Ein breiter Blick in die Gehirne von Männern und Frauen hat zwar einige Differenzen gefunden, aber keinen Sexualdimorphismus.
Männer haben größere Gehirne. Das steht fest, bietet allerdings
keinen Grund zu Schlussfolgerungen: Männer sind generell größer, das
ist ein biologischer Sexualdimorphismus, die Geschlechter haben auch
sonst unstrittig unterschiedliche Körperformen. Nur wie es drinnen so
ist, im Kopf, das ist durchaus strittig und wird bisweilen mit
Glaubenseifer ausgefochten. Fest steht wieder, dass Männer eine bessere
Orientierung im Raum haben, mit einer Ausnahme: Auf Märkten erinnern
Frauen sich perfekt daran, wo sie das letzte Mal gut eingekauft haben.
Das ist ein Erbe der Jäger und Sammler – Männer mussten von der Jagd
nach Hause finden, Frauen mussten wissen, wann es wo was zu ernten gibt
–, es ist also kulturell erklärbar. Anderes und Härteres ist es nicht:
Männer leiden viel häufiger an Autismus, Frauen werden öfter von
Alzheimer geschlagen (in vergleichbarem Alter): Es kann nur an
biologischen Unterschieden liegen. Aber wo die in den Gehirnen sitzen, ist rätselhaft, und die generelle
Erkundung dieser biologischen Phänomene ist eben überlagert mit den
sozialen Zuschreibungen von „Gender“. Zudem kann man Gehirne im Inneren
nicht so leicht vermessen, es gibt zwar Studien, aber sie haben meist
ein kleines Sample, weniger als hundert. Deshalb hat Stuart Ritchie
(Edinburgh) sich bei der UK Biobank bedient, in der sind Langzeitdaten
von 500.000 Menschen, von 5000 auch Magnetresonanzbilder der Gehirne:
Männergehirne sind wieder größer, und wenn man um die Körpergröße
korrigiert, bleiben manche es auch, etwa der Hippocampus, zuständig für
Erinnerung und Orientierung, oder die Amygdala, zuständig für Erinnerung
und Entscheidungen. Insgesamt 14 Areale sind bei Männern größer, 10 bei
Frauen, die Differenzen sind jedoch so klein, dass Ritchie „keinen
Sexualdimorphismus“ sieht (bioRxiv 4. 4.).
Den Männern fehlt etwas Etwas anderes hat er gesehen: In männlichen Gehirnen ist die
Bandbreite der Größe der Areale viel weiter, das passt zu dem älteren
Befund, dass die Intelligenz innerhalb der Männer unterschiedlicher
verteilt ist: Es liegt vermutlich am X-Chromosom: Hat ein dortiges Gen
Probleme, kann bei Frauen das vom anderen X einspringen. Aber Männer
haben nur ein X. (jl)
Weibchen lässt Männchen gewinnen Einzell-Embryos
sind faszinierend: In ihnen muss das weibliche und männliche Erbgut
eins werden. Einen ersten Wettkampf entscheidet dabei das männliche
Genom für sich.
Aus zwei mach eins: Das passiert, wenn ein Spermium eine
Eizelle befruchtet. Es ist der einzige Zeitpunkt, an dem zeitgleich zwei
Zellkerne in einer Zelle sind. „Das Genom in Spermien ist völlig anders
strukturiert als in anderen Körperzellen“, erklärt Kikue
Tachibana-Konwalski vom Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA)
der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Damit die männliche
DNA in den winzigen Spermienkopf passt, ist sie um spezielle Proteine
gewickelt: nämlich um Protamine. Alle restlichen Körperzellen, inklusive
der Eizellen, nutzen Histone, um die lange DNA-Schnur kompakt zu
verpacken.
Diese Proteine sind wichtig für die Epigenetik: also für jede
Steuerung, was aus einer Zelle wird, die nicht von der DNA-Sequenz
bestimmt wird. Epigenetisch sorgen also Schutzproteine und andere
Moleküle dafür, welche Teile der DNA aktiviert und in Proteine umgesetzt
werden und welche stumm geschaltet bleiben. Nur so ist es möglich, dass
alle Zellen eines Menschen dieselbe DNA haben, aber ganz
unterschiedliche Dinge bilden wie Wimpern, Haut, Leberzellen oder den
Herzmuskel.
