Samstag, 14. Dezember 2019

"Frauenfeindliche Gender-Studies".

 aus nzz.ch,

Warum Gender-Theoretikerinnen oftmals frauenfeindlich agieren 
"Wir westlichen Frauen tragen kein Kopftuch, aber die anderen – die wollen oder müssen eben." Der Kulturrelativismus, den viele Gender-Anhängerinnen vertreten, gibt sich progressiv, ist aber reaktionär. Und er verrät eine misogyne Haltung.

von Vojin Saša Vukadinović

Manche Kritiker der Gender-Studies glauben, dass das strittige Studienfach eine wissenschaftspolitische Verlängerung des Feminismus an den Hochschulen sei. Da dort mehrheitlich Akademikerinnen tätig sind, wird daraus irrigerweise geschlossen, dass die Gender-Studies eine Frauen zugeneigte Agenda verfolgten. Tatsächlich florieren jedoch unter vielen der Gemeinten misogyne Theoreme, reaktionäre Weltbilder und eine Faszination für weibliche Unterwürfigkeit, solange sich diese auf Angehörige «anderer Kulturen» beschränkt.

Das Islamische Zentrum München erlangte diesen Sommer durch einen Vermerk auf seiner Website, wonach Ehemänner unter gewissen Umständen ihre Gattinnen «symbolisch» schlagen dürften, mediale Aufmerksamkeit. Dass diese Passage jahrelang unbeanstandet geblieben war, ist gesellschaftspolitisch ebenso bezeichnend wie das ausgeprägte Schweigen jener, die sonst von «Heteronormativität», «toxischer Männlichkeit» oder «Femonationalismus» jargonisieren. 

Reaktionäre Gender-Denkart

Wer jemals diese Stille durchbrochen hat, um Kritik an islamischen sowie an anderen nichtwestlichen Sittenkomplexen und Traditionen zu üben, kennt moralische Konter wie die folgenden: «Warum ist das Arrangieren einer haltbaren Ehe frauenfeindlich und die Wegwerfscheidungen prominenter Männer, die periodisch ein älteres gegen ein jüngeres Modell austauschen, nicht?» – «Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass erfüllte Sexualität nicht zwingend mit Orgasmusfähigkeit in Zusammenhang gebracht wird. Die [genitalverstümmelten] Frauen in Eritrea fühlen sich dann geschätzt und geliebt von ihren Ehemännern, wenn sie als Ehefrau geachtet und respektiert werden.» – «Das einzige Kulturgebiet, das vom westlichen Sextourismus nicht erobert wurde, ist der islamische Raum. Alle anderen Kontinente gehören schon längst zum Netzwerk der Sexindustrien.»

Diese Zitate stammen weder von muslimischen Theologen bzw. von Repräsentanten konservativer Verbände, die zur Kritikabwehr mit Mankos der «Mehrheitsgesellschaft» abzulenken wissen, noch von Vordenkern der Neuen Rechten, denen der Ethnopluralismus – also die Koexistenz mehrerer ihr jeweiliges Brauchtum pflegender «Kulturen» unter Voraussetzung ihrer Nichtvermischung – als politisches Ideal gilt. Vielmehr handelt es sich um exemplarische Bemerkungen deutscher Gender-Studies-Vertreterinnen – Gabriele Dietze, Daniela Hrzán, Christina von Braun / Bettina Mathes –, die sich selbst als links oder linksliberal verstehen dürften.

Dass sich ihr Tonfall, der überaus schlichte Gedankengang und die identitären Implikationen des Gesagten nicht sonderlich von jenen im rechtsreaktionären oder im religiösen Lager unterscheiden, zeigt, wie es um den insinuierten Feminismus des Studienfachs tatsächlich bestellt ist.


Ausblenden der Gegenwart
 
Die angebliche methodische, thematische wie personelle Heterogenität der Gender-Studies, die diesem Befund oftmals entgegengehalten wird, ist keine Widerlegung: Im deutschsprachigen Raum hat es bisher keine Kollegin für notwendig erachtet, dem eklatanten Kulturrelativismus, den diese Zitate musterhaft darlegen, entgegenzutreten. Solange kein resoluter Einspruch zu vernehmen ist, ist im Forschungsfeld nicht von einer Tendenz, sondern von Konsens auszugehen. Angesichts der Fülle des inzwischen einschlägig bekannten Materials eignet sich die Angelegenheit längst selbst zum Forschungsobjekt.

Der Umstand, dass Gender-Studies-Vertreterinnen auf die gesellschaftliche Relevanz ihres Fachs verweisen, aber keinerlei gewichtige Studien zu den mitunter virulentesten Konflikten der letzten Jahre vorzuweisen haben, spricht für sich. An ihnen sind sämtliche geschlechter- und sexualpolitischen Entwicklungen vorbeigezogen, die dringend der wissenschaftlichen Bestandsaufnahme bedürfen, weil sie qualitativ neue Phänomene sind: Jihadismus, Kinderehen, in aller Öffentlichkeit und oftmals, wie die laufenden Verfahren zeigen, bar jeden Rechtsempfindens verübte Gruppenvergewaltigungen und Morde an jungen Frauen.

Die diesbezügliche akademische Ignoranz gründet nicht auf einem Desinteresse am Zeitgeschehen; die Gender-Forschung befasst sich schliesslich besonders mit diesem. Vielmehr müssten sich die eigenen theoretischen Postulate unweigerlich am Gegenstand – konkret: an der Wirklichkeit – messen, wo die Rede von «Intersektionalität», «Macht», «Performativität» und «Ungleichheitsverhältnissen» katastrophal abschneiden würde. Das ahnt man – und zieht es deshalb vor, über die genannten Phänomene vornehm zu schweigen.

Nun sind vermeintliche Frauenfragen, wofür die Gender Studies oftmals irrigerweise gehalten werden, keineswegs blosse Frauenthemen, sondern Gradmesser des sozialen Fortschritts, wie es Charles Fourier einst fasste. Der evidente universitäre Unwille, sich mit den mitunter unbequemsten Sujets der Gegenwart zu befassen, ist Ausdruck eines gesellschaftlichen Zustands, in dem die «anderen» zunehmend ihrem Anderssein überlassen werden, das wiederum in glänzende Farben getaucht wird.

Gender-Rassismus
 
Blamables Resultat dieser Projektionsleistungen ist die seit etwa fünfzehn Jahren in den Gender-Studies zu beobachtende Obsession mit islamkritischen weiblichen Stimmen muslimischer Herkunft, an denen deutsche Akademikerinnen ihre misogyn-rassistische Häme ausagieren. Während manche der Getadelten aufgrund konstanter Bedrohung unter Polizeischutz leben müssen, trifft diejenigen, von denen ebenjene Gefahr ausgeht, noch nicht einmal ein Hauch von Kritik: Die gendertheoretisch geschulte Abneigung gilt nicht etwa gewaltbereiten Patriarchen, sondern Frauen, die aus der Reihe tanzen.

So hat sich zum historischen Antifeminismus, der traditionell rechts stand, im 21. Jahrhundert einer von links gesellt. Auch dessen wichtigste Abhandlungen werden vom Zeitgeist getragen – namentlich von der moralischen Emphase, es gut zu meinen und noch besser zu wissen. Eine Kritik der Gender-Studies, die dies nicht begreift, ist keine.

