aus spektrum.de, 14. 6. 2019
Im Westen kein Sperma
Seit
den 1970er Jahren hat die Spermienanzahl von Männern aus westlichen
Industrienationen um mehr als die Hälfte abgenommen. Was ist die Ursache
dafür? Und stimmen die Zahlen überhaupt? Es ist kompliziert.
von Janosch Deeg
Sperma-Krise wurde im Sommer 2017 ausgerufen: Wissenschaftler von der
Hebräischen Universität Jerusalem hatten in der bis dahin
umfangreichsten Analyse zu diesem Thema bestätigt, wofür es bereits
einige Zeit Indizien gab: Die Männer der Industrienationen produzieren
immer weniger Spermien – im Vergleich zu vor 40 Jahren nur noch halb so
viele. Und der Rückgang sei über die Jahre relativ konstant gewesen,
berichtete das Forscherteam in seiner Publikation, die im Juli 2017 in der Fachzeitschrift »Human Reproduction Update« erschien.
Ergebnisse, die Besorgnis erregend klingen und wohl für Aufsehen
sorgten – mutmaßlich nicht wegen der angeblich traditionell
nachrichtenarmen Sommermonate.
Bereits vorher hatten etliche andere
wissenschaftliche Untersuchungen diesen Trend erkannt, aber entweder
waren die dabei analysierten Datenmengen zu gering oder die Methoden
wiesen gravierende Mängel auf. Bezüglich der Studie aus Israel ließ sich
diese Kritik nicht mehr aufrechterhalten: Akribisch hatten die
beteiligten Wissenschaftler nach allen bis zu diesem Zeitpunkt
durchgeführten wissenschaftlichen Sperma-Studien gefahndet. Insgesamt
rund 7500 hatten sie gefunden.
Der Großteil der Arbeiten war
jedoch nicht geeignet, um sie in die Metaanalyse einzuschließen. Bei
ihnen hatte nämlich eine Vorauswahl der Teilnehmer stattgefunden: Sie
litten zum Beispiel an bestimmten Krankheiten oder nahmen Medikamente
ein, waren Raucher oder klagten ohnehin über Fruchtbarkeitsprobleme.
Solche Selektionen verfälschen das Ergebnis. Daher hatten die Forscher
nur diejenigen Studien herausgepickt, bei denen die Probanden nicht auf
Grund bestimmter Kriterien teilgenommen hatten. Dazu zählen etwa
Spermauntersuchungen von Militärdienstleistenden oder College-Studenten.
Im Westen kein Sperma
Am
Ende waren 185 Arbeiten übrig geblieben. Das reicht aus, um statistisch
signifikante Ergebnisse zu erhalten – und die haben es in sich: In den
westlichen Industrienationen ist die Spermienkonzentration im
untersuchten Zeitraum von 1973 bis 2011 um 52 Prozent zurückgegangen und
die Spermienanzahl pro Samenerguss sogar um nahezu 60 Prozent, so die
alarmierenden Befunde der Studie. Ein weiteres überraschendes Detail: In
der restlichen Welt, etwa Südamerika, Asien oder Afrika, gibt es diesen
Trend nicht.
Über
die Ursachen des Spermienrückgangs machten die beteiligten
Wissenschaftler in der Publikation keine Aussage. Sie plädieren
lediglich dafür, die Gründe und Auswirkungen dieses Rückgangs dringend
zu erforschen.
Als Reaktion auf die Studienergebnisse meldeten
sich etliche Experten zu Wort und mahnten zur Besonnenheit. Sabine
Kliesch, Chefärztin für Klinische und Operative Andrologie am Centrum
für Reproduktionsmedizin und Andrologie des Universitätsklinikums
Münster, äußerte in einem Statement gegenüber dem Science Media Center
etwa, man solle die Daten nicht überbewerten: »Es besteht meines
Erachtens kein Grund, beunruhigt zu sein! Die gezeigten Veränderungen
befinden sich alle in einem hoch-normalen Bereich (…).«
Unfruchtbarkeit lässt sich daraus nicht ableiten
Der
Zellbiologe Artur Mayerhofer, Professor am Biomedizinischem Centrum der
Ludwig-Maximilians-Universität München, gab gegenüber dem Science Media
Center zu bedenken, dass weder die Spermienfunktionalität wie
Beweglichkeit noch morphologische Veränderungen in der Analyse
berücksichtigt worden seien. Bezüglich der Fruchtbarkeit sind das aber
entscheidende Parameter. Daher lasse sich aus den Daten nicht ableiten,
ob Männer tatsächlich unfruchtbarer geworden sind, meint Mayerhofer.
Auch
für Stefan Schlatt, Direktor des Zentrums für Reproduktionsmedizin und
Andrologie am Universitätsklinikum Münster, bestand auf Grund der
Ergebnisse kein Grund zur Panik. »Der Mann stirbt nicht aus.« Die Männer
in den westlichen Industrienationen hätten im Schnitt immer noch rund
47 Millionen Spermien je Milliliter Ejakulat. »Das ist eine stolze Zahl;
damit ist der Mann sehr fertil«, äußerte sich der Biologe damals. Die
Weltgesundheitsorganisation WHO gibt als Grenze 15 Millionen Spermien
pro Milliliter an. Alles darunter gilt als niedrig und kann mit
Problemen bei der Fortpflanzung einhergehen.
Erneute
Nachfrage bei Schlatt, zwei Jahre später. Ist der Rückgang denn
wirklich nicht bedenklich? Auch weiterhin sieht der
Reproduktionsmediziner die Fruchtbarkeit des Mannes nicht in Gefahr. Die
Abnahme der Spermienanzahl hält er jedoch für eine Tatsache – auch wenn
nicht alle systematischen Fehler beseitigt wurden: »Die heute
angewendeten standardisierten Verfahren haben sich erst über die
Jahrzehnte entwickelt – und selbst heute hat man teilweise noch
Schwierigkeiten, Messungen aus unterschiedlichen Laboren miteinander zu
vergleichen.«
Besonders die Referenzdaten aus den 1970er Jahren
stünden auf sehr wackligen Füßen. Gleichwohl könnten diese Mängel in den
Messungen nicht den beobachteten Rückgang erklären. »Die Anzahl der
Spermien bei Männern in den westlichen Ländern sinkt tatsächlich – und
dafür muss es Ursachen geben«, sagt Schlatt. Aber welche, das wisse man
noch nicht.
Der Reproduktionsexperte vermutet, dass etliche
Faktoren eine Rolle spielen könnten. In diesem Zusammenhang verweist er
auf die Funktionsweise des Hodens. Der Mensch habe die Fähigkeit, die
Spermienanzahl zu modulieren – und zwar mittels zweier Hirnareale, des
Hypothalamus und der Hypophyse. »Hier wird gewissermaßen abgefragt, wie
viele Spermien produziert werden sollen.« Die Antwort hängt von
verschiedenen Parametern ab. Bei Krankheit, Stress oder Übergewicht
produzieren die Hoden zum Beispiel deutlich weniger oder sogar fast
keine Spermien. Etliche Faktoren können also die Menge der Spermien
verringern.
Ein Konglomerat aus Einflüssen
Zudem hänge die
Spermienanzahl stark davon ab, wie oft ein Mann ejakuliere, so Schlatt.
Etwa sieben Tage dauert es, bis der Nebenhoden, das Speicherorgan, in
dem die Spermien auf ihren Einsatz warten, komplett gefüllt ist. Männer,
die diesen Speicher aber täglich entleeren, haben viel weniger Spermien
im Ejakulat als solche, die dies nur einmal pro eine Woche tun. »Jetzt
nehmen wir mal an, dass wir in den westlichen Industrienationen häufiger
ejakulieren als noch vor 40 Jahren.«
Gründe
dafür ließen sich wohl finden, etwa: geringerer Einfluss der Kirche,
mehr Pornografie, größere sexuelle Freiheit. Das Resultat: »Die
Portionen werden kleiner – aber nicht so klein, dass sie in einen
abnormalen Bereich rutschen«, so Schlatt. Unsere heutige Spermienanzahl
entspreche einfach derjenigen eines regelmäßig ejakulierenden Mannes,
spekuliert der Forscher. Das wäre eine ziemlich banale Erklärung für die
»Spermakrise«.
Beunruhigender wäre es hingegen, wenn die zunehmenden Fälle
von Hodenkrebs beim Rückgang der Spermien eine Rolle spielen würden.
Bislang gibt es zwar noch keine Hinweise darauf – denkbar wäre aber auch
das, so Schlatt. Den Ursprung für steigende Zahlen an Hodenkrebs
vermuten Experten in der Entwicklungsphase des Hodens im Embryo.
»Offenbar passiert irgendetwas in der Frühschwangerschaft, was die
Hodenaktivität und die so genannte Keimzelldifferenzierung beeinflusst.«
Das kann dann zu Krebs im Erwachsenenalter führen – und vielleicht auch
zu einer verringerten Spermienproduktion.
Hodengröße beeinflusst Spermienanzahl
Wie
schwierig es allerdings ist, den Rückgang der Spermien richtig
einzuordnen, wird deutlich, wenn man die Variabilität der Spermienanzahl
bei unterschiedlichen Gruppen von Männern analysiert: Je größer die
Hoden, desto mehr Sperma produzieren diese. Und die Größe variiert
offenbar signifikant zwischen verschiedenen Völkern: Schweden hätten
beispielsweise ziemlich große Hoden, Finnen und Dänen eher kleine,
erzählt Schlatt.