Keimzellen müssen vergessen „Die große Frage ist, wie werden kurz nach der Befruchtung das
männliche und das weibliche Genom neu organisiert, damit daraus ein
neues Lebewesen entstehen kann“, sagt Tachibana-Konwalski.
Denn
Spermien- und Eizelle müssen vergessen, was sie vorher waren, also ihre
epigenetische Programmierung löschen, sonst könnte daraus nichts Neues
wachsen. „Dass hier epigenetisch viel passiert, war schon klar. Wir
haben nun eine Methode entwickelt, die so genau wie nie zuvor abbildet,
wie sich die 3-D-Strukturen der männlichen und weiblichen Genome kurz
nach der Befruchtung entwickeln“, erklärt Tachibana-Konwalski. Die
Methode, die nun im Fachjournal „Nature“ publiziert wurde, entwickelte
ihr Masterstudent Ilya Flyamer mit Eizellen, die Dissertantin Johanna
Gassler wendete sie bei Einzell-Embryos an. Unterstützung bei den
Simulationsmodellen kam aus den USA, vom Massachusetts Institute of
Technology (MIT).
Herkömmliche Methoden, um die 3-D-Struktur von
DNA zu messen, verwenden zugleich Millionen von Zellen und erhalten
Durchschnittswerte. „Das wäre, als ob man fünf Millionen Profilfotos
übereinander legt und dadurch erfährt, dass ein Mensch zwei Augen, zwei
Ohren, eine Nase und einen Mund hat“, sagt Tachibana-Konwalski. „Unsere
Methode kann das ,Gesicht‘ der einzelnen Eizellen abbilden. Wir können
in jeder individuell sehen, welche Charakteristika sie hat.“ So erkennt
man, welche DNA-Stränge und DNA-Schleifen nahe beinander liegen – und
vielleicht gemeinsam reguliert werden – und welche nicht.
Die
Auswertung zeigte Überraschendes: Obwohl das Genom des Spermiums sich
völlig umstrukturieren muss – seine Protamin-Aufwickelung auflösen und
sich neu um Histone arrangieren –, gewinnt es das Wettrennen und
erreicht alle drei Levels der Genomorganisation schneller als das Erbgut
der ehemaligen Eizelle.
Männchen erreicht Level drei Level eins ist, dass der lange DNA-Strang in Schleifen gelegt wird,
damit Stellen, die auf dem Strang weit entfernt sind, in der Schleife
nahe zusammenkommen. Level zwei sind Schleifen in diesen Schleifen. Und
Level drei ist bis heute noch nicht ganz verstanden: Durch mysteriöse
Mechanismen nähern sich DNA-Abschnitte, die aktiv umgesetzt werden, an
und rotten sich zusammen. Das tun auch Abschnitte, die zur Zeit stumm
geschaltet sind. „Das weibliche Genom ist kurz nach der Befruchtung nur
in Schleifen organisiert. Das männliche Genom hingegen erlangt schon in
wenigen Stunden alle drei Levels“, sagt Tachibana-Konwalski. Erst wenn
beide Genome vereint in diesem dritten Level ankommen, kann
wahrscheinlich die Bildung eines neuen Organismus beginnen – mit all
seinen unterschiedlichen Zelltypen.
„Dass das männliche Genom das
Wettrennen gewinnt, war sehr überraschend. Immerhin dirigieren die
Eiweißkörper der Eizellen die Neuorganisation des männlichen Genoms“, so
Tachibana-Konwalski. Die Annahme ist nun, dass das weibliche Genom dem
männlichen den Vortritt lässt.