Die Konsequenzen der vorgeblich um Diversität und Sensibilität bedachten Weltanschauung tragen derweil jene, die im Wortsinn zum anderen Geschlecht gemacht werden: Mädchen, die Gefahr laufen, in den Sommerferien beim Besuch in der elterlichen Heimat an den Genitalien verstümmelt zu werden, weil die zuständige Pädagogin, die ahnt, was droht, lieber nichts tut, als für eine Rassistin gehalten zu werden. Grundschülerinnen, die körper- und entwicklungsfeindlichen Bekleidungsvorschriften unterworfen werden, während langfristig bereits eine «haltbare Ehe» für sie vorgesehen ist, «symbolische» Schläge mitunter inklusive. In Frauenhäuser Geflohene, die in der Bundesrepublik mittlerweile zur Hälfte nichtdeutscher Herkunft sind.

«Jede Gesellschaftskritik muss Verantwortung übernehmen», schreibt der Historiker Marco Ebert in der kürzlich erschienenen Anthologie «SexLit»: «Sie wird sich an ihrem Umgang mit den gesellschaftlichen Aussenseitern bewahrheiten müssen.» Dass es also primär weibliche, migrantische Individuen sind, deren von Abschottung, Sexualmoral, Unfreiheit und Gewalt bestimmte Lebenssituation den Gender-Studies weder Grund zur Analyse noch Anlass zu Solidarität ist, ist deshalb hervorzuheben. Oder, in der verräterischen Wortwahl von Christina von Braun und Bettina Mathes: «Auch wir möchten kein Kopftuch tragen. Aber» – aber die anderen, die müssen es eben.

Nicht nur der impertinente akademische Dünkel lässt hier aufhorchen, sondern insbesondere das Tätscheln des patriarchalen Gewahrsams, der anderen als adäquates Habitat zugewiesen und mit dem bezaubernden Namen «Kultur» versehen wird. An solch misogyner Herablassung zeigt sich denn auch, inwiefern die Gender-Studies nicht nur der Geschichte des Antifeminismus, sondern auch der des Rassismus zufallen – konträr zum eigenen Selbstverständnis jedoch nicht als Episode, die wesentlich über beide Phänomene aufgeklärt hätte, sondern als instinktiver Beitrag zu deren Modernisierung.

Vojin Saša Vukadinović ist promovierter Historiker und Geschlechterforscher. Er hat zu den Sammelbänden «Beissreflexe» (2017, Hg. Patsy l’Amour laLove) und «SexLit» (2019, Hg. Benedikt Wolf) beigetragen sowie die Anthologie «Freiheit ist keine Metapher» (2018) herausgegeben.


Nota. - Der vor einem knappen halben Jahrhundert ausgebrochene Neo-Feminismus hatte den Zweck, die Stellung der Frau in der Öffentlichkeit zu verstärken - insbesonderee nämlich in den öffentlichen Erwerbs- zweigen. "Die Quote" war gedacht und hat ihren Dienst getan in den Medien und im Staatsdienst. Und eigentlich hat damit der Feminismus ausgedient. Doch kaum hatte er sein Ziel erreicht, wurden die Stellen knapp... gerade in den Medien und im Staatsdienst. Da waren Gender Studies just die rechte Antwort. Zugleich wurden sie zu einem akademischen Fach aufgeplustert, zu dem naturgemäß nicht eine jede gleichberechtigt Zutritt hat - ein paar feigenblättrige Männeer musste man eben in Kauf nehmen. Die aktivistischen, aber ungebildeten Femini- stinnen galt es sich vom Hals zu halten.

Doch wie das Leben so spielt - irgendwann gab es so viele Professuren, dass die Öffentlichkeit zu murren be- gann, Nun ist es Zeit, den Spieß umzudrehen. Jetzt, wo das Patriarchat ausgedroschen und MeToo Schnee von gestern ist, kann frau sich die... Gender-Studies zum GegneR erkiesen. Ein bisschen was trägt auch das ein, die Zeiten sind eben mal nicht so üppig. 

Dass er in der Sache nichts als schimpfen kann, liegt ganz in feministischer Tradition. Er tut nichtmal so, als wär's akademisch, das immerhin muss man ihm zugute halten.
JE

 

Freitag, 29. November 2019

Frauen gehen ganz anders miteinander um, III.

aus süddeutsche, 25. 11. 2019 

Bieder in der Frauengruppe
Frauen tragen Konkurrenz eher durch indirekte Aggressionen aus. Welche Rolle die Kleidung dabei spielt.

Treffen Menschen aufeinander, dann bildet sich mehr oder weniger automatisch eine Hackordnung. Im Büro zum Beispiel, da geben die einen den Ton an, die anderen maulen, und wer eigentlich die Arbeit macht, ist eine ganz andere Frage, auf die jeder eine andere Antwort hat. Gewiss ist hingegen, dass Männer und Frauen anders mit Konkurrenten aus dem Lager des eigenen Geschlechts umgehen. Männer tragen diese sogenannte intrasexuelle Konkurrenz durch direkte, Frauen hingegen eher durch indirekte Aggression aus, etwa mithilfe von Exklusion oder Rufschädigung. Während der Partnersuche gelten diese Beobachtungen erst recht: Denn wenn um die Aufmerksamkeit des anderen Geschlechts konkurriert wird, warten besonders schmerzhafte Kränkungen.

Hatten sie es mit anderen Frauen zu tun, wählten sie ein zurückhaltendes Outfit

Gerade haben Psychologen um Jaimie Krems und Ashley Rankin von der Oklahoma State University eine Studie veröffentlicht, in der sie sich mit weiblichen Abwehrstrategien gegen das aggressive Verhalten anderer Frauen beschäftigen. Wie sie im Fachjournal Social Psychological and Personality Science berichten, kleiden sich Frauen insbesondere dann bewusst weniger aufreizend, wenn sie es mit anderen Frauen zu tun haben - vor allem, wenn sie neu in einer sozialen Situation sind und ihren Platz in der Gruppe sowie der Hierarchie noch nicht gefunden haben. 



Insbesondere gut aussehende Frauen machten von dieser Deeskalationsstrategie gebraucht, so die Psychologen. Denn es seien vor allem jene Frauen, die von den anderen als attraktiv oder sexuell freizügig wahrgenommen werden, die von ihren Geschlechtsgenossinnen angegangen werden. "Viele Studien haben gezeigt, dass sich weibliche Intoleranz besonders gegen attraktive Frauen richtet, zumindest bekommen diese mehr indirekte Aggression zu spüren als weniger attraktive", schreibt auch die kanadische Psychologin Tracy Vaillancourt in einer Studie, die vor einiger Zeit im Fachjournal Aggressive Behavior erschienen ist.

Die Wissenschaftler um Krems und Rankin untersuchten für ihre Arbeit, wie sich Frauen für verschiedene Szenarien kleiden würden und wie sie den Stil anderer bewerteten. Bisher habe sich die Forschung fast ausschließlich darauf fokussiert, wie weiblicher Kleidungsstil auf männliches Publikum wirkt. Aber die textilen Signale zielen natürlich auch auf die Augen anderer Frauen und signalisieren etwa Status, was für die Hierarchie in einer Gruppe natürlich eine wesentliche Rolle spielt.

Konfrontierten die Psychologen um Krems und Rankin ihre Probandinnen damit, einen Kleidungsstil für einen Termin mit einer Gruppe zu wählen, war dieser gewagter, wenn diese aus Frauen und Männern zusammengesetzt war: Unter diesen Umständen würden viele mehr Haut zeigen, als wenn sie es nur mit Frauen zu tun hätten. Gerade die besonders attraktiven Teilnehmerinnen wählten biedere Outfits, bevor sie auf ausschließlich Frauen trafen. Wer aus der Reihe tanzt und alle Aufmerksamkeit auf sich zieht, muss mit Gegenwind rechnen. Allzu aufreizende Kleidung provoziere den Eindruck, eine Frau sei eine sexuelle Rivalin, argumentiert auch Vaillancourt - und verweist auf eine umfangreiche Arbeit der Psychologin Jean Twenge und ihrem Kollegen Roy Baumeister. Demnach seien es seit jeher vor allem Frauen, die die Sexualität anderer Frauen unterdrücken.


