Freitag, 12. Februar 2016
Was Männer wirklich wollen.
Männer wollen nur das eine? Der wahre Mann will seine Ruhe haben, Fußball gucken und Bier trinken. Vielleicht will er in seinem Hobbykeller noch den Staubsauger reparieren oder mit seinen Jungens eine elektrische Eisenbahn betreiben. Ganz sicher will er sich nicht jedesmal abrackern müssen, sobald die launische Ampel grad wieder auf grün springt.
Donnerstag, 11. Februar 2016
Das Reden fällt Frauen leichter.
computerbildDie Sprache – Laute mit Sinn und Bedeutung zum Zwecke verständigen Verkehrs – ist zweifellos eine männliche Erfindung. Das hindert Frauen heute nicht, viel reichlicheren Gebrauch davon zu machen als jene. Wie geht das? Sie lassen Sinn und Bedeutung als unnötigen Ballast im muntern Plätschern einfach untergehen.
für kardamom
Mittwoch, 10. Februar 2016
Karge Zeiten für FeministInnen.

Psychologie: Männer wollen kluge Frauen
Dr. Christian Flatz
Büro für Öffentlichkeitarbeit und Kulturservice
Intelligenz über Schönheit? Bisher galt die Vermutung, dass Männer biologisch darauf programmiert sind, bei der Partnersuche vor allem auf schöne Gesichter und Rundun-gen anzusprechen. Eine neue Studie zeigt, dass sich die Gesetze der Partnerwahl mit der zunehmenden Gleichstellung von Männern und Frauen verändern.
Trotz Hindernissen auf dem Weg zur Gleichstellung der Geschlechter zeigen neuere Studien, dass Männer heute bei der Partnerwahl tatsächlich Intelligenz zunehmend vor Schönheit stellen. Zu diesem Schluss kommen Marcel Zentner, Professor am Institut für Psychologie der Uni Innsbruck, und seine Kollegin Alice Eagly, Professorin für Psychologie an der Northwestern University (USA), nach einer extensiven Analyse von Studien, die sich mit gesellschaftlichen Einflüssen auf die Partnerwahl befasst haben. „Wir sichteten und analysierten hunderte von Studien aus verschiedenen Disziplinen. Sie zeigen, dass die Partnerpräferenzen von Frauen und Männern mit unvermuteter Schnelligkeit auf Fortschritte in der Gleichstellung reagieren“, sagt Marcel Zentner.
Dieses Ergebnis rührt an den Grundfesten einer verbreiteten Theorie, wonach unsere Partnerpräferenzen evolutionsbiolo-gisch festgeschrieben sind. Frauen brauchen Männer mit Ressourcen zum Großziehen ihrer Kinder, Männer hingegen möglichst viele fruchtbare Frauen. So können beide die größtmögliche Zahl von Nachkommen hinterlassen.
Doch einige Evolutionsbiologinnen und -biologen argumentieren heute anders: Unsere Vorfahren hätten sich ständig wechselnden Umwelten mit neuen Anpassungsproblemen stellen müssen. Den Überlebensvorteil hatten also diejenigen, die flexibel auf Veränderungen in der Umwelt reagieren konnten. Das evolutionsgeschichtliche Ergebnis sei die dem Menschen eigene Flexibilität.
„Dieselbe Flexibilität erlaubt es dem Menschen auch, seine Partnerpräferenzen den gesellschaftlichen Veränderungen anzupassen“, sagt Alice Eagly von der Northwestern University. „Wie Vertreterinnen und Vertreter soziokultureller Ansätze schon lange vermutet haben, werden Partnerinnen und Partner vor allem danach ausgewählt, wie sehr sie in einen bestimmten Lebensentwurf hineinpassen. Und Lebensentwürfe werden durch die zunehmende Gleichstellung der Geschlechter maßgeblich geprägt“, so die Psychologin. Dass Partnerpräferenzen und Gleichstellung eng zusammenhängen, wiesen Zentner und Eagly auf drei sich gegenseitig ergänzende Arten nach.
Vorstellungen ändern sich
Zunächst untersuchten Zentner und Eagly kulturübergreifende Studien. „Diese zeigen, dass das geschlechtstypische Präferenzmuster, etwa, dass Frauen von Einfluss und Reichtum angezogen sind und Männer von Jugend und Schönheit, mit zunehmender Geschlechtergleichstellung der Länder dahinschmilzt“, erklärt der Wissenschaftler. So ist die Präferenz von Frauen für solvente Männer in Ländern mit relativ niedriger Gleichstellung wie Korea oder der Türkei doppelt so stark ausgeprägt wie in Ländern mit relativ hoher Gleichstellung wie Finnland oder den Vereinigten Staaten.
