Freitag, 30. April 2021

Y: Fluch und Segen.

 

aus Die Presse, Wien, 22. 4. 2021

Biologinnen sprechen vom toxischen Y-Chromosom

Geprägt wurde der polemische Begriff „toxische Männlichkeit“ von der mythopoetischen Männerbewegung der Achtzigerjahre, die diese giftige von einer „tiefen“ Männlichkeit unter-schied. Doch weite Verbreitung fand er erst in den letzten Jahren. Naturwissenschaftlich fun-diert ist er nicht, doch man kann mit der Frage tändeln, was denn das Gift sei. Das Testoste-ron, sagen einige, die Biologin Alison Nguyen (Berkeley) fokussiert auf ein größeres Molekül: Sie spricht vom „Toxic Y Chromosome“, soeben im Titel einer Publikation in „PlOs Gene-tics“ (22. 4.), gemeinsam mit Doris Bachtrog. Sie meinen das wörtlich: Die Struktur der Y-Chromosomen sei dafür verantwortlich, dass Männer kürzer leben. Beziehungsweise Männchen: Die Arbeit behandelt Fruchtfliegen der Art Drosophila miranda.

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Toxic Y chromosome: increased repeat expression and age-associated heterochromatin loss in male Drosophila with a young Y chromosome
 
Alison H. Nguyen, Doris Bachtrog

Sex‐specific differences in lifespan are prevalent across the tree of life and influenced by heteromorphic sex chromosomes. In species with XY sex chromosomes, females often outlive males. Males and females can differ in their overall repeat content due to the repetitive Y chromosome, and repeats on the Y might lower survival of the heterogametic sex (toxic Y effect). Here, we take advantage of the well‐assembled young Y chromosome of Drosophila miranda to study the sex‐specific dynamics of chromatin structure and repeat expression during aging in male and female flies. Male D. miranda have about twice as much repetitive DNA compared to females, and live shorter than females. Heterochromatin is crucial for silencing of repetitive elements, yet old D. miranda flies lose H3K9me3 modifications in their pericentromere, with heterochromatin loss being more severe during aging in males than females. Satellite DNA becomes de‐repressed more rapidly in old vs. young male flies relative to females. In contrast to what is observed in D. melanogaster, we find that transposable elements (TEs) are expressed at higher levels in male D. miranda throughout their life. We show that epigenetic silencing via heterochromatin formation is ineffective on the large TE‐ rich neo‐Y chromosome, resulting in up‐regulation of Y‐linked TEs already in young males. This is consistent with an interaction between the age of the Y chromosome and the genomic effects of aging. Our data support growing evidence that “toxic Y chromosomes” can diminish male fitness and a reduction in heterochromatin can contribute to sex‐specific aging.

Vollständiger Text auf https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2020.07.21.214528v1.full 

 

Nota. - Das Rätselraten darüber, wieso Männer früher sterben als Frauen, ist nun um eine Eventualität reicher: Es könnte am Y-Chromosom selber liegen. Courte et bonne war die männliche Lebensphilosophie des 17. Jahrhunderts bei den Franzosen...

Über das Gute daran, den Segen, habe ich mich bereits hier verbreitet.

JE

Sonntag, 25. April 2021

Ich bin ein Mensch...


...und meine Nachbarin würde sich wohl verbitten, dass mann sie eine Mensch*in nennt.Von Seiten der Schwestern wärs ihr nicht genehmer. 

 

 

 

 

 

Freitag, 23. April 2021

Das Gendern verbieten!

photocase

aus FAZ.NET, 23. 4. 2021

In der Debatte um die Gendersprache hat der CDU-Politiker Friedrich Merz ein Verbot nach französischem Vorbild ins Spiel gebracht. Den wachsenden Zwang zum Gebrauch von ge-schlechtergerechter Sprache halte er für „rechtlich angreifbar“, sagte Merz laut einer Vorab-meldung vom Donnerstag dem „Spiegel“. „Es gibt nach meiner Wahrnehmung einen kultu-rellen Konsens in der Republik – die überwiegende Mehrheit der Menschen lehnt die Gender-sprache ab.“