Nota. - Dass Frauen hinterhältige Aggression für friedvoller halten als offenen Angriff, ist selber ein Beispiel für ge- schlechtspezifische Mentalität. Sie ist es nämlich nicht, denn bei offenem Kampf erkennt man deutlich, wann er anfängt und wann er vorbei ist. Vor schleichender Aggression ist man/frau dagegen niemals sicher, und das vergiftet das Zusammensein.
JE



Donnerstag, 28. November 2019

Das toxische Männerbild

artstation
aus die Presse, Wien, 27.11.2019

Problembehaftet: Das „Mörder-Gen“in den Männern? 
Über das toxische Männerbild der „kritischen“ Männerforschung.

von

Im Zusammenhang mit den jüngsten Berichten über Beziehungsmorde in Österreich 2018 werden wir mancherorts dahingehend belehrt, dass Männer im Patriarchat wegen der Gewalt gegen Frauen und Mädchen allesamt „problembe- haftet“ sind – so beispielsweise ein „kritischer Männerforscher“ der Uni Innsbruck kürzlich im „Standard“. Männer im Patriarchat hätten – ob sie wollen oder nicht – „die Grundstrukturen toxischer Männlichkeit in sich“, halt nur in unter- schiedlicher Ausprägung, so der Soziologe. Die Bandbreite reicht von der „extremsten“ Ausprägung, nämlich dem „Mord“, bis zu denjenigen, die „etwa ein Verständnis für Gewalt“ hätten, etwa „weil das Opfer den Täter angeblich betrogen habe“.

Na, da bin ich aber dankbar, dass mir eine so breite Palette männlicher Selbstverortung zur Verfügung gestellt wird!

Im Ernst: Dies ist wieder ein Beispiel dafür, wie eine einseitige, soziologisierende Gendertheorie Pauschalaussagen trifft, die mehr verdecken als aufklären. Diese „strukturalistische“ Sichtweise behauptet, dass es aus bestimmten Gesellschafts- strukturen quasi kein Entrinnen gibt, sodass „man/n“ sich als potenzieller Täter (Mörder?) oder fragwürdiger Männerver- steher wiederfindet. Diese Sichtweise nützt niemandem, weder prophylaktisch noch bei der Täterarbeit, und auch nicht Studierenden, die einmal mit solchen Fällen zu tun haben werden.

Donnerstag, 21. November 2019

Männer sehen sogar anders als Frauen.

David, Michelangelo
aus scinexx

Männer und Frauen sehen Farben und Kontraste unterschiedlich 
Geschlechtshormon Testosteron sorgt möglicherweise für geschlechtsspezifische Wahrnehmung
 
Auch beim Sehen gibt es den kleinen Unterschied: Männer können schwache Kontraste und schnelle Bewegungen besser erkennen als Frauen. Außerdem nehmen sie dieselben Farbtöne etwas bläulicher wahr als ihre weiblichen Gegenparts. Das haben US-amerikanische Forscher in Experimenten herausgefunden. Die Ergebnisse zeigten erstmals, dass es auch beim Sehsinn deutliche Geschlechtsunterschiede gebe – wie man es auch schon von anderen Sinneswahrnehmungen kenne, berichten die Forscher im Fachmagazin „Biology of Sex Differences“.

Noch ist nicht geklärt, was diese Unterschiede verursacht. Die Wissenschaftler vermuten aber, dass das Geschlechtshormon Testosteron dafür verantwortlich sein könnte. Dieses kommt bei Männern in höherer Konzentration vor. Von diesem Hormon sei bekannt, dass es beim Ungeborenen die Bildung von Gehirnzellen im Sehzentrum und von Nervenverbindungen fördere, sagen die Forscher. Dies könnte den Männern ihr besseres Kontrast- und Bewegungssehen verleihen.

„Bei fast allen anderen Sinnen waren Geschlechtsunterschiede schon länger bekannt“, erklären Israel Abramov von der City University of New York und seine Kollegen. So wisse man, dass Frauen besser hören können als Männer und auch auf Düfte, Berührungen und Geschmacksreize sensibler reagieren. Obwohl aber der Sehsinn für den Menschen besonders wichtig sei, habe man ihn zuvor nicht auf solche Differenzen hin getestet. „Das ist überraschend, denn gerade das primäre Sehzentrum hat vermutlich die höchste Dichte von Andockstellen für das männliche Geschlechtshormon Testosteron im gesamten Gehirn“, schreiben die Forscher. Das lege nahe, dass dieses Hormon und damit die Geschlechtszugehörigkeit auch das Sehen beeinflusse. Dass das tatsächlich der Fall ist, habe man jetzt gezeigt.

Test mit waagerechten oder senkrechten Streifenmustern

Um die Unterschiede beim Sehen zu testen, führten die Forscher verschiedene Experimente mit jeweils 50 normalsichtigen Freiwilligen zwischen 16 und 38 Jahren durch. In allen Gruppen waren etwas mehr Frauen als Männer vertreten. Im ersten Test wurde auf einem Bildschirm verschiedene Muster aus eng stehenden parallelen Streifen gezeigt. Die Studienteilnehmer mussten jeweils angeben, ob die Streifen senkrecht oder waagerecht angeordnet waren. Im Laufe des Versuchs wurden die Streifen dabei immer dünner und dichter, so dass sie im Extremfall nur noch als einheitlich graue Fläche erschienen. In einem weiteren Test erhöhte sich auch das Tempo, mit dem ihre Anordnung wechselte.

„Bei geringer Streifendichte schnitten Männer und Frauen noch gleich gut ab“, berichten die Forscher. Aber je enger die Streifen wurden, desto deutlicher habe sich gezeigt, dass die Männer feine Kontraste besser erkennen konnten. Auch bei schnellen Wechseln hätten die Männer die Ausrichtung der Streifen besser identifizieren können als die weiblichen Teilnehmer.

Im Farbtest zeigten die Forscher den Probanden jeweils einen Lichtpunkt in einer bestimmten Farbe. Diese sollten anschließend diesen Farbton beschreiben, indem sie angaben, wie viel Prozent Rot, Grün, Blau oder Gelb das Licht enthielt. In einem weiteren Versuch sollten sie eine Farbfläche so einstellen, dass sie genau dem Farbton einer Vergleichsfläche entsprach. „Die Sensibilität für Farbtöne war bei beiden Geschlechtern ähnlich gut, aber nicht deckungsgleich“, erklären die Forscher. Über fast das gesamte Farbspektrum hinweg hätten die Männer die Farbtöne leicht bläulicher wahrgenommen als die Frauen. Ihre Wahrnehmung sei demnach leicht in Richtung kürzerer Wellenlängen verschoben. (Biology of Sex Differences, 04.09.2012 – NPO)

Freitag, 15. November 2019

Phallische Frau, oder: Das Transmensch?

aus derStandard.at, 1. November 2019                                                        Die 15.000 Jahre alte Frauenfigur vom Typ           Gönnersdorf aus Waldstetten zeigt von der Seite eine Frauenfigur, von vorne einen Phallus.
Doppeldeutiger Fund
15.000 Jahre alte Figur stellt üppige Frau und Phallus zugleich dar
Frauenfigur vom sogenannten Typ Gönnersdorf ist charakteristisch für die europäische Eiszeitkunst

Auf den ersten Blick mag das Objekt unscheinbar und wenig spektakulär erscheinen. Für jene, die sich mit der Materie auskennen, erweist sich der längliche, abgerundete Stein in Wahrheit jedoch als geradezu sensationelles Fundstück: Das von dem Amateurarchäologen Adolf Regen auf dem Gemeindegebiet von Waldstetten im Osten von Baden-Württemberg entdeckte Artefakt wurde nun von Wissenschaftern als als 15.000 Jahre altes Kunstwerk aus der Eiszeit identifiziert.

