aus Die Presse, Wien, 11.02.2017 um 11:58
Warum macht uns das Verlieben glücklich?
Das
Verliebtheitshormon ist ein Glücklichmacher, weil es das
Belohnungssystem im Gehirn anspricht. Danach übernimmt das
Bindungshormon.
von Juliane Fischer
Positive Grundstimmung plus Aufgeregtheit. Das ist das Rezept
für Vorfreude und das herzflatternde Glücksgefühl, wenn es zwischen zwei
Menschen funkt. „Es ist eine freudige Erregung. Im Hormonhaushalt
passiert alles Mögliche“, sagt die Verhaltensbiologin Elisabeth
Oberzaucher über die sprichwörtlichen Schmetterlinge im Bauch. Unsere
Herzrate beschleunigt sich, die Hautleitfähigkeit steigt an. An diese
physiologischen Reaktionen sind Emotionen gekoppelt.
Das verdanken wir dem Verliebtheitshormon Phenylethylamin (PEA) –
„ein Glücklichmacher und körpereigenes Opiat, das unser Belohnungssystem
im Gehirn anspricht“, erklärt Oberzaucher. Das PEA bewegt uns dazu,
dass wir diesen besonderen Menschen aufsuchen und mit ihm Zeit
verbringen wollen. Wenn sich Frischverliebte treffen – in verringertem
Maß funkt es auch telefonisch – fördert das die Ausschüttung der PEA.
Hormon als Initialzünder
Verliebtheit tritt nur am Anfang einer Beziehung auf. Dank der
Hormone setzen wir uns – natürlich mit einer rosa Brille auf der Nase –
mit dem Gegenüber auseinander. Wir sammeln Information und arbeiten an
einer gemeinsamen Basis, die dann möglicherweise die Grundlage für Liebe
darstellt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Beziehung schiefgeht, ist
in dieser Phase naturgemäß hoch. Wenn wir im Hormonrausch nichts
entdecken, woraus sich ein solides Fundament entwickeln kann, entsteht
keine dauerhafte Bindung.
Denn das Verliebtheitshormon PEA ist nur
Initialzünder. Es versichert nicht, dass wir den Nachwuchs gut
versorgen. Es wird nämlich nur am Beziehungsbeginn produziert. Nach
circa eineinhalb Jahren fällt der hormonelle Belohnungsmecha- nismus, der
mit dem Verliebtsein verbunden ist, weg. Dafür kommt ein anderes Hormon
ins Spiel: das Oxytocin, der Kitt für die langfristige Bindung, egal, ob
es um Paare oder Mutter-Kind-Beziehungen geht. „Es ist ein
Wundermittel, das bei der Geburt und beim Stillen, beim Orgasmus und
überhaupt bei jeglicher Form von sexueller Stimulation eine Rolle
spielt“, sagt Oberzaucher.
Die Verliebtheit ist der erste Schritt für Paarbindung. Das macht das Thema für Verhaltensbiologen interessant.
„Vermutlich
stammt das Phenylethylamin aus einer Zeit, als die Paarbindung für die
Versorgung der Nachkommen noch keine so große Rolle gespielt hat“, meint
Oberzaucher. Eine Spekulation, die Ausgangspunkt für weitere Studien
zur evolutionären Entwicklung sein könnte. „Das Verlieben hat natürlich
ursprünglich die Funktion, dass wir uns fortpflan- zen“, sagt sie. Dass
wir darüber nicht bewusst nachdenken, sei aber genauso ein Faktum. „Wir
suchen eigentlich einen Partner, weil uns das glücklich macht und wir
nicht allein sein wollen“, meint sie und fügt hinzu: „Schließlich haben
wir auch nicht Sex, um Nachwuchs zu zeugen, sondern weil es uns Spaß
macht.“
Oberzaucher forscht rund um das Miteinander der
Geschlechter, von der Kommunikation über kognitive Strategien bis hin
zur Partnerwahl oder Fortpflanzungsbedingungen. In einem ihrer aktuellen
Projekte fand sie etwa heraus, dass Männer dazu neigen, den
Verliebtheitsgrad ihres Gegenübers zu überschätzen, während Frauen die
Verliebtheit des anderen eher unterschätzen.
Nota. - Wir verlieben uns also wegen Phenylethylamin. Aber wo bekomm ich das her? Aus der Apotheke? Oder wider- fährt es mir wie eine Bananenschale? Vielleicht wie bei einem Schnupfen, durch Tröpfchenübertragung. Rätsel über Rätsel.
JE