Merz kritisierte Universitäten und Fernsehmoderatoren für ihre sprachlichen Regeln. „Wer gibt zum Beispiel Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern das Recht, Prüfungsarbeiten auch danach zu bewerten, ob die Gender-Sternchen verwendet werden oder nicht?“, fragte der CDU-Politiker – Anfang des Monats war ein Fall an der Uni Kassel bekannt geworden, in dem einem Studierenden ein Punkt in einer Studienleistung abgezogen wurde, weil er nicht die ge-schlechtsneutrale Sprache verwendet hatte. „Wer gibt Nachrichtenmoderatorinnen und -mode-ratoren das Recht, in ihren Sendungen einfach mal so eben die Regeln zur Verwendung unse-rer Sprache zu verändern?“, so Merz.

Merz erinnerte daran, dass Frankreich allen staatlichen Institutionen untersagt habe, geschlech-tergerechte Sprache zu verwenden. „Die Franzosen haben offenbar ein besseres Feingefühl für den kulturellen Wert ihrer sehr schönen Sprache“, sagte Merz. Gerade in gesellschaftlich ver-antwortungsvollen Positionen „kann das nicht jeder so machen, wie er das vielleicht gerne hätte“.

 

Nota. - Ich bin wirklich kein Anhänger von Herrn Merz, aber wo er Recht hat, werde ich auch ihm meinen Beifall nicht versagen.

Und dies an die Reaktion: Das Gendern ist nicht geschlechtergerecht, sondern geschlechter-ungerecht.
JE

Donnerstag, 22. April 2021

Bei Nichtgefallen einfach wegschaun.


aus Badische Zeitung, 21. 4. 2021

"Dass Frauen Täterinnen sein können, können sich nur wenige vorstellen" 
In der Gesellschaft dominiert das Bild der Frau als Opfer. Die forensische Psychiaterin Sigrun Roßmanith will das ändern - mit einem Buch über Täterinnen. Ein Gespräch über die dunkle Seite der weiblichen Seele. 

Von Claudia Füßler 

Frauen verstümmeln, quälen, töten. Sie misshandeln ihre Kinder, missbrauchen sie sexuell. Doch in der Gesellschaft sind Täterinnen ein Tabu, sagt die österreichische Psychiaterin Sigrun Roßmanith, die seit mehr als 20 Jahren als Gerichtsgutachterin arbeitet und gerade ihr Buch "Täterin – Gewalt- und Sexualstraftaten von Frauen" veröffentlicht hat. Claudia Füßler hat mit ihr gesprochen.


BZ: Frau Roßmanith, warum braucht es ein Buch über Frauen als Täterinnen?
Roßmanith: Weil es zwar stimmt, dass Frauen in sehr geringer Anzahl Gewalttaten und in noch geringerer Zahl Sexualstraftaten begehen, diese aber dennoch in der Betrachtung des Ganzen meist fehlen. Die Rolle der Frau als Opfer ist im gesellschaftlichen Blickwinkel nahezu einzementiert. Man traut Frauen Gewalttaten kaum zu und hört selten etwas von häuslicher Gewalt, die von Frauen verübt wird. Männer hingegen haben keinen Opferstatus, und wenn ein Mann wirklich mal anzeigt, dass eine Frau ihm gegenüber gewalttätig geworden ist, dann wird er als Loser wahrgenommen. Es stimmt, die Mehrheit der Frauen ist Opfer. Aber die Gesellschaft macht daraus ein immer. Das entspricht nicht der Realität.

BZ: Wie sieht die denn aus?
Roßmanith: Etwa zwölf bis 15 Prozent der Gewalttaten werden von Frauen verübt, weltweit sind weniger als fünf Prozent der Amoktäter weiblich. Häufig wird davon ausgegangen, dass Gewalt von Frauen nur reaktiv ist. Das ist allerdings nicht meine Erfahrung. Frauen sind nicht bessere Menschen als Männer, bei ihnen greifen nur andere Mechanismen. Wir sind Meisterinnen der destruktiven verbalen und emotionalen Gewalt. Doch dass Frauen Täterinnen sein können, können sich nur wenige vorstellen, da überwiegt das Gute-Mutter-Stereotyp. Diese Schattenecke wollte ich ausleuchten. Sachlich, wertfrei, ohne zu verurteilen. Ich sage einfach: Das gibt es auch. Das kann ich nur als Frau machen, und nur als eine, die schon Jahrzehnte an Erfahrung hat und nichts mehr werden möchte.