Die Figur zeigt gleichzeitig einen stark vereinfachten Frauenkörper und, aus einem anderen Blickwinkel, einen Phallus. Objekte dieser Art sind bereits aus zahlreichen anderen Fundstätten in Europa bekannt, erstmals wurde nun ein solches Exemplar im Ostalbkreis im Süden Deutschlands gefunden.

Stark stilisierter Frauenkörper und mehr...

Die Figur ist knapp sechs Zentimeter groß und besteht aus einem Quarzitgeröll, das so auf der Fundstelle nicht vorkommt. Der Form nach entspricht sie den so genannten Frauenfiguren vom Typ Gönnersdorf, die nach einer Fundstelle am Mittelrhein benannt wurden und stark stilisiert sind: Von der natürlichen Form des Gerölls inspiriert, machen hier nur wenige eingravierte Linien aus einem typisch geformten Stein ein Kunstwerk. Die Darstellung reicht von anatomisch annähernd vollständigen Darstellungen bis hin zu Figuren, die nur aus Rumpf und Gesäß bestehen.

So zeigt der Fund aus Waldstetten nur einen Oberkörper ohne Kopf, einen dominanten Mittelteil mit Gesäß und einen verkürzten Unterkörper im Profil. Mit einer umlaufenden Gravierung im oberen Bereich folgt er zudem einer Tradition der zweigeschlechtlichen Darstellung, die aus der europäischen Eiszeitkunst bekannt ist ‒ die Figur kann damit gleichzeitig als männliches Geschlechtsteil interpretiert werden.

Typisch für das Ende der Eiszeit

"Diese Art der Abstrahierung zeichnet die Kunst am Ende der Eiszeit aus. Unser Typ Frauenfigur hat wenig mit den üppigen so genannten Venusfiguren aus der früheren Epoche des Gravettien gemein", sagte der Archäologe Harald Floss von der Universität Tübingen. Frauenfiguren des Typs Gönnersdorf folgen in ihrer geografischen Verbreitung der des Magdalénien und finden sich von den Pyrenäen bis nach Osteuropa.

In Süddeutschland kenne man sie zum Beispiel vom Petersfels bei Engen im Hegau. "Die Figur von Waldstetten ist als ein solches Kunstwerk einzuordnen. Dafür sprechen die absolut typische Form, die Lage in einer Konzentration von magdalénienzeitlichen Funden und mehrere umlaufende Gravierungen, die von Menschen angebracht wurden", so Floss. (red, 1.11.2019) 

Links



Mittwoch, 6. November 2019

Wir fordern: Jungensquote beim Christkind!


Christlich getauft muss das Christkind nicht sein, aber blond. Es stammt nämlich nicht aus christlicher Überlieferung, sondern aus germanisch-heidnischer; dort feierte man die Lichtkönigin zur Sonnenwende am 21. Dezember.



Sonntag, 3. November 2019

Der Weg zur Gendergerechtigkeit ist noch ein weiter.

aus FAZ.NET,

Geht’s auch weniger männlich?
Überall diese Unwucht, nicht einmal in den großen Hallen der Evolution sind die Geschlechter gerecht verteilt. Überhaupt die Forschung: männlich geht vor. Geht es auch anders? Eine Glosse.

Von Joachim Müller-Jung

Die finale Gleichberechtigung der Geschlechter darf man wie die Klimagerechtigkeit getrost zu jenen großen Menschheitsaufgaben zählen, deren Verwirklichung im Hier und Jetzt von interessierter politischer Warte aus als kaum zu stemmen gilt. Dazu sind alle Heutigen einfach noch zu verstrickt in die Ungleichbehandlung.

Dass etwa bei der Entwicklung kugelsicherer Westen wie selbstverständlich erst mal nur an Männer gedacht, und bei Autounfalltests immer wieder mit männlichen Dummypuppen getestet worden sein soll, spricht schon Bände. Aber das sind ja keineswegs bloß Ausreißer der Moderne. In den naturkundlichen Sammlungen der Welt, die mit stolzgeschwellter Brust das gesamte Spektrum organismischer Pracht unseres Heimatplaneten ausstellen, sind es wiederum die Männchen, die seit jeher von den Sammlern bevorzugt wurden.

Bei den Vögeln überwiegen die männlichen Ausstellungsexemplare mit sechzig Prozent die weiblichen deutlich, wie eine Auswertung des Londoner Natural History Museum von zwei Millionen Belegexemplaren in fünf großen Naturkundemuseen ergeben hat. Die Geschlechterbilanz, so das Fazit der Studie, habe sich in den vergangenen 130 Jahren nicht wesentlich verändert. Gesammelt und ausgestellt wird am liebsten, was dick aufträgt – in Farbe, Gestalt, Größe oder eben im Verhalten. Denn die Auffälligen sind in freier Wildbahn nicht nur leichter zu entdecken und zu fangen, sondern auch als Schauobjekt attraktiver. Bei den Typusexemplaren, die meistens die Erstfunde und damit taxonomische Referenz für die jeweilige Art sind, ist die Schieflage besonders krass: Nur 25 Prozent der Vogel-Typen und 39 Prozent der Säugetier-Typen sind als weiblich identifiziert worden.

Die Geschlechterunwucht ließe sich beliebig von den Museen zu den Laboren und den Kliniken fortsetzen: Seit Jahrzehnten sind männliche Versuchstiere (der hormonellen Besonderheiten der Weibchen wegen) bevorzugt, und auch in vielen klinischen Studien gibt es traditionell die Tendenz, die komplexere weibliche Physiologie als Störfaktor wann immer möglich auszuschalten. Wertvolle Einsichten gehen so leider verloren. An der University of Richmond beispielsweise haben Psychologen neben elf männlichen Ratten sechs Weibchen (wieso eigentlich nicht genauso viele?) das Autofahren beigebracht.

Mit dem gläsernen Mini-E-Vehikel („Rattenauto“) wollte man herausfinden, wie die Tiere die Herausforderung annehmen, an drei Hebeln ihr Gefährt selbständig zum nächsten Leckerbissen zu steuern. Resultat: Die Nager hatten erstaunlich schnell den Dreh raus und großen Spaß offenbar obendrein. Geschlechterunterschiede: null. Und jetzt kommen Sie nicht mit der Frage, ob man auch das Einparken geübt hat.




Samstag, 26. Oktober 2019

Die Reaktion schleicht hintenrum.


aus spektrum.de, 25. 10. 2019

Rechtspopulismus durch die Hintertür
Im einseitigen Bemühen um Opferschutz offenbart die konservative Sexualmoral dieser Tage gleich mehrere blinde Flecke: Wie sonst ließe sie sich so einfach von rechts vereinnahmen?

Muss es eine Politikerin hinnehmen, dass sie im Netz unter anderem als »Drecks Fotze« beschimpfen wird? Nach dem Beschluss der Richter des Berliner Landgerichts schon, sofern die Facebook-Kommentare, die überwiegend aus der Ecke der AfD stammten, auf den Vorwurf eines rechten Hetzers reagieren, sie hätte vor mehr als drei Jahrzehnten in einem Zwischenruf im Berliner Abgeordnetenhaus Sex zwischen Erwachsenen und Kindern bagatellisiert. An diesem Vorfall ist nicht nur aus juristischer Sicht manches fragwürdig, sondern auch soziologisch einiges zu bemerken.

