Sonntag, 18. August 2019

Alles nur Erziehung.


Das Karnickel zieht vor Gericht. Es fühlt sich diskriminiert: Keiner ist bereit, es als Peking-Ente zuzubereiten. Die Köche sagen: Es schmeckt eben anders. Aber die Anwältin des Karnickels, seine Mutter, argumentiert: Alles nur Erziehung; die Köche solln sich mehr Mühe geben. 







Samstag, 17. August 2019

Jungens auf Bestellung.

F. Boucher
aus derStandard.at, 16. August 2019

Geschlechterselektion
Neue Methode könnte die Geburt von Mädchen verhindern 
Forscher fanden heraus, wie sich Spermien mit dem X-Chromosom verlangsamen lassen – Bioethiker warnen vor möglichen Folgen 

von Klaus Taschwer

London/Wien – Jahrhundertelang rätselte die Wissenschaft, was für das Geschlecht eines Neugeborenen verantwortlich ist. Die Frage war mitunter auch von eminenter politischer Bedeutung – wenn es darum ging, einen männlichen Thronfolger zu zeugen.

Im Jahr 1898 behauptete der Wiener Embryologe Samuel Leopold Schenk, der auch ein Pionier der In-vitro-Fertilisation (IVF) war, dass Frauen durch spezielle Ernährung vor der Empfängnis für männlichen Nachwuchs sorgen könnten. Damit machte er zwar international kurz Schlagzeilen. Doch die Methode erwies sich als Irrtum, und Schenk verlor deshalb – und aufgrund des damals herrschenden Antisemitismus – sogar seine Professur an der Uni Wien.

Spermien als "Träger" des Geschlechts

Heute weiß man, dass es bei Menschen und anderen Säugetieren das X- und das Y-Chromosom sind, die für das Geschlecht sorgen und Umweltfaktoren wie Ernährung keine Rolle spielen. Konkret entscheiden die Spermien des Vaters darüber, ob der Nachwuchs männlich oder weiblich wird: Befruchtet ein Spermium mit einem X-Chromosom die Eizelle, trägt der Embryo zwei X-Chromosomen und wird zum Mädchen, während ein Spermium mit einem Y-Chromosom für männlichen Nachwuchs sorgt.

Bei einem mittels IVF gezeugten Embryo ist es zwar mittels Präimplantationsdiagnostik möglich, vorab nach Geschlecht auszuwählen. Doch das ist aufwendig und in vielen Ländern verboten.

Neue Auswahlmethode

In Zukunft aber könnte eine Methode, die für die Veterinärmedizin entwickelt wurde, beim Menschen das Geschlecht des zu zeugenden Babys beeinflussen. Forscher um Masayuki Shimada (Uni Hiroshima) fanden nämlich heraus, dass in Spermien mit einem X-Chromosom rund 500 Gene aktiv sind, von denen 18 für Proteine codieren, die aus der Oberfläche des Spermiums hervor ragen.

Substanzen, die an zwei dieser Proteine andocken, können die Geschwindigkeit der X-Spermien nachhaltig bremsen. Und so ließen sich in den Versuchen ganz einfach und mit recht hoher Treffsicherheit Spermien mit X-Chromosomen von solchen mit Y-Chromosomen separieren.

Die Methode funktioniert auch bei Spermien von Rindern und Schweinen, wie die Forscher im Fachmagazin "PLoS Biology" schreiben. Versuche mit menschlichen Spermien führten sie indes nicht durch. Shimada geht aber davon aus, dass die Methode auch beim Menschen funktionieren würde.

Anwendung beim Menschen?

Genau das befürchten auch andere Experten, die vom Fachblatt "New Scientist" dazu befragt wurden. Denn die Methode könnte man nicht nur bei der Spermienauswahl für IVF anwenden. Man könnte etwa ein Gel entwickeln, das dafür sorgt, dass Spermien mit dem X-Chromosom auf der Reise zur Eizelle bereits in der Vagina auf der Strecke bleiben. Realistischerweise ließe sich so etwas in rund zehn Jahren entwickeln, meint einer der befragten Forscher.

Damit wäre die Geschlechterselektion ganz einfach und könnte ganz einfach und quasi im Schlafzimmer stattfinden. In Länder wie etwa Indien, wo Mädchen als Nachwuchs bei vielen als "zweite Wahl" gelten, könnte diese Methode zu unerwünschten Anwendungen führen. Dieses Problem sehen nicht nur Bioethiker, es ist auch Masayuki Shimada bewusst: Die Geschlechterwahl sei durch die neue Technik viel einfacher – eben auch beim Menschen. Und das bereite ihm Sorgen. 