Sigrun Roßmanith ist Psychiaterin und Psychotherapeutin und seit fast 25 Jahren als Strafgerichtsgutachterin mit Schwerpunkt Gewalt- und Sexualdelikte in Österreich tätig.

BZ: Weil das Thema angreifbar macht?
Roßmanith: Mir ist schon vieles unterstellt worden, ich bin quasi die Verräterin, die Frauen an den Pranger stellt. Der Anteil von Frauen als Täterinnen sei doch vernichtend klein, wird mir oft entgegengehalten. Ja. Aber es gehört hingeschaut. Ich habe ja bei mir selbst gemerkt, wie stark das Tabu in diesem Bereich wirkt

BZ: Können Sie das näher erläutern?
Roßmanith: Ich habe eine Mutter begutachtet, die ihr Kind gewalttätig misshandelt hat. Sie war gleichzeitig aber auch eine Sexualstraftäterin, die ihre kleine Tochter nicht nur vom Partner missbrauchen ließ, sondern sie selbst, zu Strafzwecken, mit dem Finger vaginal penetriert hat. Als erfahrene Psychiaterin habe ich beim ersten Begutachtungstermin vergessen, nach dem Sexualdelikt zu fragen. Das hat mich im Nachhinein erschreckt. Offenbar habe ich selbst das Tabuthema ausgeklammert. Das wollte ich ändern, indem ich bewusst den Blick darauf lenke. Auch um andere wachzurütteln.

BZ: Es wird ja oft angenommen, die Hemmschwelle zur Gewalt liege bei Frauen höher als bei Männern. Ist dem so?
Roßmanith: Die Schwelle, die überschritten werden muss, um jemanden zu töten, ist üblicherweise enorm hoch – bei Männern und Frauen. Bei beiden entfaltet das Gefühl, gekränkt worden zu sein, eine enorme Sprengkraft, die zu Gewalttaten führen kann. In der gesellschaftlichen Wahrnehmung hingegen fällt das Töten Männern leichter, Frauen töten immer nur aus gravierenden Gründen. Und es gibt noch etwas Eigentümliches: Der Begriff der traumatisierten Frau ist gang und gäbe. Es kommt vor, dass ein Täter oder eine Täterin etwas Traumatisches erlebt hat, was vielleicht dazu beigetragen hat, dass er oder sie die Tat begangen hat. Männer haben kein Opfergefühl, sie führen so etwas nie an, während Frauen oft von sich aus sagen: Ich bin traumatisiert, sonst wäre das nicht passiert.

BZ: Das kann ja durchaus stimmen.
Roßmanith: Natürlich. Es gibt sicher einen gewissen Anteil von Frauen, die ihr halbes Leben lang geprügelt werden. Die prügeln dann einmal zurück und es wird daraus irgendwann ein Tötungsdelikt. Auf die Diskussion "Aber Frauen wehren sich ja nur, weil sie unterdrückt werden" lasse ich mich aber nicht ein. Es kommt vor, aber generell genommen ist es zu kurz gedacht. Es wird dem Spektrum an Taten und Täterinnen nicht gerecht.

BZ: Inwieweit spiegelt sich diese Wahrnehmung von Frauen als Täterinnen in Gerichtsurteilen wider?
Roßmanith: Gerichten wurde früher gern vorgeworfen, dass sie gegen Frauen niedrigere Freiheitsstrafen verhängen. Das stimmt zumindest bei Gewalttaten von Frauen in Österreich – und nur hier kann ich das bestimmt sagen – nicht mehr. Jüngst hat eine Mutter, die ihre drei Kinder getötet hat, lebenslänglich bekommen. Das wäre vermutlich vor 25 Jahren nicht so gewesen. Da wurden Frauen oft einfach als Mittäterin oder ihre Tat als einmalige Entgleisung in einer Lebenskrise gesehen. Bei Sexualstraftäterinnen ist das bis heute oft noch so. Nehmen Sie Ghislaine Maxwell, die Mittäterin des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein. Sie deklariert sich nur als Mittelsfrau, die selbst abhängig war von Epstein, während die Opfer sie als Täterin bezeichnen. Es fällt uns schwer, uns vorzustellen, dass eine Frau sich sexuell an Minderjährigen vergeht, weil sie das Zuschauen und Mitmachen genießt. Aber das gibt es.

