Donnerstag, 5. November 2020

Haben in der Steinzeit auch Frauen gejagt?

Diana, römisch
aus derStandard.at, 5. November 2020

Vor 9.000 Jahren war die Großwildjagd keine Männerdomäne
Eine Entdeckung in Südamerika belegt, dass in der Jungsteinzeit gemischtgeschlechtliche Jagdgesellschaften an der Tagesordnung waren
 
von Thomas Bergmayr

Über das Bild, das sich Forscher von frühen Jäger- und Sammlergesellschaften machen, herrschte hinsichtlich der Aufgabenverteilung lange Zeit weitgehende Einigkeit: Die Männer waren für die Jagd zuständig, die Frauen besorgten das Sammeln und kümmerten sich um den Nachwuchs und die Alten. Ganz so eindeutig dürfte die Rollenzuteilung freilich nicht überall ausgesehen haben: Ein jungsteinzeitlicher Fund in den südamerikanischen Anden enthüllte kürzlich ein etwas differenzierteres Bild.

Im Jahr 2018 stießen Archäologen um Randy Haas von der University of California, Davis, auf der Altiplano-Hochebene im heutigen Peru auf zwei rund 9.000 Jahre alte Beisetzungen. Beide Gräber an der Ausgrabungsstätte Wilamaya Patjxa enthielten unter anderem Jagdwaffen, Projektilspitzen und Werkzeuge zur Verarbeitung großer tierischer Beute. Objekte, die Verstorbenen ins Grab mitgegeben wurden, sind nach bisherigen Erkenntnissen üblicherweise auch diejenigen, die für die Beigesetzten zu Lebzeiten eine wichtige Rolle gespielt hatten. Man kann also davon ausgehen, dass hier zwei Jäger zur letzten Ruhe gebettet wurden.

Die Ausgrabungen in Peru brachte die früheste bekannte Jägerbestattung der Neuen Welt ans Licht.
Jugendliche Jägerin

Zur Überraschung der beteiligten Forscher stellte der Anthropologe und Knochenspezialist James Watson (University of Arizona) allerdings fest, dass eine der beiden Personen mit hoher Wahrscheinlichkeit weiblich war, eine zwischen 17 und 19 Jahre alte Frau. Das zweite Grab enthielt die Gebeine eines 25 bis 30 Jahre alten Mannes. Eine Analyse von Eiweißmolekülen aus den Zähnen der Toten bestätigte diese Geschlechtszuordnung. Die erst kürzlich entwickelte Technik basiert auf der Untersuchung von Amelogenin, einem geschlechtsspezifischen Protein, das an der Bildung des Zahnschmelzes beteiligt ist. Die Isotopensignatur der Knochen schließlich bescheinigte den beiden Toten einen hohen Fleischkonsum, was typisch wäre für eine Jagdgesellschaft.

"Diese archäologische Entdeckung widerspricht offenbar der traditionellen Hypothese von den ‘jagenden Männern und ‘sammelnden Frauen’", sagt Haas. "Die Arbeitverteilung in jüngeren Jäger-und-Sammler-Gesellschaften ist stark geschlechtsspezifisch. Das könnte manche zu der Annahme verleiten, dass Ungleichbehandlung oder gar Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern irgendwie ‘natürlich’ seien. Tatsächlich sieht es aber so aus, dass die Zuteilung der Aufgaben in unserer fernen Vergangenheit grundlegend anders und wahrscheinlich auch gerechter war."

Eine Herde von Vicuñas auf dem Altiplano in Peru. Vor 9.000 Jahren machten auch Frauen Jagd auf diese Tiere.

Der verblüffende Fund einer frühen Jägerin führte die Forscher unweigerlich zu der Frage, ob sie es hier mit einer Besonderheit, einer seltenen Ausnahme in der damaligen Gesellschaft zu tun hatten, oder ob Frauen zu dieser Zeit und in dieser Region bei der Jagd generell eine entscheidende Rolle zukommt.