In Finnland sind Bildung und Intelligenz der Partnerin oder des Partners für Männer bereits wichtiger als für Frauen. Danach befassten sich Zentner und Eagly mit Studien zu Geschlechtsrollenbildern von Individuen. Hier zeigte sich, dass die traditionellen geschlechtstypischen Partnerpräferenzen vor allem bei Personengruppen anzutreffen sind, die ein konventionelles Geschlechtsrollenbild haben. Je progressiver dieses Bild ist, desto geringfügiger ist auch der Geschlechtsunterschied in den Partnerpräferenzen der untersuchten Personengruppen.
Schließlich weisen die Autorin und der Autor in der Analyse historischer Trends nach, dass Änderungen in Geschlechterrollenbildern parallel zu Änderungen in Partnerpräferenzen verlaufen. In vielen Nationen ist die klassische Arbeitsteilung, bei der Männer erwerbstätig sind und Frauen den Haushalt bestreiten, schon lange überholt. Einkommen und Bildung der Frau spielten vor 75 Jahren bei der Partnerwahl kaum eine Rolle, während heute immer mehr Männer diese Eigenschaften als sehr bedeutsam einschätzen.
„Die Gleichstellung wirkt wie eine Art Hebel“, beschreibt Marcel Zentner die Ergebnisse im Fazit. „Wird er nach oben gedrückt, verkleinern sich die Unterschiede in den Partnerpräferenzen zwischen Männern und Frauen, egal ob der Hebel bei der Kultur, der Person, oder dem Tempo gesellschaftlicher Entwicklungen angesetzt wird. Dies bedeutet nicht, dass diese Unterschiede ganz verschwinden würden oder dass biologische Faktoren keine Rolle spielten. Feststellen lässt sich jedoch, dass gesellschaftliche und psychologische Faktoren Partnerpräferenzen weit mehr prägen, als wir bisher vermutet haben.“
In früheren Zeiten war es für Frauen sinnvoll, Männer zu bevorzugen, die für sie und die Kinder aufkommen konnten und umgekehrt für Männer, Frauen auszuwählen, die vor allem gebären und kochen konnten. „Doch in der heutigen Umwelt, in der oft beide Eltern für ein befriedigendes Auskommen arbeiten müssen, suchen Männer gebildete Frauen mit guten Gehaltsaussichten“, zeigt sich Alice Eagly überzeugt. „Umgekehrt müssen Männer sich nicht zwingend der Vermögensvermehrung widmen. Ihre Erfolgschancen steigen bei Frauen, wenn sie ihr Aussehen pflegen und auch im Haushalt eine gute Figur abgeben.“
Die Originalarbeit “A sociocultural framework for understanding partner preferences of women and men: integration of concepts and evidence” wurde im Januar in der European Review of Social Psychology veröffentlicht.
Nota. - Solange Männer bei den Frauen nach Schönheit gingen, hatten es Feministinnen schon nicht leicht, von ihnen einen abzubekommen, und so sagten sie, die Trauben wären sauer. Aber mit Kosmetik und eisernem Fitnessprogramm war frau doch nicht ganz ohne Hoffnung.
Wenn jetzt aber die Männer bei den Frauen auf Klugheit sehen, sind Feministinnen ganz schlecht dran. Klugheit kann frau nicht erjoggen und auch nicht erschminken.
JE
Dienstag, 9. Februar 2016
Freitag, 5. Februar 2016
Testosteron macht Männer froh.
aus Die Presse, 06.02.2016
Macht zu wenig Testosteron traurig?
Geschlechtshormone wirken sich nicht nur auf die Fortpflanzung und unser Lustgefühl aus, sondern auch auf unsere Stimmung und die Netzwerke im Gehirn.
von Petra Paumkirchner
Welche Frau kennt den Satz nicht: „Ist die heute wieder zickig, wahrscheinlich hat sie ihre Tage.“ In diesem leicht gehässigen, der Küchenpsychologie entsprungenen Vorurteil steckt jedoch ein wahrer Kern. Geschlechtshormone beeinflussen unsere Stimmung, sie sind verantwortlich dafür, wie wir aufgelegt sind, denken, handeln und fühlen. Wissenschaftler der Medi-Uni Wien haben ein Rädchen in diesem hochkomplexen biologischen Zusammenhang aufgeklärt und in der Fachzeitschrift „Biological Psychiatry“ veröffentlicht.
