Donnerstag, 2. Juni 2022

'Trans': Es ist auch mal genug.

In der Sendung «Auf Klo», einem «feministischen Talkformat», spricht Mavi Phoenix (links) über sein Outing als Mann.
aus nzz.ch, 2. 6. 2022    In der Sendung «Auf Klo», einem «feministischen Talkformat», spricht Mavi Phoenix (links) über sein Outing als Mann

 «Die Rede von den vielen Geschlechtern ist letztlich nur Gerede»
Wissenschafter werfen ARD und ZDF vor, gegen den Programmauftrag zu verstossen 
Der Politologe Uwe Steinhoff gehört zu den Initiatoren eines Aufrufs, der den öffentlichrechtlichen Rundfunk in Deutschland scharf kritisiert. Kinder und Jugendliche würden durch Falschinformationen ideologisiert – weit jenseits der Grenzen des guten Geschmacks.

Herr Steinhoff, Sie sind promovierter Philosoph und leiten das politikwissenschaftliche Institut der Universität Hongkong. Nun haben Sie einen Aufruf initiiert, in welchem dem öffentlichrechtlichen Rundfunk vorgeworfen wird, gezielt biologische Falschinformationen zu verbreiten. Damit verlassen Sie Ihr Fachgebiet. Warum?

    Die meisten Personen, die im öffentlichrechtlichen Rundfunk biologische Falschaus-sagen verbreiten, sind ebenfalls keine Biologen. Das gilt selbst für prominente Mode-ratoren wie Ranga Yogeshwar oder Harald Lesch.

Dennoch: Worauf beruht Ihre Kompetenz?

    Ich lese die einschlägige Primärliteratur. Wenn man den biologischen Geschlechts-begriff sowie die empirischen Befunde ernst nimmt, kann es keinen Zweifel geben: Es gibt zwei biologische Geschlechter, nicht beliebig viele. Genau das aber wird von ARD und ZDF an vielen Stellen behauptet, wo man sich zum Sprachrohr macht der Transgender-Ideologie, mal in der «Sendung mit der Maus», mal in der Wissenschafts-sendung «Quarks». Bezeichnenderweise geht die Bereitschaft, die Existenz vieler ver-schiedener Geschlechter zu behaupten, oft mit der Weigerung einher, erst einmal zu definieren, was denn ein Geschlecht überhaupt sei. Die Rede von den vielen Ge-schlechtern ist letztlich nur Gerede.

Nehmen Sie mehr Anstoss an dem Thema oder an dessen Verbreitung durch ARD und ZDF? 

Mich stört, dass die Unwahrheit von einer Institution verbreitet wird, die in früheren Zeiten zu Recht hohes Ansehen genoss. Das öffentlichrechtliche Fernsehen steht leider nicht mehr für Objektivität. Sonst gäbe es keine Beiträge über «schwangere Männer».

Aber was spricht dagegen, dass Menschen sich einem anderen Geschlecht zugehörig fühlen, als es ihrer biologischen Gegebenheit entspricht, und insofern der Geschlechtsbegriff fluide wird?

    Die Keimzellen definieren das Geschlecht, und es gibt nur zwei. Geschlecht ist nicht fluide. Natürlich darf jeder sich fühlen und wahrnehmen, wie er möchte. Dadurch wird jedoch die Wahrnehmung nicht realitätskonform.

Wenn Sie die subjektive Wahrnehmung von der Wirklichkeit scheiden, ziehen Sie sich den Vorwurf der Transfeindlichkeit zu.

    Ich habe nichts gegen Transmenschen, ich bin liberal. Aber ich muss nicht jeder-manns Selbstwahrnehmung bestätigen. Das Menschenrecht auf Meinungs- und Ge-wissensfreiheit darf nicht zugunsten der psychischen Bedürfnisse einer Minderheit ausgehebelt werden. Ausserdem sprechen die Vertreter dieser Transgender-Ideologie keineswegs für die ganze Community. Jede Menge transsexueller Männer beharren darauf, Männer zu sein, und erklären sich gerade nicht zu «Transfrauen», geschweige denn Frauen. Der Bundestagsabgeordnete Markus Ganserer hingegen will als Frau wahrgenommen werden, kann aber auf Nachfrage nicht erklären, was eine Frau aus-macht.

Dem Aufruf ist ein Dossier beigefügt, in dem unter anderem ein Beitrag aus dem öffent-lichrechtlichen Jugendangebot «Funk» mit dem Titel «So krass sind Hass und Gewalt gegen Queere» kritisiert wird. Wollen Sie bestreiten, dass es diesen Hass gibt?