Eine genauere Untersuchung bisheriger Bestattungen im späten Pleistozän und frühen Holozän Nord- und Südamerikas brachte letztlich Klarheit: Von 429 Beisetzungen an 107 Standorten waren 27 Personen mit Waffen für die Großwildjagd beerdigt worden. Davon waren 11 weiblich und 15 männlich. Die Jägerin von Wilamaya Patjxa erwies sich dabei übrigens als früheste bekannte Jägerbestattung der Neuen Welt. Die Stichproben reichten jedenfalls aus, um die Schlussfolgerung zu rechtfertigen, dass die Teilnahme von Frauen an der frühen Großwildjagd wahrscheinlich von entscheidender Bedeutung war, berichten die Forscher in der Studie im Fachjournal "Science Advances".

Keine Männerdomäne

Auf Grundlage der statistischen Analyse könne man demnach davon ausgehen, dass 30 bis 50 Prozent der Jäger in diesen Populationen weiblich waren. Diese Erkenntnis steht in krassem Gegensatz zu dem, was man über die Geschlechterrollen bei Jägern und Sammlern jüngerer Zeit oder sogar bei Landwirtschaft betreibenden Gesellschaften weiß. In diesen sei die Jagd stets eine ausgesprochen männliche Aktivität gewesen, mit einer allenfalls geringen Beteiligung von Frauen, so Haas.

Während die Ausgrabungen von Wilamaya Patjxa eine alte Frage zur geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung in frühen menschlichen Gesellschaften beantwortet, werfen sie auch zahlreiche neue auf. Die Gruppe um Haas möchte als nächstes nachzeichnen, wie sich die Aufgabenverteilung zwischen Frauen und Männern zu verschiedenen Zeiten und an unterschiedlichen Orten in Amerika verändert hat.

Abstract

 

Nota. - Ach, nun muss ich es doch posten, weil es überall durch die Blätteer rauscht! Dabei sagen die Forscher ausdrücklich nicht, dass es sich bei dem Fund um eine Jägerin gehandelt hat, sondern lediglich, dass es sich um eine gehandelt haben könnte. Und auch wenn - eine echte Sensation wäre es nicht. Noch hat ja wohl keiner behauptet, dass sich auf dem Y-Chro-mosom ein Jäger-Gen befindet, das den Frauen auf ihrem doppelten X fehlte. Es wurde lediglich festgestellt, dass bei den eindeutig zuweisbaren Funden als Jagende bislang stets Männer aufgetaucht sind; und das könnte sich mit jedem neuen Fund ändern. Etwa mit dem hier referierten, wenn sich die auf einer Vermutung beruhende statistische Wahrscheinlichkeit als Tatsache erhärten würde. 

Nicht ändern würde sich damit aber die Tatsache, dass schon in der Vor- und Frühgeschichte Männer überwiegend als Jäger und Frauen überwiegend als Sammlerinnen (und Mütter) tätig waren. Wenn es sich bei den weiblichen Funden um junge Frauen handelt, darf man anneh-men, dass sie keine Mütter waren.

Übrigens kann von "Großwildjagd" überhaupt nicht die Rede sein. Im vorkolumbischen Südamerika gab es gar kein Großwild; die Vicu as sind ganz schmächtig, was für ihre Jagd-barkeit ja wohl eine Rolle spielt.

Für spätere Epochen ist das Vorherrschen der Männer beim Jagen (noch) unwidersprochen. Ob das rein kulturell oder schon (epi)genetisch tradiert wurde, ist völlig offen; doch dass etwas 'von Natur' vorgegeben ist, heißt nicht, dass man es gutheißen muss. Man könnte auch eine kulturelle Anstrengung unternehmen, um es zu ändern. Doch müsste man es dann wollen, und dafür bräuchte man gute Gründe. Denn was gerecht ist, war zu allen Zeiten strittig.

JE

 

Dienstag, 27. Oktober 2020

Babylonische Dichterinnen.

 

aus welt.de, 23. 10. 2020             Die babylonische Göttin Gula auf einer Belehnungsurkunde in Stelenform aus dem 14. Jahrhundert v. Chr.

Einer der ältesten Texte der Weltliteratur stammt von einer Frau
Bislang ging man davon aus, dass die berühmte Gula-Hymne des Alten Orients von einem Mann komponiert worden war. Neufunde zeigen, dass der Autorenname tatsächlich einer Frau gehörte. Es dürfte kein Einzelfall sein.
 