Eines ihrer Ergebnisse: Zu wenig Testosteron bei Männern und zu wenig Östrogen bei Frauen fördert die Ausbildung einer Depression. Um die Geschlechtshormone und die psychische Erkrankung in einen Zusammenhang zu bringen, untersuchten die Wiener Forscher den Überträgerstoff Serotonin. Serotonin ist als Glückshormon bekannt, es hebt die Stimmung. Depressive Menschen haben weniger Serotonin im Körper. Wenn die Hypothese der Wissenschaftler nun stimmt, dass Sexualhormone einen Einfluss auf depressive Verstimmungen haben, dann müsste sich das durch die Serotoninmenge im Körper widerspiegeln. Genau das wurde in dieser Studie rund um den Psychiater Rupert Lanzenberger untersucht.
Serotonin in die Zellen bringen
Dazu wählten die Forscher die geschlechtsangleichende Hormontherapie von Transsexuellen als Forschungsmodell aus. Transsexuelle sind Menschen, die sich im falschen Körper fühlen. Obwohl sie beispielsweise genetisch gesehen Männer sind, fühlen sie sich als Frauen und umgekehrt. Damit sich ihr Körper dem geschlechtlichen Empfinden anpasst, nehmen diese Menschen Sexualhormone, um ihr Äußeres dem gefühlten Geschlecht anzupassen, sie machen eine gegengeschlechtliche Hormontherapie. Genetische Frauen nehmen Testosteron, genetische Männer Östradiol und Antiandrogene.
Die Patienten wurden sowohl vor der Hormontherapie als auch vier Wochen und vier Monate nach Beginn der Behandlung untersucht. Die Ergebnisse waren eindeutig. Mithilfe bildgebender Verfahren konnte nachgewiesen werden, dass bei Transmännern, also genetischen Frauen mit männlicher Geschlechtsidentität, die Anzahl der Transportermoleküle gestiegen ist.
Dafür dürfte Testosteron verantwortlich sein. Bei Transfrauen, also genetischen Männern mit weiblicher Geschlechtsidentität, zeigte sich genau das Gegenteil. Die Östradiol- und Antiandrogentherapie reduzierte die Transporter, wodurch ein erhöhtes Risiko besteht, an einer Depression zu erkranken. Rupert Lanzenberger und seinem Team gelang es erstmals weltweit, den Zusammenhang zwischen Sexualhormonen und den Serotonintransportern im menschlichen Gehirn aufzuzeigen. Eine mögliche Schlussfolgerung könnte sein, depressiven Männern Testosteron zu verabreichen.
Die Forscher machten jedoch noch eine zweite wichtige Entdeckung. Testosteron wirkt sich auch auf die Größe einzelner Hirnregionen aus. Bereits nach einer vierwöchigen Testosteroneinnahme zeigten die beiden für die Sprachverarbeitung zentralen Hirnregionen, das Wernicke- und das Broca-Areal, eine interessante Entwicklung: Ihr Volumen nahm ab.
Zwischen Mann und Frau
In einer dritten Studie konnten die Forscher zudem zeigen, dass bereits vor Beginn der geschlechtsangleichenden Hormontherapie signifikante Unterschiede zwischen Transsexuellen und Kontrollpersonen beiderlei Geschlechts bestehen. „Wir konnten nachweisen, dass es Unterschiede in der regionalen Verschaltung von Hirnregionen zwischen Männern und Frauen gibt“, so Georg Kranz. „Transsexuelle liegen genau dazwischen.“
Das deutet auf eine strukturelle Basis der Geschlechtsidentität hin. Aufgrund der neuronalen Verschaltungen liegt es nahe, dass sich die Sexualhormone auch auf Impulsivität, Risikoverhalten, Empathieempfinden und das räumliche Vorstellungsvermögen auswirken.
Nota.- Achtung, das ist eine Tatarenmeldung! Es werden seit Jahr und Tag viel zu viele Forschungsergebnisse viel zu rasch und viel zu weit in der Öffentlichkeit verbreitet - die enge Konkurrenz um Aufmerksamkeit und Fördermittel macht es wohl nötig. Und manches davon muss dann später kleinlaut und möglichst ohne Aufheben wieder zurückgezogen werden. Das liegt nachweislich nicht an den Wissenschaftsjournalisten in den Redaktionen, sondern an den marktschreierischen Instituten selbst.
In diesem Fall: Depressionen sind nicht durch einen absoluten Mangel an Serotonin im Gehirn (nicht im Körper!) ge-kennzeichnet, sondern durch eine zu geringe Aufnahme von Serotonin seitens der Empfängerzellen. Das ist ganz was andres; es kann an zu geringer Produktion in den Senderzellen liegen oder an gestörten Transportwegen oder an unkoope-rativen Empfängerzellen. Wenn der Bericht der Autorin sachlich richtig ist, wirken sich die Geschlechtshormone ledig-lich auf den Transport von Serotonin von der Sender- zur Empfängerzelle aus. Das betrifft nur einen kleinen Teil der depressiven Erkrankungen.
Wobei wohlbemerkt über 'Ursachen' und 'Wirkungen' noch überhaupt nichts gesagt ist.
JE
Montag, 1. Februar 2016
Oder sind doch Mädchen die schlechteren Schüler?
aus Der Standard, Wien, 1. 2. 2016
In Österreich findet in diesem Jahr ("heuer") die erste landesweit zentrale Abiturprüfung statt. Dazu schreibt Lisa Nimmervoll unter der Überschrift Mädchen bei Zentralmatura in Englisch unerwartet schlecht im Wiener Standard unter anderm:
Geschlechterunterschiede: Besonders überraschend sind die erheblichen und österreichweit durchgehenden Unterschiede in den negativen Ergebnissen zuungunsten der Mädchen beim ersten schriftlichen Maturahaupttermin: 60 Prozent mehr Fünfer für Mädchen (6,9 Prozent) als für Buben (4,3 Prozent). Das ist insofern sehr ungewöhnlich, als "in jeder Studie der westlichen Welt über Englischtests der Schülerinnen und Schüler die Mädchen durchweg besser abschneiden", sagt Haider, bei den Bildungsstandards 2013 in der achten Klasse sogar deutlich besser.
In Vorarlberg, wo übrigens der Gendereffekt im Ländervergleich immer am größten ist, scheiterten gleich dreimal so viele Mädchen wie Buben schriftlich in Englisch. Und bei der schriftlichen Matura ist plötzlich alles anders? Wie das? Haider nennt zwei Erklärungen: "Entweder es liegt am Instrument Matura, also an der Methode und den Inhalten der Fragestellungen, oder aber es resultiert aus dem Schulsystem oder der Didaktik. Das muss man sich anschauen." Da dieser Effekt in allen Bundesländern und Schulformen auftritt, sei aber sehr wahrscheinlich, "dass Merkmale der Prüfung selbst diesen Geschlechtereffekt mit hervorrufen", sagt Haider.
Riesiger Gender-Effekt
In Mathematik wiederum, dem Fach mit den bei weitem schlechtesten Ergebnissen, zeigt sich das, was auch sonstige Studien zeigen: Die Mädchen (12,6 Prozent) schneiden schlechter ab als die Buben (7,6 Prozent) und erzielten um zwei Drittel mehr negative Abschlüsse beim schriftlichen Termin
Muster bekannt, macht es aber nicht besser, kritisiert der Bildungsforscher: "In Mathematik nimmt man den riesigen Gendereffekt offensichtlich quasi als naturgegeben hin. Das ist er natürlich nicht, sondern eher ein Produkt des Schulsystems und seines Unterrichts." Hier sei eine inhaltliche Analyse der Aufgaben im Hinblick auf den Geschlechter-Bias nötig, zumal das Ausmaß der Differenz bei der Zentralmatura überrasche – insbesondere, wenn man den Notenvergleich in den letzten Klassen ins Treffen führe. "Gute Noten im Zeugnis und dann bei der schriftlichen Matura schlecht abschneiden?", fragt Haider.
Ein ähnliches Phänomen gab es beim Aufnahmetest an den Medizin-Unis, bei dem Mädchen auch schlechter abschnitten, obwohl sie bessere Schulnoten hatten als die Buben.
Nota. - Mädchen sind schlechter? 'Das kann nur am System liegen, sicher nicht an den Mädchen.' Das stimmt wahr-scheinlich. Doch ist die österreichische Zentralmatura erst ein paar Tage alt. Als weiland die Meldung die Runde machte, Jungen seien schlechtere Schüler als Mädchen, dauerte es viele Jahre, bis die entsprechende Erkenntnis die Runde machte; und mancherorts ist sie bis heute nicht angekommen.