BZ: Sie arbeiten jetzt seit 25 Jahren als forensische Psychiaterin – hat sich Ihr Blick auf die Frauen verändert?
Roßmanith: Ich blicke kritischer als anfangs auf das, was man mir erzählt. Die forensische Psychiatrie ist ein schwieriges Fach, da war ich zunächst sehr damit befasst, wie ich vorgehen muss. Inzwischen kann ich mich mehr auf die Frauen – und natürlich die Männer, die begutachte ich ebenfalls – einschwingen. Ich achte darauf, wie sie mir emotional begegnen und was sie mir vielleicht zwischen den Zeilen sagen. Anfangs war ich auch in dem Duktus "eine Mutter tut so etwas nicht" gefangen. Jetzt bin ich offen, neugierig und fühle mich vorurteilsfrei. Ich möchte den ganzen Menschen erfassen. Mein Staunen über die Destruktivität von Menschen und meine Neugierde halten mich in Schwung. Wie kommt es zu dieser Tat? Das interessiert mich noch immer. 

Nota. - Und wenn Wegschauen nicht reicht: canceln.
JE 

 

Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE

Mittwoch, 21. April 2021

Nimm mich.

"Jetzt sollten weitere Männer freiwillig auf Macht verzichten", schreibt der Berliner Tages-spiegel anlässlich der Kandidatur seiner Frau ohne Eigenschaften. Was würde er erst schreiben, würde sie wirklich gewählt? 
 
Mutmaßlich und gottseidank werden wir es wohl nicht mehr erfahren.
 
 
 

Freitag, 16. April 2021

Treibstoff.

 

aus scinexx

Spermidin hält das Gehirn im Alter fit
Naturstoff wirkt dem geistigen Abbau im Alter entgegen – bei Mensch und Maus

Turbo fürs Gedächtnis: Das in vielen Nahrungsmitteln enthaltene Spermidin stärkt das alternde Gehirn und kann dem geistigen Abbau entgegenwirken, wie nun Versuche mit Mäusen und Menschen nahelegen. Bei Ernährung mit spermidinreicher Kost besserten sich Gedächtnis und Lernen und die kognitiven Leistungen nahmen weniger stark ab. Erreicht wird diese Wirkung offenbar durch eine positive Wirkung des Spermidins auf die Mitochondrien und zelluläre Entsorgungsprozesse.

Der Naturstoff Spermidin ist in Weizenkeimen, Nüssen, Pilzen und vielen anderen Lebens-mitteln enthalten und wird schon länger wegen seiner gesundheitsfördernden Wirkung erforscht. Schon vor einigen Jahren legten Tierversuche nahe, dass eine spermidinreiche Kost das Leben von Fadenwürmern und Fliegen verlängern kann und die Hirnleistung positiv beeinflusst. Eine erste Pilotstudie im Jahr 2017 lieferte auch beim Menschen erste Hinweise aufpositive Effekte auf die Gedächtnisleistungen.

Gedächtnis von Mäusen gestärkt

Ob das Spermidin auch dem geistigen Abbau im Alter entgegenwirken kann, haben nun Sabrina Schroeder von der Universität Graz und ihre Kollegen bei Mäuse und Menschen untersucht. Im ersten Experiment reicherten sie das Futter von älteren Mäusen ein halbes Jahr lang mit Spermidin an. Vorher und nachher untersuchten sie Lernverhalten und Gedächtnis der Tiere in mehreren standardisierten Tests.

Das Ergebnis: „Es konnte gezeigt werden, dass oral verabreichtes Spermidin das Gehirn von Mäusen erreicht und dass diese im Alter in verschiedenen Gedächtnistests besser abschneiden als Mäuse, die keine Extraportion Spermidin bekamen“, berichtet Schroeders Kollege Andreas Zimmermann. Der Naturstoff wirkt bei den Tieren offenbar dem sonst typischen geistigen Abbau entgegen.