Erstens erstaunt die Feststellung der Richter, die höchst unflätigen Kommentare seien eine Art »Sachauseinanderset- zung«, schließlich hätte die Äußerung von Künast einen sexuellen Bezug mit Empörungspotenzial gehabt. Wenn man über Sexualität zwischen Erwachsenen und Kindern spricht, muss man sich also nicht wundern. Dann wiegt die Würde des Redners auch nicht mehr viel. Eines scheint indes gewiss: Weder eine sachliche noch überhaupt eine Auseinanderset- zung wird im Fall der Trias Kind – Sexualität – Gewalt geführt.

Mit diesem Beitrag beginnen wir auf »Spektrum.de« die Kolumne »Zeitdiagnosen« – ein Projekt in Kooperation mit dem Verlag Springer VS. Hier beziehen einmal im Monat wechselnde Expert*innen aus den Sozial-, Medien- und Politikwissenschaften Stellung zu aktuellen Debatten unserer Zeit. 

Sexualgewalt, vor allem wenn sie gegen Kinder gerichtet ist, wird seit Jahrzehnten über Skandalisierungen vermittelt. Sie zielen auf Emotionen und eine griffige Dramatik (»alle drei Minuten wird …«, »jedes dritte Kind …«, »fast jede Frau hat schon …«). Sie lässt keinen vertretbaren Gegenstandpunkt mehr zu. Es sind unmittelbare Einladungen an die Affekte. Entfaltet wird ein Sog emotionaler Betroffenheit, der sich meist in einem Ruf nach Strafe und in einer gründlichen moralischen Diskreditierung abwägender Stimmen artikuliert. Einige Konflikte bringen es zur Gesetzesreife. Dann folgt der nächste Skandal – und so immer weiter. Dabei wirkt stets derselbe Mechanismus, der den Akteuren des Skandals, wie im obigen Fall dem rechten Netzaktivisten, die edle Rolle desjenigen zuschreibt, der einen Skandal mutig aufdeckt. Die selbstgerechte Empörung ist gewiss. Den Opfern springt man zur Seite, verdammt die Täter und feiert den Skandalan- treiber. Details interessieren da nicht mehr. Es reicht der Anfangsverdacht.

Zweitens werden, in einer Art spätmodernem Tribunal, die jüngere Geschichte von Parteien, Zeitungen, pädagogischen und kirchlichen Einrichtungen sowie die Positionen von Politikern, Wissenschaftlern, Künstlern auf jahrzehntealte Verfehlungen gegenüber der aktuellen Sexualmoral unter die Lupe genommen. So haben es auch die Grünen unlängst getan. Mitte der 1980er Jahre, als der Zwischenruf von Renate Künast fiel, prallte die sexualliberale Haltung der 1968er mit dem neuen Sexualkonservatismus einer Gruppe zusammen, die der Kriminologe Sebastian Scheerer als »atypische Moralunternehmer« bezeichnete: jener Mitglieder der eigentlich antiautoritären 68er-Bewegung, die wieder nach dem Strafrecht riefen. Die Zeiten begannen sich also grundlegend zu wandeln. Es wich die Überzeugung, Sexualität sei per se etwas Gutes und gehöre befreit von den Fesseln, die ihr seit jeher, aber vor allem auch unter der Naziherrschaft auferlegt wurden. Und es kam zu der aktuell dominierenden Gegendeutung, Sexualität sei ein Instrument zur Unterdrückung, das von mächtigen Männern eingesetzt werde. Mit der hegemonialen Durchsetzung dieser neueren Sexualdeutung begann der Wettlauf um die Frage, wer schon früher die »richtige«, also opferschützende Position eingenommen hat und wie über- zeugend eine Konversion und Reue vorgetragen wird.

Im Zweifel gegen den Angeklagten?

Und drittens treten in dem unerbittlichen Ruf nach Strafe und Opferschutz aus dieser Bewegung Attitüden hervor, die den Kernbereich des Rechtsstaats angreifen. So ärgert sich etwa die Literaturwissenschaftlerin Christine Künzel: »Bei keinem anderen Delikt wird der Grundsatz ›in dubio pro reo‹ mit einer derart schamlosen Konsequenz angewendet wie bei den Sexualstraftaten.« Der Pädagogikprofessor Jens Brachmann verlangt sogar frank und frei die Abschaffung dieses straf- rechtsbegrenzenden Fundaments der freiheitlichen Ordnung und fordert: »In dubio pro victima! In dubio pro infante! In dubio pro juventute!« Systematisch wird von den neuen Sexualkonservativen in Allianz mit politischen Kräften, denen die Liberalen immer schon ein Dorn im Auge waren, der Geist der 1968er delegitimiert. Es gehe nun darum, die »Last des Libertären« zu überwinden, wie es der Parteienforscher Walter bei der Aufarbeitung der Haltung der Grünen gegenüber der Pädophilie proklamiert.

Spektrum Kompakt:  Verbrechen – In den Köpfen von Tätern und Opfern


Den Linksliberalen wird vorgeworfen, Sexualität lange Zeit einseitig als Quelle der Freiheit gefeiert und dabei das Problem sexueller Gewalt zu wenig erkannt zu haben. Die Vertreter der neuen Sexualmoral haben ihren blinden Fleck umgekehrt allerdings in der Achtung rechtsstaatlicher Freiheitssphären, während sie einseitig auf Opferschutz sinnen und Sexualität vor allem als überall lauernde Gefährdung verstehen. Lässt sich gegen den Schutz von Kindern und Frauen vor sexuellen Übergriffen vernünftigerweise gar nicht argumentieren, bleibt der ideologische Ballast, den diese Bewegung mit sich trägt, merkwürdig verdeckt – lediglich zwei kurze Expertisen beschäftigen sich damit (hier und hier). Sie muss sich die Frage gefallen lassen, wie viel Populismus bereits in ihrem Programm steckt, dass ihre Aktivitäten und Argumentationen so nahtlos in die rechte Propaganda eingehen können und dass auch in großer Anzahl Bildmaterial unverändert auf die Seiten rechtsextremer Kräfte gelangt.

Es mag als Erfolg verbucht werden, wenn Opferforderungen ohne Gegenstimme in Kriminalpolitik gegossen werden. Wenn aber dem offenen und deliberativen politischen Diskurs weiter ausgewichen wird, verweigert man auch den demokratischen Meinungsbildungsprozess und spielt darüber den Rechten weiter in die Hände.

Daniela Klimke ist Soziologin und Professorin an der Polizeiakademie Niedersachsen.


Nota. - Das hatte auch ich übersehen: dass der Richter nicht überhaupt die Beleidigung von Frau Künast zugelassen hat, sondern angesichts des Anlasses, zu dem sie geschah, für verständlich erachtete.
JE

Mittwoch, 23. Oktober 2019

Stopft mehr Weibchen aus!

Der Spatz.
aus Die Presse, Wien, 23.10.2019

2,5 Millionen Exemplare ausgewertet
Deutlich mehr ausgestopfte Männchen als Weibchen in Museen
Weibchen sind bei ausgestopften Tieren in Museen unterrepräsentiert, ergibt eine Studie. Besonders groß ist das Ungleichgewicht bei Spatzen.

