschen nicht ausschöpfend erforscht, eines steht jedoch fest: Es ist nicht so simpel wie bisher gedacht.

Link:

Nota. - Was aber lehrt uns das? Dass die Unterscheidung zwischen Männlich und Weiblich gar nicht so wichtig ist, weil es durch geneti- sche Irrläufer zu undefinierbaren Zwischenformen kommen kann? Oder lehren uns die Irrläufer, wie wichtig gerade die kulturelle Ausprä- gung von Männlich und Weiblich sind, da man sich auf die Natur allein ja nicht verlassen kann?

Es lehrt uns immer nur das, wofür wir uns vorher schon längst entschieden hatten. Die Autorin des Obigen jedenfalls hat beschlossen, dass "beide Extreme kontinuierlich zur Mitte zu" laufen, auf einen indifferenten Mainstream hin. Wo hat sie das her? Aus den Fachartikeln, die sie referiert, jedenfalls nicht. Ich aber weiß, woher sie's hat - aus dem Unbewussten, sie ist ja Wienerin. Sie muss das schreiben, sie kann nicht anders, ihr Es kommandiert. Und wenn sie schreiben soll, dass weibliche Keimdrüsen zu männlichen Keimdrüsen umgebildet werden, tippt sie in ihre Tastatur, dass "also Eierstöcke statt Hoden entstehen". Das nenn ich mir mal einen Freud'schen Verschreiber!

Schwestern, ich warne euch: Zuviel feministische Lektüre lässt einEn verblöden. 
JE





Montag, 9. März 2015

Konditionierung durch Zuchtwahl.

aus scinexx                                                                                                                                 Makushi-Männer

Frauenmangel macht Männer zahm
Bei Männerüberschuss ändert sich das stereotype Rollenverhalten

Dem Klischee nach wollen Männer flüchtigen Sex, Frauen dagegen den Mann fürs Leben. Doch wie sich jetzt zeigt, kann sich das drastisch ändern – wenn akuter Frauenmangel herrscht, wie in einigen Gebieten Guyanas der Fall. Denn dann werden auch die sonst so treulosen "Macho-Männer" des Makushi-Volks plötzlich ganz zahm und wollen nur noch das eine: die Frau fürs Leben.

Dieses Rollenklischee geht schon auf Charles Darwin zurück: Männer wollen flüchtigen Sex mit so vielen Frauen wie möglich, Frauen dagegen suchen eher die langfristige Bindung. Biologisch gesehen lässt sich dies begründen: Oft investiert das Weibchen deutlich mehr Energie und Zeit in die Aufzucht ihrer Jungen. Damit sich dieser Aufwand lohnt und die Jungen überleben, versucht sie daher, ihren Kindern einen möglichst fitten Vater zu verschaffen und damit eine genetisch günstige Ausstattung.

Biologisches Erbe auch beim Menschen?

Viele Biologen sehen aufgrund dieser biologischen Basis auch beim Menschen eine Tendenz zu geschlechtsspezifischem Rollenverhalten, quasi ein Relikt dieses tierischen Erbes. Allerdings gibt es auch zahlreiche Gegenbeispiele – sowohl im Tierreich wie auch bei menschlichen Kulturen. Welchen Einfluss die Auswahl für das Geschlechterverhalten spielt, haben Ryan Schacht von der University of Utah und seine Kollegen nun in einem ländlichen Gebiet Guyanas untersucht.

Sie befragten Männer und Frauen vom Volk der Makushi nach ihrer Beziehung und ihrer Einstellung zum Thema Partnerschaft. In dieser Region an der Grenze zu Brasilien herrscht auf den Dörfern oft Männerüberschuss, viele Frauen sind in die Städte gezogen. Für ihre Studie befragten die Forscher 300 Männer und Frauen aus acht Dörfern mit und ohne Männerüberschuss.

Monogam bei Frauenmangel

Das Ergebnis überraschte: "Allgemein zeigen die Makushi-Männer durchaus eine größere Neigung zu unverbindlichem Sex – wie es die Stereotype besagt", so Schacht. Aber in den Dörfern mit Männerüberschuss war dies anders: Dort wünschten sich auch die Makushi-Männer monogame, langfristige Beziehungen, von Polygamie keine Spur. "Wenn Frauen schwer zu finden sind, dann werden sie zu einer wertvollen Ressource", erklärt Schacht diesen Verhaltenswechsel. "Die Männer versuchen dann eher, einen Partner zu finden und zu behalten, denn wenn sie ihn verlieren, könnten sie keinen neuen mehr abbekommen."

Entgegen landläufiger Annahme gab es auch weniger Aggression und Kämpfe der Männer um die Frauen, wie die Forscher beobachteten. Bei den Frauen machte es dagegen keinen Unterschied, ob sie nun viele oder weniger Partner zur Auswahl hatten: Sie bevorzugten immer die monogame, langfristige Partnerschaft – zumindest in diesem Punkt entsprachen sie dem Klischee.

Angebot und Nachfrage 

Nach Ansicht der Forscher demonstriert dies, dass das Beziehungsverhalten des Menschen weitaus komplexer ist als es das einfache Klischee wahrhaben will. "Es wird Zeit, dass wir uns von solchen stereotypen Annahmen über das Verhalten von Männern und Frauen verabschieden", sagt Schacht. "Sex ist nur ein Faktor, der hier eine Rolle spielt: Die Verfügbarkeit von Partner spielt eine Rolle, der sozioökonomische Status und auch die Qualität der Kandidaten."

Im Prinzip sei das Beziehungsverhalten ähnlich wie die Wirtschaft von Angebot und Nachfrage bestimmt. Und wenn Frauen knapp sind, dann fährt derjenige besser, der sich ihre Wünsche zu Eigen macht. (Royal Society Open Science, 2014; doi: 10.1098/rsos.140402)


Nota. - Durch ihre Zuchtwahl bestimmen über die Generationen hin Frauen, wie Männer sein zu müssen glauben. Und tatsächlich ist der verhausschweinte Mann in neun von zehn Fälle monogam eingerichtet. Und warum wird der übrig- bleibende zehnte Mann dann sprichwörtlich zum Popanz gemacht? Als Anregung für die andern, was denn sonst!

Arbeiten Sie mal in einem Beruf, wo sich Frauen unter sich glauben! Was meinen Sie, was Ihnen da als häusliche Klage häufiger zu Ohren kommt: "Der will immer nur das eine"? Oder vielmehr: "Der will ja immer nur seine Ruhe!" -?  

Da sehn Sie, was herauskommt, wenn die Natur die Zuchtwahl kurzsichtig nur der einen Seite überlässt.
JE




Sonntag, 8. März 2015

Mütterlichkeit.


385 ... Gewöhnlich liebt eine Mutter sich mehr in ihrem Sohn, als den Sohn selber.
______________________________________________________________________
Friedrich Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches, Siebentes Hauptstück. Weib und Kind.



Samstag, 7. März 2015

Der Bonus im Kopf.

aus Die Presse, Wien, 7. 3. 2015

Das Gehirn bestimmt das Geschlecht
Wiener Hirnforscher konnten nachweisen, wie die Geschlechtsidentität im Gehirn festgeschrieben ist. Männer und Frauen unterscheiden sich in der Verschaltung ihrer Hirnregionen.

von Petra Paumkirchner

Ob wir uns als Frau oder Mann sehen, wird durch die Geschlechtschromosomen – zwei X-Chromosomen bei den Frauen, ein X- und ein Y-Chromosom bei den Männern – und die Geschlechtsorgane bestimmt. Gleichzeitig ist die Geschlechtsidentität, also ob wir uns in unserem Körper als Frau oder als Mann fühlen, entscheidend. Liegt keine Übereinstimmung zwischen dem körperlichen Geschlecht und der persönlichen Geschlechtsidentität vor, können wir uns als Mann in einem weiblichen Körper oder umgekehrt fühlen. Die Mediziner sprechen von Transgender oder Transsexualität.



Mehrere Forschungsinstitutionen sind weltweit auf der Suche nach der Repräsentation der individuellen Geschlechtsidentität im Gehirn. In einer vom Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF geförderten Studie gelang es dem Hirnforscher Georg S. Kranz von der Uni-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Wien zu zeigen, dass sich die ganz persönliche Geschlechtsidentität jedes Menschen in der Vernetzung zwischen Hirnregionen widerspiegelt und nachweisbar ist. Die in Kooperation mit dem Niederländischen Institut für Neurowissenschaften in Amsterdam sowie Kollegen der Med-Uni entstandenen Erkenntnisse wurden kürzlich im Journal of Neuroscience veröffentlicht .

Vernetzungen untersucht

„Das Gehirn ist für unser Denken, Fühlen und Handeln verantwortlich“, so Kranz. Daher sei man logischerweise davon ausgegangen, dass auch die Geschlechtsidentität im Gehirn repräsentiert sein muss. „Uns gelang es, neuronale Korrelate, also Entsprechungen in der Gehirnaktivität, für das Geschlechtsempfinden in den Vernetzungen des Gehirns festzustellen“, sagt der Forscher.

Alle Regionen im Gehirn sind durch Millionen Nervenfasern verbunden und verschaltet. Die Mikrostruktur dieser Verbindungen lässt sich mittels diffusionsgewichteter Magnetresonanz-Tomografie (siehe Lexikon) im lebenden menschlichen Gehirn darstellen.

In der Studie wurden sowohl weibliche und männliche Personen als auch Transgenderpersonen untersucht. Dabei fanden sich signifikante Unterschiede zwischen Frauen und Männern in der Mikrostruktur der Hirnverbindungen. Transgenderpersonen nahmen eine Mittelstellung zwischen beiden Geschlechtern ein.

Worauf die gemessenen Unterschiede zurückzuführen sind, kann derzeit von den Forschern noch nicht nachgewiesen werden. Es könnte die ungleiche Anzahl, eine unterschiedliche Dicke oder Dichte von Nervenfasern oder eine unterschiedlich dicke Isolationsschicht verantwortlich sein. Dafür sind noch zahlreiche Folgestudien notwendig.
Die Vermännlichung des Hirns

Weiters fanden die Forscher einen starken Zusammenhang zwischen den Mikrostrukturverbindungen untereinander und dem im Blut gemessenen Testosteronspiegel. „Diese Ergebnisse legen nahe, dass sich die Geschlechtsidentität in der Struktur von Hirnnetzwerken widerspiegelt. Diese entwickeln sich, unter dem modulierenden Einfluss von Geschlechtshormonen, im Nervensystem“, sagt Projektleiter Rupert Lanzenberger.

Diese Ergebnisse bestätigen eine lang bestehende Theorie. Bei einem männlichen Fötus kommt es während der Schwangerschaft zu zwei Anstiegen des Testosteronspiegels. Bei weiblichen Föten bleiben diese Anstiege aus. Der erste Testosteronanstieg ist für die Anlage der männlichen Geschlechtsorgane verantwortlich. Der zweite, später erfolgende Anstieg sorgt für die Vermännlichung des Gehirns. Stimmen diese beiden Prozesse nicht überein, kann es zur Ausbildung von Transidentität kommen.

LEXIKON 
Diffusionsgewichtete Magnetresonanz-Tomografie (DW-MRI) ist ein bildgebendes Verfahren, das die Diffusionsbewegung von Wasser in Körpergeweben misst. Es wird vor allem zur Untersuchung des Gehirns verwendet, da man aufgrund der Diffusion von Wassermolekülen auf den Verlauf von Nervenfaserbündeln schließen kann. Einige neuronale Erkrankungen wie Multiple Sklerose und Epilepsie lassen sich so nachweisen.

Nota. - Sag ich's doch längst: Das weibliche Gehirn ist die Standardversion. Das männliche ist ein Bonus.
JE




Freitag, 6. März 2015

Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen bleiben.



Schlagzeile in der heutigen Frankfurter Allgemeinen.

Nota. - Wir sind beruhigt. Das Mainstreaming ist an seine Grenze gestoßen. Klein, aber oho.
JE



Dienstag, 3. März 2015

Das nachhaltig prägende Geschlecht.


Pierre  & Gilles, Apollon
aus scinexx

Warum wir mehr unseren Vätern ähneln
Ungleichgewicht bei der Genexpression verschafft väterlichen Genen die Überhand

Wie der Vater, so das Kind: Säugetiere sind genetisch gesehen mehr wie ihre Väter, dies ergab eine neue Studie. Auch wenn wir die gleiche Menge an Genmutationen von unseren Eltern erben, „nutzen“ wir doch mehr DNA unserer Väter. Hierfür verantwortlich sind sogenannte genomisch geprägte Gene, dies berichten Forscher im Fachmagazin „Nature Genetics“.