Positive Wirkung auch beim Menschen

Aber zeigen sich diese positiven Effekte des Spermidins auch beim Menschen? Um das herauszufinden, haben Schroeder und ihr Team die Daten von 800 älteren Teilnehmenden einer Langzeitstudie aus Südtirol ausgewertet. Diese wurden von 1995 bis 200 intensiv medizinisch und psychologische begleitet und regelmäßig auf ihre kognitiven Leistungen hin mit einer Batterie standardisierter Tests untersucht. Zudem wurde erfasst, wie viel Spermidin die Testpersonen mit ihrer Nahrung oder Nahrungsergänzungsmitteln aufnahmen.

Das Ergebnis: Teilnehmende, die während der Studiendauer mehr Spermidin aufgenommen hatten, zeigten über die folgenden fünf Jahre hinweg deutlich weniger kognitive Einbußen als Menschen mit gleichen Alters und aus vergleichbaren Umständen, deren Nahrung weniger Spermidin enthalten hatte. „Dieser Zusammenhang war bei Frauen und Männern feststellbar und blieb auch innerhalb verschiedener Altersgruppen und Kategorien konsistent“, schreiben die Forschenden. Der positive Effekt des Spermidins auf die geistigen Leistungen wurde zudem mit der aufgenommen Dosis deutlicher.

Turbo für die Mitochondrien

Doch worauf beruht die positive Wirkung des Spermidins auf unser Gehirn? In näheren Analysen bei Mäusen und Fliegen stellte das Team fest, dass eine vermehrte Zufuhr von Spermidin die Mitochondrien-Funktion im Hippocampus erhöht – einem für Lernen und Gedächtnis entscheidenden Hirnareal. Schon länger vermuten Wissenschaftler, dass die „Kraftwerke der Zelle“ im Alter weniger effektiv arbeiten und dass dadurch vor allem die Gehirnzellen unter Energiemangel leiden.

Den aktuellen Daten zufolge fördert das Spermidin eine biochemische Reaktionskette, durch die die Produktion bestimmter Mitochondrien-Proteine angeregt wird. Das könnte die Leistung der Zellkraftwerke stärken und erklären, warum sie bei Spermidingabe besser arbeiten. Zudem ergaben die Analysen, dass das Spermidin auch die Autophagie – das Reinigungssystem der Zellen – positiv beeinflusst.

Ansatz für Vorbeugung und Therapie

„Die Kombination von epidemiologischen und experimentellen Daten eröffnet damit die spannende Möglichkeit, dass Spermidin Menschen gegen den geistigen Abbau schützen könnte“, sagen Schroeder und ihre Kollegen. Das könnte neue Chancen der Therapie und Prävention schaffen.

„Die Beobachtungen belegen einen Zusammenhang, der in naher Zukunft auch mit einer Interventionsstudie bestätigt werden sollte, zumal es im kognitiven Bereich bisher sehr wenige Möglichkeiten einer positiven Beeinflussung gibt“, sagt Koautor Stefan Kiechl von der Medizinischen Universität Innsbruck. (Cell Reports, 2021; doi: 10.1016/j.celrep.2021.108985555)

Quelle: Medizinische Universität Innsbruck

Samstag, 10. April 2021

Bäckerinnung?

 

Geht garnicht. Bäcker*inneninnung wäre korrekt, klingt aber blöde. Bäcker*in nung lässt sich hören, ist aber nicht ganz woke.

Sprache ist nunmal politisch, und im Detail sitzt der Teufel.

 

 

Freitag, 9. April 2021

Wird Gendern zum akademischen Standard?


aus FAZ.NET, 8. 4. 2021

Wenn die Genderdebatte Punkte kostet
Weil er Frauen in einem wissenschaftlichen Text nur mitgemeint, aber nicht direkt angesprochen hatte, bekam ein Student der Uni Kassel Punktabzug. Ein Interview über das Gendern und die Debattenkultur an Unis.