In den internationalen naturkundlichen Sammlungen sind Weibchen bei den ausgestopften Tieren unterrepräsentiert. Dies geht aus einer Studie hervor, die am Mittwoch in der jüngsten Ausgabe der "Proceedings of the Royal Society B" veröffentlicht wurde. Die Auswertung von fast 2,5 Millionen Exponaten aus großen Naturkundemuseen in London, Paris, New York, Washington und Chicago ergab, dass nur 40 Prozent der Vögel weiblich waren. Besonders niedrig fielen aber die Anteile bei einigen Spatzen (knapp zehn Prozent), den schwarzen Fliegenschnäppern (11,5 Prozent), bei Fledermäusen (knapp zehn Prozent), Schafen und Wieseln (je 24 Prozent) aus. Bei den Paarhufern waren es weniger als 40 Prozent, obwohl dort die Weibchen in der freien Wildbahn eindeutig die Mehrheit bilden. 

Das Ungleichgewicht lässt sich offenbar nicht ausschließlich mit der größeren Farbenpracht männlicher Vögel oder mit den beeindruckenden Hörnern, Geweihen und Stoßzähnen bei einigen männlichen Säugetieren erklären.

"Wir hatten schon vermutet, dass wir eine gewisse Bevorzugung von Männchen feststellen würden", sagte Natalie Cooper vom Museum für Naturgeschichte in London. "Denn Wissenschaft wird von Menschen gemacht - und Menschen bringen eine tief verwurzelte Bevorzugung männlicher Wesen mit."

Die Studie zeigt, dass sich das überproportionale Sammeln männlicher Tiere im Verlauf der Zeit nicht änderte. Und es dabei keine Unterschiede gibt zwischen Sammlungen aus dem 19. Jahrhundert und den aktuelleren. 

Ausgewogenheit gefordert

"Wenn die Weibchen übersehen werden, erhalten wir kein vollständiges Bild des Lebens", sagte Cooper. Dies sei aber unter anderem wichtig, um Voraussagen darüber zu treffen, wie sich die Körpergröße von Tieren im Zuge des Klimawandels verändern wird. In Zukunft müssten sich die Museums-Verantwortlichen der tradierten Stereotypen bewusst werden und ihre Sammlungen ausgewogen gestalten, forderten die Autoren der Studie. Das werde die Glaubwürdigkeit der Forschung und das Wissen um die Biodiversität erhöhen.


Nota. - Gendergerechtigkeit ist unaufhaltsam. Und dies, obwohl die männlichen Individuen bei den Tieren meist mehr hermachen, siehe oben. Bei uns Menschen hätte man sowieso eher die Weibchen ausgestopft.
JE

Montag, 21. Oktober 2019

Unfassbar dumm.


Normalerweise wäre das gedeckt vom Recht auf freie Meinungsäußerung. In diesem Falle handelt es sich aber um die Äuße- rung eines politisch unkorrekten Professors über zwei kritische Studierend*innen. Insbsonders eben: von einem alten weißen Mann über zwei Frauen. Und das ist nicht nur politisch inkorrekt, was grad noch tolerierbar wäre, sondern sexistisch. Das gehört vors Strafgericht.

PS. Ach herrje!  Eben lese ich, eine der beiden Sudieren*dinnen sei auch noch farbig. Na das schlägt dem Fass den Boden aus. Der Baberiwski gehört gefedert und geteert.


Dienstag, 15. Oktober 2019

Samstag, 12. Oktober 2019

Der Männerversteher.

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aus FAZ.NET,  

Maskulist Arne Hoffmann 
It’s a woman’s world
Arne Hoffmann kämpft seit 20 Jahren gegen die Unterdrückung der Männer in Deutschland. Zuhören will ihm kaum jemand. Ist das ein Fehler?

von
Zwei Stunden lang hat Arne Hoffmann in einem Café in Wiesbaden nüchtern jede Frage zu der seiner Meinung nach in Deutschland herrschenden Unterdrückung der Männer beantwortet, aber erst beim Smalltalk nach dem Interview wird er zum ersten Mal emotional: Ob der Drache Drogon, der am Ende der am Vorabend erschienenen „Game of Thrones“-Folge von einem Pfeil getroffen wurde, tatsächlich gestorben sei? „Niemals“, sagt Hoffmann. „Das ist der wichtigste Drache, der kann nicht tot sein.“ Er sollte es wissen: In drei Wochen gibt es bei dem Pub-Quiz, das er sonntags besucht, ein „Game of Thrones“-Spezial.

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Bei diesen Kneipenbesuchen wird Hoffmann von fremden Frauen oft etwas schräg angeschaut: Das liegt dann an seinem Pullover, auf dem ein Kreis mit einem Pfeil prangt: das „Männersymbol“. Hoffmann gilt als Vordenker der deutschen Männerrechtsbewegung, seit mehr als 20 Jahren kämpft er für sein vom „herrschenden Feminismus“ (Hoffmann) unterdrücktes Geschlecht. Er ist nicht allein: Laut einer Studie des Bundesfamilienministeriums aus diesem Jahr gibt es in Deutschland eine radikal anti-feministische, betont „maskulistische“ Strömung. Frauen seien bereits genug gefördert worden, jetzt seien endlich mal die Männer dran, lautet eine der Auffassungen dieser Gruppe. Der „engere Kern des Maskulismus“ macht ein Prozent der männlichen Bevölkerung aus. Hoffmann schrieb zu der Studie auf seinem Blog „Genderama“: „Folgt man diesen Zahlen, umfasst allein der ,engere Kern‘ unserer Bewegung mittlerweile mehr als 400.000 Männer. Ich kann mich noch gut an Zeiten erinnern, als wir nur wenige Dutzend waren.“

Was sind das für Männer, die das Gefühl haben, von Frauen unterdrückt zu werden?

Patrick Albert ist ein Freund von Arne Hoffmann. Er lernte den Maskulisten vor vier Jahren in dem Irish Pub kennen, in dem jeden Sonntag das Pub-Quiz steigt. Auf Hoffmanns Team war Albert über die Facebook-Gruppe „Neu in Mainz“ aufmerksam geworden, darin verabreden sich die Mitglieder jede Woche online für den Abend in der Kneipe. „Hoffmann gehört zum harten Kern“, sagt Albert. Wie er ihn am Anfang erlebt hat? „Als sehr ruhigen Menschen. Eher so der Beobachter, niemand, der von sich aus Themen anspricht.“ Aber irgendwann, an ruhigen Abenden, fing Hoffmann an, von sich zu erzählen. „Da hat mich dann schon manches überrascht“, sagt Albert. Nie gedacht hätte er zum Beispiel, dass Hoffmann erotische Literatur schreibt. Aber will man auf Amazon Hoffmanns Bücher über Männerrechte finden, muss man sich auf seiner Autorenseite erst mal durch eine lange Liste von Büchern scrollen, die Titel haben wie: „Sex für Fortgeschrittene“ und „Onanieren für Profis“. Albert sagt: „Einen Autor solcher Bücher hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt.“

Sein Buch heißt „Plädoyer für eine linke Männerpolitik“

Es wäre insgesamt recht einfach, sich über Arne Hoffmann lustig zu machen: Er ist 48, lebt aber noch mit seinem Vater in seinem Elternhaus in einem 500-Seelen-Dorf im Taunus. Er hat keine Freundin, schreibt aber Sex-Ratgeber. Er liebt Fantasy-Geschichten und entspricht auch optisch dem Klischee eines Nerds, der sich vor allem hinter seinem Bildschirm stark fühlt – und er kämpft eben gegen die Unterdrückung der Männer, die doch immer noch fast überall in der Gesellschaft das Sagen haben. „Wenn Männern wieder und wieder und wieder eingetrichtert werde, wie frauenverachtend und gewalttätig sie seien, könnte sich dies auch zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung entwickeln“, zitiert Hoffmann die Autoren eines „Fachbuches“.