JE
In Österreich findet in diesem Jahr ("heuer") die erste landesweit zentrale Abiturprüfung statt. Dazu schreibt Lisa Nimmervoll unter der Überschrift Mädchen bei Zentralmatura in Englisch unerwartet schlecht im Wiener Standard unter anderm:
Geschlechterunterschiede: Besonders überraschend sind die erheblichen und österreichweit durchgehenden Unterschiede in den negativen Ergebnissen zuungunsten der Mädchen beim ersten schriftlichen Maturahaupttermin: 60 Prozent mehr Fünfer für Mädchen (6,9 Prozent) als für Buben (4,3 Prozent). Das ist insofern sehr ungewöhnlich, als "in jeder Studie der westlichen Welt über Englischtests der Schülerinnen und Schüler die Mädchen durchweg besser abschneiden", sagt Haider, bei den Bildungsstandards 2013 in der achten Klasse sogar deutlich besser.
In Vorarlberg, wo übrigens der Gendereffekt im Ländervergleich immer am größten ist, scheiterten gleich dreimal so viele Mädchen wie Buben schriftlich in Englisch. Und bei der schriftlichen Matura ist plötzlich alles anders? Wie das? Haider nennt zwei Erklärungen: "Entweder es liegt am Instrument Matura, also an der Methode und den Inhalten der Fragestellungen, oder aber es resultiert aus dem Schulsystem oder der Didaktik. Das muss man sich anschauen." Da dieser Effekt in allen Bundesländern und Schulformen auftritt, sei aber sehr wahrscheinlich, "dass Merkmale der Prüfung selbst diesen Geschlechtereffekt mit hervorrufen", sagt Haider.
Riesiger Gender-Effekt
In Mathematik wiederum, dem Fach mit den bei weitem schlechtesten Ergebnissen, zeigt sich das, was auch sonstige Studien zeigen: Die Mädchen (12,6 Prozent) schneiden schlechter ab als die Buben (7,6 Prozent) und erzielten um zwei Drittel mehr negative Abschlüsse beim schriftlichen Termin
Muster bekannt, macht es aber nicht besser, kritisiert der Bildungsforscher: "In Mathematik nimmt man den riesigen Gendereffekt offensichtlich quasi als naturgegeben hin. Das ist er natürlich nicht, sondern eher ein Produkt des Schulsystems und seines Unterrichts." Hier sei eine inhaltliche Analyse der Aufgaben im Hinblick auf den Geschlechter-Bias nötig, zumal das Ausmaß der Differenz bei der Zentralmatura überrasche – insbesondere, wenn man den Notenvergleich in den letzten Klassen ins Treffen führe. "Gute Noten im Zeugnis und dann bei der schriftlichen Matura schlecht abschneiden?", fragt Haider.
Ein ähnliches Phänomen gab es beim Aufnahmetest an den Medizin-Unis, bei dem Mädchen auch schlechter abschnitten, obwohl sie bessere Schulnoten hatten als die Buben.
Nota. - Mädchen sind schlechter? 'Das kann nur am System liegen, sicher nicht an den Mädchen.' Das stimmt wahr-scheinlich. Doch ist die österreichische Zentralmatura erst ein paar Tage alt. Als weiland die Meldung die Runde machte, Jungen seien schlechtere Schüler als Mädchen, dauerte es viele Jahre, bis die entsprechende Erkenntnis die Runde machte; und mancherorts ist sie bis heute nicht angekommen.
JE
Samstag, 16. Januar 2016
Im Gehirn nur ein bisschen was Neues.
aus Die Presse, Wien, 17. 1. 2016
Wie sich das männliche und das weibliche Gehirn unterscheiden
Im Gehirn sehen Frauen und Männer in manchen Regionen völlig anders aus, das bringt geschlechtsspezifische Handlungen und Krankheiten.
von Jürgen Langenbach
Ihre Kinder habe sie ganz geschlechtsneutral erzogen, Spielzeugwaffen habe es nie gegeben, nicht einmal eine Spritzpistole, berichtete eine junge Mutter aus dem Publikum im Anschluss an einen Vortrag der Psychologin Margaret McCarthy (University of Maryland): „Aber vor ein paar Tagen hat mein siebenjähriger Sohn sein Erdnussbuttersandwich in die Form eines Gewehrs gebissen und damit auf seine Schwester gezielt.“ Das Publikum lachte, viele hatten ähnliche Erfahrungen. McCarthy war auch nicht überrascht, sie ist beruflich hinter den gar nicht so kleinen Unterschieden her, die sich im Gehirn der Geschlechter zeigen (The Scientist, 1. 10.).
aus The Washington Post, 1. 8. 2014
Verweiblichung oder Verkindlichung?
facial measurements from more than 1,400 ancient and modern human skulls in the study. (Robert Cieri)
Low testosterone could be what made us civilized humans
By Rachel Feltman
No, this isn't some jab at dudes. According to a study published in Current Anthropology, our transition into modern civilization might have coincided with our species' drop in testosterone.
The hormone, associated with both biologically male characteristics and aggression, makes skulls grow those heavy brows we associate with our evolutionary ancestors. Lead author Robert Cieri, a graduate student of biology at the University of Utah, said in a news release that a study of 1,400 modern and ancient skulls provided insight into how these changes might have overlapped with cultural shifts.
An ancient modern human and a recent modern human. (Robert Cieri/University of Utah)
While the modern human — species Homo sapiens — appears in the fossil record around 200,000 years ago, evidence of the kind of "modernity" we associate with our species (like advanced tools and symbolic artifacts) took an additional 150,000 years to appear.
The key, the researchers claim, could be found in the feminized skulls that became more prevalent around that time. A rounder face in humans is associated with less testosterone, and less testosterone can mean better cooperation between individuals. Less head clubbing and more community building, basically.
One study isn't quite enough to pin the origin of humanity on. But studying how humans and apes responded to evolutionary hormonal shifts can give us insights into the origins of culture and modernity.
Nota. - Ist das ältere Gesicht männlicher? Es ist gröber, das jüngere ist feiner. Aber ist grob männlich und fein und zart weiblich? Das kommt mir nun wirklich wie eine Genderei vor, eine spätere kulturelle Zuschreibung; dass Frauen generell feiner und zierliche wären, kann man doch von den heute noch lebenden Jäger- und Sammler-Völkern nicht sagen, und auch in großen Teilen Ostasiens ist es nicht evident.
Allerdings ist fein, zart und zierlich spezifisch kindlich. Bei den runden Gesichtern spricht man von Kindchen-Schema. Und Homo sapiens ist allerdings die kindlichste Gattung, die es gibt: Neotenie nennt man das Persistieren ontogenetisch kindlicher Morphologien im Lauf der Evolution; dass also phylogenetisch das erwachsene Individuum mehr kindliche Züge bebehät. Wenn die 'Neotenie' unserer Gattung unter anderm auf einer Reduzierung der Testosteronzufuhr beruhte, müsste uns das nicht wundern. Weniger Männlichkeit ist aber nicht dasselbe wie mehr Weiblichkeit.
JE
Wie sich das männliche und das weibliche Gehirn unterscheiden
Im Gehirn sehen Frauen und Männer in manchen Regionen völlig anders aus, das bringt geschlechtsspezifische Handlungen und Krankheiten.
von Jürgen Langenbach
Ihre Kinder habe sie ganz geschlechtsneutral erzogen, Spielzeugwaffen habe es nie gegeben, nicht einmal eine Spritzpistole, berichtete eine junge Mutter aus dem Publikum im Anschluss an einen Vortrag der Psychologin Margaret McCarthy (University of Maryland): „Aber vor ein paar Tagen hat mein siebenjähriger Sohn sein Erdnussbuttersandwich in die Form eines Gewehrs gebissen und damit auf seine Schwester gezielt.“ Das Publikum lachte, viele hatten ähnliche Erfahrungen. McCarthy war auch nicht überrascht, sie ist beruflich hinter den gar nicht so kleinen Unterschieden her, die sich im Gehirn der Geschlechter zeigen (The Scientist, 1. 10.).
Diese sind natürlich nicht so grotesk, wie der Wiener Philosoph Otto Weininger imaginierte, der die Welt bzw. den Menschen in zwei Prinzipien aufgeteilt sah: W, das des Weibes (und der Juden), es steht für geile Gier, M, das des Mannes, es steht für reinen Geist. Wieviel W und M jede und jeder hat, sei im Geschlecht angelegt, aber nicht festgeschrieben: Man könne sich hocharbeiten, durch sexuelle Enthaltsamkeit. Allerdings sei für Frauen bei 50 Prozent M Schluss, auf 100 kämen nur Männer. Weininger wollte sie, mit einiger Folgerichtigkeit erschoss er sich – womit soll sich auch eine Vernunft befassen, die alles Konkrete und Körperliche hinter sich gelassen hat?
Der Nachhall war enorm, nicht nur, weil Weininger sich im Sterbehaus Beethovens erschoss. Seine Pathologie war keine private, sie wurde weit geteilt: „Geschlecht und Charakter“ erschien 1903 – im Todesjahr –, 1909 kam die elfte Auflage, bis 1932 folgten 28 weitere, 1933 wurde das Buch verboten, von den Nazis, Weiniger war konvertierter Jude.
Aber ist damit, dass Weininger und viele Gefolgsleute dem Wahn verfielen, alles entschieden über mögliche Unterschiede, auch im Gehirn? Männer haben etwa eine bessere Orientierung im Raum, mit einer Ausnahme: Frauen erinnern sich auf Märkten exzellent daran, wo sie das letzte Mal gut eingekauft haben, mag es auch lang her sein. Beides rechnet man dem Gattungserbe zu, dem der Arbeitsteilung, also der Kultur: Bei Jägern und Sammlern schwärmen die Männer aus, sie müssen zurückfinden, mit schwerer Beute oder, häufiger, ohne, wenn sie nichts erjagt haben. Frauen sichern die Grundversorgung, sie müssen im Kopf haben, wo wann was geerntet werden kann.
Nicht alle Unterschiede sind so klein, und nicht alle lassen sich der Kultur zurechnen. Depressionen etwa treffen Frauen fünf Mal so häufig wie Männer, beim Autismus ist es umgekehrt, zehn Mal so viele Männer leiden darunter. Beim Versuch, das rätselhafte soziale Defizit zu erklären, kehrt – in milderer Form – die Geschichte mit dem männlichen Gehirn wieder: „Die autistische Persönlichkeit ist eine extreme Variante der männlichen Intelligenz.“ So umschrieb der österreichische Kinderarzt Hans Asperger 1944, was er „autistische Psychopathen“ nannte. Das Männliche umschrieb er so: Diese Patienten seien „kleine Professoren“. Es sprach sich nicht weit herum, Asperger publizierte auf Deutsch, erst in den 1990er-Jahren wurde die Idee aufgegriffen, von Simon Baron-Cohen (Cambridge): Für ihn haben Autisten ein „extreme male brain“ – männliches Denken stülpt Regeln über die Welt, weibliches versetzt sich eher in sie hinein –, und das komme daher, dass die Föten im Uterus zu hohen Konzentrationen von Testosteron ausgesetzt sind, dem männlichen Sexualhormon.
Kampfspiele.
Gesichert ist das nicht, gesichert ist zweierlei: Generell männliche und weibliche Gehirne gibt es nicht – sondern „Mosaike“, Daphna Joel (Tel Aviv) hat es bestätigt (Pnas, 1. 12.) –, aber regional sind Unterschiede da, gewaltige. Vor allem im präoptischen Areal, dort sitzt unter anderem die Sexualität. Und dort sieht es je nach Geschlecht ganz anders aus, es ist bei Männern größer und dichter verschaltet. Das kommt von Sexualhormonen, die in der frühen Embryonalentwicklung über das Geschlecht entscheiden, bei dessen Organen und im Gehirn: Beide sind ursprünglich weiblich und bleiben es dann entweder, oder sie werden vermännlicht. Im Gehirn ist das auch in der Amygdala so, in der männlichen Variante sorgt sie etwa dafür, dass der Nachwuchs Tob- und Kampfspiele bevorzugt, so wie der eingangs erwähnte Bub (Pnas 107, S. 20535). Solche Details trägt McCarthy seit Jahren zusammen, und zwar an Geschöpfen, bei denen weder Kultur auf das Gehirn durchschlägt noch Gendern: McCarthy forscht an Mäusen.