Die Uni Kassel spricht sich auf ihrer Website für die Verwendung gendergerechter Sprache aus und bezeichnet das generische Maskulinum als ungeeignet, Geschlechtergerechtigkeit auszu-drücken. Dozenten könnten, so heißt es, selbst entscheiden, ob sie das Gendern zum Bewer-tungskriterium bei Prüfungsleistungen machen, dies müsse jedoch transparent angekündigt werden. Von solch einem Fall hat jetzt die Hessische/Niedersächsische Allgemeine berichtet: Bereits im Wintersemester 2018/19 waren einem Studenten Punkte abgezogen worden, weil er in einer Studienleistung keine gendergerechte Sprache verwendet hatte. Die Hochschule hat in einer Stellungnahme reagiert und darauf hingewiesen, dass solche Punktabzüge nur unter spe-zifischen Voraussetzungen gestattet sind. Bisher habe es über diese Praxis keine Beschwerden gegeben; der Universitätsleitung sei der Fall nur aus den Medien bekannt.

Wir haben mit dem betroffenen Studenten gesprochen.

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Ihnen sollen in einer Studienleistung Punkte abgezogen worden sein, weil Sie das generische Maskulinum verwendet haben. Stimmt das?

Lukas Honemann: Ich musste im Wintersemester 2018/19 im ersten Modul des bildungs- und gesellschaftswissenschaftlichen Kernstudiums ein Portfolio abgeben, das drei Aufgaben umfasste, die wissenschaftlichen Charakter hatten. Ich habe meine erste Aufgabe eingereicht und Punktabzug dafür erhalten, dass ich das generische Maskulinum verwendet habe. Bei den folgenden Aufgaben habe ich mich dem Ganzen gebeugt und gegendert, um diesem Punktabzug zu entgehen.

Wie entscheidend war der Punktabzug?

Lukas Honemann, 20 Jahre alt, studiert im sechsten Semester Germanistik, Geschichte, Politik und Wirtschaft auf Gymnasiallehramt an der Universität Kassel.
Lukas Honemann, 20 Jahre alt, studiert im sechsten Semester Germanistik, Geschichte, Politik und Wirtschaft auf Gymnasiallehramt an der Universität Kassel.

Wir haben ein Notensystem von null bis fünfzehn Punkten wie in der Oberstufe und ich habe einen Punkt verloren, weil ich nicht gegendert habe. Ich bin dadurch dem Durchfallen aber nicht nahegekommen.

Gab es eine Begründung für den Punktabzug bei der ersten Abgabe?

Der Modulkurs liegt schon etwas zurück, aber ich meine, dass mir begründet wurde, das sei an der Universität Kassel Konsens und der akademische Stand, deswegen solle gegendert werden.

Auf der Website der Uni Kassel heißt es, Lehrbeauftragten stehe es frei, die Verwendung gendergerechter Sprache als Bewertungskriterium anzuführen. Das solle aber frühzeitig angekündigt und transparent gemacht werden. War das bei Ihnen der Fall?

Es kann sein, dass das bei mir selber etwas untergegangen ist und ich das damals nicht mitbekommen habe. Ich weiß aber, dass das mittlerweile in der gleichen Vorlesung groß angekündigt wird. Hier wird gedroht, dass der Verzicht auf genderneutrale Sprache ein Grund sein kann durchzufallen. Bei vielen Dozenten, die selbst gendern, wird das aber auch einfach vorausgesetzt und gilt als Konsens.

Nachdem Sie von Ihrem Punktabzug erfahren haben, haben Sie sich dem Gendern also gefügt?

Richtig. Nachdem ich beim ersten Teil des Portfolios Punktabzug bekommen hatte, habe ich mit der Tutorin gesprochen und seitdem gegendert, weil ich keine andere Wahl gesehen habe. Ich war damals achtzehn Jahre alt und wusste nicht, was ich gegen eine solche Vorgabe von „der Autorität“ tun soll. Das soll kein persönlicher Feldzug gegen die Tutorin sein, ganz im Gegenteil. Die Thematik ist wieder hochgekommen, weil das eben auch Thema bei den Hochschulwahlen ist und politisch angegangen wird. Die Verpflichtung zum Gendern stößt mehreren Leuten auf.

Werden Sie in Zukunft weiterhin gendern?