In den USA gibt es je nach Region signifikante
Unterschiede, was daran liegt, dass dort jeweils andere Völker
eingewandert sind. Das bedeutet: Die durchschnittliche Anzahl an
Spermien hängt auschlaggebend davon ab, wo man die Daten erhebt. Gut
konzipierte Studien können diesen Einfluss eliminieren, jedoch sind
derartige Untersuchungen bislang Mangelware. Erschwerend kommt hinzu,
dass diese Variable nur eine unter vielen ist, die es zu kontrollieren
gilt. Schlatt glaubt daher: »Es ist fast unmöglich, Studien zu
entwerfen, die alle Faktoren berücksichtigen.«
Über eine weitere
mögliche Ursache der abnehmenden Spermienmenge spekulierte die an der
israelischen Studie beteiligte Wissenschaftlerin Shanna H. Swan in einer
Pressemitteilung aus dem Jahr 2017: Die Tatsache, dass man den Rückgang
nur in der westlichen Welt beobachte, deute stark darauf hin, dass kommerziell eingesetzte Chemikalien eine kausale Rolle spielen könnten.
Weichmacher schaden den Spermien*
Eine
Kausalität zwischen dem Einsatz bestimmter Chemikalien und dem Rückgang
sei sehr schwierig nachzuweisen und erfordere weitere, breit angelegte
Forschungsanstrengungen, erklärte Sabine Kliesch gegenüber dem Science
Media Center. Und auch Schlatt vertritt eine ähnliche Meinung: »Es gibt
keine Evidenz dafür, dass es irgendwelche bestimmten Chemikalien sind.«
Unbestritten sei jedoch, dass bestimmte Stoffe, so genannte endokrine
Disruptoren, negative Auswirkungen auf die Spermienqualität haben. Wenn
solche Stoffe in den Körper gelangen, können sie bereits in geringsten
Mengen durch Veränderung des Hormonsystems die Gesundheit schädigen. Sie
werden daher auch als Umwelthormone bezeichnet.
Dass solche Stoffe einen negativen Einfluss auf die
Fruchtbarkeit haben, ist bereits in etlichen Untersuchungen gezeigt
worden. Relativ aktuelle Beweise lieferte etwa das Forscherteam um
Richard G. Lea, Professor für Reproduktionsbiologie an der University of
Nottingham: Es hatte herausgefunden, dass
die Spermienqualität auch bei Hunden, die als Haustiere gehalten
wurden, über die letzten drei Jahrzehnte hinweg deutlich nachgelassen
hat. Die Forscher schließen daraus, dass Stoffe in der direkten
Umgebung der Tiere und deren Herrchen die Spermien schädigen. In einer
Publikation, die im Frühjahr 2019 im Fachblatt »Nature« erschien,
stellten die Wissenschaftler dann den Einfluss zweier Chemikalien, DEHP und PCB153, auf die Spermienqualität von Hunden und Menschen vor.
DEHP ist einer der prominentesten Weichmacher in Plastikprodukten, der
in die Nahrung übergehen kann. PCB153 ist in bestimmten fettigen
Lebensmitteln enthalten. Bereits in niedrigen Konzentrationen, so die
Wissenschaftler, beeinflussen die Stoffe die Spermienqualität von Mensch
und Hund negativ. Dass DEHP die Fruchtbarkeit verringert, ist
allerdings schon lange klar. Daher ist in vielen Ländern die Verwendung
dieses Weichmachers bereits massiv eingeschränkt worden. Innerhalb der
EU darf die Industrie DEHP beispielsweise bereits seit Anfang 2015 nicht
mehr ohne spezielle Zulassung verwenden.
Nur der Westen betroffen?
Schlatt
glaubt jedoch nicht daran, dass lediglich einzelne Stoffe den
Spermienrückgang zu verantworten haben. Dann müsste auch in vielen
nichtwestlichen Ländern ein ähnlicher Rückgang zu verzeichnen sein. Denn
er ist der Meinung, dass in manchen Teilen der Erde die Menschen
solchen Schadstoffen noch mehr ausgesetzt sind als in der
westlichen Welt.
Allerdings gibt es begründete Zweifel daran,
dass der Rückgang tatsächlich nur in den westlichen Industrienationen zu
beobachten ist: »In Asien und Afrika finden kaum Studien statt. Die
allermeisten Daten haben wir aus Europa und den USA.« Sinnvolle
Vergleiche gelingen jedoch nur, wenn in allen Teilen der Erde über
mehrere Jahre standardisierte Daten erhoben werden. Gleichwohl gibt es
solche Arbeiten nicht. Die Weltgesundheitsorganisation WHO plant, dies
in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zu ändern. Erst dann wird sich
zeigen, ob die Spermienanzahl tatsächlich nur in der westlichen Welt
rückläufig ist.
Die Frage, was mit unserem Sperma los ist, kann
also bislang nicht zufrieden stellend beantwortet werden. Dazu sind erst
umfangreichere und global erhobene standardisierte Daten nötig. Auf
dieser Basis kann dann eine gezielte Suche nach Ursachen stattfinden.
Bevor es so weit ist, rät Schlatt den Männern – ganz unabhängig von
einer angeblichen »Spermakrise«–, ihre Lebensgewohnheiten zu
überdenken: Mäßig Sport treiben, nicht rauchen und wenig Alkohol trinken
wirke sich zum Beispiel sehr positiv auf die Spermienqualität und somit
die Fruchtbarkeit des Mannes aus.
*)Nota. - Weichmacher schaden der Mämmlichkeit in jeder Hinsicht.
JE
Samstag, 15. Juni 2019
Sonntag, 9. Juni 2019
Der Beitrag des Mannes zur Menschwerdung des Affen.
aus higgs, 3. Juni 2019,
Väter sind bei der Erziehung doch nicht ganz nutzlos
Lange
dachte man, es spiele bei Säugetieren keine Rolle, wer der Mutter bei
der Aufzucht von Jungen hilft. Das stimmt nicht, fanden Forscher der Uni
Zürich jetzt heraus.
- Wenn Väter bei der Aufzucht helfen, entwickeln die Nachkommen grössere Gehirne und werden klüger.
- Wie Forschende der Uni Zürich herausfanden, erfüllen andere Gruppenmitglieder diese Aufgabe nicht so gut.
- Eine Ausnahme ist der Mensch: Weil hier Verwandte auch zuverlässig helfen, konnten wir die grössten Hirne entwickeln.
Sowohl bei den Menschen als auch im Tierreich gilt: Die Kinder, die die beste Fürsorge erhalten, haben die besten Überlebenschancen. So überrascht es nicht, dass Mütter bei der Aufzucht ihrer Kinder Hilfe erhalten, wenn diese benötigt wird.
Was überrascht, ist die Rolle des Vaters. Bisher ging man davon aus, dass es mehr oder weniger egal ist, von wem die Unterstützung kommt – Hauptsache, der Mutter wird geholfen.
Ein Forscherteam der Universität Zürich konnte nun beweisen, dass die Sache anders aussieht. Väter sind zuverlässigere Helfer als andere Gruppenmitglieder. Zu diesem Schluss kamen Sandra Heldstab und ihre Kollegen Karin Isler, Judith Burkart und Carel van Schalk, nachdem sie sich 480 Säugetierarten genauer angesehen haben.
Sie haben festgestellt, dass jene Tierarten, bei denen der Vater mit anpackt, grössere Gehirne und somit einen Evolutionsvorteil entwickeln. Denn je grösser ein Gehirn im Verhältnis zur Körpergrösse ist, desto intelligenter ist ein Lebewesen.
Das grosse Gehirn hat jedoch einen Preis: Ein Säugling verbraucht rund zwei Drittel seiner Energie ausschliesslich zur Versorgung des Hirns. Damit die Mütter ihrem Nachwuchs diese Energie in Form von Milch und Nahrung geben können, sind sie auf Hilfe angewiesen. Und da kommen die Väter ins Spiel.
«Väter helfen bei der Jungenaufzucht konstant und zuverlässig, während die Unterstützung von anderen Gruppenmitgliedern wie etwa älteren Geschwistern viel weniger verlässlich ist», erklärt Evolutionsbiologin Heldstab laut einer Mitteilung.
Bei anderen Arten wie etwa Erdmännchen und Präriewühlmäusen wandern die älteren Geschwister oft in eine andere Gruppe ab, sobald sie geschlechtsreif werden, und stehen – im Gegensatz zum Vater – der Mutter als Helfer nicht mehr zur Verfügung.
Eine Ausnahme bildet der Mensch: Hier ist nicht nur die väterliche Unterstützung, sondern auch die von anderen Personen sehr zuverlässig. Unter anderem deswegen konnte der Mensch das verhältnismässig grösste Gehirn entwickeln und sich vom Rest des Tierreiches absetzen. So sagt Heldstab in der Mitteilung: «Bei Säugetieren ist nur auf die Hilfe der Väter Verlass. Wir Menschen können uns glücklicherweise auch auf die Hilfe anderer verlassen.»
Link zur Studie
Nota. - Dass sich die männlichen Individuen an der Aufzucht der Nachkommen beteiligen, ist nicht selbstverständlich - sonst gäbe es keine Vergleichsmöglichkeit mit Tieren mit kleineren Hirnen. Bei einer großen Anzahl von Säugetieren, aber auch Vögeln, beteiligen sich jedoch die männlichen Individuen an der Aufzucht, indem sie einen Teil der Arbeiten übernehmen, die bei andern Tierarten die Muttertiere allein erledigten.
Unter diesem Gesichtspunkt ist das einzig Besondere bei uns Menschen, dass erstens der Beitrag der Väter verlässlicher ist als bei andern Tieren, dass aber auch andere Verwandte teilnehmen - was nur möglich ist, weil wir Menschen in stabilen Gesellschaften leben (und aus diesem Grund kommte es z. B. auch bei großen Affen und Elefanten vor).