    Zunächst müsste es einen empirischen Befund geben, nicht nur eine nichtrepräsen-tative Umfrage bei der eigenen Klientel. Selbstverständlich und leider gibt es Gewalt gegen Homosexuelle, weil sie homosexuell sind. Das verurteile ich. Aber davon ist der Umstand zu trennen, dass man sich nicht durch Selbstdeklaration in eine Frau verwandeln kann, wenn man biologisch ein Mann ist. Das sind die Fakten und hat nichts mit Transfeindlichkeit zu tun.

Ihre Kritik richtet sich auch gegen «intimste und absonderliche Themen» und «widerliche» Grafiken. Was aber der eine absonderlich und widerlich findet, ist für den anderen vielleicht interessant und informativ.

    Unsere Kritik betrifft in diesem Fall öffentlichrechtliche Sendungen, die sich an Ju-gendliche oder gar Kinder wenden. Natürlich dürfen Erwachsene einvernehmlich miteinander machen, was sie wollen. ARD und ZDF verstossen jedoch gegen das Gebot, altersgerechte Formate anzubieten, wenn sie etwa den Beruf des Pornodar-stellers oder der Prostituierten in Jugendsendungen normalisieren.

Dem Dossier ist zu entnehmen, dass im beitragsfinanzierten Programm «Funk» Reportagen zu sehen waren über die «Kannibalismus-Szene» und über die «Menschenblut trinkende Szene».

In Ihrem Aufruf heisst es, «die Kontrollinstanzen der Rundfunk- und Fernsehräte und die Politik» sollten sich für ein «sofortiges Umsteuern des öffentlichrechtlichen Rundfunks» einsetzen. Haben Sie aus dieser Richtung schon Reaktionen erhalten?

    Bisher nicht. Wir werden noch konkrete Programmbeschwerden einreichen.

Bereits eingetroffen sind die kritischen Reaktionen in den sozialen Netzwerken. Da habe sich ein reaktionäres Häuflein zusammengetan, heisst es, um seiner Menschenverachtung freien Lauf zu lassen.

    Mit solchen Diffamierungen war zu rechnen. Wer nicht zwischen Mann und Frau unterscheiden kann, tut sich auch schwer damit, zwischen Liberalismus und Rechts-extremismus zu unterscheiden. Wir sind nicht transfeindlich, wir haben nur etwas gegen die kritiklose Übernahme der Transgender-Ideologie durch ARD und ZDF. Damit stehen wir nicht allein. Die Liste der Unterstützer und Unterzeichner wächst im Minutentakt – gerade unter Naturwissenschaftern.


    Nota. - Ja, das ist grobschlächtig und kein bissel sophisticated. Aber man muss die Reihenfolge einhalten. Das Grobschlächtige ist primär, die Sophistication tritt hinzu und will es besser wissen. Die Rechtfertigungslast liegt bei der Sophistikation. Denn andersrum würde es bedeuten: Maßstab ist die Beliebigkeit, und wer immer etwas Positives auszusgen hat, muss es rechtfertigen. Doch wenn die Beliebigkeit das Nor-malmaß ist, ist eine Rechtfertigung, nämlich Begründ ung, gar nicht möglich. 

    Doch umgekehrt beruht die Grobschlächtigkeit nicht auf einem noch so verbreiteten Meinen oder Dafürhalten, sondern auf dem dämlichen biologischen Faktum, das es zwei Sorten von Keimdrüsen gibt. Wer von beiden eine hat oder eine, die weder das eine noch das andere ist, hat allerdings ein Problem, und das ist real und nicht einge-bildet. Man muss es ihm nicht schwerer machen, als es schon ist; aber es ist sein Pro-blem und nicht das von anderen. Dass man ihm behilflich ist, ist wünschenwert, aber niemandes Pflicht.
    JE

Was ist denn das?!


Einst war die Frau im Recht - ea ipse! Und jetzt wären es ausgerechnet die Sozialen Netze, die anders entschieden hätten?

Von Zeitenwende war dieser Tage die Rede. 

 

Montag, 23. Mai 2022

Umarmungen mildern Stress, aber nur bei Frauen.