 

Der assyrische Großkönig Assurbanipal hatte ein ausgefallenes Hobby. In seiner Regierungs-zeit von 668 bis 631/27 v. Chr. führte er nicht nur Kriegszüge wie seine Vorgänger, sondern sammelte auch Literatur und andere Texte, die er, wie er stolz verkündete, auch lesen und verstehen konnte. Mehr als 25.000 Tontafeln, beschrieben mit Keilschrift, umfasste seine Bibliothek in der Hauptstadt Ninive. Die Sammlung gehört zu den wichtigsten Funden der Archäologie des Alten Orients.

Zu den bekanntesten Werken darin zählt die sogenannte Gula-Hymne an die gleichnamige Heilgöttin des mesopotamischen Pantheons. Es handelt sich um die Abschrift eines Textes, der zwischen 1400 und 1300 v. Chr. komponiert wurde – von einem Mann namens Bullussa-rabi wie bislang in einschlägigen Werken zur Literaturgeschichte angegeben. Tatsächlich stammt er aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit von einer Frau.

„Für Fachleute ist das eine kleine Sensation“, sagt Enrique Jiménez, Professor für altorientalische Literaturen an der Universität München. Schließlich handelt es sich um einen der bekanntesten Texte, der sogar in der Schule verwendet wurde, um mit Keilschrift schreiben zu lernen.

„Die Heilgöttin spricht darin über sich in der ersten Person“, erklärt Jiménez. „Sie sagt: ,Ich bin die beste Göttin, ich bin so wunderschön.‘ Die Hymne war zwar ein Klassiker, aber die Mesopotamier fanden sie damals lustig und haben Parodien darauf geschrieben, weil sie es so verrückt fanden, dass eine Göttin über sich in der ,Ich-Form’ spricht.“

Auf einer Liste von Texten aus der Bibliothek des Großkönigs Assurbanipals wurde der Name des Autors mit dem in der Keilschrift üblichen Zeichen für maskulin versehen, weil die Abschreiber wie selbstverständlich davon ausgingen, dass Bullussa-rabi ein männlicher Name sei. Tatsächlich aber belegen Verwaltungsurkunden aus dem 14. Jahrhundert v. Chr., dass dem nicht so ist. „Offenbar trugen nur Frauen damals diesen Namen“, hat Jiménez festgestellt.

Seiner Einschätzung nach könnte es sich nicht um den einzigen Fall handeln, bei dem Frauen als Urheberinnen früher literarischer Texte übersehen wurden. „Unsere Hauptquelle für Autoren ist eine Liste aus der Bibliothek von Assurbanipal, der sogenannte ,Katalog von Texten und Autoren‘. Wenn Bullussa-rabi dort fälschlicherweise als Mann aufgeführt wurde, warum sollte sie der einzige Fall sein?“

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Der Professor verweist auf einen ähnlichen Fall, der sogar noch wesentlich älter ist. Um 2200 v. Chr. entstand eine ganze Reihe von Hymnen, als deren Autor ein gewisser Enheduanna angegeben wird. Da kein Zeichen für männlich oder weiblich angegeben ist, ging man lange ebenfalls davon aus, dass es sich um einen männlichen Urheber handele. „Bis wir in anderen Texten auf den Hinweis gestoßen sind, dass Enheduanna die Tochter des Königs war“, sagt Jiménez: „Sie ist die älteste Autorin der Literaturgeschichte. Sie hat interessanterweise sehr viele Hymnen an die Liebesgöttin Inanna / Ischtar geschrieben, die wichtigste Göttin Babyloniens.“

Die Entschlüsselung der Gula-Hymne gelang Jiménez und seinem Team im Rahmen des Projekts „electronic Babylonian Literature“ (eBL). Darin versuchen Wissenschaftler, die vielen Lücken in altorientalischen Texten mithilfe von Algorithmen und Datenbanken zu füllen. Dabei stieß ein Mitarbeiter von Jiménez, Zsombor Földi, auf neun Verwaltungsurkunden aus der Regierungszeit des Königs Nazi-Maruttasch. „In allen Dokumenten ist Bullussa-rabi ein Frauenname. Es ist möglich, dass alle Dokumente sich auf die gleiche Person beziehen, da sie mehr oder weniger zeitgleich sind“, folgert Jiménez.