Jedoch:
Nota. - Dass sich die männlichen Individuen an der Aufzucht der Nachkommen beteiligen, ist nicht selbstverständlich - sonst gäbe es keine Vergleichsmöglichkeit mit Tieren mit kleineren Hirnen. Bei einer großen Anzahl von Säugetieren, aber auch Vögeln, beteiligen sich jedoch die männlichen Individuen an der Aufzucht, indem sie einen Teil der Arbeiten übernehmen, die bei andern Tierarten die Muttertiere allein erledigten.
Unter diesem Gesichtspunkt ist das einzig Besondere bei uns Menschen, dass erstens der Beitrag der Väter verlässlicher ist als bei andern Tieren, dass aber auch andere Verwandte teilnehmen - was nur möglich ist, weil wir Menschen in stabilen Gesellschaften leben (und aus diesem Grund kommte es z. B. auch bei großen Affen und Elefanten vor).
Jedoch:
zu Der evolutionäre Sinn der geschlechtlichen Arbeitsteilung
Von allen Lebewesen sind wir Menschen die einzige Gattung, in der der männliche Teil der Population als solcher einen eigenen Anteil hat an der Aufzucht und Versorgung der Nachkommenschaft - und daher an der Erhaltung der ganzen Art über den bloßen Zeugungsakt hinaus.
Von allen Lebewesen sind wir Menschen die einzige Gattung, in der der männliche Teil der Population als solcher einen eigenen Anteil hat an der Aufzucht und Versorgung der Nachkommenschaft - und daher an der Erhaltung der ganzen Art über den bloßen Zeugungsakt hinaus.
Am meisten verbreitet ist es im Tierreich, dass die männlichen Individuen nach dem Zeugungsakt ihrer Wege gehen. Ernährung und Behütung der Jungen ist Sache der Mütter und anderen weiblich Verwandten. Wo die männlichen Tiere immerhin mit ihrem Harem und den Jungtieren zusammenleben, da beteiligen sie sich, wie die Löwen, nicht einmal am Erwerb der gemeinsamen Nahrung: Auch das besorgen die Löwinnen, sie jagen in Gemeinschaft, während der Pascha restlos damit ausgelastet ist, die Gruppe gegen Feinde zu verteidigen und... andere Löwenmänner von seinem Harem fernzuhalten. Das lastet ihn nicht nur aus, sondern nimmt ihn so in Anspruch, dass er schon nach wenigen Jahren das Rudel einem Stärkeren und Jüngeren überlassen muss (dem es dann ebenso ergehen wird). Mehr als die Abgabe seines Samenpakets hat er bis dahin zur Erhaltung seiner Art nicht beigetragen.
Bei anderen Rudeltieren mit einer komplexeren sozialen Organisation, nämlich bei Beutegreifern, die wie Wölfe und Hyänen im Verband jagen, beteiligen sich regelmäßig männliche wie weibliche Tiere an der Beschaffung der gemein- samen Nahrung; aber nur gelegentlich beteiligen sich die männlichen Tiere auch an der Aufzucht der Jungen, indem sie sich nachsichtig auch mal auf der Nase rumtanzen lassen. (Eine Kuriosität ist der Polarfuchs: Der lebt nicht mit der Fähe und ihren Kindern im selben Bau, versorgt sie auch nicht mit Nahrung. Aber morgens holt er die Jungen zuhause ab und zieht mit ihnen aus, um sie das Jagen zu lehren.) Bei manchen Vögeln kommt es schließlich vor, dass Mutter- und Vatertier sich nicht nur beim Füttern, sondern schon bei der Brut ablösen. Aber immer sind es die Väter, die sich an dem beteiligen, was die Mütter angefangen haben - individuell.
Dass das männliche Geschlecht als Ganzes eine Tätigkeit entwickelt, die zur Erhaltung der Art einen eigenen Beitrag leistet, kommt aber nur bei uns Menschen vor. Die Männer jagen. Das tat die Familie Homo "von Hause aus" nicht. Unsere Vorfahren werden - wie unsere nächsten Verwandten, die Schimpansen und Bonobos - in größeren Gruppen gesammelt haben: um sich gegen Nahrungskonkurrenten durchsetzen zu können. Und wenn sie dabei auch gelegentlich kleinere Affen getötet und gefressen haben, so tat es doch jedes Individuum für sich - wie eben noch heute Schimpansen und Bonobos. Gesammelt und erst nachher geteilt wird dort nicht, und sowenig wie das reguläre Sammeln wird gelegent-liches Jagen organisiert. Doch erst Organisation macht Arbeitsteilung möglich.
*
Vorstehende Zeilen sind bald zwanzig Jahre alt. Heute kann ich hinzufügen: Der Eigenbeitrag, den das Männliche zur Ausbildung unserer Gattung geleistet hat, betrifft an allererster Stelle das Gehirn; erstens überhaupt und allgemein, zweitens im Besondern, indem sie beim Jagen das Eiweiß anschaffen, das für die Ausbildung des großen Gehirns not- wendig ist. Das merke ich ihm noch heute an: Am männlichsten komme ich mir immer beim Nachdenken vor. Ich wünschte, es wäre weiter verbreitet.
JE
Samstag, 25. Mai 2019
Free Speech Movement und die Identitären.
Camille Pagliaaus nzz.ch, 23.5.2019
Zensur an der Uni? «Nicht jetzt, nicht hier»
Eine amerikanische Universität schmettert einen von Trans-Aktivisten lancierten Protest gegen die so streitbare wie bunte Professorin Camille Paglia ab. Markiert der Entscheid womöglich eine Wende im Kulturkampf zwischen selbsternannten Kämpfern für soziale Gerechtigkeit und Befürwortern der Redefreiheit?
von Marc Neumann, Washington
Eine Dreiviertelstunde nach Beginn der Vorlesung «Mehrdeutige Bilder: Sexuelle Dualität und sexuelle Vielfalt in westlicher Kunst» ging ein (falscher) Brandalarm los. Gleichzeitig brach vehementer Einspruch gegen die Vortragende Camille Paglia aus und sorgte für Feuer unter dem Dach.
Noch während der Saal an der University of the Arts in Philadelphia evakuiert wurde, gingen zwei verfeindete Lager verbal aufeinander los. Hier eine wutentbrannte Handvoll Trans-Aktivisten, die gegen die Vorlesung der Kulturhistorikerin wegen angeblicher Trans-Feindlichkeit protestierten. Dort die nicht minder aufgebrachten Anhänger von Paglia. Und die Ironie der Geschichte: Paglia selbst ist eine als Trans und Queer auftretende, schillernde Persönlichkeit, die den Gender-Diskurs der letzten vierzig Jahre in den USA massgeblich mitbestimmt hat.
Jüngst wurde damit ein weiteres Kapitel in der Debatte um Rede- und Meinungsfreiheit an Universitäten aufgeschlagen, wieder einmal ausgehend von selbsternannten Aktivisten für Rechte und Schutz von transsexuellen Menschen, die in einem Spannungsverhältnis zwischen biologischer und sozialer Geschlechtlichkeit stehen. Getreu dem mittlerweile etablierten Drehbuch lancierten sie eine Online-Petition zur Absetzung der seit über dreissig Jahren an der University of the Arts lehrenden Paglia und ein Protestschreiben mit der Forderung nach Verlegung der Veranstaltung, um den Campus trigger-frei zu halten.
Das Scharmützel ist die x-te Variation zum Thema – aber eine der interessanteren. Denn die Universitätsleitung liess am Tag darauf die Protestler auflaufen und weigerte sich, die Redefreiheit und ihr Lehrprivileg an einer gerade den von Kontroverse und Kritik zehrenden Künsten gewidmeten Uni zu kompromittieren. «Not now, not at UArts», beschied Uni-Präsident David Yager den Aktivisten.
Spaß am Streit
Mit dem Angriff auf die festangestellte Professorin Paglia, eine GenX-Celebrity der ersten Internetstunde, die nach Veröffentlichung ihres Buchs «Sexual Personae» in den 1990er Jahren als feministische und queere Bombe in den intellektuellen Diskurs einschlug, hatten sich die Aktivisten übernommen. Weder das Flehen nach Sicherheit auf dem Campus und die händeringende Bitte um Rücksicht auf anders gelagerte Gefühle von Trans-Menschen noch das eingeforderte Mitspracherecht auf die Personalpolitik der Universität zeigten Wirkung.
Gewiss,
Paglias Brot ist die Kontroverse. Ihrer jahrzehntelangen
pro-feministischen Anwaltschaft aus libertärer Warte zum Trotz ist sie
auch eine ernste Kritikerin von Trans-Anliegen. Unlängst bezeichnete sie
die Forderung nach Gender-korrekten Pronomen als Angriff auf die
englische Sprache, hervorgebracht von «flennenden Verrückten». Das
Trans-Phänomen sei Ausdruck der Entfremdung von Jugendlichen, ähnlich
wie von Beatniks oder Hippies in früheren Jahrzehnten.
Geschlechtsumwandlung
von Heranwachsenden als Eingriff in ihre physische Integrität
betrachtet Paglia als Kindsmissbrauch. Ähnlich hart geht sie mit #MeToo
und der dritten Welle des Feminismus ins Gericht – und das nicht erst
seit gestern. Interessant ist, dass sie bereits im Jahre 1992 im
Interview mit dem – inzwischen von #MeToo versenkten – Talkmaster
Charlie Rose ihre Position darlegte. Während sie vollkommen hinter der
Ausarbeitung von Richtlinien für die Definition von sexuellen
Übergriffen stehe, «hasse sie die Seifenoper derjenigen, die sich zu
Opfern machten». Sie forderte ein Ende der Angriffe auf toxische
Maskulinität und politischer Korrektheit – vor über einem
Vierteljahrhundert!
Indem
sich die UArts auf die Seite Paglias schlägt, bekennt sie sich auch zu
einem ihrer intellektuellen Aushängeschilder. Obwohl nur konsistent,
muss man das heutzutage geradezu als mutig bezeichnen.
Der Einsatz der Gebrüder Koch
Der
Universität und Paglia den Rücken stärkt im vorliegenden Fall
interessanterweise auch ein weiterer Akteur aus den Reihen der Presse –
und nicht nur in Form des öffentlichen Megafons, das einen süffigen
Skandal freudig aufgreift und verstärkt, da saftige Themen wie
Transsexualität, politische Korrektheit und Redefreiheit die Leser auf
beiden Seiten des politischen Spektrums zuverlässig triggern. Am Ende
des Artikels im «Atlantic», der den jüngsten Aufruhr ins Rollen brachte,
findet sich nämlich eine interessante Offenlegung: Der Artikel sei Teil
einer programmatischen Serie namens «The Speech Wars», eines
journalistischen Projekts, das die gegenwärtige Debatte zwischen «Social
Justice»-Kämpfern und Verteidigern einer bedingungslos akademischen
Forschungs- und Lehrfreiheit um restriktive Sprach- und Verhaltenscodes
unter die Lupe nimmt.
Finanzielle
Unterstützung erhält das Projekt neben weitgehend unbekannten Akteuren
auch von der konservativen Charles Koch Foundation. Letztere ist der
wohltätige Arm für die Unterstützung höherer Bildung innerhalb eines
Konglomerats verschiedener Stiftungen und philanthropischer Institute
der Gebrüder Charles und David Koch. Die Kochs sind bekanntlich die
milliardenschweren Erben der Koch Industries, einer Unternehmensgruppe
in den Industriebereichen rund um Öl, Gas, Papier und Chemie. Die Koch
Brothers sind als einflussreiche politische Akteure und Königsmacher der
republikanischen Partei so bekannt wie umstritten.
Im
Tätigkeitsbereich Tolerierung und freie Rede subventioniert die
Erziehungsstiftung der Koch-Brüder schon seit 2017 Forschungsprojekte zu
Redefreiheit auf dem Campus. Dass sie mit der Serie «Speech Wars» auch
aktiv in der Medienarbeit tätig wird, ist neu. Vom Aufruhr von
progressiver Seite ob der Einmischung von nicht unparteiischen
Interessengruppen in unabhängigen Journalismus einmal abgesehen,
verweist das jüngste Engagement der Foundation auf ein neues Element: Im
Kulturkampf um Freedom of Speech an US-Unis mischen nun auch politische
Schwergewichte mit. Im andauernden Disput um die Redefreiheit an
US-Unis könnte dies womöglich einen Trendwechsel einläuten.
Nota. - Der Kampf um Redefreiheit ein Erkennungsmerkmal der politischen Rechten? Da stimmt was mit den Begriffen nicht.
JE
Freitag, 17. Mai 2019
MeToo, sagt Mrs. Josephine McCarthy.
aus welt.de, 17. 5. 2019 Schuldig durch Verteidigung?
Harvard, Weinstein und das Ende der Unschuldsvermutung
Ein Harvard-Strafrechtler übernimmt den Job, Harvey Weinstein zu
verteidigen, die Studenten drehen durch – und die Elitehochschule setzt
ihn ab. Über eine Niederlage für die Idee des Rechts.
Am Morgen des 25. Februar 2019 fand die Universitätspolizei von Harvard an den Wänden des Winthrop House mehrere Graffitis. Die Parolen richteten sich gegen den Dean des Wohnheims, Ronald S. Sullivan, Professor für Strafrecht an der Harvard Law School. „Nieder mit Sullivan“, stand auf einer Eingangstür, an anderer Stelle fanden sich die Sprüche „Unser Zorn ist Selbstverteidigung“ und „Dein Schweigen ist Gewalt“, schließlich die Frage: „Auf welcher Seite stehst du?“
Sag mir, wo du stehst: Das ist die alte Leitfrage aller Bürgerkriege. Sie schafft Ordnung in Konflikten, in denen die Fronten nicht so klar verlaufen wie in herkömmlichen Schlachten, und ihre Beantwortung entscheidet darüber, ob das Gegenüber als Freund oder als Feind zu behandeln ist. Letzteres ist eine existenzielle Unterscheidung, was man in Friedenszeiten leicht vergisst.
Im Fall von Ronald S. Sullivan war die Frage natürlich rhetorisch, die Aktivisten auf dem Campus hatten ihn ja bereits als zu stürzenden Gegner identifiziert. Seit Sullivan am 23. Januar 2019 dem Verteidigerteam von Harvey Weinstein beige- treten war, der vor einem New Yorker Gericht wegen Vergewaltigung angeklagt ist, stand er für sie auf der Gegenseite. Zumindest traute man ihm nicht mehr zu, im Studentenwohnheim auch Opfern von sexuellen Übergriffen als Ansprech- partner und Vertrauensperson dienen zu können. „Sie kompromittieren das Vertrauen, das in Sie gesetzt wird, wenn sie Opfern zuhören, die ihre Sympathie und ihre Unterstützung brauchen, wenn sie versuchen, mit ihrem Trauma klarzu- kommen“, hieß es in einem von vielen Briefen, in diesem Fall von der Vereinigung schwarzer Frauen in Harvard verfasst.
In einer studentischen Online-Petition stand: „Wollt ihr wirklich eines Tages euer Diplom von jemandem entgegennehmen, der es – aus welchen Gründen auch immer, beruflich oder persönlich – okay findet, so eine prominente Figur im Zentrum der #MeToo-Bewegung zu verteidigen?“
Harvey Weinstein sitzend, ganz links sein Anwalt Ronald Sullivan
Wer einen Angeklagten der MeToo-Bewegung verteidigt, der bezieht Stellung gegen die Opfer von sexueller Gewalt – so lautet der verstümmelte Syllogismus der Aktivisten, in einer am griechischen Bildungsideal geschulten Elitehochschule selbst schon ein Schocker. Der erfahrene Strafverteidiger Robert Sullivan hat den amerikanischen Präsidenten Bill Clinton und den wegen Doppelmord angeklagten Football-Star Aaron Hernandez, aber auch die Familie von Michael Brown verteidigt, jenem Einwohner von Ferguson, dessen Tod durch Polizeischüsse die Black-Lives-Matter-Bewegung ausgelöst hatte. Die Reihe zeigt in ihrer Bandbreite, was das Wesen des Anwaltsberufs ist: Er ist die fleischgewordene Unschuldsvermutung, die vor der Feststellung der Schuld für jeden Menschen gilt, ob er nun Mitleid oder Abscheu auslöst, ganz oben oder ganz unten steht.
Ausgerechnet in Harvard dreht sich dieses elementare Rechtsverhältnis jetzt auf perverse Weise um: Verkörperte der Anwalt bislang die potenzielle Unschuld eines jeden Delinquenten, so färbt jetzt die unterstellte Schuld des Angeklagten auf seinen Rechtsbeistand ab. Er darf seinen schmutzigen Job wohl machen, einer muss es ja tun – doch in der guten Gesellschaft, durch das Wohnheim auf einem amerikanischen Campus im Kleinen repräsentiert, ist er zu ächten, fast wie ein Totengräber, dem man nicht die Hand gibt.
Sullivan und seine Ehefrau Stephanie Robinson
Die anhaltenden Proteste hatten Erfolg: Durch die Unruhe unter Druck gesetzt, ließ Harvards Dekan Rakesh Khurana zunächst die Atmosphäre am Winthrop House offiziell untersuchen, um Ronald S. Sullivan und seine Frau Stephanie R. Robinson, die es gemeinsam leiteten, unter Verweis auf das gestörte Klima von ihrer Rolle zu entbinden: Sie seien „unhaltbar“ geworden. Beide waren, eine besonders bittere Pointe, die ersten schwarzen Deans in Harvard.
Ist es inzwischen ein selbst für angehende Juristen unzumutbares Trauma, der Tatsache ins Auge zu sehen, dass das Recht für alle gilt? Ein übersehener Nebenanklagepunkt der Aktivisten bestand darin, dass sich Ronald Sullivan kürzlich verteidigend hinter einen Harvard-Kollegen, den ebenfalls schwarzen Star-Wirtschaftsprofessor Roland G. Fryer, gestellt hat: Dieser sei durch einen Artikel in der „New York Times“ als MeToo-Täter vorverurteilt worden, obwohl außer ein paar zweideutigen Scherzen keine klaren Vorwürfe gegen ihn vorlägen. Fryer sei, so Sullivan, „als ein übersexualisierter Schwarzer, der kein Nein versteht“ dargestellt worden, Zeugenaussagen von Schwarzen seien in den internen Verfahren nicht gleich gewichtet worden wie die von Weißen.
Das Rechtssystem dient nicht dazu, Freund und Feind zu unterscheiden. Es kennt keine klaren Frontverläufe, seine Aufgabe ist es, Licht ins Dickicht der Komplexität zu bringen. Harvards Umgang mit Sullivan ist eine Niederlage für das Recht selbst.
Nota. - Wovor graut mir mehr - vor der Wiederwahl Donald Trumps oder vorm totalitären Verfolgungs-Wahn der poli- tisch Korrekten?
JE
Samstag, 4. Mai 2019
Väter und Feminismus.
aus nzz.ch, 4.5.2019
Der Feminismus hat weder die Rechte des Mannes als Vater noch das Recht des Kindes auf den Vater bedacht
Obwohl seit Dekaden über die Gleichstellung der Geschlechter debattiert wird, sind die Resultate ernüchternd. Dabei täte es not, die Männer als Väter besser mit einzubeziehen.
von Ralf Bönt
Als Meilenstein auf dem Weg in die Moderne wird unter vielen anderen Dingen mitunter auch der erste gelungene Kaiserschnitt genannt. Es war der Schweizer Tierarzt Jacob Nufer, der ihn im Jahr 1500, kurz vor Grundsteinlegung des Petersdoms, an seiner Frau Elisabeth vornahm. Nach Tagen erfolgloser Wehen hatte Nufer dem lokalen Prälaten sein Gottvertrauen glaubhaft machen können und so den himmlischen Segen erhalten. Mit einem gekonnten Schnitt und dessen ebenso gekonnter Versorgung rettete Nufer dann erstmals beide, Kind und Mutter. Nun war klar, zu wem die Menschen in Zukunft in der Not zuerst gehen würden: zum Arzt statt zum Prälaten. Allzu normal war bis anhin, dass Kind oder Mutter starb, oft auch beide, so dass der Liebesakt zum ständigen Begleiter die Lebensgefahr hatte: real sex sozusagen, not just for fun.
Heute votiert der Mensch zu Recht eher für den Spass, aber das klingt harmloser, als es ist: Die Entlassung des Körpers aus dem Zwang zur Reproduktion und zur Erhaltung der Art ist das grosse Freiheitsversprechen der Neuzeit. Die Frau sollte nicht mehr bloss gebären, der Mann nicht mehr bloss Zeuger, Nährer und Schützer sein. Mit anderen Worten: Mann und Frau sollten nicht mehr nur Mann und Frau sein müssen, sie konnten unabhängig vom Geschlecht zuerst Mensch sein. Dass dabei allen die gleichen Rechte zukämen, diese Idee setzte sich freilich erst 300 Jahre später durch, und zwar unabhängig vom Kinderkriegen.
Eine kluge Revolutionärin
Leider, muss man sagen. Die Erklärung der Menschenrechte war ein Erdbeben, dessen Epizentrum auf hoher See lag und eine Grundwelle erzeugte, die erst heute voll auf Land trifft. Denn die Gerechtigkeit zwischen Mann und Frau greift am tiefsten in die Lebensentwürfe ein. Kaum jemand entdeckte dies so früh wie Olympe de Gouges (1748 bis 1793), deren Forderungen zentral auch das Recht der Frau auf die Bekanntgabe einer Vaterschaft enthielt. Die schöne und kluge Revolutionärin war damit nicht erfolgreich, der Code civil verbot die Erforschung einer Vaterschaft, und de Gouges starb für ihre Überzeugung. Erst Simone de Beauvoir griff das Thema wieder auf, 1949 in ihrem Buch «Das andere Geschlecht».
De Beauvoir hält Vaterschaft keineswegs hoch. Die Schwangerschaft ist ihr ein Drama, das sich nicht zwischen Mann und Frau abspielt, sondern zwischen den beiden Ichs der Frau: dem freien und dem unfreien. Das liest sich wie eine Lehre der Lieblosigkeit. Bei der Frage, ob der Fötus ein Teil des Frauenkörpers oder ein Parasit ist, entscheidet sie sich für Letzteres. Entsprechend meint die Philosophin an Beispielen beweisen zu können, dass ein Mutterinstinkt nicht existiert. Die vitale Transzendenz einer Geburt erlebe die Frau lediglich als Reduktion auf körperliche Immanenz, da sie am Gelingen oder Misslingen des Kindes keinen aktiven Teil habe.
Der Mann wird nicht etwa als Vater genannt, er geht weiterhin nur seiner Bestimmung nach, indem er Dinge schafft, die seine Subjektivität darstellen, seine Persönlichkeit: pure Transzendenz. Schon de Gouges hatte das Recht auf Bekanntgabe einer Vaterschaft in der Liste der Rechte der Frau geführt und nicht als egalitäres Menschenrecht, und das ist der Geburtsfehler des Feminismus. Die Rechte des Mannes als Vater sind nie mit bedacht worden, auch nicht als Recht des Kindes auf den Vater. Obwohl dies auch ihn von seiner biologischen Bestimmung lösen würde.
Die Folgen sind fatal. Von de Beauvoir tief beeindruckt, schrieb Max Frisch seinen Bericht über den Homo Faber, den technischen Menschen, und es ist kein Wunder, dass er diesen nicht als befreites Subjekt im Sinne Nufers und von dessen tausend Nachfolgern wie Ignaz Philipp Semmelweis und Carl Djerassi sieht. Der Mann erscheint hier als jene fragmentierte, in ihrer Empathie für sich und den anderen gleichermassen gestörte, durch den modernen Rationalismus tief geprägte Gestalt. De Gouges hatte diesen Vorwurf explizit auch auf der Zunge gehabt, genährt freilich durch den Ausschluss der Frauen aus der Wissenschaft.
Der Soziologe Christoph Kucklick hat diese Genese der negativen Andrologie historisch aufgearbeitet. Paradoxerweise entwickelte sich der Mann darin charakterlich sogar rückwärts, mit steigender Triebhaftigkeit und sozialer Desintegration. In der maskulinen Kollektivschuldphantasie Frischs ist der Phallus eine tödliche Waffe: Elisabeth, Walter Fabers Geliebte und Tochter (ohne dass beide dies wissen), erschrickt vor dem Genital und stürzt rückwärts zu Tode. Eine sehr steile Dramaturgie: Als ob die Moderne ein Unglück sei, mündet der Konflikt zwischen immanenter Vaterschaft und transzendenter Subjektivität in eine Niederlage für alle. Vor allem aber für das schwächste Glied: das Kind.
Antisexismus als Unterhaltung
So fehlgeleitet die frühe Feminismus-Debatte oft war, von ihrem Ernst können wir heute nur noch träumen. Das veröffentlichte Wort unterscheidet sich kaum noch von den Kommentarspalten der Zeitungen und Diskussionen auf dem Werbeportal Facebook, wo Gespräche über Gender und Geschlecht ablaufen wie Wortwechsel zwischen einem Berliner Taxifahrer und einem Fahrradkurier, die sich um einen halben Meter Hauptstadt streiten. Antisexismus ist zur Unterhaltung verkommen und zum Unterhalt. Bekanntlich ist ewiges Witzeln auch weniger schwer auszuhalten als ewiges «Ernsteln», um ein Wort Peter Richters zu bemühen. Rationalität ausgerechnet ums Genitale zu verlangen, ist ja auch kühn. Aber es muss sein. Denn die Beteiligten verkennen den Ernst der Lage.
Geschichtsvergessenheit ist das Standardproblem einer jeden erfolgreichen Revolution. Indem ihre Urerzählung nicht mehr gekannt wird, wird sie zur Ideologie, die ausser Selbstverteidigung kein Ziel mehr hat. In diesem Geiste debattiert man lieber über das Geschlecht von Ampelfigürchen als über die ethischen Folgen neuer Reproduktionstechniken, die Abwesenheit männlicher Erzieher oder das Recht, eine Vaterschaft bekanntzugeben.
Zu Zeiten de Gouges’ war eine genaue Kenntnis der Vaterschaft technisch unmöglich, in einer modernen Gesellschaft sollte dies mittels Gentechnik aber Standard sein. Jeder Mensch benötigt zu seiner Zeugung noch immer ganz sicher einen Mann und eine Frau. Eine schöne sexy Sache übrigens und befreiend von der Last eigener Bedeutung. Es sollte allerdings das erstrangiges Recht sein, die beiden, von denen man abstammt, zu kennen. Doch selbst die Xenofeministinnen, die auf Technik setzen, um sich zu befreien, wollen die Polarität der Geschlechter mit ebendieser aufweichen, und wie in der Gendertheorie steht dahinter der nur wenig kaschierte Wunsch, den Mann wegzudiskutieren – ein anarchistischer Traum, so aporetisch wie zum Scheitern verurteilt.
Wir müssen Simone de Beauvoirs Versuche, die Frau jenseits der Mutter zu entwerfen, nicht verbrennen und auch nicht den «Homo Faber». Pessimisten der Moderne wird es immer geben. Aber weil die fünfziger Jahre schon länger vorbei sind, darf man fragen, wozu ein Roman gut ist, dessen Anstrengung darin besteht, das Wort «man» zu vermeiden. Oder warum die Genderforschung an komplett unpraktikablen, geschlechtsneutrale Sprachlösungen arbeitet, während unsere Kinder noch immer die Geschichte von Robin Hood vorgelesen bekommen, der sich auf den ersten paar Dutzend Seiten ohne Grund mit jedem auf Leben und Tod duelliert, den er trifft. Richtig schlimm ist Janoschs Albtraum «Popov lernt fliegen», wo ein alter einsamer Mann in den Himmel fliegt, unrasiert und ohne Unterhose. Oben warten wunderschöne Engelchen zum Heiraten, unerreichbar. Und das ist es: Unerreichbarkeit erzeugt Überreaktion, Heldengeschichten machen nicht frei, sie erzeugen Druck. Das Überreagieren von Männern, auch toxische Männlichkeit genannt, entsteht, wenn Männlichkeit für kleine Jungs als etwas kaum Erreichbares erscheint.
Die Kouachi-Brüder zum Beispiel
Das hat aber Methode. «Jedes Kind, das geboren wird, ist ein Gott, der Mensch wird», schrieb de Beauvoir mit Blick auf das Leben Jesu. Aber müssen wir noch immer Kreuze aufhängen, die dem Jungen klarmachen, dass Leid und Schuld die Elemente seines Lebens sein werden, Kollektivschuld gar? Dass es eine Himmelfahrt ist, die Männer von Frauen unterscheidet? Es ist ein Irrtum zu glauben, dass Islamismus und Neo-Autoritarismus eine Krise der Moderne darstellen, denn es handelt sich um die Krise der Religion und des Patriarchats. Solche Lehren stammen aus einer Zeit, da wir über Körper nicht viel mehr wussten, als dass sie Eingänge und Ausgänge haben. Im Unwissen über das Entstehen des Lebens besetzte der Mann einst den Himmel als vermeintlichen Urgrund und eroberte damit auch den Welt-Aussenraum.
Der Philosoph Slavoj Žižek hat nach dem Attentat der Kouachi-Brüder auf die Redaktion von «Charlie Hebdo» das Versagen der Linken herausgestellt und Walter Benjamins Erkenntnis zitiert, wonach jeder Faschismus von einer gescheiterten Revolution zeugt. Die noch nicht überall gelungene Revolution ist jene gegen das Patriarchat. Unter den Kämpfern des Jihad sind ganz viele ohne Vater aufgewachsen. Das gilt auch für die Kouachis, die zudem ihre Mutter früh verloren haben. Sie zwangen ihre Frauen in Tschadors, die daraufhin ihre Jobs verloren und zu Hause blieben, bei ihren arbeitslosen Männern. Handlungsdruck entstand und Beweislast.
Eine Existenzberechtigung musste her. Während des Massakers verschonten sie die Journalistin Sigolène Vinson, mit der der ältere der beiden Brüder redete wie mit einem Dummerchen: Das war noch einmal die Inszenierung des Patriarchen, ein so lächerliches wie tragisches Aufbäumen, das längst spiegelverkehrt zur Realität steht. Die mit den Waffen in der Hand über andere richten, sind längst die Dummköpfe. Sie befinden sich in einem Rückzugsgefecht, das schon verloren war, als Jacob Nufer seine Familie rettete, um danach noch weitere sechs Kinder zu bekommen.
Aber Vorsicht: Ein Seebeben erzeugt am Ufer immer zwei Wellen. Die erste zieht sich zurück, bis alles frei liegt. Und dann kommt die zweite, die alles niederreisst. Auch die mehr und mehr von Arbeit entlasteten Väter wollen heute den Miteinbezug in die inneren Räume der Familie. Und die Frauen werden bemerken, dass sie davon profitieren, denn die Moderne richtet sich eben nicht gegen ihre Freiheit, wie in Simone de Beauvoirs Drama der beiden weiblichen Ichs. Eine Männerquote unter den Müttern wird es nicht geben. Überhaupt muss man hoffen, dass die Definition von Vaterschaft als «Vater ist, wer durch die Heirat als solcher erwiesen ist» nicht erst in hundert oder zweihundert Jahren obsolet sein wird, denn zurzeit sind leider noch viel mehr mehr Männer als Frauen gegen Vaterschaftstests.
Ralf Bönt, Jahrgang 1963, lebt als Schriftsteller in Berlin. 2012 erschien «Das entehrte Geschlecht. Ein notwendiges Manifest für den Mann».
Der Feminismus hat weder die Rechte des Mannes als Vater noch das Recht des Kindes auf den Vater bedacht
Obwohl seit Dekaden über die Gleichstellung der Geschlechter debattiert wird, sind die Resultate ernüchternd. Dabei täte es not, die Männer als Väter besser mit einzubeziehen.
von Ralf Bönt
Als Meilenstein auf dem Weg in die Moderne wird unter vielen anderen Dingen mitunter auch der erste gelungene Kaiserschnitt genannt. Es war der Schweizer Tierarzt Jacob Nufer, der ihn im Jahr 1500, kurz vor Grundsteinlegung des Petersdoms, an seiner Frau Elisabeth vornahm. Nach Tagen erfolgloser Wehen hatte Nufer dem lokalen Prälaten sein Gottvertrauen glaubhaft machen können und so den himmlischen Segen erhalten. Mit einem gekonnten Schnitt und dessen ebenso gekonnter Versorgung rettete Nufer dann erstmals beide, Kind und Mutter. Nun war klar, zu wem die Menschen in Zukunft in der Not zuerst gehen würden: zum Arzt statt zum Prälaten. Allzu normal war bis anhin, dass Kind oder Mutter starb, oft auch beide, so dass der Liebesakt zum ständigen Begleiter die Lebensgefahr hatte: real sex sozusagen, not just for fun.
Heute votiert der Mensch zu Recht eher für den Spass, aber das klingt harmloser, als es ist: Die Entlassung des Körpers aus dem Zwang zur Reproduktion und zur Erhaltung der Art ist das grosse Freiheitsversprechen der Neuzeit. Die Frau sollte nicht mehr bloss gebären, der Mann nicht mehr bloss Zeuger, Nährer und Schützer sein. Mit anderen Worten: Mann und Frau sollten nicht mehr nur Mann und Frau sein müssen, sie konnten unabhängig vom Geschlecht zuerst Mensch sein. Dass dabei allen die gleichen Rechte zukämen, diese Idee setzte sich freilich erst 300 Jahre später durch, und zwar unabhängig vom Kinderkriegen.
Eine kluge Revolutionärin
Leider, muss man sagen. Die Erklärung der Menschenrechte war ein Erdbeben, dessen Epizentrum auf hoher See lag und eine Grundwelle erzeugte, die erst heute voll auf Land trifft. Denn die Gerechtigkeit zwischen Mann und Frau greift am tiefsten in die Lebensentwürfe ein. Kaum jemand entdeckte dies so früh wie Olympe de Gouges (1748 bis 1793), deren Forderungen zentral auch das Recht der Frau auf die Bekanntgabe einer Vaterschaft enthielt. Die schöne und kluge Revolutionärin war damit nicht erfolgreich, der Code civil verbot die Erforschung einer Vaterschaft, und de Gouges starb für ihre Überzeugung. Erst Simone de Beauvoir griff das Thema wieder auf, 1949 in ihrem Buch «Das andere Geschlecht».
De Beauvoir hält Vaterschaft keineswegs hoch. Die Schwangerschaft ist ihr ein Drama, das sich nicht zwischen Mann und Frau abspielt, sondern zwischen den beiden Ichs der Frau: dem freien und dem unfreien. Das liest sich wie eine Lehre der Lieblosigkeit. Bei der Frage, ob der Fötus ein Teil des Frauenkörpers oder ein Parasit ist, entscheidet sie sich für Letzteres. Entsprechend meint die Philosophin an Beispielen beweisen zu können, dass ein Mutterinstinkt nicht existiert. Die vitale Transzendenz einer Geburt erlebe die Frau lediglich als Reduktion auf körperliche Immanenz, da sie am Gelingen oder Misslingen des Kindes keinen aktiven Teil habe.
Der Mann wird nicht etwa als Vater genannt, er geht weiterhin nur seiner Bestimmung nach, indem er Dinge schafft, die seine Subjektivität darstellen, seine Persönlichkeit: pure Transzendenz. Schon de Gouges hatte das Recht auf Bekanntgabe einer Vaterschaft in der Liste der Rechte der Frau geführt und nicht als egalitäres Menschenrecht, und das ist der Geburtsfehler des Feminismus. Die Rechte des Mannes als Vater sind nie mit bedacht worden, auch nicht als Recht des Kindes auf den Vater. Obwohl dies auch ihn von seiner biologischen Bestimmung lösen würde.
Die Folgen sind fatal. Von de Beauvoir tief beeindruckt, schrieb Max Frisch seinen Bericht über den Homo Faber, den technischen Menschen, und es ist kein Wunder, dass er diesen nicht als befreites Subjekt im Sinne Nufers und von dessen tausend Nachfolgern wie Ignaz Philipp Semmelweis und Carl Djerassi sieht. Der Mann erscheint hier als jene fragmentierte, in ihrer Empathie für sich und den anderen gleichermassen gestörte, durch den modernen Rationalismus tief geprägte Gestalt. De Gouges hatte diesen Vorwurf explizit auch auf der Zunge gehabt, genährt freilich durch den Ausschluss der Frauen aus der Wissenschaft.
Der Soziologe Christoph Kucklick hat diese Genese der negativen Andrologie historisch aufgearbeitet. Paradoxerweise entwickelte sich der Mann darin charakterlich sogar rückwärts, mit steigender Triebhaftigkeit und sozialer Desintegration. In der maskulinen Kollektivschuldphantasie Frischs ist der Phallus eine tödliche Waffe: Elisabeth, Walter Fabers Geliebte und Tochter (ohne dass beide dies wissen), erschrickt vor dem Genital und stürzt rückwärts zu Tode. Eine sehr steile Dramaturgie: Als ob die Moderne ein Unglück sei, mündet der Konflikt zwischen immanenter Vaterschaft und transzendenter Subjektivität in eine Niederlage für alle. Vor allem aber für das schwächste Glied: das Kind.
Antisexismus als Unterhaltung
So fehlgeleitet die frühe Feminismus-Debatte oft war, von ihrem Ernst können wir heute nur noch träumen. Das veröffentlichte Wort unterscheidet sich kaum noch von den Kommentarspalten der Zeitungen und Diskussionen auf dem Werbeportal Facebook, wo Gespräche über Gender und Geschlecht ablaufen wie Wortwechsel zwischen einem Berliner Taxifahrer und einem Fahrradkurier, die sich um einen halben Meter Hauptstadt streiten. Antisexismus ist zur Unterhaltung verkommen und zum Unterhalt. Bekanntlich ist ewiges Witzeln auch weniger schwer auszuhalten als ewiges «Ernsteln», um ein Wort Peter Richters zu bemühen. Rationalität ausgerechnet ums Genitale zu verlangen, ist ja auch kühn. Aber es muss sein. Denn die Beteiligten verkennen den Ernst der Lage.
Geschichtsvergessenheit ist das Standardproblem einer jeden erfolgreichen Revolution. Indem ihre Urerzählung nicht mehr gekannt wird, wird sie zur Ideologie, die ausser Selbstverteidigung kein Ziel mehr hat. In diesem Geiste debattiert man lieber über das Geschlecht von Ampelfigürchen als über die ethischen Folgen neuer Reproduktionstechniken, die Abwesenheit männlicher Erzieher oder das Recht, eine Vaterschaft bekanntzugeben.
Zu Zeiten de Gouges’ war eine genaue Kenntnis der Vaterschaft technisch unmöglich, in einer modernen Gesellschaft sollte dies mittels Gentechnik aber Standard sein. Jeder Mensch benötigt zu seiner Zeugung noch immer ganz sicher einen Mann und eine Frau. Eine schöne sexy Sache übrigens und befreiend von der Last eigener Bedeutung. Es sollte allerdings das erstrangiges Recht sein, die beiden, von denen man abstammt, zu kennen. Doch selbst die Xenofeministinnen, die auf Technik setzen, um sich zu befreien, wollen die Polarität der Geschlechter mit ebendieser aufweichen, und wie in der Gendertheorie steht dahinter der nur wenig kaschierte Wunsch, den Mann wegzudiskutieren – ein anarchistischer Traum, so aporetisch wie zum Scheitern verurteilt.
Wir müssen Simone de Beauvoirs Versuche, die Frau jenseits der Mutter zu entwerfen, nicht verbrennen und auch nicht den «Homo Faber». Pessimisten der Moderne wird es immer geben. Aber weil die fünfziger Jahre schon länger vorbei sind, darf man fragen, wozu ein Roman gut ist, dessen Anstrengung darin besteht, das Wort «man» zu vermeiden. Oder warum die Genderforschung an komplett unpraktikablen, geschlechtsneutrale Sprachlösungen arbeitet, während unsere Kinder noch immer die Geschichte von Robin Hood vorgelesen bekommen, der sich auf den ersten paar Dutzend Seiten ohne Grund mit jedem auf Leben und Tod duelliert, den er trifft. Richtig schlimm ist Janoschs Albtraum «Popov lernt fliegen», wo ein alter einsamer Mann in den Himmel fliegt, unrasiert und ohne Unterhose. Oben warten wunderschöne Engelchen zum Heiraten, unerreichbar. Und das ist es: Unerreichbarkeit erzeugt Überreaktion, Heldengeschichten machen nicht frei, sie erzeugen Druck. Das Überreagieren von Männern, auch toxische Männlichkeit genannt, entsteht, wenn Männlichkeit für kleine Jungs als etwas kaum Erreichbares erscheint.
Die Kouachi-Brüder zum Beispiel
Das hat aber Methode. «Jedes Kind, das geboren wird, ist ein Gott, der Mensch wird», schrieb de Beauvoir mit Blick auf das Leben Jesu. Aber müssen wir noch immer Kreuze aufhängen, die dem Jungen klarmachen, dass Leid und Schuld die Elemente seines Lebens sein werden, Kollektivschuld gar? Dass es eine Himmelfahrt ist, die Männer von Frauen unterscheidet? Es ist ein Irrtum zu glauben, dass Islamismus und Neo-Autoritarismus eine Krise der Moderne darstellen, denn es handelt sich um die Krise der Religion und des Patriarchats. Solche Lehren stammen aus einer Zeit, da wir über Körper nicht viel mehr wussten, als dass sie Eingänge und Ausgänge haben. Im Unwissen über das Entstehen des Lebens besetzte der Mann einst den Himmel als vermeintlichen Urgrund und eroberte damit auch den Welt-Aussenraum.
Der Philosoph Slavoj Žižek hat nach dem Attentat der Kouachi-Brüder auf die Redaktion von «Charlie Hebdo» das Versagen der Linken herausgestellt und Walter Benjamins Erkenntnis zitiert, wonach jeder Faschismus von einer gescheiterten Revolution zeugt. Die noch nicht überall gelungene Revolution ist jene gegen das Patriarchat. Unter den Kämpfern des Jihad sind ganz viele ohne Vater aufgewachsen. Das gilt auch für die Kouachis, die zudem ihre Mutter früh verloren haben. Sie zwangen ihre Frauen in Tschadors, die daraufhin ihre Jobs verloren und zu Hause blieben, bei ihren arbeitslosen Männern. Handlungsdruck entstand und Beweislast.
Eine Existenzberechtigung musste her. Während des Massakers verschonten sie die Journalistin Sigolène Vinson, mit der der ältere der beiden Brüder redete wie mit einem Dummerchen: Das war noch einmal die Inszenierung des Patriarchen, ein so lächerliches wie tragisches Aufbäumen, das längst spiegelverkehrt zur Realität steht. Die mit den Waffen in der Hand über andere richten, sind längst die Dummköpfe. Sie befinden sich in einem Rückzugsgefecht, das schon verloren war, als Jacob Nufer seine Familie rettete, um danach noch weitere sechs Kinder zu bekommen.
Aber Vorsicht: Ein Seebeben erzeugt am Ufer immer zwei Wellen. Die erste zieht sich zurück, bis alles frei liegt. Und dann kommt die zweite, die alles niederreisst. Auch die mehr und mehr von Arbeit entlasteten Väter wollen heute den Miteinbezug in die inneren Räume der Familie. Und die Frauen werden bemerken, dass sie davon profitieren, denn die Moderne richtet sich eben nicht gegen ihre Freiheit, wie in Simone de Beauvoirs Drama der beiden weiblichen Ichs. Eine Männerquote unter den Müttern wird es nicht geben. Überhaupt muss man hoffen, dass die Definition von Vaterschaft als «Vater ist, wer durch die Heirat als solcher erwiesen ist» nicht erst in hundert oder zweihundert Jahren obsolet sein wird, denn zurzeit sind leider noch viel mehr mehr Männer als Frauen gegen Vaterschaftstests.
Ralf Bönt, Jahrgang 1963, lebt als Schriftsteller in Berlin. 2012 erschien «Das entehrte Geschlecht. Ein notwendiges Manifest für den Mann».
Freitag, 19. April 2019
Hexerverfolgung.
aus swr.de, 8. 4. 2019 Liebfrauenkirche im Herzen der Stadt Trier. Sie profitiert bis heute von der Ermordung Dietrich Flades
Uralte Schulden
Stadt Trier zahlt seit 430 Jahren Hexengeld
Vor 430 Jahren verbrannte die Kirche in Trier den Uni-Rektor und Bürgermeister Dietrich Flade als "Hexenmeister". Wegen eines uralten Vertrags profitiert die katholische Kirche noch heute von der Hinrichtung.
Bis heute kassiert die Pfarrei Liebfrauen in Trier für die grausame Hinrichtung von Dietrich Flade. Jedes Jahr wandern 362,50 Euro aus der Stadtkasse in den Kirchensäckel. Ausgewiesen ist die Zahlung im Stadthaushalt als "Verpflichtungen aus dem Fladeschen Nachlass“.
Die Geschichte beginnt im Jahr 1589: Am 18. September wird Dietrich Flade auf dem Hinrichtungsplatz im heutigen Trierer Stadtteil Euren stranguliert und anschließend verbrannt. Der Vorwurf: Flade sei ein "Hexenmeister" gewesen.
Flade war wohl selbst auch Täter
Der damals 55-jährige Flade war eine angesehene Persönlichkeit der Stadt und sehr wohlhabend. Gleich mehrere wichtige Ämter hatte er inne: Er war Doktor beider Rechte am Reichskammergericht, Rektor der Universität und kurfürstlicher Rat. Als Stadtschultheiß trieb er außerdem die Abgaben der Bürger ein. Vermutlich machte er sich dadurch nicht nur Freunde.
In seiner Funktion als Richter hatte Flade wohl selbst Hexenprozesse geleitet und soll dabei zahlreiche Todesurteile gefällt haben. Solche Urteile beruhten meist auf Geständnissen, die die Beschuldigten unter Folter abgaben.
Stadt hatte sich bei Flade 4.000 Goldgulden geliehen
Flade wird eines Tages selber als Hexer verleumdet: Weihbischof Peter Binsfeld sorgt dafür, dass er verhaftet wird. Auch Flade hält der Folter nicht stand und gesteht, was die Anklage hören will. Das Vermögen des Angeklagten wandert anschließend in die Hände des Erzbischofs Johann VII. von Schönenberg (1525-1599), der zugleich als Kurfürst fungierte.
Damit sicherte sich der Kirchenmann auch einen Schuldschein über 4.000 Goldgulden, die Flade der Stadt Trier geliehen hatte. Sie wollte mit dem Geld einen Prozess für die Unabhängigkeit vom Kurfürsten führen. Doch die Stadt verlor und Johann VII. verpflichtete Trier, Zinsen für das geliehene Geld an die fünf Innenstadtpfarreien zu bezahlen. Es sollte "zur Aufbesserung des Pfarrersgehalts" dienen.