Rodin
aus spektrum.de, 23. 5. 2022

Berührungen
Umarmungen mildern Stress – aber nur bei Frauen
Eine Studie findet einen schwer zu erklärenden Geschlechterunterschied: Umarmungen scheinen bei Männern Stress nicht zu lindern.


von Anton Benz

Schon eine kurze Umarmung kann in einer stressigen Situation helfen zu entspannen. Das gilt allerdings nur für Frauen, wie ein Team um Gesa Berretz von der Universität Bochum nun herausfand. Wie die Psychologinnen und Psychologen im Fachjournal »PLOS ONE« berichten, hatten sie 38 Liebespaare als Versuchspersonen ausgewählt. Ein Teil der Paare sollte sich vor dem Belastungstest umarmen. Die Probanden und Probandinnen sollten dann ihre Hand so lange wie möglich in eiskaltes Wasser halten und zugleich ständig in eine Kamera blicken. Wie stark der damit verbundene Stress war, überprüften die Wissenschaftler über den Spiegel des Stresshormons Kortisol im Blut.

Dabei stieg dieser Spiegel bei den zuvor umarmten Frauen schwächer an als in der Kontrollgruppe. Bei Männern fanden die Forscher keinen Unterschied. Das deutet aus Sicht der Arbeitsgruppe auf Folgendes hin: Die vorherige Umarmung reduziert den Stress durch die Aufgabe – aber eben nur bei Frauen. Dass Umarmungen von Partnerin oder Partner Anspannung lindern, ist zu erwarten. Unklar ist dagegen, woher der Unterschied zwischen den Geschlechtern kommt.

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Wie das Team berichtet, liegt es vermutlich nicht an einer unterschiedlichen Bewertung der Beziehung. Beide Geschlechter waren gleichermaßen glücklich in der Beziehung, die Zufriedenheit mit der Partnerin oder dem Partner hatte also keinen Einfluss auf das Ergebnis. 2020 beschreiben außerdem Fachleute der Universität La Sapienza in Rom in einer Übersichtsarbeit, dass Frauen Berührungen in einem sozialen Kontext generell schöner finden als Männer.

Liegt es an der unterschiedlichen Sozialisierung der Geschlechter, weshalb nur Frauen von einer Umarmung profitieren? »Ich halte es für möglich, dass dies eine potenzielle Erklärung darstellt«, sagt Julian Packheiser, der an dem Experiment mitgewirkt hat. Doch wirklich beantworten könne man die Frage nicht, da die bisherige Forschung zu dem Thema rar sei. Auch andere, womöglich biologische Faktoren könnten beteiligt sein. In der studienübergreifenden Analyse aus dem Jahr 2020 schreiben die Autoren jedenfalls: »Es scheint plausibel, dass die Unterschiede nicht gänzlich von sozialen und kulturellen Bräuchen erklärt werden.«


Nota. - Je selbstverständlicher es auf dem öffentliche Platz wird, dass Mann und Frau nur soziale Konstrukte sind, die man frei nach Geschmack wie auf der Speisenkarte wählen kann, umso zahlreicher werden die Geschlechtsunterschiede, die die Biologen identifizieren können. Dem Geist der Zeit müssen zwar auch sie Reverenz erweisen, aber sie bestehen auf ihrem Pfund Fleisch.

Dieser Tage las ich irgendwo, dass auch Kaffee auf Männer und Frauen unterschiedlich wirken soll, und zwar nicht bloß in der Konditorei. Ich werd das mal für Sie raussuchen.
JE

Samstag, 7. Mai 2022

Wie der Mensch zur Sprache kam.

Jan Brueghel d. Ä.

Warum hat Eva den Tieren im Paradies ihre Namen gegeben?

Weil sie anders über sie nicht hätte reden können.

Solange Adam allein war, fand er keine Worte; für wen denn auch? Doch kaum war Eva bei ihm, erkannte sie, dass das ihr Ding war

Glauben Sie Noam Chomsky nichts, er beschwipst sich an seinen eignen Einfällen.


Freitag, 22. April 2022

Das verflixte erstemal.

Canova, Amor und Psyche
aus spektrum.de, 22. 4. 2022

Sex in der Pubertät
Wie Jugendliche ihr erstes Mal erleben
Für die Mehrheit ist der erste Sex eine schöne Erfahrung. Aber nicht für alle. Und viele wollen lieber warten: In Deutschland ebenso wie in den USA haben die meisten jungen Leute mit 16 noch keinen Geschlechtsverkehr.


von Stefanie Uhrig

In der Studie der BZgA gaben etwas mehr als die Hälfte der Jugendlichen an, länger warten zu wollen, um den richtigen Partner oder die richtige Partnerin zu finden. Andere halten sich selbst noch für zu jung oder sind zu schüchtern, um die entsprechenden Schritte zu unternehmen. Das zeigt, dass sich viele durchaus Gedanken um das erste Mal machen und sehr überlegt damit umgehen.