Genau bei diesem Reflex – sich über „jammernde Männer“ lustig zu machen – fängt für Hoffmann der Sexismus an. In seinem Buch „Plädoyer für eine linke Männerpolitik“ schreibt er: Männer „beginnen durchaus zu merken, dass auch sie selbst (...) Opfer verschiedenster Formen von Diskriminierung sind, aber offen darüber zu sprechen, das erscheint einem doch lächerlich, das passt nicht zu dem Bild, das man Frauen und anderen Männern von sich vermitteln will“. Insbesondere wer ein eher reaktionäres Rollenbild verinnerlicht habe – „der Mann als harter Fels“ –, tue sich damit schwer. Dabei gebe es viele gute Gründe dafür, sich als Mann über die herrschenden Verhältnisse zu beschweren: „Unsere Zivilisation beruht darauf, dass Männer zerschunden werden und ihren Schmerz verdrängen müssen: ob im Bergwerk, auf der Ölplattform oder an der Front“, sagt Hoffmann. „Einen natürlichen Schutzinstinkt wie gegenüber Frauen gibt es nicht.“ Dieses Denken werde zugespitzt durch eine Ideologie, die Männer nur als Täter, Unterdrücker oder Hindernisse wahrnehme: den Feminismus.

„Aber ich töte alle Männer, und es tut mir kein bisschen leid.“

Wo sich die Benachteiligung der Männer zeige? Hoffmanns Liste ist lang: Jungs bekämen bei gleicher Leistung die schlechteren Schulnoten als Mädchen, Männer würden öfter arbeitslos als Frauen, die Gesetzgebung benachteilige Väter, die niedrigere Lebenserwartung von Männern habe „keine biologischen Ursachen“ – sondern gesellschaftliche. Und „dass geschätzte 90 Prozent aller Obdachlosen männlich sind“, sei „ein weit größerer Skandal, als dass im obersten Promille der Gesellschaft weibliche Manager in der Unterzahl sind“.
 
Der Männerrechtler hat für seine These des unterdrückten Mannes also durchaus ein paar gute Beispiele. Das Problem ist: Er schießt oft meilenweit über das Ziel hinaus. In seinem aktuellen Buch versteigt er sich zum Beispiel zu der Aussage, dass „die heute vielleicht stärker als je zuvor grassierende Männerfeindlichkeit (...) Diskriminierungen bis hin zum Massenmord im Gefolge hat“. Das belegt er unter anderem mit dem Zitat eines russischen Soldaten, der über seine Zeit im Tschetschenien-Krieg gesagt haben soll: „Frauen und Kindern tue ich nichts, solange sie nicht auf mich schießen. Aber ich töte alle Männer, und es tut mir kein bisschen leid.“ Hoffmann zitiert dann Autoren, die die „Männerfeindlichkeit“ mit der „Judenfeindschaft des Christentums in früheren Jahrhunderten“ vergleichen. „Christliche Führer hatten nie zur Ermordung der Juden aufgerufen, sie schufen aber ein Klima der Ablehnung, das für andere Menschen solche Taten möglich machte.“ Ein ähnlicher Mechanismus sei am Werk, „wenn eine kulturelle Elite Hass oder Geringschätzung gegenüber Männern schürt“. Die Situation der Männer heute mit der Situation der Juden vor dem Holocaust zu vergleichen – ein anderes Wort als Wahnsinn fällt einem dazu kaum ein.

Und auch wenn Hoffmann immer wieder betont, dass er für Männer und nicht gegen Frauen kämpfe, ist das weibliche Geschlecht in seinen Argumentationen ständig an allem schuld – selbst an der eigenen Benachteiligung. Männer würden sich ja auch deswegen mit 70-Stunden-Wochen an die Spitze „durchschuften“, um in das Beuteschema attraktiver Frauen zu fallen. „Bei Frauen ist es dagegen kein Statussymbol, beruflich erfolgreich zu sein. Deswegen arbeiten sie auch keine 60 Stunden in der Woche“, sagt er.

Zehntausende Männer werden Opfer von häuslicher Gewalt

Andererseits hat Hoffmann kein Problem mit Menschen, die Frauen vor allem als Beute begreifen. Das Buch „Der perfekte Eroberer – wie Sie garantiert jede Frau verführen“ hat er zusammen mit einem sogenannten Pick-up-Artist geschrieben. Diesen selbsterklärten Verführungstrainern wird nicht nur vorgeworfen, Frauen wie austauschbare Objekte zu behandeln. Von den offensiven Anmach-Strategien der Pick-up-Artists fühlen sich viele Frauen auch schlicht belästigt. Hoffmann schrieb 2014 online: „Immer stärker bildet sich ein neuer Trend heraus, der ebenfalls seinen Reiz besitzt: der Pick-up im Internet.“ Lasse einen „eine Schnecke“ an der Bar abblitzen, könne man zu Hause vor dem Bildschirm Selbstbewusstsein für den nächsten Versuch in der Bar sammeln. „Ein gewisses Maß an Überwindung von Schüchternheit ist allerdings auch nötig, wenn man eine unbekannte Schöne zum Beispiel über Facebook anspricht.“ Aber das sei viel leichter zu bewältigen.

Gerade Feministinnen müssen sich im Internet nicht nur mit den Annäherungsversuchen wildfremder Männer herumschlagen – sie werden oft auch massiv angefeindet und bedroht. Hoffmann macht auch dafür indirekt wieder die Frauen selbst verantwortlich: „Wenn Männern wieder und wieder und wieder eingetrichtert werde, wie frauenverachtend und gewalttätig sie seien, könnte sich dies auch zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung entwickeln“, zitiert Hoffmann in seinem Werk die Autoren eines „Fachbuches“. Er verteidigt auch die Urheber von menschenverachtenden Äußerungen, die auf Plattformen der radikalen Männerszene zu lesen sind, zum Beispiel diese: „Frauen sind doch nichts anderes als Zecken im Leben eines Mannes, die ihn aussaugen. Aber seit wann bestimmt die Zecke im Fell des Hundes, wo es langgeht?“

Hoffmann nennt diese Entgleisungen zwar „inakzeptabel“, macht indirekt aber wieder Frauen dafür verantwortlich: Man mache es sich zu einfach, wenn man den „radikalen Rand“ der Szene lediglich dämonisiere. In der Biographie der „verbal aggressivsten Vertreter“ der Männerrechtsbewegung finde sich nämlich „häufig eine Lebenssituation, die zu einer posttraumatischen Verbitterungsverstörung führen kann, beispielsweise jahrelanger sexueller Missbrauch, eine besonders schmerzhaft verlaufene Scheidung, häusliche Gewalt oder das Unterschieben eines Kuckuckskindes“. Und eine posttraumatische Störung führe eben unter anderem zu „ungezügelter Aggressivität“.

Hoffmann selbst wurde nicht durch traumatische Erfahrungen zum Männerrechtler. „Ich wollte Autor werden und habe nach meinem Examen 1996 einfach ein Thema für mein erstes Buch gesucht.“ Er habe sich zuerst überlegt, ein Lexikon der populären Irrtümer über Männer und Frauen zu schreiben. „Die meisten Vorurteile über Frauen waren aber schon abgeräumt.“ Ganz anders sei das bei Männern gewesen: „Ich habe gelesen, dass Männer im gleichen Maß Opfer von häuslicher Gewalt werden wie Frauen. Ich dachte zuerst, das kann nicht stimmen.“ Hoffmann war damit tatsächlich sehr früh auf ein Thema aufmerksam geworden, das erst jetzt langsam in der Öffentlichkeit ankommt: Viele Studien haben gezeigt, dass jedes Jahr auch Zehntausende Männer Opfer von häuslicher Gewalt werden.