Nota. - Die Mythen um den Hexenwahn stammen aus der Zeit dedr Aufklärung. Sie waren ein Mittel politischer Propaganda. Drei Fehldarstellungen prägen bis heute das öffentlicher Brewusstsein.
Erstens war die Hexenverfolgung keine mittelalterliche Erscheinung. Zum epidemischen Massenphänomen wurde ise erst in der frühen Neuzeit.
Zweitens hat die Hexenverfolgung nichts mit der Inquisition zu tun. Die katholische wie die evangelische Kirsche waren stattdessen Gegner des heidnischen Volksglaubens. Hexenprozesse fanden vor weltlichen Gerichten statt, nicht vor geistlichen. Richtig ist allerdings, dass viele Kleriker entgegen der öffentlichen Stellung der Amtskirchen sich an der Hetze beteiligten - z. B. wie am Besipiel Flade aus pekuniärem Interesse.
Die hartnäckigste Entstellung ist aber, dass es sich um eiine frauenfeindliche Bewegung mit sexuellen Untertönen handelte. Wie am Beispiel Flade ersichtlich, konnten ebensogut Männer der Hexerei bezichtigt werden - es reichte aus, dass irgendwer ein Motiv dafür hatte. Tatsächlich waren wohl in Deutschland nur ein Drittel der Opfer Männer, die große Mehrheit waren Frauen. Aber auch Kinder und sogar Tiere. In Russland dagegen waren wohl vier von fünf Verbrannten Männer und nur ein Fünftel Frauen.
JE
Mittwoch, 3. April 2019
Öffentlich erregt.
aus derStandard.at, 2. April 2019
Frauenvolksbegehren mit Gegenveranstaltung zu Žižek-Talk
Eine Veranstaltung der Parteiakademie der Liste Jetzt wird wegen eines "antifeministischen Podiums" kritisiert. Das Frauenvolksbegehren organisiert eine Gegenveranstaltung
von Beate Hausbichler
Die Parteiakademie der Liste Jetzt lädt regelmäßig unter dem Titel "Talk Europe" zum Gespräch. In der Ausgabe vom 3. April soll es um die "gefährlichen Unsicherheiten der Gegenwart und mögliche Lösungsszenarien" gehen. Kritisch soll es werden, steht auf der Seite der Veranstaltungsreihe, und "durchaus polarisierend". Auf dem Podium wird der Philosophiestar Slavoj Žižek gemeinsam mit Robert Pfaller, ebenfalls Philosoph (Kunstuniversität Linz), und dem Politiker Peter Pilz (Liste Jetzt) sitzen. "Unsere Situation ist brandgefährlich. Es gibt Unsicherheiten und Elemente des Chaos in den Bereichen Umwelt, internationale Beziehungen bzw. Politik, in Biotechnologie, in sexuellen Beziehungen – einfach überall", wird Žižek in der Veranstaltungsankündigung zitiert.
Žižek, Pfaller, Pilz
Dass gerade diese drei Personen diese Umwälzungen diskutieren sollen, hat unter vielen Feministinnen für Irritation und Kritik gesorgt. Žižek äußerte sich erst vor kurzem sorgenvoll über die feministischen Auseinandersetzungen mit dem weiblichen Körper, die derzeit gehäuft publiziert werden – eine Auseinandersetzung, die letztlich die Erotik zerstöre. Die Rückeroberung des weiblichen Körpers sei "unsexy", schrieb Žižek kürzlich in einem Text für die "NZZ", die er darin auch abwertend als "Muschi-Erkundungs-Workshops" bezeichnet.
Er fragt sich außerdem, ob die Beschäftigung mit der Vulva und der Menstruation, wie sie zum Beispiel die Comiczeichnerin Liv Strömquist in "Fruit of Knowledge" vorgelegt hat, wirklich ein Fortschritt sei. "Wenn ja, dann sollten wir diesen Gedanken konsequent zu Ende führen und auch Exkremente entmystifizieren und entfetischisieren." Und Žižek schreibt weiter über die "Entzauberung des Erotischen": "Die männliche Fetischisierung der Vagina als das ultimativ mysteriöse Objekt der (männlichen) Begierde muss überwunden werden. Anstelle dessen soll die Vulva für Frauen zurückerobert werden, in all jener Komplexität, die frei ist von sexistischen Mythen."
Skeptisch gibt sich auch Robert Pfaller gegenüber feministischen Bewegungen, der mit MitstreiterInnen seines Vereins "Adults for Adults" an der #MeToo-Kampagne immer wieder die Verbreitung sexualfeindlicher Stimmung und Selbstviktimisierung kritisierte. Pilz hatte im im Jahr 2017 und 2018 mit Vorwürfen wegen sexueller Belästigung zu kämpfen: Eine Mitarbeiterin des Europäischen Volkspartei warf ihm sexuelle Belästigung am Rande des Forums Alpbach 2013 vor, auch wegen angeblicher Vorfälle zum Nachteil einer Mitarbeiterin des grünen Parlamentsklubs wurde ermittelt – das Verfahren zu diesen beiden Fällen wurde im Mai 2018 eingestellt.
Susemichel, Maurer, Spanbauer
"Die rechtspopulistischen Umwälzungen in Europa leisten einer frauenfeindlichen und antifeministischen Politik Vorschub", heißt vonseiten des Frauenvolksbegehrens, das in wenigen Tagen eine Gegenveranstaltung organisiert hat. Gerade wegen dieser Tendenzen sei es unverständlich, dass hier drei Männer, die antifeministische Positionen vertreten würden, "unter sich" die Lage Europas diskutieren. Die am selben Abend stattfindende Gegenveranstaltung findet in unmittelbarer Nähe zum Veranstaltungsort von "Talk Europe" statt. In Anlehnung daran heißt die Gegenveranstaltung "Talk Patriarchy".
Ebenso wie beim Original fokussiert "Talk Patriarchy" ganz auf die drei Personen auf dem Podium, auf dem die grüne Ex-Nationalratsabgeordnete Sigi Maurer, Lea Susemichel, leitende Redakteurin des feministischen Monatsmagazins "Anschläge", und Vanessa Spanbauer, Chefredakteurin des Magazins "Fresh. Black Austrian Lifestyle", Platz nehmen. Zudem wird es eine Lesung von Stefanie Sargnagel und einen Auftritt der Musikerin Denice Bourbon geben.
"Es ist nicht bloß die übliche Ignoranz, dass ein Panel ausschließlich mit weißen Männern besetzt wird", sagt Susemichel. "Das ist eine Provokation. Žižek sieht es tatsächlich als Entzauberung und Verlust der Erotik an, wenn sich Frauen selbst mit ihrem Körper befassen", kritisiert sie. Mit der Ausleuchtung aller möglichen Körperöffnungen von Frauen in der Mainstream-Pornografie habe man überhaupt kein Problem, "das ist der männlichen Lust offenbar in keiner Form abträglich, aber wenn Frauen es wagen, Bücher über ihre Vulva zu schreiben, dann ist die erotische Kultur in Gefahr". In einer solchen Zusammensetzung mit "ausgewiesenen Antifeministen" könne es schwerlich um "neue Ordnungen" gehen, so Susemichel. Vielmehr gehe es "um einen männlichen Abwehrkampf, um alte Ordnungen unangetastet zu lassen".
Von Maria Stern "enttäuscht"
Till Hafner, Geschäftsführer der Parteiakademie der Liste Jetzt, bedauert, dass die Zusammensetzung des Podiums als Angriff auf den Feminismus aufgefasst wird. Das sei keinesfalls die Intention gewesen. "Wir wollten keinesfalls feministische Bewegungen infrage stellen", sagt Hafner, der die Gegenveranstaltung und "vor allem eine inhaltliche Debatte begrüßenswert" findet.
Christian Berger und Lena Jäger vom Frauenvolksbegehren zeigen sich von Maria Stern, Parteichefin der Liste Jetzt, enttäuscht. Stern war bis zur Bekanntgabe ihrer Kandidatur bei der Nationalratswahl im Jahr 2017 Sprecherin des Frauenvolksbegehrens. "Dass es hier offenbar keinen Einspruch von ihr gegeben hat, verstehen wir nicht", heißt es vom Frauenvolksbegehren.
Gerade in Zeiten von Echokammern sei es wichtig, einen offenen Diskurs zu wagen, sagt Stern auf Nachfrage des STANDARD. Grundsätzlich liege aber die Einladungspolitik nicht in ihrem Aufgabenbereich, sondern sei allein Sache der Akademie. "Würde die Akademie aber nur Leute einladen, mit denen wir immer zu 100 Prozent einer Meinung sind, wären die Diskurse dementsprechend langweilig", so Stern, die über Žižeks "NZZ"-Artikel sagt: "Der ist vollkommener Käse."
Infos
Talk Patriarchy – Vanessa Spanbauer, Lea Susemichel, Sigi Maurer. Mittwoch, 3. April, 19 Uhr, FH Campus Vienna Biocenter, Helmut-Qualtinger-Gasse 2, 1030 Wien. Auf der Facebookseite des Frauenvolksbegehrens wird es auch einen Livestream geben.
Talk Europe – Slavoj Žižek, Robert Pfaller, Peter Pilz. Mittwoch, 3. April, 19 Uhr, Marxpalast, Maria-Jacobi-Gasse 2, 1030 Wien
Weiterlesen
Bernadette Grubner: Sexualität – der blinde Fleck des Feminismus
Nota. - Wolln wir wetten? Auf dem Männerpodium werden sie sich garantiert über FRAUEN lustig machen! Da hört sich ja wohl alles auf. Den Žižek sollte man in sein Herkunftsland ausschaffen.
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