Gesichert ist das nicht, gesichert ist zweierlei: Generell männliche und weibliche Gehirne gibt es nicht – sondern „Mosaike“, Daphna Joel (Tel Aviv) hat es bestätigt (Pnas, 1. 12.) –, aber regional sind Unterschiede da, gewaltige. Vor allem im präoptischen Areal, dort sitzt unter anderem die Sexualität. Und dort sieht es je nach Geschlecht ganz anders aus, es ist bei Männern größer und dichter verschaltet. Das kommt von Sexualhormonen, die in der frühen Embryonalentwicklung über das Geschlecht entscheiden, bei dessen Organen und im Gehirn: Beide sind ursprünglich weiblich und bleiben es dann entweder, oder sie werden vermännlicht. Im Gehirn ist das auch in der Amygdala so, in der männlichen Variante sorgt sie etwa dafür, dass der Nachwuchs Tob- und Kampfspiele bevorzugt, so wie der eingangs erwähnte Bub (Pnas 107, S. 20535). Solche Details trägt McCarthy seit Jahren zusammen, und zwar an Geschöpfen, bei denen weder Kultur auf das Gehirn durchschlägt noch Gendern: McCarthy forscht an Mäusen.
Das tun viele andere auch, etwa in der Pharmakologie – dort geht es um Leben und Tod: In den 1990er-Jahren bemerkte man, etwas spät, dass Medikamente vor allem an Männern getestet wurden – und vielleicht bei Frauen ganz anders wirken –, das US-Gesundheitsamt NIH schrieb Tests auch an Frauen vor, viel geholfen hat es nicht, Nature beklagte es im Editorial (465, S. 665).
Völlig vergessen, auch vom NIH, blieben die, an denen Gehirne zuerst erforscht und Medikamente zuerst getestet werden, die Versuchsmäuse. Sie sind meist Männchen, sind einfacher zu halten und unterliegen keinen hormonellen Schwankungen. Aber an ihnen werden auch Leiden von und mögliche Therapien für Gehirne untersucht, und ausgerechnet dort ist der Männchenüberhang am größten, Irvin Zucker (Berkeley) bilanziert und beklagt es (Neuroscience and Biobehavioral Behavior 40, S. 1).
Hinsichtlich der Medizin beklagt er das mit vollem Recht, hinsichtlich der Menschheitsgeschichte nur mit halbem: Die Männer sind nicht mehr die alten, sie haben sich partiell verweiblicht und dadurch erst die höhere Kultur ermöglicht, zumindest sieht das Robert Cieri (Utah) so, Weininger würde erbleichen (Current Anthropology 55, S. 4): Vor 70.000 Jahren kamen viele technische Innovationen, auch erste Kunstwerke – Gravierungen in Rötel – und: Unsere Ahnen machten sich auf den Weg aus Afrika in den Rest der Welt. All das ging nur, weil die Menschen verträglicher wurden, und sie wurden es, weil sie ihr Testosteron zurückfuhren: Denn das Hormon moduliert nicht nur das Gehirn, sondern auch den Knochenbau, etwa den des Gesichts: Hohe Gehalte machen es männlich, aber vor 70.000 Jahren wurde es weiblicher, Cieri hat es aus Fossilien herausgemessen.
aus The Washington Post, 1. 8. 2014
Verweiblichung oder Verkindlichung?
facial measurements from more than 1,400 ancient and modern human skulls in the study. (Robert Cieri)
Low testosterone could be what made us civilized humans
By Rachel Feltman
No, this isn't some jab at dudes. According to a study published in Current Anthropology, our transition into modern civilization might have coincided with our species' drop in testosterone.
An ancient modern human and a recent modern human. (Robert Cieri/University of Utah)Nota. - Ist das ältere Gesicht männlicher? Es ist gröber, das jüngere ist feiner. Aber ist grob männlich und fein und zart weiblich? Das kommt mir nun wirklich wie eine Genderei vor, eine spätere kulturelle Zuschreibung; dass Frauen generell feiner und zierliche wären, kann man doch von den heute noch lebenden Jäger- und Sammler-Völkern nicht sagen, und auch in großen Teilen Ostasiens ist es nicht evident.
Allerdings ist fein, zart und zierlich spezifisch kindlich. Bei den runden Gesichtern spricht man von Kindchen-Schema. Und Homo sapiens ist allerdings die kindlichste Gattung, die es gibt: Neotenie nennt man das Persistieren ontogenetisch kindlicher Morphologien im Lauf der Evolution; dass also phylogenetisch das erwachsene Individuum mehr kindliche Züge bebehät. Wenn die 'Neotenie' unserer Gattung unter anderm auf einer Reduzierung der Testosteronzufuhr beruhte, müsste uns das nicht wundern. Weniger Männlichkeit ist aber nicht dasselbe wie mehr Weiblichkeit.
JE
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