Ich bin mir selber noch nicht ganz sicher. Ich würde am liebsten einfach so schreiben, wie es das deutsche Sprachsystem vorsieht. Ich bin mir aber sicher, dass das zu Punktabzug führen kann. Um Diskussionen, Ärger und schlechteren Noten aus dem Weg zu gehen, werde ich mich dem Gendern fügen. An dieser Stelle würde ich das Gendern gerne mit Fußnoten vergleichen. Zitieren in Fußnoten ist schon seit vielen Jahren der akademische Konsens. Seitdem das ausdiskutiert wurde, zitiert man, zumindest im Fach Geschichte, in Fußnoten, so wie man im Fach Politik eben mit der Harvard-Zitierweise arbeitet. Im Gegensatz zu Fußnoten ist das Gendern aber noch kein breiter akademischer und gesellschaftlicher Konsens. Dementsprechend kann man aus meiner Sicht die Zitation in Fußnoten bewerten, gendergerechte Sprache aber nicht.

An der Uni Kassel gibt es ja auch keine einheitliche Regelung zur Verwendung gendergerechter Sprache. Die Dozenten können selbst entscheiden, ob das für sie ein Bewertungskriterium ist.

Das ist richtig, zum Beispiel wird in der Alten Geschichte gar nicht gegendert, so wie ich das aufgefasst habe. Aber in den Politikwissenschaften wird das Gendern in den meisten Fällen vorausgesetzt.

Der Verein Deutsche Sprache, der den Punktabzug kritisiert, wird in einem Medienbericht damit zitiert, einen Prozess bis zum Bundesverfassungsgericht finanzieren zu wollen, sollte gegen den Punktabzug geklagt werden. Haben Sie das vor?

Auch da bin ich mir nicht sicher, aber ich gehe eher von „Nein“ aus, weil die Leistung schon länger zurückliegt und nicht in meine Staatsexamen eingeht. Dementsprechend habe ich keinen schwerwiegenden Nachteil erfahren. Ich weiß nicht, wie sich das in der Zukunft weiterentwickelt, aber ich gehe momentan eher von „Nein“ aus als von „Ja“.

In einem Zeitungsartikel, in dem Sie zitiert wurden, sagten Sie, das Gendern dürfe kein politischer Akt sein. Was meinen Sie damit?

Je nachdem, welchen Politikbegriff man verwendet, kann nahezu alles als politischer Akt gewertet werden. Weil das Gendern politisch umstritten ist und es eine Diskussion darum gibt, ist es noch nicht allgemeiner Konsens. So lange verhandelt wird, ist es, würde ich sagen, ein politischer Akt, sich bei der Bewertung auf die eine oder die andere Seite zu stellen. Das Interessante ist, dass gerade an der Uni Kassel, die ja eher dem linken Spektrum zuzurechnen ist, viel über Enthierarchisierung und die Demontage von Autorität gesprochen wird. Interessant ist hierbei, dass das von „linken Kräften“ propagierte Gendersternchen eben über Autorität an die Studenten herangetragen wird. Das finde ich problematisch.

Sollten Universitäten bei der Verwendung geschlechtergerechter Sprache nicht mit gutem Beispiel vorangehen?

Das ist ja gerade die Frage, ob es ein gutes Beispiel ist. In England ist es so, wenn ich mich nicht irre, dass viele Frauen nicht gesondert angesprochen werden wollen, weil sie sich dann in eine Sonderrolle gedrängt fühlen. Außerdem macht es das Gendern mit Sternchen oder Unterstrich Menschen mit Lese-Rechtschreib-Schwäche schwieriger, Texte zu lesen. Deswegen weiß ich nicht, ob das Gendern der richtige Weg ist. Ich möchte hier betonen, dass es keine Debatte über Gleichberechtigung ist. Was die Gleichberechtigung angeht, muss noch einiges getan werden und da sind wir auch, würde ich sagen, zum Beispiel im Vergleich mit den Achtzigerjahren auf Rückschritten, soweit ich mich da auf empirische Daten stützen kann. Hier geht es aber um Schreibweisen. Da ist die Frage, ob es wirklich Diskriminierung abbaut, wenn ich einen Stern oder ein -In benutze. Natürlich steht dahinter die Theorie, dass über Sprache das Denken verändert wird, aber ob das hier zum Tragen kommt, da bin ich mir nicht sicher. Ob es ein gutes Beispiel ist, bleibt zu diskutieren, aber Universitäten sollten natürlich mit einem Beispiel vorangehen und durchaus Ideen entwickeln, die dann für die Gesamtgesellschaft nützlich sein können. Besonders die Nützlichkeit der Notenvergabe auf das Gendern stelle ich in Frage.

Und wie kommt das Gendern als Bewertungskriterium bei den Studierenden an?

Die Universität ist ja ein Stückweit ein Querschnitt der Bevölkerung. Da ist es zum Beispiel so, dass das Gendern in manchen Kreisen abgelehnt wird. Aber aufgrund der Notenvergabe, die dahintersteht, wird sich natürlich niemand dazu durchringen, das nicht zu tun. Gleichzeitig gibt es auf der anderen Seite eher links ausgerichtete Studenten, die das Ganze umsetzen, begrüßen und auch einfordern. Die Studentenschaft ist bei diesem Thema, wie auch die Gesamtgesellschaft, zerstritten. Hier möchte ich noch anführen, dass derzeit ein offener Brief an der Uni Kassel herumgeht, in dem sich Leute gegen das Gendern und die Benotung des Genderns aussprechen. Ich selber habe diesen Brief nicht unterzeichnet, weil ich nicht möchte, dass der Anschein entsteht, ich hätte ihn ins Leben gerufen. Aber ich begrüße es, dass sich in der Studentenschaft etwas regt.

Inwieweit wird das Thema „Gendern“ im Studierendenparlament thematisiert?

Es wird nicht thematisiert. Es ist da gar kein Thema.

In einer Stellungnahme der Uni Kassel heißt es, der Punktabzug wegen Genderverzichts müsse voll transparent und von wissenschaftlicher Relevanz für das Thema sein. Was sagen Sie dazu?

Die wissenschaftliche Relevanz dürfte nur in wenigen Fällen gegeben sein. Ich vermute, die wissenschaftliche Relevanz des Genderns geht davon aus, dass das Gendern als Konsens betrachtet wird. Zur Transparenz würde ich sagen, es ist meistens so, dass unterstellt wird, etwas sei bekannt. Dazu kommt, dass man es in Seminaren auch oft mit einer linken Hegemonie zu tun hat. Das heißt, dass man da in einer Diskussion auch wenig erreichen wird. Am Ende ist es so, das ist wieder die Sache mit der Hierarchie, dass die Dozenten die Noten geben. Man möchte natürlich nicht negativ auffallen oder gar als verstaubt gelten und eine schlechtere Beziehung mit einem Dozenten riskieren. Man merkt es ja auch, wenn Dozenten beim Sprechen gendern und beispielsweise bewusst Pausen setzen. Da weiß man, wie die Leute eingestellt sind. 

Schränkt die Angst, schlechtere Noten zu bekommen, also die Debattenkultur zum Thema Gendern ein?

Ja. Diese Genderdebatte ist relativ symptomatisch für die linke Diskussionskultur. Ich würde hier von einer moralischen Problematik sprechen. Im Namen des Progressivseins wird relativ schnell jede pragmatische Position verdrängt. Es wird eben gesagt das Gendern sei im Sinne der Antidiskriminierung. Ich glaube, das ist das Kernproblem, das dahintersteht, dass davon ausgegangen wird, man liege moralisch richtig, weil es im Sinne der Gleichberechtigung und im Sinne der Antidiskriminierung ist. Deswegen gibt es da eigentlich auch kaum Diskussion. Ich habe jetzt schon Furcht, dass Interviews, die ich gebe innerhalb der Universität negativ auf mich zurückfallen können.

Die Fragen stellte Gina Arzdorf

Lukas Honemann ist 20 Jahre alt und studiert im sechsten Semester Germanistik, Geschichte, Politik und Wirtschaft auf Gymnasiallehramt. Er ist Mitglied der Jungen Union und seit 2020 Geschäftsführer der CDU-Kreistagsfraktion Kassel-Land.