Mittwoch, 31. Juli 2019

Östrogen schickt Jungen in den Autismus.

 
aus scinexx

Autismus durch vorgeburtliche Östrogen-Schwemme?
Erhöhte Östrogenzufuhr im Mutterleib scheint Autismus bei Jungen zu fördern.

Hormonflut im Mutterleib: Wenn Jungen im Mutterleib erhöhten Werten des Geschlechtshormons Östrogen ausgesetzt sind, kann dies offenbar ihr Risiko für Autismus fördern, wie eine Studie nahelegt. Demnach gibt es einen signifikanten Zusammenhang zwischen hohen Östrogenwerten im Fruchtwasser und dem späteren Autismus der Kinder. Die Forscher vermuten, dass der Hormoneinfluss die Hirnentwicklung beeinflusst und so die Neigung zu dieser Entwicklungsstörung verstärkt.

Zwischen einem und drei Prozent der Kinder sind von einer autistischen Entwicklungsstörung betroffen – Jungen deutlich häufiger als Mädchen. Die Ursachen dafür sind bisher jedoch erst in Teilen bekannt. Klar scheint, dass neben einer genetischen Veranlagung auch Umwelteinflüsse für eine Entstehung des Autismus verantwortlich sind. Im Verdacht stehen unter anderem vorgeburtliche Belastungen durch Pestizide, Arzneimittel wie Antidepressiva, aber auch eine Herpesinfektion der Mutter. 

Steroidhormone beeinflussen Hirnentwicklung

Einen weiteren Einflussfaktor könnten nun Simon Baron-Cohen von der University of Cambridge und seine Kollegen identifiziert haben. Bereits vor einigen Jahren hatten sie erste Hinweise darauf gefunden, dass ein Überschuss männlicher Geschlechtshormone im Mutterleib Autismus fördern könnte. Diese Steroidhormone sorgen nicht nur für die Entwicklung der männlichen Geschlechtsmerkmale beim Ungeborenen, sie beeinflussen auch die Hirnentwicklung.

Doch sie sind nicht die einzigen: „Auch pränatale Östrogene tragen zur Entwicklung des Fötus und seines Gehirns entscheidend bei“, erklären die Forscher. Zudem sind diese weiblichen Geschlechtshormone chemisch eng mit ihren männlichen Gegenparts verwandt und können sich ineinander umwandeln. Für ihre Studie analysierten die Forscher daher den Gehalt von Östriol, Östradiol, Östron und Östronsulfat in Fruchtwasserproben von 98 Jungen, die später an Autismus erkrankt waren. Diese verglichen sie mit den vorgeburtlichen Proben von 177 gesunden Jungen. 

Mehr vorgeburtliche Östrogene bei autistischen Jungen 

Das Ergebnis: Die autistischen Jungen waren vor ihrer Geburt signifikant höheren Dosen der weiblichen Geschlechtshormone ausgesetzt gewesen als ihre nichtautistischen Altersgenossen. „Die Östriol-Werte waren dabei am stärksten prognostisch für eine später Autismus-Diagnose“ berichten Baron-Cohen und sein Team. „Das Gleiche fanden wir aber auch für Östradiol und Östron: Beide Hormone waren signifikant mit einer Autismus-Diagnose verknüpft.“

Nach Ansicht der Forscher bestätigen diese Ergebnisse die Vermutung, dass Hormone im Mutterleib eine wichtige Rolle für den Autismus spielen. „Dies stützt die Idee, dass erhöhte pränatale Steroidhormon-Werte einer der potenziellen Auslöser dieser Entwicklungsstörung sind“, sagt Baron-Cohen. Ihren Studien zufolge sind dabei vor allem die Östrogen-Varianten, sowie das Androgen Progesteron wichtige Akteure. „Diese Hormone interagieren wahrscheinlich mit den genetischen Faktoren und beeinflussen so das sich entwickelnde fötale Gehirn“, erklärt der Forscher.

Ist die Plazenta schuld?

Wie es zu den erhöhten Hormonwerten kommt, ist bislang unklar. „Die Hormone könnten von der Mutter, dem Kind selbst oder von der Plazenta stammen“, sagt Koautor Alex Tsompanidis von der University of Cambridge. Tatsächlich gebe es einige Studien, die auf die Plazenta als einem möglichen Faktor für Autismus hindeuten. So häufen sich bei Müttern mit autistischen Kindern auch Entzündungen, atypische Mutterkuchen-Morphologien und plazentabedingte Komplikationen, wie die Forscher berichten. 

„Unser nächster Schritt ist es nun, die möglichen Hormonquellen zu untersuchen und herauszufinden, wie sie während der Schwangerschaft interagieren“, sagt Tsompanidis. Zudem muss noch geklärt werden, ob dieser Zusammenhang von vorgeburtlichen Hormonen und Autismus auch für Mädchen gilt – weil sie erheblich seltener von dieser Störung betroffen sind, fehlte es bislang an entsprechenden Proben. (Molecular Psychiatry, 2019; doi: 10.1038/s41380-019-0454-9)

Quelle: University of Cambridge

Montag, 29. Juli 2019

Die männlichste Kanzlerin.

 
Angela Merkel ist ein lebendes Argument gegen die Quote. Sie ist als Kanzlerin so ausschließlich sachbezogen wie keiner ihrer männlichen Vorgänger. Und was sie an Selbstbezug zweifellos auch noch hat, behält sie ganz privat für sich. Einen männliche- ren Kanzler hatten wir noch nicht.

Selbst ihr unbefangenes Mienenspiel bezeugt es. Auf äußere Wirkung legt sie so wenig Wert wie, sagen wir, Gerhard Schröder auf Glaubwürdigkeit.






 

Sonntag, 28. Juli 2019

Gerechte Sprache: Sachlichkeit.


aus FAZ.NET

... Ein aktuelles Arbeitspapier der gewerkschaftsnahen Hans Böckler Stiftung hat jedenfalls einen ganz neuen Aspekt herausgearbeitet: Offensichtlich können Frauen deutlich besser mit dem flexiblen Arbeiten umgehen als Männer. Oder anders herum ausgedrückt: Männer können schlechter abschalten.

Für ihre Untersuchung wertete die Forscherin Yvonne Lott Angaben von gut 10.000 Personen aus der Haushaltsbefragung Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) der Jahre 2011 und 2012 aus. Insgesamt kam sie zu dem Ergebnis, dass das Abschalten den Arbeitnehmern bei völlig selbstbestimmten Arbeitszeiten schwerer fällt als bei festen Zeiten. Allerdings: Dieser Effekt war nur  bei den Männern zu beobachten. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 40 Prozent, dass sie abends nicht zur Ruhe kommen, elf Prozentpunkte höher als bei Männern mit festen Arbeitszeiten. „Generell profitieren Frauen stärker von flexiblen Arbeitszeiten als Männer“, hält Lott fest.

Dies führt die Forscherin darauf zurück, dass gerade Männer dazu neigen, ohne vorgegebene Grenzen übermäßig lange zu arbeiten. Frauen seien hingegen „typischerweise geübtere Grenzgängerinnen“ als Männer, so Lott. Sie nutzten die zeitliche Flexibilität statt für unzählige Überstunden eher, um Hausarbeit und Erziehungs- oder Pflegetätigkeiten mit dem Beruf unter einen Hut zu bringen.


Nota. - Der Feminist*in sagt: Frauen sind eben flexibler als Männer. Gerechte Sprache sagt: Männer nehmen eben die Sache wichtiger; Frauen sich selbst. Das eine ist besser für die Individuen; das andere besser für die Welt.
JE



Samstag, 27. Juli 2019

Nordische Amazonen.


 aus scinexx                                                             Axt  aus einem Wikingergrab auf Langeland

Slawische Kriegerin im Wikingergrab? 
Axt slawischer Herkunft in tausend Jahre altem Frauengrab gibt Rätsel auf

Kam sie aus Polen? Auf der dänischen Insel Langeland haben Archäologen das Grab einer Wikingerfrau entdeckt, die mit einer Kriegsaxt begraben wurde. Dies spricht dafür, dass es sich hier entweder um eine Kriegerin handelte oder dass sie diese Axt im rituellen Kontext verwendete. Interessant auch: Weil diese Axt slawischer Machart ist, könnte diese Kriegerin ebenfalls aus dem slawischen Raum stammen. 

Vor rund tausend Jahren dominierten die Wikinger weite Teile Nordeuropas und segelten sogar bis nach Grönland und Nordamerika. Sie unterhielten ein ausgedehntes Handelsnetz, waren aber vor allem als Krieger und räuberische Eroberer gefürchtet. Gängiger Annahme nach war dabei das Kriegshandwerk Männersache, während die Frauen Hof und Kinder versorgten.

Gab es „nordische Amazonen“?

Doch schon vor einigen Jahren haben Archäologen in Skandinavien einige Gräber entdeckt, in denen Wikingerfrauen in vollem Kriegsstaat bestattet worden waren. Eine dieser Kriegerinnen, begraben im schwedischen Birka, muss ihren Grabbeigaben nach sogar eine Art Anführerin oder Offizierin gewesen sein. Stimmen demnach die Legenden von den „nordischen Amazonen“ die an der Seite der Männer kämpften?

Einer der Forscher, die dieser Frage auf den Grund gehen, ist Leszek Gardela von der Universität Bonn. Er hat im Rahmen seiner Studie gezielt nach weiteren Gräbern möglicher Wikingerkriegerinnen gesucht – mit Erfolg. Neben den bereits bekannten 20 Gräbern mit bewaffneten Wikingerfrauen stieß er auf zehn weitere Grabstätten mit Waffen als Grabbeigaben, in denen höchstwahrscheinlich weibliche Tote bestattet lagen.

Slawische Axt im Wikingergrab

Eines dieser Gräber hat sich nun als besonders aufschlussreich erwiesen. In ihm wurde vor rund tausend Jahren eine Frau auf einem Wikingerfriedhof der dänischen Insel Langeland bestattet. Das Ungewöhnliche jedoch: Neben der Toten lagen eine arabische Münze und eine Kriegsaxt. Sie ist die einzige Tote auf dem gesamten Friedhof, die mit einer Waffe beerdigt worden war, wie Gardela berichtet.

Rekonstruktion des Wikinger-Frauengrabes auf Langeland. 

Doch wer war diese Frau? Nähere Untersuchungen enthüllten, dass die Axt kein heimisches Fabrikat war, sondern in ihrer Machart eher den damals im Baltikum verbreiteten Äxten ähnelte. „Bisher war niemandem aufgefallen, dass die Axt in diesem Grab aus dem südlichen Ostseeraum stammte, wahrscheinlich aus dem Gebiet des heutigen Polen“, sagt Gardela.

Eine Kriegerin aus dem südlichen Baltikum?

Der Forscher schließt daraus, dass auch die Tote möglicherweise slawischer Abstammung gewesen sein könnte. „Während des Mittelalters war diese Insel ein wahrer Schmelztiegel von slawischen und skandinavischen Elementen“, erklärt Gardela. „Die Präsenz von slawischen Kriegern war in Dänemark wahrscheinlich größer als lange gedacht – das legen neue Studien nahe.“

Ob allerdings auch die Tote aus Langeland eine slawische Kriegerin war, lässt sich bisher nicht eindeutig sagen, wie Gardela betont. Ihre Gebeine lassen keine Verletzungen erkennen, so dass unklar ist, woran diese Frau vor rund tausend Jahren starb. Die Tote könnte ihre Waffe zu Lebzeiten als Waffe im Kampf verwendet haben. Dafür würden zeitgenössische Berichte über weibliche Kriegerinnen und die anderen Gräber bewaffneter Wikingerfrauen sprechen.

Waffe oder Ritualobjekt?

Denkbar ist aber auch, dass die Axt eher rituellen Zwecken oder der Selbstverteidigung diente. Das allerdings sei damals kein sehr häufiges Phänomen gewesen“, sagt der Archäologe. Seiner Ansicht nach könnte die rätselhafte Tote aus Langeland daher durchaus eine Wikingerkriegerin slawischen Ursprungs gewesen sein. „Es gab damals viele weibliche Kriegerinnen – sie nahmen an Kriegszügen teil und führten sogar ganze Armeen in die Schlacht“, so Gardela.

Quelle: Science in Poland

Freitag, 26. Juli 2019

Den Mutterinstinkt gibt's doch!


aus scinexx

Sitz des Mutterinstinkts entdeckt?
Oxytocin-Neuronen im Hypothalamus könnten mütterliches Verhalten steuern 

Besondere Bindung: Forscher könnten herausgefunden haben, wo mütterliches Verhalten im Gehirn entsteht. Sie identifizierten bei Mäusen eine Region im Hypothalamus, die sich bei Männchen und Weibchen deutlich voneinander unterscheidet. Nur weibliche Tiere verfügen dort über Hirnzellen, die für den Botenstoff Oxytocin sensibel sind. Dieses „Kuschelhormon“ ist bekannt für seine Rolle bei der Mutter-Kind-Bindung.

Oxytocin gilt als Botenstoff mit breitem Wirkspektrum: Die auch als Kuschelhormon bekannte Substanz stärkt unter anderem die Paarbeziehung, wirkt als rosa Brille und hilft bei der Bewältigung von Ängsten. Vor allem aber spielt Oxytocin eine wichtige Rolle für Mütter. Denn das im Gehirn produzierte Hormon löst die Muskelkontraktion bei den Wehen aus, sorgt für den Milcheinschuss und stärkt nach der Geburt die Bindung zum Kind.

Aufgrund dieser besonderen Bedeutung des Neuropeptids für das weibliche Geschlecht vermuten Forscher schon länger, dass sich das Oxytocin-System im Gehirn von Frauen und Männern unterscheidet. „Bisher gab es jedoch keine eindeutigen Belege für diese Annahme“, erklärt Ryoichi Teruyama von der Louisiana State University.

Blick ins Mäusehirn

Um dies zu ändern, haben sich der Forscher und seine Kollegen um Erstautor Kaustubh Sharma nun auf Spurensuche im Denkorgan von Mäusen begeben. Oxytocin entfaltet seine Wirkung, indem es im Gehirn an spezielle Rezeptoren bindet. Für ihre Studie schauten sich die Wissenschaftler daher an, ob diese Oxytocin-Rezeptoren bei männlichen und weiblichen Nagern unterschiedlich verteilt sind.

Mithilfe von Fluoreszenzproteinen dokumentierten sie dabei die genaue Position und Anzahl der Rezeptoren in der sogenannten Area praeoptica (POA) – einer Region im Hypothalamus, die eine Vielzahl wichtiger Körperfunktionen steuert. Auch am weiblichen Zyklus und an mütterlichem Verhalten scheint dieser Hirnbereich beteiligt zu sein.

Neuronen mit Oxytocin-Rezeptoren kamen im AVPV fast ausschließlich bei Weibchen vor. 
 
Oxytocin-Rezeptoren nur bei Weibchen

Die Ergebnisse enthüllten: Vor allem in der mittleren POA war die Anzahl der Oxytocin-Rezeptoren bei den weiblichen Mäusen signifikant größer als bei den männlichen. Diese Differenz kam durch einen frappierenden Unterschied in einem speziellen Gebiet innerhalb dieser Region zustande, wie das Forscherteam berichtet: dem Nucleus periventricularis anteroventralis, kurz AVPV.

Während Mäuseweibchen über zahlreiche Neuronen mit Oxytocin-Rezeptoren im AVPV verfügten, kamen solche Hirnzellen bei den Männchen dort so gut wie gar nicht vor. „Die Präsenz von Oxytocin-Rezeptor-Neuronen im AVPV ist ein fast ausschließlich weibliches Phänomen“, berichten die Wissenschaftler.

Abhängig von Östrogen

Interessanterweise offenbarte sich, dass diese Zellen zusätzlich Rezeptoren für das weibliche Geschlechtshormon Östrogen besaßen. Welche Rolle spielte dieser Botenstoff für das Oxytocin-System? Dies untersuchten die Forscher, indem sie einigen weiblichen Nagern die Eierstöcke entfernten – dort werden die Östrogene hauptsächlich produziert.

Es zeigte sich: In Abwesenheit der weiblichen Sexualhormone bildeten die Neuronen im AVPV auch keine Oxytocin-Rezeptoren mehr. Bekamen die Mäusedamen die fehlenden Hormone dagegen künstlich verabreicht, änderte sich dies. Die Expression der Oxytocin-Rezeptoren war wiederhergestellt.

Rolle für den Mutterinstinkt

„Diese Ergebnisse belegen, dass die Expression von Oxytocin-Rezeptoren im AVPV spezifisch weiblich ist und von Östrogen abhängt“, fassen Teruyama und seine Kollegen zusammen. Ihrer Ansicht nach scheint damit klar: Die auf Oxytocin reagierenden Neuronen in dieser Region des Hypothalamus spielen eine wichtige Rolle für die weibliche Physiologie und das weibliche Verhalten – allen voran den Mutterinstinkt.

„Dieser Zusammenhang könnte nicht nur für Mäuse gelten, sondern für alle Säugetiere, die mütterliche Fürsorge zeigen, einschließlich uns Menschen“, konstatiert Teruyama. Weitere Studien müssen nun jedoch erst zeigen, welche konkreten Funktionen die Oxytocin-Neuronen im AVPV tatsächlich erfüllen.

In diesem Zusammenhang könnte sich auch herausstellen, ob diese Zellen womöglich daran beteiligt sind, wenn sich mütterliche Instinkte nicht einstellen wollen – zum Beispiel im Fall der postnatalen Depression. (PLOS One, 2019; doi: 10.1371/journal.pone.0219784)

Quelle: Louisiana State University