 

Nota. - Was lernen wir daraus? Dass Frauen keineswegs von Alters her benachteiligt, unter-drückt und von aller Bildung ausgeschlossen wurden, wie manche*r behauptet; was sonst? Und die alten Griechen haben ihre Sappho auf Lesbos zu keiner Zeit vergessen...

JE

Freitag, 23. Oktober 2020

Verfassungsgericht verwirft brandenburgisches Paritätsgesetz.

Gericht entscheidet über Paritätsgesetz 

aus welt.de, 23. 10. 20

 
Verfassungsgericht kippt Brandenburgs Paritätsgesetz
Das brandenburgische Verfassungsgericht hat das Paritätsgesetz für Landtagswahlen für nichtig erklärt. Das Anfang 2019 vom Landtag beschlossene Gesetz mit Frauenquoten für die Kandidatenlisten der Parteien sei verfassungswidrig, urteilten die Richter.

Listen mit abwechselnd einer Frau und einem Mann: Das Brandenburger Verfassungs-gericht hat das Paritätsgesetz zu den Kandidatenlisten der Parteien für Landtagswahlen als verfassungswidrig eingestuft. Das teilte das Gericht am Freitag bei seiner Urteilsverkün-dung in Potsdam mit.

Das Gesetz schrieb vor, dass künftig abwechselnd gleich viele Frauen und Männer auf den Listen kandidieren müssen.

Das Gesetz beschränke die Freiheiten der Parteien bei der Aufstellung von Kandidaten und damit die Teilnahme an Wahlen, teilte das Gericht mit. Das Urteil ist ein Rückschlag für entsprechende Bestrebungen auch in anderen Bundesländern und auf Bundesebene.

Das Gericht gab damit den zwei Klagen der NPD und der AfD recht, die durch das Gesetz die Freiheit der Wahl und die Organisationsfreiheit der Parteien gravierend beeinträchtigt sehen. Außerdem hatten vier AfD-Landtagsabgeordnete Verfassungsbeschwerden einge-legt.

Brandenburg erstes Land mit Paritätsgesetz

Brandenburg war das erste Bundesland mit einem solchen Paritätsgesetz. Es verpflichtete die Parteien, ihre Kandidatenlisten bei Landtagswahlen mit abwechselnd gleich vielen Frauen und Männern zu besetzen. Der Landtag stimmte im vergangenen Jahr mehrheitlich für das Gesetz, seit dem 30. Juni dieses Jahres ist es in Kraft. Brandenburgs Landtagspräsi-dentin Ulrike Liedtke hatte die Regelung verteidigt. Wenn die Hälfte der Bevölkerung Frauen seien, sei die gleichberechtigte Repräsentanz von Frauen ein demokratisches Gebot, sagte sie bei der mündlichen Verhandlung im August. In mehreren Bundesländern wurde oder wird über eine Paritätsregelung diskutiert.

Der Thüringer Verfassungsgerichtshof kippte im Juli die dortige Regelung im Landeswahl-recht, wonach Parteien ihre Kandidatenlisten für Landtagswahlen abwechselnd mit Männern und Frauen besetzen müssen. Die Richter argumentierten im Kern, dass das Paritätsgesetz das Recht auf Freiheit und Gleichheit der Wahl sowie das Recht der politischen Parteien auf Betätigungsfreiheit, Programmfreiheit und Chancengleichheit beeinträchtige.

 

Nota. - Die Blöße muss man sich erstmal geben! Der AfD und NPD die Chance auf einen Sieg mit einer Verfassungsklage mit einem Gesetz geben, dessen Verfassungswidrigkeit einem Schulkind ins Auge springt...

Diese Demokraten werden noch solange machen, bis ihnen auch hier ein Trump den Marsch bläst. Und ob der dann auch schon nach der ersten Wahlperiode wieder gefeuert wird, wer weiß.