„Ich komme ja aus der linken Ecke.“

Hoffmann hatte also sein Thema gefunden, er schrieb ein Buch und schickte das Manuskript an 80 Verlage. Keiner wollte es drucken. Erst 2001 erschien sein Werk: „Sind Frauen bessere Menschen? Plädoyer für einen selbstbewussten Mann“. Es dauerte dann weitere zwei Jahre, bis ein „Focus“-Redakteur bei Hoffmann anrief – und aus dem Buch die Titelgeschichte „Das privilegierte Geschlecht“ machte. Im ersten Absatz des Artikels hieß es, dass Hoffmann erfahren habe, wie es im Patriarchat zugehe, als 80 Verlage sein „faktensattes“ Buch als „zu polarisierend“ oder „zu brisant“ abgelehnt hätten. „Schließlich ermannte sich ein Berliner Szeneverlag.“ Obwohl sich dann auch der Focus „ermannt“ hatte, kam durch die Titelgeschichte keine große Debatte ins Rollen.

Stattdessen musste sich Hoffmann eine Nische suchen: Internetforen. Er begann als klassischer Troll. „Ich bin in einem sehr konfrontativen Stil in Frauenforen rein“, sagt er. Dann machte er sich auf die Suche nach Gleichgesinnten. 2004 rief er sein Blog ins Leben, außerdem wurde er in verschiedenen Foren aktiv, in denen sich wütende Männer austoben. „Wenn es das Internet nicht gäbe, gäbe es auch keine Männerrechtsbewegung“, sagt Hoffmann. Bei einem Großteil der Bewegung wäre das nicht sehr bedauerlich: Der Feminismus ist auch ein zentrales Feindbild von Rechtsradikalen. Laut der linken „tageszeitung“ warnte die „neue intellektuelle Rechte“ bereits 1994 in einem Manifest davor, dass der Feminismus „eine totalitäre Gefahr“ darstelle. Auch Hoffmann sagte 2007 in einem Interview über Feminismus, dass durch staatlichen Druck eine „gigantische ideologische Umerziehung“ stattfinde. „Das ist nichts weniger als totalitär.“

Interviewen ließ er sich damals von der „Jungen Freiheit“, dem Sprachrohr der Neuen Rechten in Deutschland. Hoffmann schwamm lange im rechten Strom mit: 2011 antwortete er in einem Interview mit dem populistischen Kopp-Verlag auf die Frage „Was tun Sie, um aufzuklären?“ mit der Aussage, dass er unter anderem Artikel „in politischen Magazinen wie eigentümlich frei, der Freien Welt, Jürgen Elsässers Compact“ publiziere. Das alles sind rechte Plattformen. Heute sagt Hoffmann: „Sonst hat mir ja keiner zugehört.“ Irgendwann habe er aber gemerkt, dass sich in der „lautstarken Internet-Männerszene“ Stimmen mehrten, die „auf die Ausgrenzung von Sündenböcken setzten“. Frauen, Homosexuelle, Migranten und Linke seien immer heftiger angefeindet worden. Irgendwann habe ihm das gereicht. „Ich komme ja aus der linken Ecke.“

Nicht selten hat Hoffmann ja wirklich recht

Kurzerhand erklärte er sein Blog 2012 zum „Sprachrohr des linken Flügels der Männerrechtsbewegung“. Seitdem versucht er wieder verstärkt, in bürgerlichen Kreisen Gehör zu finden. Gelegentlich wird Hoffmann von seriösen Medien zitiert, auf seinem Blog veröffentlichte er in diesem Sommer außerdem das Programm der „Liberalen Männer“, einer Vereinigung aus FDP-Mitgliedern, die sich für Männerrechte einsetzen will. An der Gründungsveranstaltung der Gruppe Anfang August konnte er nicht teilnehmen: Die Anreise war ihm zu teuer.

Hoffmann lebt von den Spenden, die ihm Leser seines Blogs überweisen, und dem wenigen Geld, das seine Bücher einbringen („Sex-Ratgeber laufen immer“). Er zog auch aus finanziellen Gründen nie aus seinem Elternhaus aus. „Wenn ich nebenbei für die Lokalzeitung über Hasenvereine schreiben müsste, könnte ich nicht so viel für die Männerrechtsbewegung machen.“ Auch dass er Single ist, habe mit diesem Engagement zu tun: Nicht lange nachdem er 1996 anfing, sich für sein Geschlecht zu engagieren, habe sich seine damalige Freundin von ihm getrennt, sagt er. „Wie alle frisch Konvertierten war ich anfangs ziemlich kompromisslos.“ Aber auch die bislang letzte Frau, an der er „sehr interessiert“ gewesen sei, habe nie verstanden, was sein großes Problem sei. „Aber jetzt ist sie voll auf meiner Seite.“ Allerdings wohnt sie mittlerweile in Amerika.

Hoffmann sitzt also weiter allein hinter seinem Schreibtisch im Taunus. Wie sein Tagesablauf dort aussieht? „Ich wache auf, fahre noch im Halbschlaf den Computer hoch, und suche Artikel, über die ich auf meinem Blog berichten kann.“ Ab halb zehn arbeite er an seinen Büchern, am Nachmittag sichte er dann wieder Links, über die er am nächsten Morgen berichten kann. Ein Handy hat er nicht. „Ich sitze sowieso fast immer vor dem Bildschirm.“ Dabei würde er gerne in Talkshows über die Unterdrückung der Männer reden. Warum ihn niemand einlädt? Hoffmann ist überzeugt davon, dass man ausgegrenzt wird, sobald man sich für Männer einsetzt. Feministinnen hätten es viel besser: „Auf Männer einzudreschen ist nicht nur absolut legitim, man kann sich dafür auch preisen, ehren und fürstlich bezahlen lassen.“

Unterdrückt der „herrschende Feminismus“ hier also einen Gegner, der die besseren Argumente hat? Man kann es kurz machen: Nein. Kolumnisten, die kritisch über die Auswüchse des „Genderwahnsinns“ berichten, sind in den Medien mindestens genauso präsent wie die Feministinnen selbst. Dass Hoffmann nicht zu diesen Autoren gehört, liegt daran, dass seine Argumentation in weiten Teilen nicht mehrheitsfähig ist – und dafür kann niemand etwas, außer er selbst.

Er selbst sieht das selbstverständlich anders. Auf seinem Blog steht das Zitat: „Hat man 24 Stunden früher als die übrigen Menschen Recht, so gilt man 24 Stunden lang für närrisch.“ Und nicht selten hat Hoffmann ja wirklich recht: Drogon, der wichtigste Drache aus „Game of Thrones“, überlebte den Angriff am Ende von Folge vier zum Beispiel tatsächlich. In der fünften Episode konnte er schon wieder Männer töten. Das Kommando dafür bekam er von Daenerys Targaryen. Einer Frau.


Nota. - Dies Blog unterscheidet sich, wie Sie leicht erkennen werden, sehr von den Veröffentlichungn Arne Hoffmanns. Ich will auch nicht wirklich zur Populariserung seine Sachen beitragen, ich finde meine besser. Aber bemerkenswert ist doch: Während unter den feministischen Autor*innen jede schrille Schrulle an die große Glocke gehängt wird, hat es Hoffmann bis heute nichteinmal geschafft, Skandal zu machen. Ich auch nicht, und das vereint uns.
JE