Erst wenn die 3-D-Strukturierung
des männlichen Genoms abgeschlossen ist, vervollständigt das weibliche
Erbgut seine Strukturierung. Und gemeinsam starten beide die Bildung
eines mehrzelligen Embryos. Ob die Tatsache, dass das männliche Genom
schneller organisiert ist und schneller umgesetzt wird als das
weibliche, auch Einfluss darauf hat, dass männliche Merkmale stärker im
Embryo angelegt werden, kann diese Studie aber nicht beantworten.
LEXIKON
Einzell-Embryo nennt man die befruchtete Eizelle, in
der sich das weibliche Erbgut und das männliche aus dem Spermium
befinden. Zu keinem anderen Zeitpunkt sind zugleich zwei
unterschiedliche Zellkerne in einer Zelle.
Das Einzell-Stadium wird
auch als Zygote bezeichnet: Direkt nach der Befruchtung wird die
Außenhülle verstärkt, damit keine weiteren Spermien eindringen. Beim
Menschen dauert das Einzell-Stadium etwa 30 Stunden, nach der
Zellteilung kommt es zum Zweizell-, dann zum Vierzell-Stadium usw., bis
nach circa drei Tagen ein 16-zelliges Blastomer vorliegt. Die
vorliegende Studie wurde an Mäusen durchgeführt.
Nota. - Prosaisches Faktum: Das männliche Erbgut schafft seine Umstrukturierung schneller als das weibliche. Ideologische Verpackung: Das überrascht den Biologen; er ist nämlich gewöhnt, dass auf der Mikroebene das Männliche gegenüber dem Weiblichen zunächst im Nachteil ist (den es auf der Normalebene mehr oder minder kompensieren muss). Doch hier ist es mal anders.
Ein biologischer Grund, weshalb das Männliche schneller ist, lässt sich auf den ersten Blick nicht erkennen. Nahe läge: nach einem biologischen Grund zu suchen, weshalb das Weibliche langsamer ist. Aber nein, das wäre politisch nicht korrekt! Ein biologischer Rückstand des Männliuchen, naschön, das ist üblich; aber ein biologischer Rückstand des Weiblichen? Unerhört, das kann nicht sein! Zuerst vermutet die Wissenschaft also, dass das Weibliche dem Männlichen 'den Vortritt lässt', großzügig, wie wir es nun einmal kennen.
Und das machen sie alle, die weiblichen Keimzellen, als hätten sie sich's überlegt und miteinander abgespro- chen. Das ist zwar nicht wissenschaftlich gedacht, aber korrekt; es ist eine ergiebige Forschungshypotheses, denn siebringt Drittmittel ans Institut. JE
Frauen wollen einen gut aussehenden Partner Angeblich
kommt es bei der Suche nach dem "Richtigen" nicht so sehr aufs Aussehen
an. Doch männliche Attraktivität ist wichtiger als Persönlichkeit.
Für Frauen sind bei der Partnerwahl
vor allem die „inneren Werte“ entscheidend. Zumindest in Befragungen
stellen sie Eigenschaften wie nett, verständnisvoll, kooperativ,
humorvoll, familienfreundlich, interessant, intelligent und gebildet in
den Vordergrund. Die äußerliche Attraktivität des Partners landet
regelmäßig auf den hinteren Plätzen, erscheint als weniger wichtig. Aber
das ist wohl nur ein Teil der Wahrheit, wie eine neue Studie aus den
USA zeigt. Sobald Frauen zwischen den Porträts
attraktiver und weniger attraktiver Männer wählen können, entscheiden
sie sich für die besser aussehenden, auch wenn diese weniger positive
Charakterzüge haben. Die „äußeren“ triumphieren über die „inneren
Werte“.Madeleine Fugère von der Eastern Connecticut
State University und ihr Team befragten 80 Frauen zwischen 15 und 29
nach ihren Vorlieben in Bezug auf einen männlichen Partner. Zusätzlich
wurden auch 61 Mütter interviewt, welchen Typ von Mann sie für ihre
Töchter bevorzugten.
Wer kommt für ein Rendezvous in Frage?
Jede Frau bekam drei Fotos verschiedener Männer vorgelegt, das jeweils
von einem Persönlichkeitsprofil mit drei Eigenschaften ergänzt wurde.