Man stelle sich vor, Männer gründeten eine Partei zur Verteidigung von Männerinteressen. Unkorrekt, ja ja, aber das dürften sie, denn verfassungswidrig ist es dann doch nicht. Und nun würde ein Wahlgesetz sie zwingen, zur Hälfte Frauen auf ihre Liste zu nehmen (mehr als die Hälfte wohl nicht, dem stünde das Gesetz entgegen). Wenn nun die FrauenrechtlerInnen Recht haben und in der Tat die wahren Rechte der Frauen vertreten, was wir zu ihren Gunsten mal annehmen wollen, würden sie kaum genügend Frauen finden, um eine vollständige Liste einzureichen. Nein, das wäre nicht demokratisch!

JE


Freitag, 16. Oktober 2020

Knapp ein Drittel der Säuger in Deutschland gilt als gefährdet...


...überschreibt am 8. Oktober die Süddeutsche einen Beitrag. Dabei springt jedem Kind ins Auge, dass es sich nur um Säugerinnen handeln kann - allenfalls mit einem *

Und das im Zentralorgan der politischen Korrektheit! Als ob Trump schon wiedergewählt wäre...


Donnerstag, 24. September 2020

Allzeit bereit? Könnt' euch so passen! Unser Gehirn hat auch was zu sagen.


aus welt.de, 22.09.2020

Woran es liegt, ob Männer Lust auf Sex haben oder nicht
Trotz der gängigen Annahme geht auch bei Männern nichts auf Knopfdruck. Was aber genau männliche Lust oder Unlust ausmacht, war bisher unbekannt. Nun haben Forscher eine erstaunliche Erkenntnis gemacht. 
 

Was uns antörnt und auf Touren im Bett bringt, ist höchst individuell. Der eine steht auf Fesselspielchen, der andere auf Blümchensex. Ob wir Bock auf Sex haben oder nicht, hängt natürlich auch davon ab, wie wir uns fühlen. Nach einem besonders stressigen Tag haben viele sicher keine Lust mehr auf Erotik.

Was aber, wenn man gar keine Lust empfindet oder nur sehr schwer erregt wird? Genauso problematisch wird es, wenn man eigentlich immer in die Kiste hüpfen könnte, egal wie und wo. Was bestimmt eigentlich, wann ein Mann Verlangen nach Sex hat oder nicht? US-amerikanische Forscher haben es herausgefunden.

Es liegt in den Genen – oder genauer gesagt: an einem bestimmten Gen.

Forscher der privaten Northwestern University im US-Staat Illinois konnten nun ausfindig machen, welches Gen bei Männern für sexuelles Verlangen und Lust verantwortlich ist. Eine bahnbrechende Entdeckung, denn nun können die Mediziner gezielter an Therapien und Behandlungen für Menschen arbeiten, die Sexualprobleme haben, kaum Lust empfinden oder aber auch das genaue Gegenteil, nämlich sexsüchtig sind.

Die Ergebnisse wurden im Fachblatt „Endocrinology“ publiziert. Dort stellen die Forscher heraus, dass vor allem ein bestimmter Vorgang bei Männern in Sachen Lustgewinn entscheidend ist: wie ihr Gehirn Testosteron in Östrogen umwandelt. Das geschieht durch das Enzym Aromatase. Und der Faktor für dieses Enzym liegt auf dem Gen Cyp19a1 – der Ursprung männlicher Lust, wenn man so will, wie auch Studienleiter Serdar Bulun sagt:

Das Ablesen des Gens und damit Produktion der Aromatase findet bei Männern sowohl in den Hoden als auch im Gehirn selbst statt. Da viele kastrierte Tiere und auch Menschen nach dem Eingriff keine Lust mehr verspüren, ging man lange Zeit davon aus, dass die Keimdrüse im Hoden für den Libidogewinn entscheidend ist. Welche Rolle die Umwandlung von Testosteron im Hirn spielte, wurde bis jetzt kaum beachtet.