Das muss allerdings nicht so sein. Nora, auch ihr Name ist geändert, war knapp 16 Jahre alt, als ihr damaliger Freund sie überredete. »Es war so unromantisch, wie man es sich nur vorstellen kann«, erinnert sie sich. »Im Nachhinein bereue ich es, ich hätte länger warten sollen. Hinterher habe ich geweint.« Die vielen kleinen Andeutungen ihres erfahreneren Freundes hatten sie glauben lassen, sie wäre bereit – drei Jahre später blickt sie zurück und weiß es besser.

»Manche denken dann: Ich bin schon 16, jetzt muss ich das erste Mal hinter mich bringen«  Sabine Radestock, Psychologin und Familienberaterin

Druck von außen und auch von sich selbst spielt oft eine Rolle, wenn Jugendliche sich zu früh auf den Geschlechtsverkehr einlassen. Besonders die Freundinnen und Freunde beeinflussen die Entscheidung: Haben viele von ihnen schon früh Sex, kann das innerhalb der Gruppe zur Norm werden. So entsteht eine Erwartungshaltung, sagt die promovierte Psychologin und Psychotherapeutin Sabine Radestock, die in ihrer Mannheimer Praxis unter anderem Jugendliche und ihre Familien berät. »Manche denken dann: Ich bin schon 16, jetzt muss ich das erste Mal hinter mich bringen.«

Wie stark sich die Gruppennorm auswirkt, ist individuell verschieden. 2016 untersuchte eine Forschungsgruppe, wie sich Jugendliche in ihren Einstellungen zu Sexualität von Gleichaltrigen beeinflussen lassen. Die 300 Jungen und Mädchen, im Mittel knapp 13 Jahre alt, wurden unter anderem mit fiktiven Szenarien konfrontiert: Wären sie zu riskantem Verhalten bereit, etwa zu Sex mit einem unbekannten Schüler oder einer unbekannten Schülerin? Im Anschluss daran simulierten die Forschenden einen Chat-Raum. Sie ließen die Teilnehmenden glauben, sie würden dort mit Gleichaltrigen sprechen – und diese äußerten sich etwas risikofreudiger als die Befragten selbst.

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Fast 80 Prozent der Jugendlichen machten daraufhin im Chat ebenfalls Aussagen, die auf erhöhte Risikobereitschaft schließen ließen. Im Umkehrschluss war also etwa ein Fünftel immun gegen den Einfluss der Gruppe. Im Übrigen scheint das Geschlecht eine Rolle zu spielen: Jungen ließen sich beim Thema Sex leichter von Gleichaltrigen lenken.

Natürlich ist diese Situation recht theoretisch. Ob die Jugendlichen tatsächlich so handeln würden, wie sie es im Chat schrieben, ist unklar. Andererseits haben Bekannte wahrscheinlich mehr Einfluss als Unbekannte in einem Chat. Die Studie legt jedenfalls nahe, dass sich viele, aber nicht alle Jugendlichen von Gleichaltrigen beeinflussen lassen.

Das bedeutet umgekehrt auch, dass ein verständnisvoller und offener Freundeskreis positiv auf das Verhalten einwirken kann. Diese Erfahrung machte Finn; auch sein Name ist geändert. Der 16-Jährige begann mit etwa zwölf Jahren, sich mit seinen Freunden auszutauschen – anfangs mit viel Gekicher, später in ernsthafteren Gesprächen. Sein erstes Mal hatte Finn mit 14 Jahren. Druck verspürte er nicht, aber so richtig genießen konnte er den Moment trotzdem nicht. »Es hat sich eher komisch angefühlt«, sagt Finn. »Mit meiner späteren Freundin war es dann anders, weil wir auch darüber sprechen konnten, was wir mögen.«

Verhütung: Für die meisten eine Selbstverständlichkeit

Über Verhütung machen sich die meisten Jugendlichen bereits Gedanken, bevor sie sich auf den ersten Geschlechtsverkehr einlassen. Finn, Nora, Laura und Max waren alle vorbereitet. Weniger als zehn Prozent gaben in der jüngsten Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung an, beim ersten Mal nicht verhütet zu haben – etwa, weil es spontan dazu kam oder weil sie davon ausgingen, dass schon nichts passieren würde. Unter den Jungen hatte nach eigenen Angaben mehr als jeder Zehnte (11 Prozent) nicht verhütet; unter den Mädchen nur halb so viele (5 Prozent).