Das „freundliche“ Profil etwa setzte sich aus „freundlich, zuverlässig,
reif“ zusammen, das „gefällige“ aus „ansprechende und angenehme
Veranlagung, ehrgeizig, intelligent“. Die Frauen mussten entscheiden,
für wie attraktiv sie den jeweiligen Mann hielten, wie sie seine
Persönlichkeit bewerteten und ob er für ein Rendezvous in Frage kam.
Am wichtigsten war den Frauen die körperliche Attraktivität, wie die im Fachblatt „Evolutionary Psychological Science“
veröffentlichte Studie ergab. Besonders gut aussehende Männer landeten
ebenso auf den vorderen Plätzen wie durchschnittlich aussehende Männer.
Nur wenn sie über eine ausgesprochen schmeichelhafte Persönlichkeit
verfügten, war es Durchschnittstypen möglich, genauso begehrt zu werden
wie ausgesprochen ansehnliche Männer. Die Mütter waren
kompromissbereiter, in ihrem Urteil war das Äußere nicht gar so wichtig.
Wer nicht attraktiv ist, hat wenig Chancen
In jedem Fall arm dran waren von der Natur nicht so begünstigte Herren.
Ihr Charakter konnte noch so verheißungsvoll sein, der äußere Makel
verhinderte, dass sie als möglicher Partner in Frage kamen. „Ein
minimales Maß an männlicher körperlicher Attraktivität ist für Frauen
wie für ihre Mütter zwingend“, lautet die Schlussfolgerung der Autorin
Fugère.
Ernüchternd, aber aus psychologischer Sicht
nachvollziehbar. Denn das angenehme Äußere eines möglichen Partners ist
kein purer Selbstzweck. Es wird unbewusst offenbar mit anderen positiven Eigenschaften
verknüpft, etwa mit einem ebenso angenehmen Charakter, mit Gesundheit
und Fruchtbarkeit. Dagegen ist ein gutes Persönlichkeitsprofil, das nur
auf dem Papier steht, aber von einem wenig einnehmenden Äußeren
begleitet wird, schlicht nicht überzeugend.
„Äußere
Werte“ wie ebenmäßige und symmetrische Gesichtszüge sind also durchaus
ein Anzeichen für verborgene „innere“ Qualitäten einer Person. Das mag
ein Grund dafür sein, dass Schönheit – männliche wie weibliche – uns
blenden kann und des kritischen Urteils beraubt.
Nota. - Das mit den inneren Werten hat sowieso nie einerR geglaubt. Bemerkenswert ist diese Studie trotzdem, aber sie ist tendenziös und einseitig. Neben die Fotos hätten auch die Kontoauszüge gelegt werden sollen. JE
Angeklagte in Vergewaltigungsprozessen kommen überproportional häufig mit einem Freispruch davon.
Ein Tübinger Kriminologe vermutet, das liege an der gewachsenen Sensibilität für das Thema.
Das heißt: Zwar hat das Bemühen der Justiz zugenommen, Angeklagte
in Vergewaltigungsprozessen zu verurteilen, aber oft ist die Beweislage
so dünn, dass die Richter den Angeklagten am Ende freisprechen müssen.
Von Wolfgang Janisch, Karlsruhe
Der Freispruch ist eine ambivalente Angelegenheit. Einerseits hat
er einen bitteren Beigeschmack: Der Angeklagte musste zunächst ein
womöglich langwieriges und belastendes Verfahren über sich ergehen
lassen, bevor seine Unschuld amtlich festgestellt wurde. Ob die Weste
dadurch wieder weiß wird, ist zweifelhaft; irgendwas bleibt immer
hängen. Andererseits: Freispruch heißt, dass die Justiz
sich korrigieren kann. Ein Gericht befindet einen Angeklagten für
unschuldig. Wahrscheinlich ist eine gewisse Freispruchquote notwendig,
um das Grundvertrauen in die Justiz aufrechtzuerhalten; bei null Prozent
wäre man misstrauisch. Der Tübinger Kriminologe Jörg Kinzig stellt am kommenden Samstag
beim Strafverteidigertag in Bremen eine Studie vor, für die sein Team
mehr als 300 Freisprüche untersucht hat, bei
denen der Angeklagte anfangs noch in Untersuchungs-haft genommen worden
war - also ein "dringender Tatverdacht" bestand. Die erste Erkenntnis
der Arbeit lautet: Statistisch ist der Freispruch eine verlässliche
Größe. Über 940 000 Angeklagte wurde im Jahr 2015 ein Urteil gesprochen, in 27 000 Fällen war dies ein Freispruch. Macht drei Prozent. In den Siebzigerjahren waren es mal vier Prozent, um das Jahr 2000 nur 2,5, aber seit Jahren ist die Kurve stabil. Dazu muss man allerdings wissen, dass sich hinter der scheinbar so
niedrigen Quote von Freisprüchen in Wahrheit eine große Zahl von
Verfahren verbirgt, die schon vorher aussortiert wurden: Die
Staatsanwaltschaften stellen etwa 60 Prozent
ihrer fünf Millionen Verfahren ein. Auch die Strafgerichte verfügen in
einem Viertel der Fälle, die zu ihnen gelangen, eine Einstellung. Viele
kleine Quasi-Freisprüche also, bevor es überhaupt zum Urteil kommt -
ein Filtersystem. Häufiger Freispruch für Angeklagte in Vergewaltigungsprozessen
In der Detailanalyse sticht freilich eine Rubrik unangenehm deutlich hervor - Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen. 2015
lag die Freispruchquote dort bei einem Viertel. Das ist nicht nur ein
Riesen-abstand zum Durchschnittswert von drei Prozent, sondern auch zu
anderen Delikten mit hoher Freispruchrate, wie Raub (gut neun Prozent)
oder Tötungsdelikte (mehr als acht Prozent). Angeklagte in
Vergewaltigungsprozessen kommen also überproportional häufig mit einem
Freispruch davon: Ist das nun ein Beleg für eine männerdominierte und
frauenfeindliche Justiz?
Aus Sicht der Forscher spricht wenig für diese
These, übrigens schon deshalb, weil die Justiz mit ihrem hohen
Frauenanteil längst nicht mehr männerdominiert ist. Sexualdelikte
gehören, was die Beweislage angeht, zu den kompliziertesten Verfahren,
das weiß man nicht erst seit dem Prozess gegen Jörg Kachelmann. Häufig
steht Aussage gegen Aussage, weitere Beweise sind nicht vorhanden.
Manchmal ziehen Opfer ihre Aussage zurück, weil sie sich mit dem Täter
wieder versöhnt haben. Oder weil sie von ihm unter Druck gesetzt wurden.
Oder weil es eben doch keine Vergewaltigung war, sondern
einvernehmlicher Sex.
Über 940 000 Angeklagte wurde 2015 geurteilt. In 27 000 Fällen war dies ein Freispruch.
Aber das erklärt noch nicht die beklemmend hohe Freispruchquote.
Kinzigs These lautet: Möglicherweise liegt die Ursache nicht etwa in
einer mangelnden, sondern im Gegenteil in einer besonders großen
Sensibilität für das Thema. "Auch in wackeligen Fällen, die früher
eingestellt worden wären, werden inzwischen Anklagen geschrieben und
Prozesse geführt." Sein Mitarbeiter Wolfgang Stelly hat bei der Analyse
von Fallakten den Eindruck gewonnen, dass den Aussagen der -
tatsächlichen oder vermeintlichen - Opfer in den Anklagen sogar ein
gewisser Vertrauensvorschuss eingeräumt werde. Oft dünne Beweislage Auch eine andere Zahlenkurve spricht für diese Einschätzung: Mag
die Freispruchquote ansonsten stabil sein, bei den Sexualdelikten hat
sie sich in den vergangenen beiden Jahrzehnten ungefähr verdoppelt. Also
just in dem Zeitraum, in dem die öffentliche Aufmerksamkeit dafür
gewachsen ist und man also eher das Gegenteil erwartet hätte - weniger
Freisprüche für mutmaßliche Vergewaltiger. Wenn das stimmt, dann könnte
das heißen: Zwar hat das Bemühen der Justiz zugenommen, Angeklagte in
Vergewaltigungsprozessen zu verurteilen; die Staatsanwälte erheben
Anklage, die Richter führen die Prozesse. Dadurch aber erhöht sich der
Anteil von Verfahren, in denen die Beweislage dünn ist und die Richter
am Ende doch freisprechen müssen. Bleibt die Frage, wo eigentlich bei so vielen später
Freigesprochenen der dringende Tatverdacht herkam, der ihnen erst
einmal ein paar Monate U-Haft eingebracht hat. Die Gründe reichen von
wankelmütigen Zeugen bis zur überraschenden "Wende" im Prozess. In
ungefähr der Hälfte der Fälle hat sich allerdings im Verlauf des
Verfahrens fast nichts geändert. Beispiel: Am letzten Arbeitstag eines
Saisonarbeiters in einem Gasthaus verschwinden 390 Euro aus der Geldbörse des Kellners. Möglicher Täterkreis: Mindestens ein Dutzend Gäste und Angestellte. 63
Tage sitzt ein Beschuldigter in Untersuchungshaft. Danach wird er
freigesprochen - weil auch viele andere als Täter in Betracht kommen. Die Analyse der Fallakten deutet nach Stellys Worten darauf hin,
dass manche Menschen eben schneller in der U-Haft landen als andere. Von
den untersuchten U-Häftlingen hatten zwei Drittel
Migrationshintergrund, drei Viertel waren vorbestraft, die Hälfte
arbeitslos, fast ein Viertel ohne festen Wohnsitz. Wie dringend der
Verdacht tatsächlich ist, spielt danach oft eine Nebenrolle.
Mannsein ist, wenn es gelingt, die Überkompensation einer Organminderwertigkeit.
Wenn es nicht gelingt, ist es eine Organminderwertigkeit.
Der Mann ist typischerweise merklich über- oder merklich unterdurchschnittlich.Am durchschnittlichen Mann ist ein Weib verlorengegangen.
Frauen stresst das Leben mehr Männer und Frauen bewerten potenzielle Stressfaktoren anders
Gestresste Frauenwelt: Frauen lassen sich
von belastenden Situationen stärker stressen als Männer – zumindest aus
subjektiver Sicht. In einer Umfrage unter Briten bewerteten weibliche
Teilnehmer Ereignisse wie den Tod eines Angehörigen, Krankheit oder
finanzielle Nöte durchweg als stressiger. Das könnte sie auch anfälliger
für stressbedingte Krankheiten machen, glauben die Forscher.
Stehen wir häufig unter Stress, hat dies Folgen für Körper und Geist: Die Belastung macht vergesslicher, schwächt unsere Selbstkontrolle und kann im Alter sogar die Anfälligkeit für Demenz erhöhen. Zu viel Stress schadet uns demnach – das gilt für Männer wie Frauen gleichermaßen. Doch es gibt auch Unterschiede
zwischen den Geschlechtern, wie Forscher inzwischen wissen. So
verhalten sich Frauen in stressigen Situationen oft anders als Männer –
und auch ihr Körper reagiert unterschiedlich. Je nach Geschlecht
schüttet er zum Beispiel andere Hormone aus. Das wirkt sich offenbar
auch auf den subjektiv empfundenen Stress der Betroffenen aus. Durchweg stärker gestresst Wie stark sich die Wahrnehmung von Stress bei Männern und Frauen
tatsächlich unterscheidet, haben Wissenschaftler nun mithilfe einer
Umfrage untersucht. Im Auftrag der europäischen Physiological Society
bat das Meinungsforschungs- institut YouGov dafür 2.078 Briten um eine
persönliche Einschätzung: Sie sollten einstufen, wie sehr sie bestimmte
Lebensereignisse stressten – zum Beispiel der Tod eines Angehörigen,
Krankheit, finanzielle Probleme oder der Brexit. Das frappierende Ergebnis: Bei allen abgefragten Ereignissen fühlten
sich Frauen dem eigenen Empfinden nach gestresster als die männlichen
Teilnehmer. "Dass dieser Unterschied bei wirklich jedem Ereignis
deutlich wurde, war schon bemerkenswert", sagt Lucy Donaldson von der
Physiological Society. Besonders groß war der Unterschied demnach bei
der Bedrohung durch Terrorismus. Die geringste Stressdifferenz
verursachte die Geburt des ersten Kindes. Auch das Alter spielt eine Rolle Auch das Alter spielte bei der Bewertung von Stress offenbar eine Rolle.
Je älter die Befragten waren, desto stressiger schienen ihnen viele
Ereignisse. Die wenig überraschenden Ausnahmen: Der Verlust des
Smartphones wurde durchweg von jüngeren Menschen als stressiger
bewertet. Und auch die Geburt eines Kindes stresste junge Befragte mehr –
wahrscheinlich, weil sie öfter als Ältere mit dieser Situation
konfrontiert sind. Die Wissenschaftler wollen nun vor allem für die möglichen körperlichen
Folgen von Stress sensibilisieren: "Viele Menschen sind sich zwar
bewusst, welchen Einfluss Stress auf die mentale Gesundheit haben kann.
Es ist aber auch wichtig, die Folgen für den Körper zu bedenken. Das
Gehirn, das Nerven-, das Hormonsystem – sie alle reagieren auf Stress
und das hat wiederum Auswirkungen auf das Herz, das Immunsystem und den
Magen-Darm-Trakt", sagt Donaldson. Dass Frauen sich oft gestresster
fühlten als Männer, könne sie womöglich anfälliger für schwerwiegende
Krankheiten machen.
(The Physiological Society, 17.03.2017 - DAL)
Nota. - Männer sind zwar empfindlicher, aber Frauen klagen. Doch das hat seine evolutionäre Logik. Da sie schon verletzlicher auf die Welt gekommen sind, ist es eine Überlebensfrage, ob sie sich einen Panzer umlegen oder nicht. Es bleibt männlichen Individuen gar nichts anderes übrig, als sich abzuhärten. Haben sie denn jemand, der sie im Ernstfall schon beschützen wird? Es ist umgekehrt, Schutz wird von ihnen erwartet. Dass ihnen auch noch nachgesagt wird, die wahren Zimperliesen wären sie, fällt da schon gar nicht mehr ins Gewicht.
JE
Nota.Das
obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie
der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht
wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE
Warum Löwenmännchen
Konkurrenz brauchen In Löwenrudeln wechseln regelmäßig die Alphatiere. Zoologen haben nun
eruiert, warum in Namibia diese Wechsel seltener sind und dadurch die
genetische Vielfalt leidet
von Kai Althoetmar
Durban/Wien – Aus Tierdokumentationen kennt man die Szenen: Ein
männlicher Löwe erobert ein Rudel, vertreibt das bisherige Alphamännchen
und tötet den noch jungen Nachwuchs, den sein Vorgänger mit den
Löwinnen des Rudels gezeugt hatte. Möglichst schnell will der neue
Rudelführer seine Gene weitergeben, was nur geht, wenn die Weibchen
wieder empfängnisbereit sind. Der Sinn der "Grausamkeit"
Was Tierfreunde als Grausamkeit empfinden mögen, erfüllt biologisch
einen Sinn. Der Chefwechsel im Löwenrudel verhindert Inzucht und damit
eine genetische Verarmung der Population. Denn sobald ein Rudelführer
seine Gruppe drei, vier Jahre am Stück unter Kontrolle hat, beginnt er
sich auch mit den eigenen Töchtern zu paaren.
Es gehört also zum Lauf der Natur, dass der Alphalöwe im Schnitt nach
zwei bis drei Jahren wieder gestürzt wird. Nicht immer geht das mit
Infantizid, der Tötung der Jüngsten, einher. Oft gelingt es den
Löwinnen, das Leben ihres Nachwuchses zu verteidigen, oder sie ziehen
mit ihren Jüngsten ab. Langfristige Gefährdung
Konflikte zwischen Mensch und Raubkatze können diese Abläufe allerdings
stören, wie Forscher aus Österreich und Südafrika ermittelt haben: Durch
Abschüsse von Viehzüchtern droht den Beständen genetische Verarmung,
und sie gefährden langfristig die Raubkatzenpopulationen.