So fanden die Forscher den Zusammenhang heraus

Sie verglichen zwei Gruppen gentechnisch veränderter Mäuse miteinander. Einer Mäuserichgruppe fehlte das Cyp19a1-Gen vollständig. Das heißt, weder im Gehirn noch in den Hoden wurde das Enzym Aromatase gebildet. Der anderen Versuchsgruppe fehlte das zuständige Gen nur im Gehirn. Sobald die Mäuseriche nun in einen Käfig mit weiblichen Mäusen gesteckt wurden, die gerade ihren Eisprung hatten, unternahmen die Männchen ohne Aromatase keinerlei Versuche, sich zu paaren.

Diejenigen, denen das Enzym nur in ihrem Gehirn fehlte, wollten sich nur etwa halb so oft paaren wie normale Mäusemännchen, die genetisch unverändert waren. Dieser Befund legt nahe, dass die Umwandlung von Testosteron in Östrogen im Gehirn eine zentrale Rolle bei der Regulierung des sexuellen Verlangens spielt.

Nun wollen die Mediziner an weiteren Therapieansätzen bei Lustproblemen von Männern forschen. Möglich wäre etwa ein Medikament, das die Produktion des Enzyms Aromatase anregt für Männer, die eher wenig Lust verspüren. Oder aber ein Aromatase-Hemmer für diejenigen, die sexsüchtig sind. Es wäre eine Revolution für viele.

 

Nota. - Besagte Annahme war unter Männer gewiss nie "gängig" - sondern nur unter jen*innen, die sich was davon versprechen und immer so tun, als sei es ihnen lästig. Jetzt haben wir es amtlich: Denen von uns, bei denen das Gehirn mitredet, reicht es noch lange nicht, dass ihr allzeit bereit seid.

Das ist nur bei denen der Fall, die stets gedankenlos zu ihren Ursprüngen zurück kehren mögen.

JE



Nota - Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und ihre Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Ihre Nachricht auf diesem Blog. JE  

Sonntag, 20. September 2020

Der Transmensch kanns ja wohl nicht sein.

Edgar Selge

Es muss das* Transmensch heißen. 

Ich denk mir, was eine echter Transmensch ist, kann ja doch nicht wünschen, für einen Nor-malo zu gelten. 



Donnerstag, 10. September 2020

Männer und Frauen leben in verschiedenen Zeiten.

 

aus scinexx                                                                     Männer und Frauen unterscheiden sich auch in Bezug auf ihre innere Uhr. 

Innere Uhr von Frauen und Männern tickt verschieden
Chronotyp und Störungsanfälligkeit des Tag-Nacht-Rhythmus unterscheiden sich

Anderer Takt: Die inneren Uhren von Frauen und Männern sind nicht gleich – es gibt subtile Geschlechtsunterschiede im Biorhythmus, wie nun eine Überblicksstudie bestätigt. Demnach haben Frauen einen ausgeprägteren Tag-Nacht-Rhythmus und sind morgens früher aktiv. Nachts haben sie dafür mehr Schwierigkeiten, kognitive Aufgaben zu lösen. Männer reagieren dagegen stärker auf Schlafmangel und Jetlag – unter anderem mit Heißhunger, wie Forscher in „Science“ berichten.

Die innere Uhr ist der wichtigste Taktgeber unseres Lebens: Sie prägt unseren Schlaf-Wach-Rhythmus, aber auch den täglichen Zyklus unseres Stoffwechsels, der Hormone und unserer Immunabwehr. Verschiebt sich unser Tag-Nacht-Rhythmus – beispielsweise durch Jetlag oder Schichtarbeit – hat dies erhebliche Folgen für das sensible Gleichgewicht unserer Körperfunktionen und damit auch unsere Gesundheit. Die Folge kann unter anderem eine erhöhte Anfälligkeit für Depressionen, Übergewicht, Diabetes und Krebs sein.

Welche Rolle spielt das Geschlecht?

Doch die innere Uhr „tickt“ nicht bei allen Menschen gleich – und das hat auch etwas mit dem Geschlecht zu tun, wie nun Sean Anderson und Garret FitzGerald von der University of Pennsylvania in Philadelphia aufzeigen. „Jüngste Studien zu Menschen und Tieren demonstrieren, wie sich die für die zirkadianen Rhythmen zuständigen Systeme zwischen den Geschlechtern unterscheiden“, erklären sie. „Und das hat potenzielle Konsequenzen für unsere Gesundheit und die Resilienz gegenüber Störungen des Tag-Nacht-Rhythmus.“

Erste Hinweise auf Unterschiede in der inneren Uhr lieferten schon vor einiger Zeit Studien mit Mäusen. In ihnen stellten Forscher fest, dass die weiblichen Tiere einen stärker ausgeprägten Tag-Nacht-Rhythmus zeigten und morgens früher aktiv waren als die Männchen. Auch die Aktivität der Darmflora und bestimmter Organ-Gene unterschieden sich je nach Tageszeit zwischen den Geschlechtern.

Ob es ähnliches auch beim Menschen gibt, haben Wissenschaftler inzwischen in einer Reihe von großangelegten Studien überprüft.

Frauen schlafen mehr und besser

Das Ergebnis: Auch bei uns ticken die Uhren von Frauen und Männern verschieden. So enthüllte der Aktivitätsvergleich von insgesamt 91.000 Versuchspersonen, dass Männer geringere Unterschiede zwischen ihrer Tages- und Nachtaktivität zeigen. Frauen schlafen im Schnitt mehr und schütten abends auch mehr von dem Schlafhormon Melatonin aus. Werden sie nachts gestört, reagieren sie weniger anfällig und schlafen schneller wieder ein.

Unterschiede gibt es auch im Einfluss der inneren Uhr auf das Essverhalten und den Energiestoffwechsel: Stören Schichtarbeit oder Jetlag den Tag-Nacht-Rhythmus bei Frauen, schüttet ihr Körper mehr Hungerhormon Ghrelin und weniger Sättigungshormon Leptin aus. Dadurch bleibt das Sattheitsgefühl aus. Bei Männern verändern sich diese Hormone zwar kaum, dennoch empfinden sie einen verstärkten Heißhunger auf besonders kalorienreiches Essen – das typische Junkfood.

Männer sind häufiger Eulen, Frauen eher Lerchen

Und auch der Chronotyp beider Geschlechter unterscheidet sich, wie unter anderem eine Studie mit 53.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern enthüllte. „Während Kinder unabhängig von ihrem Geschlecht noch typische Morgenmenschen sind, entwickeln sich Jungen nach der Pubertät eher zu Nachteulen“, berichten Anderson und FitzGerald. Frauen dagegen neigen eher dazu, frühaufstehende Lerchen zu bleiben.

Zumindest für einige dieser Unterschiede könnte es eine naheliegende biologische Erklärung geben: die Mutterrolle der Frauen. Wenn sie den Nachwuchs in den ersten Lebensmonaten mit Muttermilch versorgen, sind häufige nächtliche Schlafunterbrechungen die Regel. „Eine Resilienz gegenüber diesen Störungen, gekoppelt mit der Fähigkeit, trotzdem gut zu schlafen, könnte Frauen die Anpassung an diese Phase erleichtern“, so Anderson und FitzGerald.

Auf ähnliche Weise könnte sich auch die Tendenz zum frühen Chronotyp bei weiblichen Säugetieren und Menschen entwickelt haben: Weil Kinder ebenfalls frühaufstehende Lerchen sind, ist es von Vorteil, wenn sich die innere Uhr der Mütter an diesen Aktivitätsrhythmus angleicht, wie die Forscher erklären.

Und was sind die Folgen?

Unklar ist allerdings bislang, ob und wie sich diese Unterschiede in der inneren Uhr auf die Gesundheit von Frauen und Männern auswirken. Stimmt die Hypothese, dass Frauen unempfindlicher gegenüber Störungen ihres Tag-Nacht-Rhythmus sind, dann müsste sich das auch auf ihre Organe, den Stoffwechsel und die Gesundheitsfolgen von Schichtarbeit und Jetlag auswirken.

Ob das wirklich so ist, ist bisher aber noch kaum untersucht. Hier seien in Zukunft dringend Studien nötig, betonen Anderson and FitzGerald. (Science, 2020; doi: 10.1126/science.abd4964)

Quelle: AAAS, Science