Das Mittel der Wahl ist beim ersten Mal das Kondom. Im Lauf einer Partnerschaft bevorzugen viele dann eher die Pille. »Die Mädchen, die zu mir in die Praxis kommen, sind in der Regel sehr gut über Verhütungsmöglichkeiten informiert«, sagt die Frauenärztin Erika Ober. »Natürlich gibt es auch Falschwissen, aber das kann ich ja korrigieren.« Mit Fragen kommen die Mädchen oder jungen Frauen vor allem dann zu der Frauenärztin, wenn es Probleme gibt, wie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Denn selbst mit dem richtigen Partner oder der richtigen Partnerin und entsprechender Vorbereitung läuft nicht immer alles so, wie es sich die Paare vorstellen. Gründe kann es viele geben, beispielsweise eine zu enge Vagina bei Mädchen oder eine Vorhautverengung bei Jungen.

2001 gaben nur etwa drei Prozent der Mädchen und zehn Prozent der Jungen an, online danach zu suchen. 13 Jahre später waren es bereits 39 Prozent der Mädchen und 50 Prozent der Jungen. Die Informationsquellen sind vielfältig: Websites von klassischen Medien, Gesundheits- und Aufklärungsportale, Ratgeber und Foren, Wikipedia, die sozialen Medien und Apps.

Dazu kommen Pornografie-Portale. Hier können sich Jugendliche mögliche Praktiken detailliert angucken – was vollkommen harmlos sein kann. Doch das Surfen auf solchen Seiten birgt auch Risiken, allen voran den Anblick von Gewalt- und Kinderpornografie. Und nicht nur das: Die teils unrealistischen Darstellungen schüren überzogene Erwartungen, sagt die Verhaltenstherapeutin Sabine Radestock. »Das kann zu einer Art Erregungssucht werden. Die Filme müssen immer verrückter und aufregender sein, und die Realität kann da nicht mithalten.«

Die Eltern: Gespräche anbieten, aber nicht aufzwingen

Eltern haben die Aufgabe, vor möglichen Gefahren zu warnen. Solche Gespräche sind allerdings nicht immer leicht und manchmal schlicht nicht erwünscht. Während Finn mit seinen Eltern gelassen über alles sprechen kann und dafür sehr dankbar ist, wäre Nora eine solche Konversation eher unrecht. Sie glaubt zwar, dass ihre Eltern sich Mühe geben würden, aber sie fühlt sich auch so gut informiert und möchte sich selbst und den Eltern ein unangenehmes Gespräch ersparen.

Auch in einer Frauenarzt-Praxis sei das nicht immer einfach, berichtet Erika Ober: »Mädchen kommen oft mit ihren Müttern. Wenn ich merke, dass sie vor ihnen nicht über das Thema Geschlechtsverkehr sprechen möchten, mache ich das lieber zu einem anderen Zeitpunkt mit den Mädchen allein.«

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Die Psychologin und Familienberaterin Sabine Radestock sieht es positiv, dass viele Eltern immer offener mit dem Thema umgehen. »Und wenn das nicht gut klappt, gibt es sehr gute Angebote, etwa von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.« Was Eltern vermeiden sollten: ihren Kindern Angst zu machen.

Die BZgA schlägt behutsame Gesprächsangebote seitens der Eltern zu Verhütung und sexuell übertragbaren Krankheiten zwar als sinnvolle Maßnahme vor. Aber aufzwingen sollten sie die Gespräche nicht, sondern die Privatsphäre der Jugendlichen respektieren. Lauras Mutter etwa warnte immer wieder eindringlich vor einer ungewollten Schwangerschaft – dabei hatte sich Laura längst um die Verhütung gekümmert. Auf die ständigen Predigten hätte sie gerne verzichtet.

Die Botschaft: Auch sicherer Sex kann toll sein

Ein Aspekt, der sowohl von Eltern als auch in der schulischen Aufklärung oft vergessen wird, ist die Lust am Sex. Dabei ist sie für die Jugendlichen ein wichtiger Teil der Erfahrung. Eine Untersuchung von 2022 legt beispielsweise nahe, bei der Aufklärung über HIV und Geschlechtskrankheiten die schönen Seiten von Safer Sex hervorzuheben, zum Beispiel wie erotisch es sein kann, Kondome zu gebrauchen. Auch sicherer Sex kann toll sein, so lautet die Botschaft.