Für seine Studie im "Journal of Zoology" markierte das Team um die
österreichische Zoologin Martina Trinkel von der südafrikanischen Uni in
KwaZulu-Natal und Paul Fleischmann von der HTL Hallein in Namibias
Etosha-Nationalpark 181 Löwen vor 17 Jahren mit Brandzeichen; ein bis
zwei Weibchen je Rudel wurden mit Radiohalsbändern ausgestattet. Das
Alter der Tiere ermittelten die Forscher anhand der Zähne.
Der Etosha-Nationalpark ist seit 1973 umzäunt. Allerdings büxen Löwen
regelmäßig durch Löcher aus, die Warzenschweine und Stachelschweine
unter dem Zaun graben. Vor allem halbwüchsige Löwenmännchen und
erwachsene Löwinnen machten sich davon. Die Tiere ziehen dann meist wie
Nomaden umher, häufig auf ungünstigem Terrain, ehe sie später andere
Rudel zu übernehmen versuchen. Hohe Löwenverluste
An den Osten und Süden des Etosha-Parks grenzt kommerzielles Farmland.
Viehzüchter halten dort extensiv Rinder. Dem mit Rindern reich gedeckten
Tisch außerhalb des Parks können die ausgerissenen Löwen nicht
widerstehen. Farmer reagierten auf Viehrisse durch die vagabundierenden
Löwen sehr oft mit Abschuss. 59 Prozent der halbwüchsigen Löwenmännchen
und 27 Prozent der erwachsenen Löwenweibchen, die den Park verließen,
wurden in den 17 Jahren auf dem Farmland entlang der Parkgrenzen
erschossen oder gezielt vergiftet. Die getöteten Männchen fielen damit
aus, um künftig im Park Rudel zu übernehmen.
Die Zoologen konnten die abgeschossenen Löwen anhand ihrer Brandzeichen
identifizieren. Tiere, die nicht von Farmern getötet wurden, kamen durch
Kämpfe untereinander, Verletzungen bei der Jagd oder altersbedingt um.
62 von 82 Todesfällen, deren Ursache festgestellt wurde, gingen auf
Menschen zurück. In vier Fällen wurden sogar ganze Rudel auf Farmland
ausgelöscht. Das geschah zum Beispiel, nachdem im Park ein Wasserloch
ausgetrocknet war und das gesamte Rudel den Park verlassen hatte. Hohes Inzuchtrisiko
Das hatte Folgen für die Löwen im Park: Vermutlich wegen des Mangels an
Konkurrenz durch heranwachsende Männchen hielten erwachsene Löwen ihre
Rudel fast sieben Jahre lang in Besitz, schreiben Trinkel und Kollegen.
Das sei dreimal so lang wie sonst üblich und erhöhe das Inzuchtrisiko.
Löwen, die ein Rudel eroberten, waren zu dem Zeitpunkt im Schnitt 5,2
Jahre alt, die gestürzten Rudelchefs waren durchschnittlich schon elf
Jahre alt und hatten im Mittel 6,7 Jahre lang die Kontrolle über ihre
Gruppe – eine unnatürlich lange Dauer.
Nota. -Seine ganze Jugend langhat er gekämpft wie ein Löwe, und als er es endlich bis an die Spitze geschafft hatte, ging der Stress erst richtig los: All seine Damen wollten bedient sein, und alle Nasen lang musste ein Rivale in die Flucht geschlalgen werden. Bis nach zwei, drei Jahren einer stärker war als er, zu dem sind die Damen übergelaufen, und ihn haben sie in die Wüste gejagt, wo er ganz alleine schließlich verhundern musste.
Die Leidenschaft hat ihn soweit gebracht; beneidenswert, wer frei davon. JE