Genomic imprinting, auf deutsch genomische Prägung, bezeichnet das Phänomen, dass wir zwar von jedem unserer Elternteile jeweils eine Kopie jedes Gens erhalten. Aber nur eines dieser beiden elterlichen Allele ist dabei aktiv, das andere bleibt inaktiv. Die Gene, bei denen dies vorkommt, nennt man geprägte Gene. Weil die beiden Allele unterschiedliche Informationen enthalten, hat dies unterschiedliche Auswirkungen auf den Phänotyp, je nachdem ob die aktive Kopie vom Vater oder der Mutter kommt. 

Das aber kann auch Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben. Denn erben wir eine schädliche Genmutation von einem der Elternteile, dann spielt es eine wichtige Rolle, ob sie zum Tragen kommt oder ohnehin inaktiv bleibt. Auch bei häufigen, aber komplexen Krankheiten wie Typ-2- Diabetes, Herzkrankheiten oder Krebs sind solche Genmutationen vermutlich mit im Spiel.

Mäuse als Modell

Pardo-Manuel de Villena und seine Kollegen der University of North Carolina (UNC) in Chapel Hill haben untersucht, bei welchen und wie vielen Genen eine Kopie regelmäßig die Überhand behält. Für ihre Studie analysierten die Forscher Nachkommen von verschiedenen miteinander gekreuzten Mäusestämmen. Sobald die Tiere ausgewachsen waren, untersuchten die Wissenschaftler die Ausprägung unterschiedlicher Gene in vier verschiedenen Gewebearten. Dann bestimmten sie für jedes einzelne Gen, wie hoch der Anteil der mütterlichen und der väterlichen Expression war.

Nachkommen ähnelten mehr den Vätern

Die Forscher entdeckten zwei bedeutende Funde: „Wir fanden heraus, dass eine enorme Mehrheit der Gene – über 80 Prozent- Varianten enthielten, die die Genexpression veränderten“, sagt Koautor James Crowley. Das bedeutet, dass viel mehr Gene dem Imprinting unterliegen, als bisher angenommen. Bisher wusste man, dass 95 Gene genetisch geprägt sind, nun haben die Forscher tausende neuer Gene gefunden, die diese Eigenschaft aufweisen.

Außerdem stellten die Wissenschaftler fest, dass es ein genomweites Ungleichgewicht zugunsten des Vaters gab. Bei mehreren hundert Genen setzt sich immer die vom Vater geerbte Variante durch und bleibt aktiv. „Wir wissen nun, dass bei Säugetieren die Genvariationen der Väter häufiger zum Ausdruck kommen", erklärt de Villena. "Also stellen Sie sich vor, eine bestimmte Mutation ist schädlich. Würden wir diese von unserer Mutter erben, würde das Gen nicht so sehr zum Ausdruck kommen, als wenn wir es von unserem Vater erben würden.“

Neue Aussichten für Forschung

„Dies sind außergewöhnliche neue Studienergebnisse, die die Tür zu einer komplett neuen Welt der menschlichen Genetikforschung öffnet“, sagt de Villena. Gerade weil die Erforschung von menschlichen Krankheiten in der Regel die genomische Prägung bei Experimenten mit Mäusen nicht berücksichtigt. 

Für jedes Gen, das Wissenschaftler interessiert, kann von der Forschergruppe der UNC eine Maus „kreiert“ werden, die für dieses Gen eine niedrige, mittlere oder hohe Genexpression aufweist. Folgend können sie untersuchen, ob die Genexpression mit einer bestimmten Krankheit in Verbindung steht. So kann die neue Vorgehensweise Forschern bessere Einsichten in die zugrundeliegenden Ursachen von Krankheiten geben und so bei der Entwicklung von Therapien und weiteren Eingriffen helfen. (Nature Genetics, 2015; doi: 10.1038/ng.3222)

(University of North Carolina Health Care, 03.03.2015 - MAH)


Nota.- Mit andern Worten, die Menschen und auch die Mäuse werden immer männlicher, zumindest dem Phänotyp nach. Das würde auch erklären, warum die heutigen Generationen so viel schöner sind als unsere frühzeitlichen Vorfahren, hab ich Recht?
JE