Das Wichtigste, was Eltern für ihre Kinder tun können, sei eher allgemeiner Natur, sagt Psychologin Sabine Radestock: »Kinder müssen in dem Wissen aufwachsen, dass sie Fragen stellen können.« Auch wenn die Eltern nicht mit allem einverstanden sind, was ihre Kinder tun, sollten sie ihnen Selbstbewusstsein vermitteln. Das funktioniert, indem sie ihnen das Gefühl geben, so akzeptiert zu werden, wie sie sind. Denn damit geben sie ihnen auch die Stärke zu sagen: »Ich bin mir unsicher, also möchte ich noch warten.«


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Nota. - Das finden Sie trivial?  Ich auch. Aber ich gehöre zu der Generation, die sich, als sie noch jung war, nichts Wichtigeres auf dem Erdenrund vorstellen konnte; außer vielleicht der Weltrevolution. Die sexuelle Revolution, so sagte man damals, war eine Art Vorgeschmack auf etwas viel Größeres, das da kommen sollte. Aber dann doch nicht gekommen ist: Rücklickend erscheint sie selber als was viel Kleineres. Und sehen Sie: Darum finden wir das trivial. Von nah besehen wirkt sie viel unbedeutender als von Weitem.
JE


Dienstag, 15. März 2022

Self-fulfilling prophecy?

Degas, Junge Spartaner
aus derStandard.at, 10. 3. 2022

Weniger Mädchen als Buben halten sich für talentiert

Die Ursache wird in einem geschlechterspezifischen Talent-Stereotyp vermutet. Die OECD veröffentlichte die Ergebnisse einer Studie aus 2018

Paris – 15-jährige Mädchen glauben im Schnitt weniger an die eigenen Talente als gleichaltrige Burschen. Das ergab eine spezielle Auswertung der internationalen Pisa-Studie von 2018, für die mehr als 500.000 Schülerinnen und Schüler in 72 Ländern befragt worden waren. Die Unterschiede sind umso größer, je höher der wirtschaftliche Entwicklungsstatus eines Landes ist und je besser die Leistungen der befragten Schüler sind, ergab die Studie.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) führt üblicherweise im dreijährigen Rhythmus die Pisa-Studien durch. Der internationale Vergleich von Schülern umfasst die 38 OECD-Staaten sowie 34 weitere Länder. Neben den Fähigkeiten in Mathematik, in Naturwissenschaften und beim Lesen werden durch die Zustimmung zu bestimmten Aussagen auch Einstellungen der Schüler erfasst. 2018 lautete eine dieser Aussagen: "Wenn ich versage, habe ich Angst, dass ich vielleicht nicht genug Talent habe." Auf alle Befragten bezogen, stimmten 47 Prozent der Buben und 61 Prozent der Mädchen dieser Aussage zu, wie Clotilde Napp von der Universität Paris-Dauphine und Thomas Breda von der Paris School of Economics anlässlich der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse im Journal "Science Advances" nun mitteilten.

Weniger Selbstvertrauen

"Der Glaube, dass sie weniger talentiert sind als Buben, kann das Selbstvertrauen von Mädchen beeinträchtigen und dazu führen, dass sie sich selbst schützen und daher herausfordernde Situationen und Chancen vermeiden", schreiben Napp und Breda. Sie führen das Ergebnis auf ein geschlechterspezifisches Talente-Stereotyp zurück: Demnach gelten Burschen in vielen Bereichen, vor allem in Mathematik, als talentierter als Mädchen. Frühere Studien ergaben, dass Eltern ihre Söhne für talentierter halten und dass die meisten Mädchen und Buben einen erwachsenen Mann darstellen, wenn sie eine intelligente Person zeichnen sollen. (APA.)

 

Nota. - Wer auf sdich selbst vertraut, wird es weiter bringen, als wer an sich zweifelt - das ist offenkundig. Ebenso die pädagogische Nutzanwendung: Gehemmte Mädchen muss MAN ermutigen und unternehmungslustige Jungen muss man nicht bremsen.

Die Anschauung bei DSDS lehrt aber auch: Mädchen, die sich maßlos überschätzen, gibt es nicht weniger als ebensolche Jungen. Vielleicht spielt sich aber der Mangel an Selbstvertrauen auf ganz anderen Breiten ab als der Mangel an Selbstkritik?
JE

Donnerstag, 3. März 2022

Erkennen Sie den kleinen Unterschied?


 

 

Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE